Mikronährstoff-Mehrbedarf (Vitalstoffe) in der Stillphase – Vitamine

Während der Laktationsphase werden Vitamine in unterschiedlichen Mengen über die Muttermilch abgegeben. Bei mehreren Vitaminen liegt der Referenzwert (wissenschaftlich abgeleiteter Richtwert) für die mütterliche Zufuhr deshalb über dem Wert nicht schwangerer und nicht stillender Frauen. Das Ausmaß des Mehrbedarfs hängt vom jeweiligen Vitamin, der Milchmenge, dem mütterlichen Versorgungsstatus (Nährstoffversorgung der Mutter), den Körperspeichern, der Bioverfügbarkeit (Anteil eines Nährstoffs, der dem Körper tatsächlich zur Verfügung steht) und der Regulation des Transfers in die Frauenmilch ab [1-5].

Die Konzentrationen der Vitamine in der Frauenmilch reagieren unterschiedlich auf die mütterliche Zufuhr. Besonders die Milchkonzentrationen von Vitamin A, Vitamin D, Thiamin, Riboflavin, Vitamin B6 und Vitamin B12 können durch den mütterlichen Versorgungsstatus beeinflusst werden. Eine ausgeprägte Unterversorgung, Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm) oder stark restriktive Ernährung kann deshalb sowohl die Mutter als auch den ausschließlich gestillten Säugling gefährden [2-6].

Referenzwerte sind keine Supplementdosierungen: Sie beziehen sich auf die Gesamtzufuhr aus Lebensmitteln, angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Aus einem erhöhten Referenzwert während der Stillzeit lässt sich keine pauschale Indikation (medizinischer Grund) für hochdosierte Multivitaminpräparate ableiten. Eine gezielte Supplementierung (ergänzende Zufuhr eines Nährstoffs) ist insbesondere bei nachgewiesenem Mangel, unzureichender Zufuhr, veganer Ernährung, Malabsorption, gastrointestinalen Operationen (Operationen am Magen-Darm-Trakt) oder relevanten Arzneimittelinteraktionen (Wechselwirkungen mit Medikamenten) angezeigt [1, 6, 8, 11].

Referenzwerte für die Vitaminzufuhr während der Stillzeit

Vitamin Frauen im Alter von 19 bis unter 25 Jahren Stillende Stillzeitbedingte Differenz
Vitamin A 700 µg Retinolaktivitätsäquivalente (Maßeinheiten für die Vitamin-A-Wirkung) pro Tag 1.300 µg Retinolaktivitätsäquivalente pro Tag +600 µg pro Tag
Vitamin D 20 µg pro Tag 20 µg pro Tag keine Anhebung
Vitamin E 8 mg α-Tocopherol (wichtigste wirksame Form von Vitamin E) pro Tag 13 mg α-Tocopherol pro Tag +5 mg pro Tag
Vitamin K 60 µg pro Tag 60 µg pro Tag keine Anhebung
Thiamin – Vitamin B1 1,0 mg pro Tag 1,3 mg pro Tag +0,3 mg pro Tag
Riboflavin – Vitamin B2 1,1 mg pro Tag 1,4 mg pro Tag +0,3 mg pro Tag
Niacin 13 mg Niacinäquivalente (Maßeinheiten für die Niacinwirkung) pro Tag 16 mg Niacinäquivalente pro Tag +3 mg pro Tag
Pantothensäure 5 mg pro Tag 7 mg pro Tag +2 mg pro Tag
Vitamin B6 1,4 mg pro Tag 1,6 mg pro Tag +0,2 mg pro Tag
Biotin 40 µg pro Tag 45 µg pro Tag +5 µg pro Tag
Folat 300 µg Folatäquivalente (Maßeinheiten für die Folatwirkung) pro Tag 450 µg Folatäquivalente pro Tag +150 µg pro Tag
Vitamin B12 4,0 µg pro Tag 5,5 µg pro Tag +1,5 µg pro Tag
Vitamin C 95 mg pro Tag 125 mg pro Tag +30 mg pro Tag

Quelle: DGE/ÖGE-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 3. Auflage, 1. Ausgabe 2025 einschließlich Erratum vom Mai 2026 [1].

Der Referenzwert für Vitamin D gilt unter der Annahme einer fehlenden endogenen Synthese (körpereigenen Bildung) durch ultraviolette B-Strahlung (UV-B-Strahlung des Sonnenlichts). Ein Mikrogramm Vitamin D entspricht 40 internationalen Einheiten (Maßeinheiten für die biologische Wirkung). Ein Mikrogramm Retinolaktivitätsäquivalent entspricht 1 µg Retinol (direkt wirksame Form von Vitamin A), 12 µg β-Carotin (pflanzliche Vorstufe von Vitamin A) oder 24 µg anderer Provitamin-A-Carotinoide (pflanzliche Farbstoffe, aus denen Vitamin A gebildet werden kann). Ein Mikrogramm Folatäquivalent entspricht 1 µg Nahrungsfolat (natürlich in Lebensmitteln vorkommendes Folat) oder 0,5 µg synthetischer Folsäure (künstlich hergestellter Folsäure) bei Einnahme mit einer Mahlzeit [1].

