Morbus Basedow – Weitere Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Bei Orbitopathie (Hervortreten der Augäpfel) – bei Bedarf künstliche Tränen und getönte Brillen mit Seitenschutz benutzen und nach Möglichkeit eine relativ aufrechte Schlafposition einnehmen; weiterhin können die Lider während des Schlafens zugeklebt werden (Uhrglasverband).
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum) 
    • Menschen mit Morbus Basedow, die rauchen, erkranken schwerer und erleiden eher ein Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung). Das Risiko für einen Rückfall nach thyreostatischer Therapie nimmt mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten zu [1]. 
    • Rauchen erhöht das Risiko einer endokrinen Orbitopathie (EO) [1]. 
    • Fördert die Progression (Fortschreiten) der endokrinen Orbitopathie.

  • Vermeidung psychosozialer Belastungen:
    • Stress

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Die Radiojodtherapie (RJT) ist ein Verfahren, bei dem die Schilddrüse zunehmend durch radioaktive Strahlung zerstört wird.
    Indikationen: Initialtherapie (bei Nebenwirkungen des Medikaments, bei einem persistierend hohen Bedarf an Thyreostatika) oder als Therapie bei aufgetretenem Rezidiv (diffuse Struma mit Schilddrüsenvolumen < 70 ml, keine endokrine Orbitopathie); Kontraindikation (Gegenanzeige) einer operativen Therapie der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) dar.
    Die Erfolgsrate der Radiojodtherapie liegt bei ca. 90 %. Das Schilddrüsenvolumen nimmt unter Therapie um ca. 20 ml ab.
    Weiteres s. u. "Radiojodtherapie".
  • Retrobulbärbestrahlung (Röntgenbestrahlung des Gewebes hinter den Augen) bei Exophthalmus (Hervortreten der Augen):  Orbitaapex wird von der Schläfe her unter Aussparung der Kornea (Linsen) mit einer Gesamtdosis von 20 Gy in zehn Fraktionen über zwei Wochen bestrahlt (Kontraindikation: Diabetes mellitus).
    Hinweis: Der Therapieerfolg zeigt sich mit einer Latenz von bis zu 6 Wochen; nach ca. 4 bis 6 Monaten kann man die Behandlung abschließend beurteilen.
    In schweren Fällen erfolgt eine Orbitadekompression (s. u. Exophthalmus/Operative Therapie (Ultima-Ratio-Therapie)
  • Prismenverordnung (Folien, Gläser) – zur Verbesserung störender Doppelbilder; ggf. auch monokulare Okklusion (Abdecken eines einzelnen Auges) erwägen

Impfungen

Die nachfolgenden Impfungen sind angeraten:

  • COVID-19-Impfung
  • Grippe-Impfung
  • Hepatitis A- und B-Impfung (so oft wiederholen, bis der Anti-HBS-Titer erreicht ist)
  • Herpes zoster-Impfung wg. Personen ≥ 50 Jahre bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit (hier: Morbus Basedow)
  • HPV-Impfung (auch im Erwachsenenalter)
  • Pneumokokken-Impfung
    Beachte: Immunsupprimierte sollten sequentiell mit dem 13-valenten Konjugatimpfstoff PCV13 und sechs bis zwölf Monate später mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff PPSV23 gegen Pneumokokken geimpft werden.
  • Falls im Kindesalter nicht oder nicht vollständig durchgeführt: Masern (notwendige Lebendimpfung auch bei Immunsuppression), Mumps, Varizellen (Windpocken), Röteln, Polio
  • Auffrischimpfungen empfehlenswert: Tetanus, Diphtherie, Pertussis

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet u. a.:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte)
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen:
    • Da eine hohe Jodzufuhr die Ursache der Morbus Basedow-Erkrankung sein kann, sollte die tägliche Aufnahme von Jod die Zufuhr-Empfehlungen nicht überschreiten (Referenzwert für die empfohlene Jodzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für einen gesunden Erwachsenen: 180-200 µg/Tag)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns

Psychotherapie

  • Ggf. Stressmanagement
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300, E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Bundesverband Schilddrüsenkrebs
    Ohne Schilddrüse leben e. V.
    Rungestraße 12, 10179 Berlin
    Telefon: 01805-646373, Internet: Bundesverband Schilddrüsenkrebs

Literatur

  1. Forbes S et al.: Cigarette Smoking Exposure and Clinical Outcomes in Graves’ Disease. J Clin Endocrin Metabol 2026; https://doi.org/10.1210/clinem/dgag061

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen. (AWMF-Registernummer: 031 - 003), Oktober 2015 Langfassung