Mikronährstoff-Mehrbedarf (Vitalstoffe) in der Stillphase – Spurenelemente

Während der Laktationsphase (Stillzeit) müssen Spurenelemente sowohl die physiologischen Funktionen (normalen Körperfunktionen) der Mutter als auch die Bildung der Muttermilch und die Versorgung des gestillten Säuglings unterstützen. Ein genereller Mehrbedarf an sämtlichen Spurenelementen besteht jedoch nicht. Gegenüber nicht schwangeren und nicht stillenden Frauen sind die Referenzwerte insbesondere für Jod, Selen und Zink erhöht. Für Eisen gilt nach der Geburt ein Referenzwert von 16 mg/Tag, der unabhängig vom Stillstatus dem Ausgleich der während Schwangerschaft und Geburt entstandenen Verluste dient [1-5].

Die Konzentration eines Spurenelements in der Muttermilch lässt sich nicht unmittelbar aus der mütterlichen Zufuhr ableiten. Besonders deutlich reagiert die Jodkonzentration der Muttermilch auf die aktuelle mütterliche Versorgung. Auch die Selenkonzentration kann durch die mütterliche Zufuhr beeinflusst werden. Die Konzentrationen von Eisen und Kupfer werden dagegen weitgehend durch die Brustdrüse reguliert. Die Zinkkonzentration ist im Kolostrum (Erstmilch) am höchsten und nimmt im Verlauf der Laktation physiologisch (den normalen Körpervorgängen entsprechend) ab; der Einfluss einer mütterlichen Supplementierung (ergänzenden Einnahme) ist begrenzt und uneinheitlich [11-15].

Eine gezielte Supplementierung ist sinnvoll, wenn der physiologische Bedarf durch die Ernährung nicht zuverlässig gedeckt werden kann oder eine konkrete Risikokonstellation bzw. ein nachgewiesener Mangel besteht. Für Jod gilt in Deutschland eine generelle Supplementierungsempfehlung während der Stillzeit. Eisen, Zink, Selen und Kupfer werden dagegen indikationsbezogen (bei einem konkreten medizinischen Grund) supplementiert [2-10].

Referenzwerte und Supplementierungsstrategie

Spurenelement Referenzwert für Stillende Supplementierung
Jod 230 µg/Tag Zusätzlich zu ausgewogener Ernährung und Jodsalz täglich 100 µg Jod als Supplement; bei Schilddrüsenerkrankungen (Erkrankungen der Schilddrüse) vorherige ärztliche Rücksprache
Eisen 16 mg/Tag Keine routinemäßige therapeutische Supplementierung; gezielte Behandlung bei Eisenmangel oder postpartaler Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel nach der Geburt)
Zink 11 mg/Tag bei niedriger, 13 mg/Tag bei mittlerer und 14 mg/Tag bei hoher Phytatzufuhr (Aufnahme von Phytinsäure aus pflanzlichen Lebensmitteln) Indikationsbezogen bei unzureichender Zufuhr, hoher Phytatbelastung, Malabsorption (gestörter Nährstoffaufnahme im Darm) oder nachgewiesenem Mangel
Selen 75 µg/Tag Indikationsbezogen bei nicht gesicherter Zufuhr, insbesondere bei veganer Ernährung, Malabsorption oder nachgewiesenem Mangel
Kupfer 1,0-1,5 mg/Tag Keine routinemäßige Supplementierung; nur bei definierter Risikokonstellation oder nachgewiesenem Mangel
Mangan 2,0-5,0 mg/Tag Keine laktationsspezifische Supplementierung
Chrom 30-100 µg/Tag Keine laktationsspezifische Supplementierung
Molybdän 50-100 µg/Tag Keine laktationsspezifische Supplementierung
Fluorid 3,0 mg/Tag als Gesamtzufuhr Keine Erhöhung der mütterlichen Zufuhr zur Kariesprophylaxe (Vorbeugung von Zahnkaries) des Säuglings; kindliche Fluoridanwendung gesondert festlegen

Bei Eisen, Jod und Zink handelt es sich um empfohlene Zufuhrmengen. Für Selen, Kupfer, Mangan, Chrom und Molybdän werden Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr angegeben; für Fluorid gilt ein Richtwert für die Gesamtzufuhr. Die Referenzwerte gelten für gesunde Frauen und sind keine therapeutischen Dosierungen zur Behandlung eines manifesten Mangels (eindeutig nachgewiesener Mangel) [1-7].