Vitamin A

Vitamin A ist für den Sehzyklus (Ablauf des Sehvorgangs), die epitheliale Differenzierung (Reifung von Haut- und Schleimhautzellen), die Immunfunktion (Funktion des Abwehrsystems), die Genexpression (Umsetzung genetischer Information) und zahlreiche Wachstumsprozesse erforderlich. Der erhöhte Referenzwert während der Stillzeit berücksichtigt insbesondere die Abgabe von Retinoiden (Vitamin-A-Wirkstoffen) und Carotinoiden (pflanzlichen Farbstoffen) über die Frauenmilch. Der Vitamin-A-Gehalt ist im Kolostrum (Vormilch) besonders hoch und wird durch den mütterlichen Versorgungsstatus mitbestimmt [1, 2, 4, 5].

Lebensmittelquellen: Vorgebildetes Vitamin A kommt vor allem in Leber, Lebererzeugnissen, Eiern, Milchprodukten und Fisch vor. Provitamin-A-Carotinoide finden sich insbesondere in Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, Paprika, Aprikosen und dunkelgrünem Blattgemüse. Eine gleichzeitig verzehrte Fettquelle verbessert die intestinale Aufnahme (Aufnahme über den Darm) der Carotinoide [1].

Supplementierung: Bei ausgewogener Ernährung ist eine routinemäßige hoch dosierte Vitamin-A-Supplementierung nach der Geburt nicht indiziert. Auch in Populationen mit erhöhtem Vitamin-A-Mangelrisiko empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation keine generelle postpartale Hochdosisgabe (hoch dosierte Gabe nach der Geburt) zur Verminderung der mütterlichen oder kindlichen Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) [LL3]. Eine gezielte Substitution (gezielter Ersatz eines fehlenden Nährstoffs) kann bei nachgewiesenem Mangel oder ausgeprägter Fettmalabsorption (gestörte Aufnahme von Nahrungsfetten aus dem Darm) erforderlich sein.

Die tolerierbare obere Zufuhrmenge (langfristig gesundheitlich unbedenkliche Höchstzufuhr) für vorgebildetes Vitamin A beträgt für Erwachsene einschließlich Stillender 3.000 µg Retinoläquivalente pro Tag. Sie gilt für Retinol und Retinylester (Speicherformen von Vitamin A) aus sämtlichen Quellen, nicht für Provitamin-A-Carotinoide aus üblichen Lebensmitteln [12].

Säugling: Eine routinemäßige Vitamin-A-Supplementierung gesunder reifgeborener Säuglinge (termingerecht geborener Säuglinge) wird in Deutschland nicht empfohlen [LL1]. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt auch für Säuglinge im Alter von 1-5 Monaten keine generelle populationsbezogene Vitamin-A-Gabe zur Verminderung von Morbidität und Mortalität [LL4]. Frühgeborene und Säuglinge mit spezifischen Erkrankungen werden neonatologisch (die Neugeborenenmedizin betreffend) oder pädiatrisch (die Kinderheilkunde betreffend) individuell beurteilt.

Vitamin D

Vitamin D reguliert die Calcium- und Phosphathomöostase (Regulation des Calcium- und Phosphathaushalts) und ist für die regelrechte Knochenmineralisation (Einlagerung von Mineralstoffen in den Knochen) erforderlich. Der Referenzwert beträgt für Stillende bei fehlender endogener Synthese 20 µg bzw. 800 internationale Einheiten pro Tag. Gegenüber nicht schwangeren Frauen besteht keine zusätzliche stillzeitbedingte Anhebung [1].

Nur wenige Lebensmittel enthalten relevante Vitamin-D-Mengen. Dazu gehören insbesondere fettreiche Seefische, Eigelb und bestimmte Speisepilze. Die übliche Ernährung reicht bei fehlender endogener Synthese in der Regel nicht aus, um den Referenzwert zu erreichen [1].

Die Vitamin-D-Aktivität unbehandelter Frauenmilch ist niedrig und reicht bei üblicher mütterlicher Zufuhr nicht aus, um den Säugling zuverlässig vor einer Rachitis (Knochenerweichung im Kindesalter) zu schützen [2, 4]. Eine gewöhnliche mütterliche Vitamin-D-Supplementierung ersetzt daher die direkte Säuglingsprophylaxe (vorbeugende Behandlung des Säuglings) nicht [LL1].

Supplementierung der Stillenden: Eine Supplementierung ist insbesondere bei fehlender ausreichender endogener Synthese, dokumentierter Unterversorgung oder relevanten Risikofaktoren sinnvoll. Die Dosierung soll sich an der Gesamtzufuhr, der klinischen Situation und bei therapeutischer Anwendung an der Serumkonzentration von 25-Hydroxyvitamin D (Speicherform und Laborwert von Vitamin D) orientieren.

