Präeklampsie/Eklampsie – Differentialdiagnosen
Bei Verdacht auf Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)/Eklampsie (Krampfanfall bei Präeklampsie) sind insbesondere Erkrankungen mit Hypertonie (Bluthochdruck), Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin), Kopfschmerzen, Sehstörungen, Krampfanfall, Oberbauchschmerz, Leberwerterhöhung, Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen), Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen), Nierenfunktionsstörung, Dyspnoe (Atemnot), Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge) oder fetaler Wachstumsrestriktion (Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes) abzugrenzen. Die Präeklampsie ist eine dynamische Multisystemerkrankung (Erkrankung mehrerer Organsysteme); die Diagnose setzt voraus, dass die neu aufgetretene Organmanifestation (Organbeteiligung) keiner anderen Ursache zugeordnet werden kann [1, LL1-LL3].
Atmungssystem (J00-J99)
- Akutes Lungenödem anderer Genese (anderer Ursache) – insbesondere bei kardialer Dekompensation (Verschlechterung der Herzfunktion), peripartaler Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung um die Geburt), Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Volumenüberladung (Flüssigkeitsüberlastung) oder iatrogener Flüssigkeitsbelastung (durch medizinische Behandlung verursachte Flüssigkeitsbelastung); klinische Überlappung mit präeklampsieassoziiertem Lungenödem bei Dyspnoe und Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) [LL1-LL3].
- Asthma bronchiale (anfallsartige Verengung der Atemwege) – anfallsartige Dyspnoe, Giemen und Hypoxämie ohne präeklampsietypische Organmanifestation.
- Pneumonie (Lungenentzündung) – Dyspnoe, Hypoxämie, Fieber und Entzündungszeichen; bei systemischer Infektion (den ganzen Körper betreffende Infektion) auch Thrombozytopenie oder Organfunktionsstörung möglich.
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Antiphospholipid-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit erhöhter Gerinnungsneigung) – kann mit Thrombozytopenie, Plazentainsuffizienz (Mutterkuchenschwäche), fetaler Wachstumsrestriktion, Präeklampsierisiko und thrombotischen Ereignissen (Blutgerinnseln) einhergehen [2, 4].
- Autoimmunhämolytische Anämie (Blutarmut durch körpereigenen Abbau roter Blutkörperchen) – Hämolyse ohne typische präeklampsieassoziierte Hypertonie-/Proteinuriekonstellation.
- Disseminierte intravasale Gerinnung (Verbrauchsgerinnungsstörung) – Verbrauchskoagulopathie (Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Blutplättchen) bei Sepsis (Blutvergiftung), Plazentalösung (vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens), akuter Fettleber der Schwangerschaft oder schwerer hypertensiver Schwangerschaftserkrankung (Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck); entscheidend sind Gerinnungsstatus (Blutgerinnungswerte) und Auslöser [2-4].
- Gestationelle Thrombozytopenie (schwangerschaftsbedingter Blutplättchenmangel) – meist milde isolierte Thrombozytopenie ohne Hämolyse, Leberwerterhöhung, Hypertonie oder Nierenfunktionsstörung.
- Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) (Erkrankung mit Blutabbau, Blutplättchenmangel und Nierenschädigung), insbesondere atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS) (seltene Form des hämolytisch-urämischen Syndroms) – thrombotische Mikroangiopathie (Erkrankung kleiner Blutgefäße mit Blutgerinnseln) mit Hämolyse, Thrombozytopenie und führender Niereninsuffizienz; fehlende Besserung nach Entbindung spricht gegen ein reines Präeklampsie-/HELLP-Spektrum [2-4, LL6].
- Immunthrombozytopenie (ITP) (autoimmun bedingter Blutplättchenmangel) – isolierte, teils ausgeprägte Thrombozytopenie ohne mikroangiopathische Hämolyse.
- Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) (seltene Gerinnungserkrankung mit kleinen Blutgerinnseln) – thrombotische Mikroangiopathie mit schwerer Thrombozytopenie, mikroangiopathischer Hämolyse und neurologischer Symptomatik (Beschwerden des Nervensystems); ADAMTS13-Aktivität (Aktivität eines Gerinnungsenzyms) <10 % beweist die Diagnose [2-4, LL6].
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Cushing-Syndrom (Erkrankung durch zu viel Cortisol) – sekundäre Hypertonie (Bluthochdruck als Folge einer anderen Erkrankung) mit metabolischen Begleitbefunden (Stoffwechselbegleitbefunden); differentialdiagnostisch relevant bei vorbestehender oder frühschwangerschaftlicher Hypertonie.