Zinn wird in den aktuellen DGE/ÖGE-Referenzwerten nicht als Spurenelement mit einem Zufuhrreferenzwert geführt. Eine laktationsspezifische Zufuhr- oder Supplementierungsempfehlung besteht deshalb nicht [1].

Jod

Jod ist ein obligater Bestandteil der Schilddrüsenhormone (Botenstoffe der Schilddrüse) Thyroxin (Schilddrüsenhormon T4) und Trijodthyronin (Schilddrüsenhormon T3). Diese regulieren unter anderem Energieumsatz, Thermogenese (Wärmebildung), Wachstum und Reifung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Für den ausschließlich gestillten Säugling stellt die Muttermilch die wesentliche Jodquelle dar [3, 9, 13].

Der Referenzwert für Stillende beträgt 230 µg Jod/Tag. Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung unter Verwendung von Jodsalz sollen Stillende täglich ein Supplement mit 100 µg Jod einnehmen [3, 8, 9]. Diese Empfehlung berücksichtigt die Jodabgabe mit der Muttermilch und die in Deutschland nicht durchgehend ausreichende alimentäre Jodzufuhr (Jodaufnahme über die Ernährung).

Die Jodkonzentration der Muttermilch hängt in relevantem Umfang von der aktuellen mütterlichen Jodzufuhr ab. Systematische Reviews (systematische Übersichtsarbeiten) und Interventionsstudien (Studien mit einer gezielten Behandlungsmaßnahme) zeigen, dass eine erhöhte mütterliche Zufuhr die Jodkonzentration der Muttermilch steigern kann [11-13]. Eine bedarfsgerechte Supplementierung der Mutter ist deshalb eine unmittelbar wirksame Maßnahme zur Verbesserung der Jodversorgung des gestillten Säuglings.

Geeignete Jodquellen sind:

  • jodiertes Speisesalz und mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel
  • Seefisch
  • Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • mit Jod angereicherte pflanzliche Milchalternativen

Bei veganer Ernährung entfallen Fisch, Milchprodukte und Eier als wichtige Jodquellen. Die konsequente Verwendung von Jodsalz, die Auswahl jodangereicherter Lebensmittel und die empfohlene Supplementierung sind daher besonders relevant [9, 10].

Algen und Algenpräparate sind wegen ihrer stark schwankenden und teilweise sehr hohen Jodgehalte kein verlässlicher Ersatz für ein standardisiertes Jodsupplement. Bei der Verwendung von Algenprodukten muss der Jodgehalt eindeutig deklariert und moderat sein. Nicht deklarierte oder hoch dosierte Algenpräparate sind zu vermeiden [10].

Bei einer bekannten oder vermuteten Schilddrüsenerkrankung soll vor Beginn einer Jodsupplementierung ärztliche Rücksprache erfolgen. Eine pauschale Freigabe oder ein pauschaler Ausschluss bestimmter Schilddrüsenerkrankungen ist ohne Kenntnis der individuellen Funktionslage und Therapie nicht sachgerecht [3, 8, 9].

Eisen

Eisen ist Bestandteil von Hämoglobin (rotem Blutfarbstoff), Myoglobin (Sauerstoffspeicher der Muskulatur), Cytochromen (Eiweißstoffen der zellulären Energiegewinnung) und zahlreichen eisenabhängigen Enzymen. Es wird für Sauerstofftransport, Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen), mitochondriale Energiegewinnung (Energieproduktion in den Zellkraftwerken) und verschiedene enzymatische Reaktionen benötigt.

Der Referenzwert nach der Geburt beträgt 16 mg Eisen/Tag. Er gilt sowohl für stillende als auch für nicht stillende Frauen und soll die in Schwangerschaft und Geburt entstandenen Verluste ausgleichen. Der Wert ist nicht Ausdruck einer hohen Eisenabgabe über die Muttermilch. Deren Eisenkonzentration ist niedrig und wird weitgehend unabhängig von der mütterlichen Eisenaufnahme reguliert [1, 2, 11, 12, 15].