Die tolerierbare obere Zufuhrmenge beträgt bei Erwachsenen einschließlich Stillender 100 µg bzw. 4.000 internationale Einheiten Vitamin D pro Tag [13]. Höhere therapeutische Dosierungen erfordern eine ärztliche Indikation und geeignete Kontrollen.

In einer randomisierten kontrollierten Studie (Studie mit zufälliger Gruppenzuteilung und Vergleichsgruppe) konnte eine tägliche mütterliche Gabe von 6.400 Internationalen Einheiten den Vitamin-D-Status ausschließlich gestillter Säuglinge ähnlich sichern wie eine direkte kindliche Gabe von 400 Internationalen Einheiten pro Tag [7]. Die untersuchte mütterliche Dosis entspricht 160 µg pro Tag, überschreitet damit die europäische tolerierbare obere Zufuhrmenge und stellt kein deutsches Standardverfahren dar.

Säuglingsprophylaxe: Alle Säuglinge sollen unabhängig davon, ob sie gestillt oder mit Säuglingsnahrung ernährt werden, täglich 400-500 internationale Einheiten entsprechend 10-12,5 µg Vitamin D erhalten. Die Gabe beginnt üblicherweise in der zweiten Lebenswoche und wird bis zum zweiten erlebten Frühsommer fortgeführt. Abhängig vom Geburtszeitpunkt ergibt sich eine Dauer von etwa 12-18 Monaten [LL1]. Frühgeborene können ein neonatologisch angepasstes Dosierungsschema benötigen.

Vitamin E

Vitamin E umfasst Tocopherole (Vitamin-E-Verbindungen) und Tocotrienole (weitere Vitamin-E-Verbindungen). Für die Deckung des menschlichen Bedarfs ist insbesondere α-Tocopherol relevant. Es schützt mehrfach ungesättigte Fettsäuren und biologische Membranen vor Lipidperoxidation (Schädigung von Fetten durch aggressive Sauerstoffverbindungen). Der 2025 neu abgeleitete Schätzwert beträgt für Stillende 13 mg α-Tocopherol pro Tag [1, 2].

Lebensmittelquellen: Bedeutende Quellen sind Pflanzenöle, Nüsse, Samen, Weizenkeime und daraus hergestellte Erzeugnisse. Weitere Quellen sind Hülsenfrüchte, Paprika, grünes Blattgemüse und fettreicher Fisch [1].

Ein klinisch relevanter Vitamin-E-Mangel ist bei gesunden Stillenden selten. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei schwerer Fettmalabsorption, ausgeprägten hepatobiliären Erkrankungen (Erkrankungen von Leber und Gallenwegen) und seltenen genetischen Störungen des α-Tocopherol-Transfers (Transports von Vitamin E im Körper).

Supplementierung: Eine hoch dosierte Vitamin-E-Supplementierung zur allgemeinen Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) oder maligner Erkrankungen (bösartiger Erkrankungen) ist nicht evidenzbasiert. Die United States Preventive Services Task Force empfiehlt Vitamin-E-Supplemente hierfür nicht [9]. Bei nachgewiesenem Mangel oder chronischer Fettmalabsorption kann dagegen eine individuell dosierte Substitution erforderlich sein.

Die tolerierbare obere Zufuhrmenge beträgt für Erwachsene einschließlich Stillender 300 mg α-Tocopherol pro Tag [14].

Säugling: Reifgeborene Säuglinge, die Frauenmilch oder reguläre Säuglingsnahrung erhalten, benötigen keine routinemäßige zusätzliche Vitamin-E-Gabe [LL1]. Die Versorgung sehr unreifer Frühgeborener ist Bestandteil neonatologischer Ernährungskonzepte.

Vitamin K

Vitamin K ist für die γ-Carboxylierung (chemische Aktivierung bestimmter Eiweiße) der Gerinnungsfaktoren (Eiweißstoffe der Blutgerinnung) II, VII, IX und X sowie der gerinnungsregulierenden Proteine (Eiweißstoffe zur Steuerung der Blutgerinnung) C und S erforderlich. Außerdem werden verschiedene Proteine des Knochen- und Gefäßstoffwechsels vitamin-K-abhängig aktiviert. Der Schätzwert für Stillende beträgt 60 µg pro Tag und ist gegenüber nicht schwangeren Frauen nicht erhöht [1].

Lebensmittelquellen: Vitamin K1 kommt vor allem in grünem Blattgemüse, Salaten, Spinat, Kohlarten und Pflanzenölen vor. Vitamin-K2-Verbindungen finden sich in unterschiedlichen Konzentrationen in fermentierten und tierischen Lebensmitteln [1].

Ein ernährungsbedingter Vitamin-K-Mangel ist bei gesunden Erwachsenen selten. Erhöhte Risiken bestehen bei Cholestase (Gallenstau), schwerer Fettmalabsorption, bestimmten Lebererkrankungen und einer längerfristigen Beeinträchtigung der intestinalen Resorption (Aufnahme über den Darm).