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), thyreotoxische Krise (lebensbedrohliche Schilddrüsenüberfunktion) – systolische Hypertonie, Tachykardie (Herzrasen), Tremor (Zittern), Unruhe und Gewichtsverlust; keine primäre Proteinurie- oder Thrombozytopeniekonstellation.
- Primärer Hyperaldosteronismus (hormonell bedingter Bluthochdruck durch zu viel Aldosteron) – sekundäre Hypertonie, typischerweise mit Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut); Abgrenzung vor allem bei Hypertonie vor der 20. Schwangerschaftswoche.
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Akutes Koronarsyndrom/Myokardinfarkt (Herzinfarkt) – Thoraxschmerz (Brustschmerz), Dyspnoe, EKG-Veränderungen (Veränderungen der Herzstromkurve) und Troponinerhöhung (Erhöhung eines Herzmuskellaborwerts); kann mit schwerer Hypertonie oder präeklampsieassoziierter Dyspnoe überlappen.
- Aortendissektion (Einriss der Hauptschlagaderwand) – akuter Thorax-, Rücken- oder Oberbauchschmerz bei hypertensiver Entgleisung (Blutdruckkrise); geburtshilflich-internistischer Notfall.
- Chronische arterielle Hypertonie (dauerhafter Bluthochdruck) – vor der Schwangerschaft oder vor der 20. Schwangerschaftswoche bestehende Hypertonie; bei neuer Proteinurie oder neuen Organzeichen ist eine aufgepfropfte Präeklampsie (Präeklampsie zusätzlich zu vorbestehendem Bluthochdruck) abzugrenzen [LL1-LL3].
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche), insbesondere peripartale Kardiomyopathie – Dyspnoe, Ödeme (Wassereinlagerungen), Lungenstauung und eingeschränkte linksventrikuläre Funktion (verminderte Pumpfunktion der linken Herzkammer); Abgrenzung zum präeklampsieassoziierten Lungenödem.
- Lungenembolie (Pulmonalembolie) (Blutgerinnsel in der Lunge) – akute Dyspnoe, Thoraxschmerz, Tachykardie, Hypoxämie und gegebenenfalls Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit); keine primäre Präeklampsie-Organmanifestation.
- Reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (vorübergehende Verengung von Hirngefäßen) – Donnerschlagkopfschmerz, fokale neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems) oder Krampfanfälle; insbesondere postpartal (nach der Geburt) relevant.
- Schlaganfall, hämorrhagisch (durch Blutung verursacht) oder ischämisch (durch Durchblutungsstörung verursacht) – fokale neurologische Defizite, Kopfschmerz, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfall; kann mit Eklampsie überlappen.
- Sinusvenenthrombose (Blutgerinnsel in venösen Blutleitern des Gehirns) – Kopfschmerz, Sehstörung, fokale Defizite oder Krampfanfall; in Schwangerschaft und Wochenbett differentialdiagnostisch bedeutsam.
- Transitorische ischämische Attacke (TIA) (vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn) – passagere fokale neurologische Symptomatik ohne epileptischen Anfall.
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung) – Fieber, Bewusstseinsstörung, neurologische Herdsymptome (örtlich begrenzte Beschwerden des Nervensystems) oder Krampfanfall; Abgrenzung zur Eklampsie.
- Meningitis (Hirnhautentzündung) – Kopfschmerz, Fieber, Meningismus (Nackensteifigkeit) und Bewusstseinsstörung; Abgrenzung zur eklamptischen Prodromalsymptomatik (Vorzeichen einer Eklampsie).
- Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) – Fieber, Flankenschmerz, Bakteriurie (Bakterien im Urin) und systemische Entzündungsreaktion; Proteinurie kann begleitend auftreten.
- Sepsis – systemische Entzündung mit Organfunktionsstörung, Thrombozytopenie, Leberwerterhöhung, Nierenfunktionsstörung oder Gerinnungsstörung [2].
- Virale Hepatitiden (virusbedingte Leberentzündungen) – Transaminasenerhöhung (Erhöhung von Leberenzymen), Ikterus (Gelbsucht), Allgemeinsymptome und serologische Erregernachweise (Erregernachweise im Blut); Abgrenzung zu Präeklampsie/HELLP-Konstellation und akuter Fettleber der Schwangerschaft [2, LL4].
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)
- Akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) – Oberbauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen und erhöhte Lipase/Amylase (Bauchspeicheldrüsenenzyme); keine primäre präeklampsietypische Hypertonie-/Proteinuriekonstellation.