Eine routinemäßige therapeutische Eisensupplementierung sämtlicher Stillender ist nicht angezeigt. Eine gezielte Eisensubstitution (Behandlung mit einem Eisenpräparat) ist dagegen bei nachgewiesenem Eisenmangel oder postpartaler Eisenmangelanämie klinisch relevant. Sie dient primär der Wiederauffüllung der mütterlichen Eisenspeicher, der Normalisierung des Hämoglobins und der Verbesserung der mütterlichen körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit (Denk- und Konzentrationsfähigkeit). Eine relevante Erhöhung der Eisenkonzentration der Muttermilch ist durch eine übliche mütterliche Eisensupplementierung nicht zu erwarten [11, 12, 15, 18-20].

Ein erhöhtes Risiko für einen postpartalen Eisenmangel besteht insbesondere bei:

  • Eisenmangel oder Anämie (Blutarmut) während der Schwangerschaft
  • stärkerem peripartalem Blutverlust (Blutverlust um die Geburt herum)
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • kurzen Schwangerschaftsintervallen
  • starker Menstruationsblutung nach Wiederaufnahme des Zyklus
  • restriktiver vegetarischer oder veganer Ernährung ohne optimierte Eisenzufuhr
  • Zöliakie (durch Gluten ausgelöste Erkrankung des Dünndarms), chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (lang anhaltende entzündliche Erkrankungen des Darms) oder anderen Malabsorptionssyndromen (Erkrankungen mit gestörter Nährstoffaufnahme)
  • Zustand nach bariatrischer Operation (gewichtsreduzierender Operation)

Eine Hämoglobinbestimmung (Messung des roten Blutfarbstoffs) ist insbesondere nach relevantem peripartalem Blutverlust, bei nicht korrigierter pränataler Anämie (bereits vor der Geburt bestehender Blutarmut) oder bei klinischen Symptomen einer Anämie angezeigt. Ferritin (Eisenspeicherprotein) ist ein Akutphaseprotein (Eiweißstoff, dessen Konzentration bei Entzündungen ansteigt) und kann in den ersten Wochen nach der Geburt inflammationsbedingt (durch Entzündung bedingt) falsch hoch sein. Eine routinemäßige Ferritinbestimmung in den ersten 6 Wochen post partum (nach der Geburt) ist deshalb nur eingeschränkt interpretierbar. Für eine verlässlichere Beurteilung der Eisenspeicher wird häufig ein Zeitpunkt ab etwa 6 Wochen nach der Geburt gewählt [18-20].

Die Therapie richtet sich nach Hämoglobinwert, klinischer Symptomatik, hämodynamischer Stabilität (stabilem Kreislauf), Ausmaß des Eisenmangels, Verträglichkeit, Resorptionsbedingungen (Bedingungen der Aufnahme im Darm) und Geschwindigkeit der erforderlichen Korrektur. Bei leichter bis moderater Anämie und stabiler klinischer Situation ist orales Eisen (über den Mund eingenommenes Eisen) häufig die erste Option. Intravenöses Eisen (über eine Vene verabreichtes Eisen) kommt insbesondere bei schwerer Anämie, Malabsorption, fehlender Wirksamkeit oder Unverträglichkeit oraler Präparate sowie bei erforderlicher rascher Korrektur in Betracht [18-20].

Für die alimentäre Eisenversorgung sind sowohl Hämeisen als auch Nicht-Hämeisen relevant:

  • Hämeisen (an roten Blutfarbstoff gebundenes Eisen) kommt vor allem in Fleisch und Fisch vor und besitzt eine vergleichsweise hohe Bioverfügbarkeit (Verfügbarkeit für die Aufnahme und Nutzung im Körper).
  • Nicht-Hämeisen (nicht an roten Blutfarbstoff gebundenes Eisen) findet sich unter anderem in Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Nüssen, Samen und verschiedenen Gemüsearten.

