Präeklampsie/Eklampsie – Anamnese

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik von Präeklampsie und Eklampsie dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Eklampsie oder HELLP-Syndrom, insbesondere bei Mutter oder Schwester?
  • Gibt es in Ihrer Familie Bluthochdruckerkrankungen, insbesondere bei Mutter, Schwester oder Großmutter?
  • Gibt es in Ihrer Familie chronische Nierenerkrankungen?
  • Bestehen in Ihrer Familie Autoimmunerkrankungen, insbesondere systemischer Lupus erythematodes oder Antiphospholipid-Syndrom?

Sozialanamnese

  • Beruf:
    • Welchen Beruf üben Sie aus?
    • Sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Blutdruckkontrollen und gegebenenfalls kurzfristige ärztliche Vorstellungen für Sie organisatorisch möglich?
    • Ist eine häusliche Blutdruckselbstmessung für Sie durchführbar?
  • Bestehen aktuell außergewöhnliche psychische oder soziale Belastungen, die Kontrolltermine, Blutdruckmessungen oder eine regelmäßige Medikamenteneinnahme erschweren?
  • Haben Sie Unterstützung im familiären oder sozialen Umfeld, insbesondere bei notwendiger Schonung, Kontrollterminen oder einer kurzfristigen Klinikeinweisung?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • In welcher Schwangerschaftswoche befinden Sie sich?
  • Handelt es sich um eine Einlings- oder Mehrlingsschwangerschaft?
  • Wurde bei Ihnen in der Schwangerschaft ein Blutdruck von ≥ 140/90 mmHg gemessen?
  • Wurde bei Ihnen ein Blutdruck von ≥ 160/110 mmHg gemessen?*
  • Messen Sie den Blutdruck zu Hause? Wenn ja, mit welchem Gerät, welcher Manschettengröße und wie hoch waren die letzten Werte?
  • Wurde bei Ihnen Eiweiß im Urin festgestellt?
  • Wurden Ihnen auffällige Blutwerte mitgeteilt, z. B. erniedrigte Blutplättchen, erhöhte Leberwerte oder auffällige Nierenwerte?
  • Wurde bei Ihnen ein sFlt-1/PlGF-Quotient bestimmt?
  • Wurde beim Ultraschall eine Wachstumsverzögerung des Kindes, wenig Fruchtwasser oder ein auffälliger Dopplerbefund festgestellt?*
  • Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihr Kind deutlich weniger bewegt als sonst?*
  • Haben Sie in den letzten Tagen oder Wochen unter plötzlichen, zunehmenden oder ungewohnten Kopfschmerzen gelitten?*
  • Leiden Sie unter Sehstörungen, z. B. Flimmern, Doppelbilder, Lichtblitze, verschwommene Sicht oder Gesichtsfeldausfälle?*
  • Haben Sie Schmerzen im rechten Oberbauch, im Oberbauch oder unter dem Rippenbogen?*
  • Leiden Sie unter Übelkeit oder Erbrechen, insbesondere in der zweiten Schwangerschaftshälfte?*
  • Haben Sie Atemnot, Luftnot im Liegen, plötzlichen Husten oder ein Engegefühl in der Brust?*
  • Haben Sie Brustschmerzen, Herzrasen oder ein ausgeprägtes Druckgefühl im Brustkorb?*
  • Kam es zu Krampfanfällen, Bewusstseinsverlust, Verwirrtheit oder ungewohnten neurologischen Ausfällen?*
  • Haben Sie deutlich weniger Wasser gelassen als sonst?*
  • Haben Sie in kurzer Zeit deutlich an Gewicht zugenommen (> 1 kg/Woche)?
  • Sind Ihre Hände, Beine oder Ihr Gesicht in letzter Zeit neu oder deutlich zunehmend angeschwollen (Ödeme)?
  • Befinden Sie sich aktuell im Wochenbett und haben neu aufgetretene Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen, Atemnot oder erhöhte Blutdruckwerte bemerkt?*
  • Schmerzanamnese:
    • Wann traten Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen oder Brustbeschwerden erstmals auf?
    • Bestehen die Beschwerden dauerhaft oder anfallsartig?
    • Haben sich Intensität, Charakter oder Ausbreitung der Beschwerden im Verlauf verändert oder verstärkt?*
    • Wo genau sind die Schmerzen lokalisiert?
    • Strahlen die Schmerzen aus, z. B. in Rücken, Schulter, Brustkorb oder rechten Oberbauch?*
    • Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben, z. B. drückend, dumpf, stechend, brennend oder krampfartig?
    • Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10?
      • 0-2: kein/kaum Schmerz
      • 3-4: bei Ablenkung ist der Schmerz nicht mehr im Mittelpunkt
      • 5-6: Schmerz behindert Gehen, Ein- und Durchschlafen*
      • 7-8: Bedürfnis sich hinzulegen, Ablenkung nicht mehr möglich, gesamtes Denken kreist um den Schmerz*
      • 9-10: unaushaltbare, fürchterliche Schmerzen, die Patientin „möchte schreien“ oder schreit tatsächlich*
    • Welche Faktoren lindern oder verstärken die Beschwerden?
  • Haben Sie Schlafstörungen, insbesondere aufgrund von Kopfschmerzen, Luftnot oder Oberbauchbeschwerden?
  • Fühlen Sie sich ungewöhnlich unruhig, benommen, verwirrt oder auffallend krank?*