Neugeborenenprophylaxe: Die mütterliche Vitamin-K-Zufuhr oder eine mütterliche Supplementierung ersetzt die direkte Prophylaxe des Neugeborenen nicht. Der geringe plazentare Transfer (Übertritt über den Mutterkuchen), die niedrige Vitamin-K-Konzentration der Frauenmilch und die zunächst geringe bakterielle Menachinonbildung (Bildung bestimmter Vitamin-K-Formen) begründen das erhöhte Risiko für Vitamin-K-Mangelblutungen (Blutungen infolge eines Vitamin-K-Mangels) [LL1, LL2].

Gesunde Neugeborene erhalten in Deutschland oral jeweils 2 mg Vitamin K bei den Früherkennungsuntersuchungen (ärztliche Vorsorgeuntersuchungen) U1, U2 und U3 [LL1, LL2]. Bei Frühgeburtlichkeit (Geburt vor Abschluss der 37. Schwangerschaftswoche), Malabsorption, beeinträchtigtem Allgemeinzustand oder unsicherer Durchführbarkeit des oralen Schemas ist ein individuelles neonatologisches Vorgehen erforderlich.

Thiamin – Vitamin B1

Thiamin ist in Form von Thiamindiphosphat (aktive Form von Vitamin B1) ein essenzieller Cofaktor (Hilfsstoff für Stoffwechselreaktionen) des oxidativen Kohlenhydratstoffwechsels (Energiegewinnung aus Kohlenhydraten mithilfe von Sauerstoff) und des Stoffwechsels verzweigtkettiger Aminosäuren (bestimmter Eiweißbausteine). Der Referenzwert steigt während der Stillzeit auf 1,3 mg pro Tag. Die Thiaminkonzentration der Frauenmilch wird durch den mütterlichen Versorgungsstatus beeinflusst [1, 3-5].

Lebensmittelquellen: Geeignete Quellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Samen, Nüsse, Schweinefleisch und Kartoffeln. Thiamin ist gegenüber Wärme, Sauerstoff und Auslaugung empfindlich [1].

Ein erhöhtes Mangelrisiko besteht bei ausgeprägter Mangelernährung (unzureichende Versorgung mit Energie oder Nährstoffen), chronischem Alkoholmissbrauch, länger anhaltendem Erbrechen, bariatrischen Eingriffen (Operationen zur Behandlung von starkem Übergewicht) und anderen Malabsorptionszuständen. Nach bariatrischer Operation sind die operationsspezifische Supplementierung und die postnatale Laborkontrolle (Blutuntersuchung nach der Geburt) fortzuführen [8]. Eine routinemäßige Thiaminsupplementierung gesunder gestillter Säuglinge ist nicht erforderlich [LL1].

Riboflavin – Vitamin B2

Riboflavin ist Bestandteil der Coenzyme (Hilfsmoleküle von Enzymen) Flavinmononukleotid (aktive Form von Vitamin B2) und Flavinadenindinukleotid (weitere aktive Form von Vitamin B2) und damit an Energiegewinnung, Redoxreaktionen (chemische Reaktionen zur Übertragung von Teilchen) und dem Stoffwechsel weiterer Vitamine beteiligt. Der Referenzwert für Stillende beträgt 1,4 mg pro Tag [1].

Lebensmittelquellen: Milch und Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, Vollkornprodukte, Mandeln und Pilze tragen zur Versorgung bei. Riboflavin ist ausgeprägt lichtempfindlich. Eine lichtgeschützte Lagerung vermindert Verluste [1].

Die Riboflavinkonzentration der Frauenmilch wird durch den mütterlichen Status mitbestimmt [3-5]. Eine routinemäßige Riboflavinsupplementierung gesunder Säuglinge aufgrund des Stillens oder einer Phototherapie (Lichtbehandlung) ist nicht vorgesehen [LL1].

Niacin

Niacin umfasst Nicotinsäure (Form von Vitamin B3) und Nicotinamid (weitere Form von Vitamin B3) und ist als Bestandteil von Nicotinamidadenindinukleotid (Hilfsmolekül für die Energiegewinnung) und Nicotinamidadenindinukleotidphosphat (Hilfsmolekül für Stoffwechselreaktionen) für zahlreiche Redoxreaktionen erforderlich. Niacin kann zusätzlich aus der Aminosäure Tryptophan (essenzieller Eiweißbaustein) gebildet werden. Der Referenzwert für Stillende beträgt 16 mg Niacinäquivalente pro Tag [1].

Lebensmittelquellen: Fisch, Fleisch, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Erdnüsse und Pilze sind relevante Quellen. Ein isolierter Niacinmangel ist bei ausreichender Protein- und Energiezufuhr selten.

Pharmakologische Nicotinsäuredosierungen zur Lipidmodifikation (Beeinflussung der Blutfettwerte) sind nicht mit einer ernährungsphysiologischen Supplementierung gleichzusetzen und sollen während der Stillzeit nur nach individueller ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.