Vitamin-C-reiche Lebensmittel verbessern die Resorption (Aufnahme im Darm) von Nicht-Hämeisen. Einweichen, Keimen und Fermentieren können den Phytatgehalt pflanzlicher Lebensmittel reduzieren. Kaffee, Schwarztee und Grüntee vermindern die Eisenresorption, wenn sie unmittelbar zu einer eisenreichen Mahlzeit oder einem Eisenpräparat konsumiert werden. Ein zeitlicher Abstand ist ausreichend; ein genereller Verzicht während der Stillzeit ist nicht erforderlich [2, 10].

Zink

Zink ist Bestandteil oder Cofaktor (Hilfsstoff eines Enzyms) zahlreicher Enzyme und Transkriptionsfaktoren (Regulatoren der Genaktivität). Das Spurenelement ist an DNA- und Proteinsynthese (Bildung von Erbsubstanz und Eiweißen), Zellteilung, Immunfunktion (Funktion des Abwehrsystems), Wundheilung und Geweberegeneration (Wiederherstellung von Gewebe) beteiligt.

Der Zinkbedarf ist während der Stillzeit aufgrund der Abgabe mit der Muttermilch erhöht. Die empfohlene Zufuhr hängt von der Phytatzufuhr und damit von der Bioverfügbarkeit des Nahrungszinks ab [4, 16]:

  • 11 mg/Tag bei niedriger Phytatzufuhr
  • 13 mg/Tag bei mittlerer Phytatzufuhr
  • 14 mg/Tag bei hoher Phytatzufuhr

Gute Zinkquellen sind Fleisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Ölsamen und Vollkornprodukte. Zink aus tierischen Lebensmitteln ist im Allgemeinen besser verfügbar. Bei pflanzenbetonter oder veganer Ernährung kann eine hohe Phytatzufuhr die intestinale Zinkabsorption (Zinkaufnahme im Darm) reduzieren [4, 10, 16].

Die Bioverfügbarkeit pflanzlichen Zinks kann verbessert werden durch:

  • Einweichen von Getreide, Hülsenfrüchten und Samen
  • Keimen
  • Sauerteiggärung
  • Fermentation
  • gezielte Kombination verschiedener pflanzlicher Zinkquellen

Die Zinkkonzentration der Muttermilch ist im Kolostrum am höchsten und nimmt im Verlauf der Laktation physiologisch deutlich ab. Die verfügbare Evidenz zum Einfluss der mütterlichen Ernährung oder Supplementierung auf die Zinkkonzentration der Muttermilch ist heterogen (uneinheitlich). Bei ausreichend versorgten Frauen erhöhen moderate Zinksupplemente die Milchkonzentration häufig nur geringfügig oder vorübergehend [11, 12, 14, 15].

Eine gezielte Zinksupplementierung kann bei unzureichender Zufuhr, stark phytatreicher Ernährung, Malabsorption, erhöhten gastrointestinalen Verlusten (Verlusten über Magen und Darm) oder nachgewiesenem Mangel sinnvoll sein. Pauschale Dosierungen von 15-50 mg Zink täglich für sämtliche Stillende sind nicht evidenzbasiert.

Eine längerfristige hoch dosierte Zinkzufuhr kann die Kupferresorption (Kupferaufnahme im Darm) beeinträchtigen. Bei der Kombination mehrerer Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb die Gesamtzufuhr zu berücksichtigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel deutlich niedrigere Zusatzmengen als die in der Therapie eines manifesten Mangels eingesetzten Dosierungen [23].

Ein beim Säugling nachgewiesener Zinkmangel erfordert eine pädiatrische Abklärung (kinderärztliche Untersuchung) und gegebenenfalls eine direkte kindliche Supplementierung. Eine alleinige Erhöhung der mütterlichen Zinkdosis ist bei einem behandlungsbedürftigen kindlichen Mangel nicht zuverlässig ausreichend.

Selen

Selen ist Bestandteil von Selenoproteinen (selenhaltigen Eiweißstoffen), darunter Glutathionperoxidasen (antioxidative Schutzenzyme), Thioredoxinreduktasen (Enzyme zur Aufrechterhaltung des zellulären Redoxgleichgewichts) und Dejodasen (Enzyme zur Umwandlung von Schilddrüsenhormonen). Diese sind an antioxidativen Schutzmechanismen, Redoxregulation (Steuerung von Oxidations- und Reduktionsvorgängen) und Aktivierung bzw. Inaktivierung von Schilddrüsenhormonen beteiligt.

