Hitze (inkl. Feuchte)
Reisen in sehr warme Regionen können den Körper erheblich belasten. Entscheidend sind dabei nicht nur hohe Temperaturen, sondern vor allem die Kombination aus Hitze, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung und Sonneneinstrahlung. Wird die Wärmeregulation des Körpers überfordert, drohen leichte bis schwere Hitzeschäden – bis zum lebensbedrohlichen Hitzschlag.
Der menschliche Körper hält seine Kerntemperatur normalerweise stabil bei etwa 37 °C. Steigt die Umgebungstemperatur stark an oder ist die Luft sehr feucht, wird die wichtigste Abkühlungsstrategie – das Verdunsten von Schweiß – deutlich eingeschränkt. Besonders in feuchtwarmer Luft kann der Körper kaum Wärme abgeben, weil Schweiß nicht verdunstet. Dadurch steigt die Körpertemperatur schneller, und die Risiken für Hitzeschäden nehmen deutlich zu.
Einige Personengruppen sind besonders empfindlich:
- Ältere Menschen
- Untrainierte Personen
- Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Hypertonie (Bluthochdruck), Herzrhythmusstörungen)
- Menschen mit Hormonstörungen wie Hyper-/Hypothyreose (Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion)
- Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Medikamenten, die die Wärmeregulation beeinflussen (z. B. Neuroleptika (Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen), Antidepressiva)
- Menschen mit Störungen der Schweißfunktion, z. B. Ichthyosis vulgaris, Lupus erythematodes
- Menschen mit Adipositas
- Menschen mit Diabetes mellitus (erhöhtes Risiko für Dehydration (Austrocknung), autonome Neuropathie)
- Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche (unreife oder ineffiziente Thermoregulation)
Klimazonen mit erhöhtem Risiko
Trockenheißes Klima (Wüstenklima)
Typisch sind große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, sehr geringe Luftfeuchtigkeit und starke Sonneneinstrahlung.
- Durchschnittstemperaturen: 25-30 °C, Spitzen: 40-50 °C
- Schweiß verdunstet schnell
- Dehydratation (Austrocknung) erfolgt oft unbemerkt
- Typische Regionen: Nordafrika, Arabische Halbinsel, Zentralasien, Australien
Feuchtwarmes Klima (tropisch/subtropisch)
Hohe Temperaturen werden hier durch sehr hohe Luftfeuchtigkeit zusätzlich belastend.
- Temperaturen: 24-28 °C
- Luftfeuchtigkeit: 60-90 %
- Schweiß verdunstet kaum → schlechte Wärmeabgabe
- Typische Regionen: Südostasien, Zentralafrika, Südamerika, pazifische Inseln
Wichtig:
In feuchtwarmer Umgebungsluft steigt der sogenannte Heat-Index, also die gefühlte Temperatur. Dieser Wert ist oft höher als die gemessene Lufttemperatur und entscheidend für das Risiko einer Überhitzung.
Vorbereitung von Reisen in heiße Regionen
Reisende sollten vorab Informationen einholen über:
- Typische Temperaturen, Luftfeuchte, UV-Index, Jahreszeit
- Geplante Aktivitäten (z. B. Sport, Wanderungen, Städtereisen)
- Mögliche Hitzeextreme vor Ort
- Unterkunftsmöglichkeiten (z. B. Schatten, Ventilation, Klimaanlage)
- Ausreichende Trinkwasserverfügbarkeit
- Örtliche Wettersituation während der Reisezeit (Hitzeperioden, Feuchtigkeitsphasen)
Typische Hitzeschäden
| Hitzeschaden | Beschreibung | Warnzeichen |
| Hitzeerschöpfung | Flüssigkeits- und Salzverlust | Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwäche |
| Hitzekrämpfe | Elektrolytverlust bei starkem Schwitzen | Muskelkrämpfe, v. a. Beine/Arme |
| Hitzesynkope | Kurzzeitige Bewusstlosigkeit durch Blutdruckabfall | Ohnmacht nach Hitzeexposition |
| Hitzschlag | Temperatur ≥ 40 °C, Versagen der Thermoregulation | Verwirrtheit, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit (Notfall!) |
Praktische Hinweise für Reisende
- Körperliche Anstrengungen in die kühleren Tageszeiten verlegen.
- Regelmäßige Trinkpausen einplanen (auch ohne Durstgefühl).
- Leichte, luftige Kleidung und Kopfbedeckung tragen.
- Längere direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.
- Aufenthalte in Innenräumen oder im Schatten nutzen.
- Starke körperliche Belastung in feuchtwarmer Umgebung möglichst reduzieren.
- Auf frühe Warnsignale achten (Schwindel, Erschöpfung, Übelkeit).
Literatur
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Heat and Health Guidance. 2024.
- CDC: About Heat and Your Health. 2025.
- Bouchama A, Knochel JP: Heat stroke. N Engl J Med. 2002;346:1978-1988. doi: 10.1056/NEJMra011089.
- Mora C et al.: Global risk of deadly heat. Nat Clim Change. 2017;7:501-506.
- Jelinek T (Hrsg.): Kursbuch Reisemedizin – Beratung, Prophylaxe, Reisen mit Erkrankungen. 1. Auflage. Thieme, Stuttgart 2012.
- Löscher T, Burchard GD: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart; 2010.