- Autoimmune Hepatitis (autoimmune Leberentzündung) – Transaminasenerhöhung und Autoimmunserologie (Blutuntersuchung auf Autoimmunzeichen); Abgrenzung bei Leberwerterhöhung ohne typische HES-Konstellation [LL4].
- Cholangitis (Gallenwegsentzündung) – Oberbauchschmerz, Fieber, Cholestaseparameter (Laborwerte bei Gallenstau) und gegebenenfalls Ikterus.
- Cholelithiasis (Gallensteine) – kolikartige rechtsseitige Oberbauchschmerzen ohne hämatologische Präeklampsiezeichen (Blutveränderungen bei Präeklampsie).
- Cholezystitis (Gallenblasenentzündung) – rechtsseitiger Oberbauchschmerz, Fieber und Entzündungszeichen; sonographische Abgrenzung (Abgrenzung durch Ultraschall).
Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Akute Appendizitis (akute Blinddarmentzündung) – abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen), Übelkeit, Entzündungszeichen; in der Schwangerschaft atypische Schmerzlokalisation möglich.
- Gastritis (Magenschleimhautentzündung) – epigastrische Schmerzen (Schmerzen im Oberbauch) und Übelkeit ohne Hypertonie, Proteinurie oder Thrombozytopenie.
- Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) – Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe (Durchfall) und Exsikkose (Austrocknung); kann unspezifische Beschwerden der Präeklampsie imitieren.
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit) – retrosternale oder epigastrische Beschwerden; keine Organmanifestation im Sinne einer Präeklampsie.
- Ulkuskrankheit (Geschwürkrankheit) – epigastrische Schmerzen, gegebenenfalls Blutungszeichen; Abgrenzung bei Oberbauchschmerz.
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- ANCA-assoziierte Vaskulitiden (autoimmune Gefäßentzündungen) – Nierenbeteiligung, Hämaturie (Blut im Urin), Proteinurie, Hypertonie und systemische Entzündung möglich.
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE) (Autoimmunerkrankung mit möglicher Beteiligung mehrerer Organe), insbesondere Lupusnephritis (Nierenentzündung bei Lupus) – Hypertonie, Proteinurie und Nierenfunktionsstörung können eine Präeklampsie imitieren; Komplementverbrauch (Verbrauch bestimmter Abwehrstoffe), anti-dsDNA-Antikörper (spezielle Lupus-Antikörper) und aktives Urinsediment (auffälliger Urinbefund) sprechen für Lupusaktivität [2, LL5].
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Intrakranielle Raumforderung (Raumforderung im Schädelinneren) – Kopfschmerz, Sehstörung, fokale neurologische Defizite oder Krampfanfall; Abgrenzung zur Eklampsie.
- Nebennierenrindentumoren (Tumoren der Nebennierenrinde) – sekundäre Hypertonie bei Hyperkortisolismus (zu viel Cortisol) oder Hyperaldosteronismus (zu viel Aldosteron).
- Phäochromozytom/Paragangliom (hormonproduzierender Tumor) – paroxysmale (anfallsartige) oder persistierende (anhaltende) schwere Hypertonie, Kopfschmerz, Palpitationen (Herzklopfen) und Schwitzen; wichtige Differentialdiagnose der hypertensiven Entgleisung in der Schwangerschaft.
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Epilepsie (Anfallsleiden) – Krampfanfall unabhängig von Präeklampsie; dennoch ist ein erstmaliger Krampfanfall in Schwangerschaft oder Wochenbett bis zum Beweis des Gegenteils eklampsieverdächtig [LL1-LL3].
- Migräne mit Aura (Migräne mit neurologischen Vorzeichen) – Kopfschmerz und visuelle Aura (Sehstörung als Vorzeichen) ohne präeklampsietypische Labor- oder Organbefunde.
- Panikattacke mit Hyperventilation (übermäßige Atmung) – vegetative Symptomatik (körperliche Stressreaktionen), Dyspnoe, Tachykardie und Parästhesien (Missempfindungen) ohne objektive Organmanifestation.
- Posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom (PRES) (meist rückbildungsfähige Hirnfunktionsstörung im hinteren Gehirnbereich) anderer Genese – Kopfschmerz, Sehstörung, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfall; kann präeklampsieassoziiert sein, muss aber auch bei anderen hypertensiven, renalen (nierenbedingten), autoimmunen, medikamentös-toxischen oder transplantationsassoziierten Ursachen bedacht werden.