Der Schätzwert für eine angemessene Selenzufuhr beträgt während der Stillzeit 75 µg/Tag und liegt damit über dem Schätzwert von 60 µg/Tag für nicht schwangere Frauen. Der Zuschlag berücksichtigt die Selenabgabe mit der Muttermilch [1, 5, 17].

Tierische Selenquellen sind insbesondere Fleisch, Fisch und Eier. Pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl- und Zwiebelgemüse, Pilze oder Spargel können zur Selenzufuhr beitragen. Ihr Selengehalt hängt jedoch stark von Herkunft und Bodenbeschaffenheit ab und kann erheblich schwanken [5, 10].

Bei gesunden Personen mit Mischkost ist eine alimentäre Selenunterversorgung (unzureichende Selenaufnahme über die Ernährung) in Europa nach Einschätzung der DGE selten. Bei veganer Ernährung wird Selen dagegen als potenziell kritischer Nährstoff eingestuft, da tierische Selenquellen entfallen und die Selengehalte pflanzlicher Lebensmittel variabel sind [5, 10].

Die Selenkonzentration der Muttermilch reagiert vergleichsweise deutlich auf die mütterliche Selenzufuhr. Interventionsstudien zeigen, dass eine Supplementierung die Konzentration in der Muttermilch erhöhen kann. Daraus ergibt sich jedoch keine generelle Indikation zur routinemäßigen Selensupplementierung aller Stillenden [11, 12].

Eine gezielte Supplementierung kann bei veganer Ernährung mit nicht gesicherter Selenzufuhr, Malabsorption, bestimmten chronischen Erkrankungen oder laborchemisch belegter Unterversorgung sinnvoll sein. Mehrere selenhaltige Präparate dürfen nicht unkontrolliert kombiniert werden, da eine chronische Überdosierung zur Selenose (Selenvergiftung) führen kann.

Kupfer

Kupfer ist Bestandteil zahlreicher Enzyme, darunter Cytochrom-c-Oxidase (Enzym der zellulären Energiegewinnung), Superoxiddismutase (antioxidatives Schutzenzym), Lysyloxidase (Enzym der Bindegewebsbildung) und Ceruloplasmin (Kupfertransportprotein). Es ist an mitochondrialer Energiegewinnung, antioxidativem Zellschutz, Bindegewebsreifung und Eisenstoffwechsel beteiligt.

Für Jugendliche und Erwachsene wird eine angemessene Kupferzufuhr von 1,0-1,5 mg/Tag geschätzt. Ein eigenständiger höherer Referenzwert für Stillende besteht nicht [1, 6].

Geeignete Kupferquellen sind Nüsse, Samen, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kakao, Fisch und Meeresfrüchte. Bei ausgewogener Ernährung ist eine unzureichende Kupferzufuhr selten. Die Kupferkonzentration der Muttermilch wird weitgehend homöostatisch reguliert (durch körpereigene Regelmechanismen gesteuert) und korreliert nur schwach mit der mütterlichen Zufuhr oder dem mütterlichen Kupferstatus [11, 12, 15].

Eine routinemäßige Kupfersupplementierung gesunder Stillender ist nicht angezeigt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet eine zusätzliche Kupferzufuhr über Nahrungsergänzungsmittel bei den in Deutschland üblichen Ernährungsgewohnheiten im Allgemeinen als nicht erforderlich [24].

Eine Supplementierung kommt insbesondere bei nachgewiesenem Mangel, ausgeprägter Malabsorption, langfristiger parenteraler Ernährung (Ernährung über die Vene) oder spezifischen Erkrankungen in Betracht. Bei längerfristiger hochdosierter Zinksupplementierung ist ein sekundärer Kupfermangel (durch eine andere Ursache entstandener Kupfermangel) zu berücksichtigen [23, 24].

