Entzündung und Verschluss der Tuba auditiva – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Linderung von Ohrenschmerzen und nasalen Beschwerden.
  • Behandlung einer nachgewiesenen nasalen Begleiterkrankung; Erhalt beziehungsweise Wiederherstellung der Mittelohrbelüftung und des Hörvermögens durch eine ursachengerechte Gesamtbehandlung.
  • Vermeidung unnötiger Arzneimittelanwendungen ohne gesicherten Nutzen für die Tubenfunktion.

Therapieempfehlungen

Tubenfunktionsstörung (Funktionsstörung der Ohrtrompete), nasale Begleiterkrankung und Paukenerguss (Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr) sind therapeutisch zu unterscheiden. Ein Druckgefühl im Ohr allein beweist keinen Tubenverschluss. Die Diagnose erfordert die Einordnung von Beschwerden und objektiven Befunden, insbesondere mittels Otoskopie, Tympanometrie und gegebenenfalls Audiometrie [1].

Akute Tubenfunktionsstörung mit nasaler Begleiterkrankung

  • Bei akuter Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung) mit belastender Nasenatmungsbehinderung kann Oxymetazolin kurzfristig die nasalen Beschwerden lindern. Die Zulassung einzelner Präparate umfasst auch Tubenkatarrh (Entzündung und Schwellung der Ohrtrompete) in Verbindung mit Schnupfen. Eine gesicherte Wirksamkeit gegen die Tubenfunktionsstörung oder einen Paukenerguss ist daraus nicht abzuleiten. Abschwellende Nasenmittel sind keine gesicherte schmerzlindernde Tubentherapie [2, FI1].
  • Bei Schmerzen kommt eine kurzfristige Analgesie, beispielsweise mit Paracetamol, infrage. Zunehmende Ohrenschmerzen erfordern eine erneute Untersuchung zum Ausschluss einer akuten Otitis media (Mittelohrentzündung) [FI5].
  • Eine nachgewiesene allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) kann mit einem intranasalen Glukokortikoid behandelt werden. Ziel ist die Behandlung der nasalen Begleiterkrankung; ein zuverlässiger Nutzen für die Tubenfunktion ist nicht belegt [3, FI4].

Chronische obstruktive Tubenfunktionsstörung

  • Beschwerden und Befunde über mehr als 3 Monate kennzeichnen nach dem internationalen Konsensus eine chronische Tubenfunktionsstörung. Eine klaffende Tube (dauerhaft offene Ohrtrompete) ist abzugrenzen und erfordert ein anderes Behandlungskonzept [1].
  • Eine verlässlich wirksame medikamentöse Standardtherapie ist nicht etabliert. Intranasale Glukokortikoide sollen ohne eigenständige nasale Indikation nicht routinemäßig eingesetzt werden. Für andere medikamentöse Ansätze fehlt ebenfalls belastbare Evidenz. Abschwellende Nasenmittel sind keine Dauertherapie [2, 3].
  • Behandelbare Ursachen gezielt erfassen. Bei anhaltendem Leidensdruck, Hörminderung oder Trommelfellveränderungen ist eine HNO-ärztliche Beurteilung einschließlich nichtmedikamentöser Behandlungsoptionen erforderlich [1].

Paukenerguss / Otitis media mit Erguss

  • Ein Paukenerguss ist eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr ohne Zeichen einer akuten Mittelohrinfektion. Bei Kindern keine Antibiotika, nasalen oder systemischen Glukokortikoide, abschwellenden Mittel oder Antihistaminika allein zur Ergussbehandlung verordnen. Auch Mukolytika, Leukotrienrezeptorantagonisten und eine empirische Refluxmedikation werden hierfür nicht empfohlen [LL1].
  • Bei Kindern ohne besonderes Entwicklungsrisiko ist zunächst häufig eine Beobachtung über 3 Monate angemessen. Bei persistierendem Erguss sind Hördiagnostik und Verlaufskontrollen erforderlich; bei Entwicklungsrisiken oder erheblicher Alltagsbeeinträchtigung früher handeln [LL2].
  • Autoinflation kann bei geeigneten, kooperationsfähigen Kindern erwogen werden. Bei relevanter persistierender Hörminderung kommen Hörhilfen oder eine operative Behandlung nach HNO-ärztlicher Beurteilung infrage [LL1].
  • Bei Erwachsenen einen persistierenden oder einseitigen Paukenerguss ursächlich abklären, insbesondere auch den Nasenrachenraum. Die pädiatrischen Therapieempfehlungen dürfen nicht als gleichwertig belegte Erwachsenenempfehlungen dargestellt werden [LL3].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Für die isolierte Tubenfunktionsstörung ist keine gesicherte medikamentöse Standardtherapie etabliert. Die folgende symptomatische Schmerzbehandlung öffnet die Tube nicht [2].