Pantothensäure

Pantothensäure ist Bestandteil von Coenzym A (zentrales Hilfsmolekül des Stoffwechsels) und für den Energie-, Fettsäure-, Steroid- und Acetylgruppenstoffwechsel (Verarbeitung von Fetten, Steroidhormonen und bestimmten chemischen Gruppen) erforderlich. Der Schätzwert steigt während der Stillzeit von 5 auf 7 mg pro Tag [1].

Pantothensäure ist in nahezu allen Lebensmittelgruppen enthalten. Besonders relevante Quellen sind Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Erdnüsse und Pilze. Ein klinischer Mangel ist bei abwechslungsreicher Ernährung außerordentlich selten. Eine routinemäßige Supplementierung ist nicht erforderlich.

Vitamin B6

Vitamin B6 umfasst Pyridoxin, Pyridoxal, Pyridoxamin und deren Phosphatester (verschiedene Formen von Vitamin B6). Die zentrale Coenzymform Pyridoxal-5'-phosphat (aktive Form von Vitamin B6) ist am Aminosäurestoffwechsel (Verarbeitung von Eiweißbausteinen), an der Neurotransmitter- und Hämsynthese (Bildung von Nervenbotenstoffen und dem Farbstoffanteil des Blutes) sowie am Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel (Stoffwechsel zur Übertragung einzelner Kohlenstoffgruppen) beteiligt. Der Referenzwert für Stillende beträgt 1,6 mg pro Tag [1].

Lebensmittelquellen: Vitamin B6 kommt in Fleisch, Fisch, Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Nüssen, Paprika, Bananen und Avocados vor. Die Konzentration in der Frauenmilch wird durch den mütterlichen Status und die Zufuhr beeinflusst [3-5].

Supplementierung: Eine hoch dosierte routinemäßige Vitamin-B6-Gabe an Mutter oder Säugling ist nicht angezeigt. Bei einem isolierten Mangel oder einer spezifischen Arzneimittelinteraktion kann ein Monopräparat (Präparat mit nur einem Wirkstoff) gezielt eingesetzt werden. Die Behauptung, Vitamin B6 könne grundsätzlich nur gemeinsam mit sämtlichen anderen B-Vitaminen wirksam eingesetzt werden, ist wissenschaftlich nicht begründet.

Die tolerierbare obere Zufuhrmenge für Erwachsene einschließlich Stillender beträgt 12 mg Vitamin B6 pro Tag. Die maßgebliche unerwünschte Wirkung einer längerfristig überhöhten Zufuhr ist eine periphere sensorische Neuropathie (Schädigung der empfindungsleitenden Nerven) [15].

Biotin

Biotin wirkt als Cofaktor mehrerer Carboxylasen (Eiweißstoffe, die bestimmte Kohlenstoffgruppen einbauen) im Fett-, Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsel. Der Schätzwert für Stillende beträgt 45 µg pro Tag [1].

Lebensmittelquellen: Relevante Quellen sind erhitzte Eier, Nüsse, Sonnenblumenkerne, Sojabohnen, Haferflocken, Pilze, Milchprodukte und Innereien. Ein erworbener klinischer Mangel ist selten.

Laborinterferenzen: Hochdosierte Biotinpräparate können streptavidin-biotin-basierte Immunoassays (Labortests, die eine spezielle Biotinbindung nutzen) erheblich beeinflussen und abhängig vom Testprinzip falsch hohe oder falsch niedrige Ergebnisse verursachen. Betroffen sein können unter anderem Troponin (Laborwert zur Erkennung einer Herzmuskelschädigung), Schilddrüsenparameter (Laborwerte der Schilddrüse), Sexualhormone (Geschlechtshormone), weitere Hormone und Tumormarker (Laborwerte, die bei bestimmten Tumorerkrankungen verändert sein können). Vor Blutentnahmen muss deshalb nach Biotinsupplementen gefragt und das Labor über Präparat und Dosierung informiert werden [10].

Eine einheitliche Karenzzeit (notwendige Einnahmepause) vor der Blutentnahme kann nicht angegeben werden, weil Dauer und Ausmaß der Interferenz von Dosis, Einnahmezeitpunkt, Testsystem und Nierenfunktion abhängen [10].

Folat und Folsäure

Folat ist für den Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel, die Purin- und Thymidylatsynthese (Bildung von Bausteinen der Erbsubstanz), die Zellteilung, die Blutbildung und die Homocysteinremethylierung (Rückumwandlung eines Stoffwechselzwischenprodukts in einen Eiweißbaustein) erforderlich. Der Referenzwert für Stillende beträgt 450 µg Folatäquivalente pro Tag [1].

Lebensmittelquellen: Grünes Blattgemüse, Kohlarten, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Zitrusfrüchte, Kartoffeln und Eier sind geeignete Quellen. Folat ist hitze-, licht- und oxidationsempfindlich. Kurze Garzeiten und geringe Kochwassermengen verbessern die Retention [1].

Supplementierung während der Stillzeit: Eine generelle Folsäuresupplementierung allein aufgrund des Stillens wird nicht empfohlen. Eine gezielte Ergänzung kann bei unzureichender Zufuhr, diagnostiziertem Mangel, Malabsorption oder folatantagonistischer Medikation (Behandlung mit Medikamenten, welche die Folatwirkung hemmen) erforderlich sein.