Mangan, Chrom und Molybdän

Für Mangan, Chrom und Molybdän bestehen keine eigenständigen laktationsspezifischen Referenzwerte. Für Jugendliche und Erwachsene werden folgende Schätzwerte angegeben [1, 6]:

  • Mangan: 2,0-5,0 mg/Tag
  • Chrom: 30-100 µg/Tag
  • Molybdän: 50-100 µg/Tag

Mangan ist Bestandteil verschiedener Enzyme, darunter der mitochondrialen Mangansuperoxiddismutase (antioxidatives Schutzenzym in den Zellkraftwerken). Es ist in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, grünem Gemüse und Tee enthalten.

Für Chrom führen DGE und ÖGE weiterhin einen Schätzwert an. Die Evidenz zur genauen Höhe des menschlichen Bedarfs ist jedoch begrenzt. Aus den verfügbaren Daten lässt sich weder ein laktationsbedingter Mehrbedarf noch eine routinemäßige Chromsupplementierung ableiten.

Molybdän ist Bestandteil verschiedener Enzyme, darunter Sulfitoxidase (Enzym zum Abbau von Sulfit), Xanthinoxidoreduktase (Enzym des Purinstoffwechsels) und Aldehydoxidase (Enzym zum Abbau bestimmter Stoffwechselprodukte). Gute Quellen sind Hülsenfrüchte und Getreide. Ein alimentärer Molybdänmangel ist bei gesunden, oral ernährten Erwachsenen außerordentlich selten.

Fluorid

Der Richtwert für eine angemessene Fluoridgesamtzufuhr beträgt für stillende Frauen 3,0 mg/Tag und unterscheidet sich nicht vom Wert für nicht schwangere Frauen [1, 7]. Zur Gesamtzufuhr zählen Fluorid aus Trink- und Mineralwasser, Lebensmitteln, fluoridiertem Speisesalz, Supplementen und verschluckten fluoridhaltigen Zahnpflegeprodukten.

Eine Erhöhung der mütterlichen Fluoridzufuhr ist keine geeignete Maßnahme zur Kariesprophylaxe des Säuglings. Die Fluoridanwendung beim Säugling erfolgt direkt und richtet sich nach Alter, Zahndurchbruch, Fluoridgehalt des zur Nahrungszubereitung verwendeten Wassers und der Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta [7, 21].

Nach den konsentierten deutschen Handlungsempfehlungen (zwischen den beteiligten Fachgesellschaften abgestimmten Empfehlungen) gilt [21]:

  • Von der Geburt bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns soll täglich ein Kombinationspräparat mit 0,25 mg Fluorid und 400-500 internationalen Einheiten (Maßeinheiten für biologische Wirkstoffe) Vitamin D gegeben werden.
  • Ab Zahndurchbruch bis zum Alter von 12 Monaten kann entweder das fluoridhaltige Kombinationspräparat fortgeführt und ohne fluoridhaltige Zahnpasta geputzt werden oder Vitamin D ohne Fluorid gegeben und bis zu zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm (Teilen pro Million) Fluorid geputzt werden.
  • Fluoridtabletten und fluoridhaltige Zahnpasta sollen in diesem Alter nicht parallel verwendet werden.
  • Bei einem Fluoridgehalt des zur Zubereitung der Säuglingsnahrung verwendeten Wassers von mindestens 0,3 mg/l ist die Fluoridzufuhr anzupassen.

Die kindliche Fluoridprophylaxe ist somit von der mütterlichen Fluoridzufuhr während der Stillzeit klar zu trennen.

Vegane und stark pflanzenbetonte Ernährung

Bei veganer Ernährung gelten unter den Spurenelementen insbesondere Jod, Eisen, Zink und Selen als potenziell kritisch. Die aktuelle DGE-Position spricht aufgrund der begrenzten Datenlage für Stillende weder eine pauschale Empfehlung für noch gegen eine gut geplante vegane Ernährung aus. Eine unzureichend geplante vegane Ernährung ohne gezielte Lebensmittelauswahl, angereicherte Lebensmittel und erforderliche Supplemente kann jedoch zu relevanten Versorgungslücken führen [10].

