Morbus Basedow – Weitere Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Bei Orbitopathie (Hervortreten der Augäpfel) – bei Bedarf künstliche Tränen und getönte Brillen mit Seitenschutz benutzen und nach Möglichkeit eine relativ aufrechte Schlafposition einnehmen; weiterhin können die Lider während des Schlafens zugeklebt werden (Uhrglasverband).
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum) – Raucherentwöhnung ist anzustreben! Rauchen erhöht das Rezidivrisiko (Wiederauftreten) des Morbus Basedow und fördert die Progression (Fortschreiten) der endokrinen Orbitopathie (EO).
  • Vermeidung psychosozialer Belastungen:
    • Stress

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Die Radiojodtherapie (RJT) ist ein Verfahren bei dem die Schilddrüse zunehmend durch radioaktive Strahlung zerstört wird.
    Indikationen: Initialtherapie (bei Nebenwirkungen des Medikaments, bei einem persistierend hohen Bedarf an Thyreostatika) oder als Therapie bei aufgetretenem Rezidiv (diffuse Struma mit Schilddrüsenvolumen < 70 ml, keine Endokrine Orbitopathie); Kontraindikation (Gegenanzeige) einer operativen Therapie der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) dar.
    Die Erfolgsrate der Radiojodtherapie liegt bei ca. 90 %. Das Schilddrüsenvolumen nimmt unter Therapie um ca. 20 ml ab.
    Weiteres s. u. "Radiojodtherapie".
  • Retrobulbärbestrahlung (Röntgenbestrahlung des Gewebes hinter den Augen) bei Exophthalmus (Hervortreten der Augen):  Orbitaapex wird von der Schläfe her unter Aussparung der Kornea (Linsen) mit einer Gesamtdosis von 20 Gy in zehn Fraktionen über zwei Wochen bestrahlt (Kontraindikation: Diabetes mellitus).
    Hinweis: Der Therapieerfolg zeigt sich mit einer Latenz von bis zu 6 Wochen; nach ca. 4 bis 6 Monaten kann man die Behandlung abschließend beurteilen.
    In schweren Fällen erfolgt eine Orbitadekompression (s. u. Exophthalmus/Operative Therapie (Ultima-Ratio-Therapie)
  • Prismenverordnung (Folien, Gläser) – zur Verbesserung störender Doppelbilder; ggf. auch monokulare Okklusion (Abdecken eines einzelnen Auges) erwägen

Impfungen

Die nachfolgenden Impfungen sind angeraten:

  • COVID-19-Impfung
  • Grippe-Impfung
  • Hepatitis A- und B-Impfung (so oft wiederholen, bis der Anti-HBS-Titer erreicht ist)
  • Herpes zoster-Impfung wg. Personen ≥ 50 Jahre bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit (hier: Morbus Basedow)
  • HPV-Impfung (auch im Erwachsenenalter)
  • Pneumokokken-Impfung
    Beachte: Immunsupprimierte sollten sequentiell mit dem 13-valenten Konjugatimpfstoff PCV13 und sechs bis zwölf Monate später mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff PPSV23 gegen Pneumokokken geimpft werden.
  • Falls im Kindesalter nicht oder nicht vollständig durchgeführt: Masern (notwendige Lebendimpfung auch bei Immunsuppression), Mumps, Varizellen (Windpocken), Röteln, Polio
  • Auffrischimpfungen empfehlenswert: Tetanus, Diphtherie, Pertussis

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet u. a.:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte)
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen:
    • Da eine hohe Jodzufuhr mit Ursache der Morbus Basedow-Erkrankung sein kann, sollte die tägliche Aufnahme von Jod die Zufuhr-Empfehlungen nicht überschreiten (Referenzwert für die empfohlene Jodzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für einen gesunden Erwachsenen: 180-200 µg/Tag)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns

Psychotherapie

  • Ggf. Stressmanagement
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Bundesverband Schilddrüsenkrebs
    Ohne Schilddrüse leben e.V.
    Rungestraße 12, 10 179 Berlin
    Telefon: 01805-646373, Internet: Bundesverband Schilddrüsenkrebs

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen. (AWMF-Registernummer: 031 - 003), Oktober 2015 Langfassung