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Haben Sie vor der Schwangerschaft deutlich an Gewicht zugenommen oder waren Sie adipös?
  • Wie hoch waren Ihr Körpergewicht und Ihr Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft?
  • Wie stark haben Sie seit Beginn der Schwangerschaft zugenommen?
  • Kam es zuletzt zu einer raschen Gewichtszunahme von mehr als 1 kg pro Woche?
  • Trinken Sie täglich ausreichend?
  • Bewegen Sie sich regelmäßig im Rahmen der Schwangerschaft, soweit medizinisch erlaubt?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag und seit wie vielen Jahren?
  • Nehmen Sie Drogen, insbesondere Kokain, Amphetamine oder andere stimulierende Substanzen? Falls ja, welche und wie häufig?

Eigenanamnese inkl. geburtshilflicher Anamnese

  • Ist dies Ihre erste Schwangerschaft?
  • Liegt eine Mehrlingsschwangerschaft vor?
  • Liegt eine Schwangerschaft nach assistierter Reproduktion, insbesondere nach Eizellspende, vor?
  • Sind Sie 40 Jahre oder älter?
  • Liegt zwischen dieser und der letzten Schwangerschaft ein Abstand von mehr als 10 Jahren?
  • Gab es bei früheren Schwangerschaften eine Präeklampsie, Eklampsie oder ein HELLP-Syndrom?
  • Musste eine frühere Schwangerschaft wegen Präeklampsie, Eklampsie oder HELLP-Syndrom vorzeitig beendet werden?
  • Gab es bei früheren Schwangerschaften eine Wachstumsretardierung des Kindes, eine Plazentainsuffizienz, eine Frühgeburt, eine vorzeitige Plazentalösung oder eine Totgeburt?
  • Gab es frühere Krankenhausaufenthalte wegen Bluthochdrucks, Nierenerkrankungen, Gerinnungsstörungen oder Schwangerschaftskomplikationen?
  • Vorerkrankungen, z. B.:
    • Chronische Hypertonie?
    • Chronische Nierenerkrankung?
    • Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2?
    • Systemischer Lupus erythematodes?
    • Antiphospholipid-Syndrom?
    • Andere Autoimmunerkrankungen?
    • Gerinnungsstörungen oder frühere Thrombosen?
    • Adipositas?

Medikamentenanamnese

  • Nehmen Sie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Präeklampsieprophylaxe? Wenn ja, seit welcher Schwangerschaftswoche und in welcher Dosierung?
  • Nehmen Sie Blutdruckmedikamente? Wenn ja, welche Präparate, in welcher Dosierung und seit wann?
  • Nehmen Sie Medikamente gegen Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen?
  • Nehmen Sie gerinnungshemmende Medikamente, z. B. Heparin?
  • Nehmen Sie regelmäßig Schmerzmittel, insbesondere nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac?
  • Nehmen Sie abschwellende Nasensprays, Erkältungsmedikamente oder andere sympathomimetische Medikamente ein?
  • Haben Sie seit Eintritt der Schwangerschaft Medikamente eigenständig abgesetzt, neu begonnen oder in der Dosierung verändert?
  • Bestehen bekannte Unverträglichkeiten gegen Blutdruckmedikamente, Acetylsalicylsäure (ASS), Heparin oder Kontrastmittel?

Umweltanamnese

  • Sind Sie regelmäßig Tabakrauch ausgesetzt?
  • Sind Sie in Beruf oder Alltag relevanten Luftschadstoffen, Feinstaub oder starker Verkehrsbelastung ausgesetzt?
  • Gab es in letzter Zeit besondere Belastungen durch Hitze, starke körperliche Erschöpfung oder mangelnde Trinkmöglichkeit?

* Falls diese Frage mit „Ja“ beantwortet worden ist, ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich; bei Krampfanfall, Bewusstseinsstörung, Atemnot, Brustschmerz, starkem Oberbauchschmerz, deutlich verminderten Kindsbewegungen oder Blutdruckwerten ≥ 160/110 mmHg ist eine Notfallvorstellung erforderlich! (Angaben ohne Gewähr)

Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.