Für eine bedarfsdeckende vegane Ernährung während der Stillzeit sind erforderlich:

  • konsequente Einnahme des empfohlenen Jodsupplements
  • gezielte Auswahl jodangereicherter Lebensmittel und Verwendung von Jodsalz
  • phytatoptimierte Zubereitung (Zubereitung zur Verringerung aufnahmehemmender Phytinsäure) zink- und eisenreicher Lebensmittel
  • regelmäßige Verwendung von Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Ölsamen
  • Beurteilung der Selenzufuhr unter Berücksichtigung der stark schwankenden pflanzlichen Selengehalte
  • qualifizierte ernährungsmedizinische Beratung (fachliche Beratung zur Ernährung und Gesundheit)
  • risikoadaptierte Laboruntersuchungen (an das individuelle Risiko angepasste Laboruntersuchungen) und gezielte Supplementierung bei nicht gesicherter Bedarfsdeckung

Eine pauschale Hochdosierung mehrerer Spurenelemente ersetzt weder die Ernährungsanamnese (systematische Erfassung der Ernährungsgewohnheiten) noch eine gezielte Diagnostik (medizinische Untersuchung zur Feststellung einer Erkrankung oder eines Mangels).

Frühgeborene und Säuglinge mit besonderem Ernährungsbedarf

Frühgeborene, insbesondere mit einem Geburtsgewicht unter 1.800 g, haben aufgrund geringerer pränataler Speicher (vor der Geburt angelegter Nährstoffreserven), raschen Wachstums und spezifischer enteraler (über den Magen-Darm-Trakt erfolgender) bzw. parenteraler Ernährungsbedingungen einen eigenständigen Bedarf an Eisen, Zink, Kupfer, Selen und weiteren Spurenelementen. Die ESPGHAN gibt hierfür direkte, gewichtsbezogene Empfehlungen zur enteralen Ernährung des Frühgeborenen [22].

Eine empirische Erhöhung der mütterlichen Supplementdosis (Erhöhung ohne vorherigen individuellen Nachweis) ist kein Ersatz für die direkte neonatologische Versorgung (medizinische Versorgung von Neugeborenen) des Frühgeborenen. Die kindliche Supplementierung richtet sich nach Gestationsalter (Schwangerschaftsalter bei der Geburt), Geburtsgewicht, Ernährungsform, Wachstumsverlauf, Transfusionen (Blutübertragungen), klinischer Situation und gegebenenfalls Laborparametern [22].

Auch bei reif geborenen Säuglingen mit Gedeihstörungen (unzureichender körperlicher Entwicklung), chronischen gastrointestinalen Erkrankungen (lang anhaltenden Erkrankungen von Magen und Darm), Malabsorption oder langfristiger parenteraler Ernährung kann ein eigenständiger kindlicher Supplementierungsbedarf bestehen. Dieser ist pädiatrisch festzulegen.

Indikationen für eine gezielte Diagnostik

Bei gesunden Stillenden mit ausgewogener Ernährung besteht keine Grundlage für ein routinemäßiges breites Spurenelement-Screening (systematische Untersuchung auf einen Spurenelementmangel). Eine gezielte Ernährungsanamnese und gegebenenfalls Labordiagnostik (Untersuchung von Blut oder anderen Körperproben) sind insbesondere sinnvoll bei:

  • veganer oder stark restriktiver Ernährung
  • fehlender Verwendung eines Jodsupplements
  • bekannter Schilddrüsenerkrankung
  • peripartaler Hämorrhagie (starke Blutung um die Geburt herum) oder bereits pränatal bestehender Anämie
  • Zöliakie, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder anderen Malabsorptionssyndromen
  • Zustand nach bariatrischer Operation
  • Essstörungen oder erheblicher Nahrungsmittelrestriktion
  • kurzen Schwangerschaftsintervallen
  • langfristiger parenteraler Ernährung
  • gleichzeitiger Einnahme mehrerer Nahrungsergänzungsmittel
  • klinischen Symptomen, die mit einer Unter- oder Überversorgung vereinbar sind

Die Auswahl der Laborparameter (im Labor bestimmbaren Messwerte) muss spurenelementspezifisch erfolgen. Insbesondere bei Zink, Selen und Kupfer können Entzündung, Albuminkonzentration (Konzentration des wichtigsten Bluteiweißes), Tageszeit und präanalytische Faktoren (Einflüsse vor der eigentlichen Laboranalyse) die Serum- oder Plasmakonzentrationen (Konzentrationen im Blutserum oder im flüssigen Blutanteil) beeinflussen. Einzelwerte sind deshalb im klinischen und ernährungsmedizinischen Kontext zu interpretieren.