Frauen, die während der Stillzeit erneut schwanger werden wollen oder schwanger werden könnten, sollen zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich 400 µg synthetische Folsäure oder eine äquivalente Dosis anderer geeigneter Folate einnehmen. Die Einnahme soll mindestens vier Wochen vor der Konzeption (Empfängnis) beginnen und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgeführt werden [1, LL1]. Diese Empfehlung dient der Prävention von Neuralrohrdefekten (Fehlbildungen von Gehirn oder Rückenmark) und ist von der reinen Stillzeitindikation zu unterscheiden.

Die tolerierbare obere Zufuhrmenge beträgt für Erwachsene einschließlich Stillender 1.000 µg pro Tag. Sie gilt für die kombinierte Zufuhr von Folsäure und den entsprechend bewerteten zugelassenen 5-Methyltetrahydrofolat-Verbindungen (aktive Folatverbindungen), nicht für natürliches Nahrungsfolat [16].

Vor einer längerfristigen hoch dosierten Folattherapie ist ein Vitamin-B12-Mangel auszuschließen oder gleichzeitig zu behandeln. Eine hohe Folatzufuhr kann die megaloblastären Blutbildveränderungen (Blutbildveränderungen mit vergrößerten unreifen Blutzellen) eines Vitamin-B12-Mangels korrigieren, ohne die zugrunde liegende Vitamin-B12-abhängige neurologische Störung zu behandeln [16].

Gesunde reifgeborene und voll gestillte Säuglinge benötigen keine routinemäßige Folsäuresupplementierung [LL1].

Vitamin B12 – Cobalamine (Vitamin-B12-Verbindungen)

Vitamin B12 ist für die Methioninsynthase (Eiweißstoff, der Methionin bildet), die Methylmalonyl-Coenzym-A-Mutase (Eiweißstoff zum Abbau bestimmter Fett- und Eiweißbausteine), die DNA-Synthese (Bildung der Erbsubstanz), die Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen) und die neurologische Entwicklung erforderlich. Der Schätzwert steigt während der Stillzeit auf 5,5 µg pro Tag [1, 11].

Lebensmittelquellen: Verlässliche natürliche Quellen sind nahezu ausschließlich Lebensmittel tierischer Herkunft, darunter Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte. Algen, fermentierte pflanzliche Lebensmittel und nicht gezielt angereicherte vegane Produkte gewährleisten keine sichere Vitamin-B12-Versorgung [1, 11].

Der Vitamin-B12-Gehalt der Frauenmilch hängt wesentlich vom mütterlichen Vitamin-B12-Status ab. Ein ausgeprägter mütterlicher Mangel kann beim ausschließlich gestillten Säugling zu megaloblastärer Anämie (Blutarmut mit vergrößerten unreifen Blutzellen), Gedeihstörung (unzureichende körperliche Entwicklung), Hypotonie (verminderte Muskelspannung), Entwicklungsregression (Verlust bereits erworbener Fähigkeiten), Bewegungsstörungen und bleibenden neurologischen Schäden führen [3, 6].

Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei veganer Ernährung ohne zuverlässige Supplementierung, langjährig sehr geringer Aufnahme tierischer Lebensmittel, Autoimmungastritis (autoimmunbedingte Entzündung der Magenschleimhaut), fehlendem Intrinsic-Faktor (Magenprotein zur Aufnahme von Vitamin B12), bariatrischen oder ilealen Eingriffen (Operationen am letzten Abschnitt des Dünndarms), chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (lang anhaltenden entzündlichen Darmerkrankungen) und anderen Malabsorptionssyndromen [6, 8, 11].

Bei veganer Ernährung ist eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung obligat: Die konkrete Supplementdosis kann nicht unmittelbar aus dem Referenzwert abgeleitet werden, da die aktive intestinale Resorption dosisabhängig begrenzt ist und zusätzlich eine geringe passive Resorption erfolgt. Präparat, Dosis und Einnahmeintervall müssen so gewählt werden, dass biochemisch eine sichere Versorgung erreicht wird [1, 11].

Zur diagnostischen Einordnung können Gesamt-Vitamin-B12 und Holotranscobalamin (für die Zellen verfügbares Vitamin B12 im Blut) bestimmt werden. Bei grenzwertigen oder diskrepanten Befunden sind funktionelle Marker, insbesondere Methylmalonsäure (Laborwert, der auf einen Vitamin-B12-Mangel hinweisen kann) und gegebenenfalls Homocystein (weiterer Laborwert, der auf einen Mangel hinweisen kann), hilfreich. Die Ergebnisse müssen unter Berücksichtigung der Nierenfunktion, des Folatstatus und des klinischen Kontextes interpretiert werden [11].

Bei nachgewiesenem mütterlichem Vitamin-B12-Mangel und möglicher kindlicher Beteiligung müssen Mutter und Säugling unverzüglich getrennt diagnostiziert und bedarfsgerecht behandelt werden. Eine alleinige Behandlung der Mutter ist bei bereits manifestem Säuglingsmangel nicht ausreichend [6].