- Psychogener nicht-epileptischer Anfall (PNES) (seelisch bedingter anfallsartiger Zustand ohne epileptische Hirnaktivität) – anfallsartige Symptomatik ohne epileptiforme Aktivität (epilepsietypische Hirnstromaktivität); Ausschlussdiagnose nach somatischer und neurologischer Abklärung.
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Akute Fettleber der Schwangerschaft (AFLP) (akute Leberverfettung in der Schwangerschaft) – Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerz, Transaminasenerhöhung, Hypoglykämie (Unterzuckerung) und Koagulopathie (Gerinnungsstörung); wichtige Abgrenzung zu Präeklampsie/HELLP-Konstellation [2, LL4].
- Gestationsbedingte Trophoblasterkrankung (schwangerschaftsbedingte Erkrankung des Plazentagewebes), insbesondere Blasenmole (krankhafte Plazentawucherung) – mögliche Hypertonie- oder Präeklampsie-ähnliche Konstellation vor der 20. Schwangerschaftswoche; sonographische und hCG-gestützte Abgrenzung (Abgrenzung durch Ultraschall und Schwangerschaftshormon).
- Gestationshypertonie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck) – nach der 20. Schwangerschaftswoche neu auftretende Hypertonie ohne präeklampsiedefinierende Organmanifestation; Übergang in Präeklampsie möglich [LL1-LL3].
- Hyperemesis gravidarum (schweres Schwangerschaftserbrechen) mit Leberwerterhöhung – Übelkeit, Erbrechen, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und milde Transaminasenerhöhung; typischerweise frühe Schwangerschaft und keine präeklampsietypische Hypertonie.
- Intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP) (Gallestau in der Leber während der Schwangerschaft) – Pruritus (Juckreiz), erhöhte Gallensäuren und Cholestaseparameter; Abgrenzung bei Transaminasenerhöhung [LL4].
- Plazentalösung – abdomineller Schmerz, vaginale Blutung, uterine Dauerkontraktion (anhaltende Gebärmutteranspannung), fetale Gefährdung (Gefährdung des ungeborenen Kindes) und gegebenenfalls Gerinnungsstörung; klinisch relevant bei Oberbauch-/Abdominalschmerz und Gerinnungsauffälligkeiten.
- Uteroplazentare Insuffizienz (Minderversorgung über Gebärmutter und Mutterkuchen) anderer Genese mit fetaler Wachstumsrestriktion – fetale Wachstumsrestriktion ohne mütterliche Präeklampsie-Organmanifestation.
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Hämaturie – Hinweis auf renale, urologische (die Harnwege betreffende) oder vaskulitische Ursachen einer Proteinurie-/Nierenbefundkonstellation.
- Isolierte Proteinurie – insbesondere vorbestehende Proteinurie oder Proteinurie vor der 20. Schwangerschaftswoche spricht für eine präexistente Nierenerkrankung (vorbestehende Nierenerkrankung) [LL1].
- Synkope – Abgrenzung gegenüber eklamptischem, epileptischem, kardiogenem (vom Herzen ausgehendem) oder embolischem Ereignis (durch ein Blutgerinnsel verursachtem Ereignis).
Urogenitalsystem
- Akute Glomerulonephritis (akute Entzündung der Nierenfilter) – Hämaturie, Proteinurie, Hypertonie und Nierenfunktionsverschlechterung.
- Akute Nierenschädigung anderer Genese – Kreatininanstieg (Anstieg eines Nierenlaborwerts) durch prärenale (vor der Niere liegende), renale oder postrenale (nach der Niere liegende) Ursachen ohne primäre Präeklampsie.
- Chronische Nierenkrankheit – vorbestehende oder frühschwangerschaftlich manifeste Proteinurie, Hypertonie oder eingeschränkte Nierenfunktion.
- Diabetische Nephropathie (diabetesbedingte Nierenschädigung) – Proteinurie, Hypertonie und Nierenfunktionsstörung bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
- Lupusnephritis – renale Manifestation des systemischen Lupus erythematodes; Urinsediment, Komplement und Autoantikörper (Abwehrstoffe gegen körpereigene Strukturen) sind abgrenzungsrelevant [LL5].
- Nephrotisches Syndrom (Eiweißverlustsyndrom der Niere) – Proteinurie, Hypalbuminämie (zu wenig Albumin im Blut) und Ödeme ohne notwendige präeklampsiespezifische Organmanifestation.