Praktische Grundsätze der Supplementierung

  • Jod – während der Stillzeit grundsätzlich 100 µg/Tag zusätzlich zu ausgewogener Ernährung und Jodsalz; bei Schilddrüsenerkrankungen vorherige ärztliche Abstimmung [3, 8, 9].
  • Eisen – therapeutische Supplementierung bei nachgewiesenem Eisenmangel oder postpartaler Eisenmangelanämie; Dosierung und Applikationsform (Art der Verabreichung) nach Befund [18-20].
  • Zink – gezielte Supplementierung bei nicht ausreichender Zufuhr, hoher Phytatbelastung, Malabsorption oder manifestem Mangel; langfristige Hochdosierung ohne Indikation vermeiden [4, 16, 23].
  • Selen – Supplementierung bei nicht gesicherter Bedarfsdeckung oder nachgewiesener Unterversorgung erwägen, insbesondere bei veganer Ernährung oder Malabsorption [5, 10-12].
  • Kupfer – keine routinemäßige Supplementierung; gezielte Gabe bei nachgewiesenem Mangel oder spezifischer Risikokonstellation [6, 15, 24].
  • Mangan, Chrom und Molybdän – keine routinemäßige laktationsspezifische Supplementierung [1, 6].
  • Fluorid – keine Erhöhung der mütterlichen Zufuhr zur Versorgung des Säuglings; direkte alters- und expositionsgerechte kindliche Kariesprophylaxe [7, 21].

Bei Kombinationspräparaten ist die Gesamtzufuhr aus sämtlichen Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln zu berücksichtigen. Eine gezielte Supplementierung kann Versorgungslücken wirksam schließen. Mehrere parallel verwendete Präparate mit identischen Inhaltsstoffen erhöhen dagegen das Risiko unbeabsichtigter Überdosierungen und ungünstiger Interaktionen (gegenseitiger Beeinflussungen).

Fazit

In der Laktationsphase bestehen erhöhte Referenzwerte insbesondere für Jod, Selen und Zink. Der Eisenreferenzwert von 16 mg/Tag gilt für alle Frauen nach der Geburt und dient dem Ausgleich der während Schwangerschaft und Geburt entstandenen Verluste. Für Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän und Fluorid besteht kein spezifischer laktationsbedingter Mehrbedarf [1-7].

Die mütterliche Spurenelementversorgung beeinflusst die Konzentration in der Muttermilch nicht bei allen Spurenelementen gleichermaßen. Besonders relevant ist die Jodzufuhr. Deshalb sollen Stillende neben einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz täglich 100 µg Jod supplementieren. Auch die Selenkonzentration der Muttermilch kann durch die mütterliche Zufuhr beeinflusst werden. Eisen, Kupfer und teilweise Zink unterliegen dagegen stärkeren physiologischen Regulationsmechanismen (körpereigenen Steuerungs- und Anpassungsvorgängen) [11-15].

Eine gezielte Supplementierung von Eisen, Zink, Selen oder Kupfer ist bei nachgewiesener Unterversorgung, nicht gesicherter Bedarfsdeckung oder besonderen Risikokonstellationen sinnvoll. Pauschale Hochdosisempfehlungen ohne Ernährungsanamnese, klinische Indikation oder diagnostische Absicherung sind nicht evidenzbasiert. Frühgeborene und Säuglinge mit besonderem Ernährungsbedarf benötigen eine eigenständige pädiatrische bzw. neonatologische Supplementierungsstrategie (kinder- bzw. neugeborenenärztlich festgelegte ergänzende Nährstoffzufuhr) [18-22].

Literatur

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  24. Bundesinstitut für Risikobewertung: Aufnahme von Kupfer – in Spuren lebensnotwendig, in größeren Mengen riskant. Website