Vitamin C

Vitamin C wirkt als Elektronendonator (Stoff, der Elektronen abgibt) und Cofaktor unter anderem bei der Kollagensynthese (Bildung von Bindegewebseiweiß), Carnitinbiosynthese (körpereigene Bildung von Carnitin) und Katecholaminsynthese (Bildung bestimmter Nervenbotenstoffe und Hormone). Es unterstützt antioxidative Systeme (Schutzsysteme gegen Schäden durch aggressive Sauerstoffverbindungen) und verbessert die intestinale Aufnahme von Nicht-Hämeisen (vor allem pflanzliches, nicht an Häm gebundenes Eisen). Der Referenzwert für Stillende beträgt 125 mg pro Tag [1].

Lebensmittelquellen: Paprika, Brokkoli, Kohlarten, Beeren, Zitrusfrüchte, Kiwi, Kartoffeln und frische Kräuter sind geeignete Quellen. Da Vitamin C wasserlöslich sowie hitze- und oxidationsempfindlich ist, sind kurze Lagerzeiten, schonendes Waschen, geringe Kochwassermengen und kurze Garzeiten günstig [1].

Die Vitamin-C-Konzentration der Frauenmilch wird durch den mütterlichen Versorgungsstatus mitbestimmt [4, 5]. Bei abwechslungsreicher Ernährung ist der Referenzwert grundsätzlich erreichbar. Eine pauschale Supplementierung von 100-200 mg oder höher ist nicht allein aufgrund des Stillens erforderlich. Eine gezielte Ergänzung kann bei geringer Gemüse- und Obstzufuhr, ausgeprägter Restriktionskost, Malabsorption oder dokumentiertem Mangel sinnvoll sein.

Eine routinemäßige Vitamin-C-Supplementierung gesunder gestillter Reifgeborener ist nicht vorgesehen [LL1]. Frühgeborene, die Spenderinnenmilch (gespendete Frauenmilch), angereicherte Frauenmilch oder spezielle Frühgeborenennahrung erhalten, werden nach neonatologischen Ernährungsschemata versorgt.

Klinische Risikokonstellationen

  • Bei veganer Ernährung muss Vitamin B12 zuverlässig und dauerhaft supplementiert werden [1, 11].
  • Bei fehlender ausreichender endogener Vitamin-D-Synthese oder dokumentierter Unterversorgung ist eine bedarfsgerechte Vitamin-D-Supplementierung zu prüfen [1].
  • Bei Cholestase, exokriner Pankreasinsuffizienz (unzureichender Bildung von Verdauungsenzymen durch die Bauchspeicheldrüse) oder ausgeprägter Fettmalabsorption müssen insbesondere die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K überwacht werden.
  • Nach bariatrischen Operationen sind die operationsspezifische Supplementierung und regelmäßige Laborkontrollen während der Stillzeit fortzuführen [8].
  • Bei anhaltendem Erbrechen oder ausgeprägter Mangelernährung ist besonders auf die Thiaminversorgung zu achten [8].
  • Bei stark restriktiver Ernährung, Essstörungen oder multiplen Eliminationsdiäten (Kostformen mit gezieltem Weglassen bestimmter Lebensmittel) ist eine qualifizierte Ernährungsanamnese (systematische Erfassung der Ernährungsgewohnheiten) erforderlich.
  • Bei klinischen oder laborchemischen Mangelzuständen (durch Laboruntersuchungen festgestellten Mangelzuständen) ist eine therapeutische Dosierung erforderlich, die nicht unmittelbar aus dem Referenzwert abgeleitet werden kann.
  • Bei Einnahme mehrerer Nahrungsergänzungsmittel müssen Doppelzufuhren aus Einzelpräparaten, Multivitaminpräparaten und angereicherten Lebensmitteln berücksichtigt werden.

Tolerierbare obere Zufuhrmengen ausgewählter Vitamine

Vitamin Tolerierbare obere Zufuhrmenge für Erwachsene einschließlich Stillender Einordnung
Vorgebildetes Vitamin A 3.000 µg Retinoläquivalente pro Tag gilt für Retinol und Retinylester, nicht für Provitamin-A-Carotinoide aus üblichen Lebensmitteln [12]
Vitamin D 100 µg bzw. 4.000 internationale Einheiten pro Tag höhere therapeutische Dosierungen nur bei medizinischer Indikation und unter Kontrolle [13]
Vitamin E 300 mg α-Tocopherol pro Tag gilt für die chronische Gesamtzufuhr aus sämtlichen Quellen [14]
Vitamin B6 12 mg pro Tag kritische unerwünschte Wirkung ist die periphere Neuropathie [15]
Folsäure und entsprechend bewertete 5-Methyltetrahydrofolat-Verbindungen 1.000 µg pro Tag gilt nicht für natürliches Nahrungsfolat [16]

Die tolerierbare obere Zufuhrmenge bezeichnet die chronische tägliche Zufuhr, bei der für die Allgemeinbevölkerung kein relevantes gesundheitliches Risiko zu erwarten ist. Sie ist weder Zielwert noch therapeutische Dosierungsgrenze im medizinischen Einzelfall.