- Nierenarterienstenose (Verengung der Nierenarterie) – sekundäre Hypertonie, gegebenenfalls mit Nierenfunktionsverschlechterung.
- Urolithiasis (Harnsteinleiden) – Flanken- oder Unterbauchschmerz, Hämaturie und gegebenenfalls sekundäre Entzündungsreaktion.
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Intoxikations- oder entzugbedingter Krampfanfall – insbesondere bei Substanzexposition (Kontakt mit auslösenden Stoffen), Entzug, metabolischer Entgleisung (Stoffwechselentgleisung) oder Medikamentenüberdosierung.
- Schädel-Hirn-Trauma (Kopfverletzung mit Hirnbeteiligung) – Kopfschmerz, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfall nach Trauma (Verletzung); Abgrenzung zur Eklampsie.
Medikamente
- Calcineurin-Inhibitoren (bestimmte immundämpfende Medikamente) – hypertensives und nephrotoxisches Potenzial (nierenbelastende Wirkung) mit möglicher Proteinurie oder Nierenfunktionsstörung.
- Erythropoetin (blutbildendes Hormon) – kann Blutdruckanstieg und hypertensive Entgleisung begünstigen.
- Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – können Hypertonie, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung) und metabolische Entgleisung begünstigen.
- Monoaminoxidase-Hemmer (bestimmte Antidepressiva) – Risiko hypertensiver Krisen, insbesondere bei Interaktionen (Wechselwirkungen).
- Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel) – können Blutdruckanstieg, Flüssigkeitsretention und Nierenfunktionsverschlechterung verursachen.
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (bestimmte Antidepressiva) – können Blutdruckanstieg und sympathikotone Symptome (Stressnerven-Symptome) begünstigen.
- Sympathomimetika (anregende Medikamente) – können hypertensive Entgleisung, Tachykardie, Kopfschmerz und Unruhe verursachen.
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Amphetamine (aufputschende Substanzen) – hypertensive Entgleisung, Agitation (starke Unruhe), Kopfschmerz oder Krampfanfall.
- Kokain – hypertensive Krise, Koronarsyndrom, Schlaganfall oder Krampfanfall.
- Kohlenmonoxidintoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) – Kopfschmerz, Übelkeit, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfall ohne präeklampsietypische Hypertonie-/Proteinuriekonstellation.
- Lakritze/Glycyrrhizin bei relevanter Exposition – Pseudohyperaldosteronismus (scheinbarer Aldosteronüberschuss) mit Hypertonie und Hypokaliämie.
- Schwermetallintoxikation (Schwermetallvergiftung), z. B. Blei – Hypertonie, neurologische Symptome oder Nierenbeteiligung möglich.
Weiteres
- Fehlerhafte Blutdruckmessung – falsche Manschettengröße, unzureichende Ruhephase, akute Belastung oder Messartefakte (Messfehler) können eine Hypertonie vortäuschen.
- Fehlinterpretation physiologischer Schwangerschaftsbeschwerden (normaler Schwangerschaftsbeschwerden) – Übelkeit, Müdigkeit, leichte Ödeme oder gelegentliche Kopfschmerzen ohne persistierende (anhaltende), therapieresistente (nicht auf Behandlung ansprechende) oder organbezogene Präeklampsiezeichen [LL1].
- Maskierte Hypertonie – unauffällige Praxiswerte bei erhöhten häuslichen oder ambulanten Blutdruckwerten.
- Pseudothrombozytopenie (scheinbar erniedrigte Blutplättchenzahl) – Laborartefakt (Laborfehler), typischerweise durch EDTA-induzierte Thrombozytenaggregation (Zusammenlagerung von Blutplättchen im Probenröhrchen).
- Weißkittelhypertonie – erhöhte Praxisblutdruckwerte bei normotensiven (normalen) häuslichen oder ambulanten Messungen.
Literatur
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Leitlinien
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- ESH-Positionspapier: Management of hypertensive disorders in pregnancy: a position statement of the European Society of Hypertension Working Group 'Hypertension in Women'. 2024 https://doi.org/10.1097/HJH.0000000000003739
- EASL Clinical Practice Guideline: EASL Clinical Practice Guidelines on the management of liver diseases in pregnancy. 2023 https://doi.org/10.1016/j.jhep.2023.03.006
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- British Society for Haematology Guideline: A British Society for Haematology Guideline: Diagnosis and management of thrombotic thrombocytopenic purpura and thrombotic microangiopathies. 2023 https://doi.org/10.1111/bjh.19026