Abgrenzung zwischen mütterlicher Supplementierung und Säuglingsprophylaxe

Eine Verbesserung der mütterlichen Versorgung kann bei mehreren Vitaminen die Konzentration in der Frauenmilch erhöhen. Daraus folgt jedoch nicht, dass eine mütterliche Supplementierung eine direkte kindliche Prophylaxe ersetzt.

Die deutschen Handlungsempfehlungen sehen bei gesunden Säuglingen zwei routinemäßige Vitaminprophylaxen vor [LL1, LL2]:

  • täglich 400-500 internationale Einheiten Vitamin D bis zum zweiten erlebten Frühsommer
  • oral jeweils 2 mg Vitamin K bei U1, U2 und U3, sofern keine Indikation für ein alternatives Vorgehen besteht

Für Vitamin A, Vitamin E, Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6, Biotin, Folat, Vitamin B12 und Vitamin C besteht bei gesunden reifgeborenen Säuglingen unter regulärer Ernährung keine allgemeine routinemäßige Supplementierungsempfehlung [LL1]. Frühgeburtlichkeit, Malabsorption, angeborene Stoffwechselerkrankungen und nachgewiesene Mangelzustände erfordern davon abweichende pädiatrische oder neonatologische Konzepte.

Fazit

Während der Laktationsphase steigen die Referenzwerte insbesondere für Vitamin A, Vitamin E, Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6, Biotin, Folat, Vitamin B12 und Vitamin C. Für Vitamin D und Vitamin K besteht keine zusätzliche mütterliche Referenzwertanhebung. Beide Vitamine besitzen dennoch wegen der eigenständigen Säuglingsprophylaxe eine besondere klinische Bedeutung [1, LL1, LL2].

Eine abwechslungsreiche Ernährung mit hoher Nährstoffdichte kann den Mehrbedarf der meisten Vitamine decken. Gezielte Nahrungsergänzungsmittel sind bei klarer Indikation wirksam und medizinisch sinnvoll. Besondere Aufmerksamkeit erfordern Vitamin B12 bei veganer Ernährung, Vitamin D bei fehlender endogener Synthese sowie mehrere Vitamine bei Malabsorption, bariatrischen Eingriffen und ausgeprägten Restriktionsdiäten.

Pauschale Hochdosisempfehlungen für Vitamin A, Vitamin E, Vitamin B6, Folat oder Vitamin C sind nicht evidenzbasiert. Die Auswahl und Dosierung eines Nahrungsergänzungsmittels sollen sich an Ernährungsweise, Risikoprofil, klinischem Befund, Gesamtzufuhr und gegebenenfalls geeigneten Biomarkern (messbaren biologischen Kennwerten) orientieren. Die direkte Vitamin-D- und Vitamin-K-Prophylaxe des Säuglings bleibt von der mütterlichen Ernährung und Supplementierung grundsätzlich getrennt.

Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 3. Auflage, 1. Ausgabe. Bonn 2025; Erratum, Stand Mai 2026. Website
  2. Kac G, Jones KS, Meadows SR et al.: Reference Values for Fat-Soluble Vitamins in Human Milk: The Mothers, Infants and Lactation Quality (MILQ) Study. Adv Nutr. 2025;16(Suppl 1):100484. doi:10.1016/j.advnut.2025.100484
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  12. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens: Scientific opinion on the tolerable upper intake level for preformed vitamin A and β-carotene. EFSA J. 2024;22(6):e8814. doi:10.2903/j.efsa.2024.8814
  13. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens: Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin D, including the derivation of a conversion factor for calcidiol monohydrate. EFSA J. 2023;21(8):e08145. doi:10.2903/j.efsa.2023.8145
  14. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens: Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin E. EFSA J. 2024;22(8):e8953. doi:10.2903/j.efsa.2024.8953
  15. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens: Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6. EFSA J. 2023;21(5):e08006. doi:10.2903/j.efsa.2023.8006
  16. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens: Scientific opinion on the tolerable upper intake level for folate. EFSA J. 2023;21(11):e08353. doi:10.2903/j.efsa.2023.8353

Leitlinien

  1. Abou-Dakn M, Abu-Omar K, Alaze-Hagemann F et al.: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen 2024. Teilaktualisierte Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Monatsschr Kinderheilkd. 2025;173(Suppl 1):69-93. doi:10.1007/s00112-024-02014-7
  2. Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Vitamin-K-Prophylaxe bei Neugeborenen. Empfehlungen der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Monatsschr Kinderheilkd. 2013;161:351-353. doi:10.1007/s00112-012-2827-x
  3. World Health Organization: Vitamin A supplementation in postpartum women. Aktualisiert am 9. August 2023. Website
  4. World Health Organization: Vitamin A supplementation in infants 1-5 months of age. Aktualisiert am 9. August 2023. Website