Analgetika – Nichtopioidanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Kurzfristig bei Bedarf; bei Leber-/Nierenfunktionsstörung, Mangelernährung oder chronischem Alkoholkonsum Dosis individuell anpassen. Keine parallelen paracetamolhaltigen Präparate [FI5].
  • Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch.
  • Indikation: Schmerzbehandlung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei Lebererkrankungen Fachinformation beachten.
  • Nebenwirkungen: Sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen; Überdosierung kann schwere Leberschäden verursachen [FI5].

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Die folgenden Arzneimittel behandeln nasale Begleiterkrankungen; sie sind keine gesichert wirksame kausale Therapie der isolierten Tubenfunktionsstörung.

Topische Alpha-Sympathomimetika – abschwellende Nasenmittel

Wirkstoff Besonderheiten
Oxymetazolin 0,05 % (0,5 mg/ml), Beispiel: Nasivin Nasentropfen/WICK Nasivin Nasenspray Erwachsene und Schulkinder Diese Präparate sind unter 6 Jahren kontraindiziert. Höchstens 7 Tage [FI1].
Oxymetazolin 0,025 % (0,25 mg/ml), Beispiel: WICK Nasivin Nasenspray ohne Konservierungsstoffe Kleinkinder Dieses Präparat nicht unter 1 Jahr anwenden. Höchstens 7 Tage [FI2].
Oxymetazolin 0,01 % (0,1 mg/ml), Beispiel: WICK Nasivin Dosiertropfer ohne Konservierungsstoffe Baby Nur mit vorgesehenem Dosiertropfer; höchstens 7 Tage. Bei Frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen Dosierung ausschließlich nach ärztlicher Anordnung [FI3].
  • Wirkweise: Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) mit Abschwellung der Nasenschleimhaut.
  • Indikation: Kurzzeitige Behandlung einer verstopften Nase. Altersgrenze, Konzentration und Dosiersystem stets präparatebezogen prüfen [FI1-FI3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, Rhinitis sicca (trockene Nasenschleimhaut), Eingriffe mit Freilegung der Dura mater (harte Hirnhaut) und Unterschreiten der jeweiligen Altersgrenze. Bei Engwinkelglaukom (bestimmte Form des Grünen Stars), relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) oder Anwendung von MAO-Hemmern beziehungsweise anderen blutdrucksteigernden Arzneimitteln sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung [FI1-FI3].
  • Nebenwirkungen: Brennen, Trockenheit, Nasenbluten, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Blutdruckanstieg; bei längerem Gebrauch Rhinitis medicamentosa (arzneimittelbedingte Dauerschwellung der Nasenschleimhaut). Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern sind schwere systemische Reaktionen einschließlich Atemstörungen möglich [FI1-FI3].

Intranasale Glukokortikoide – bei eigenständiger nasaler Indikation

Wirkstoff Besonderheiten
Mometasonfuroat, Beispiel: Mometasonfuroat-ratiopharm 50 Mikrogramm/Sprühstoß Alterszulassung präparatebezogen; kein gesicherter Nutzen für die isolierte Tubenstörung [3, FI4].
  • Wirkweise: Lokal antientzündlich.
  • Indikation: Allergische Rhinitis.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, unbehandelte lokale Naseninfektion; nach Nasenoperation/-verletzung bis zur Abheilung nicht anwenden.
  • Nebenwirkungen: Nasenbluten, lokale Reizung, Kopfschmerzen; bei längerfristiger Kinderbehandlung Wachstum kontrollieren [FI4].

Beachte

  • Kein pauschales Anwendungsverbot für alle Kinder: Oxymetazolin ist in unterschiedlich zugelassenen Präparaten einschließlich spezieller Säuglingszubereitungen verfügbar. Erwachsenenpräparate nicht durch freies Verdünnen oder geschätzte geringere Tropfenmengen ersetzen. Überdosierung und versehentliche Einnahme vermeiden [FI1-FI3].

Red Flags (Warnzeichen bei Tubenbeschwerden)

  • Eine plötzliche Hörminderung nicht vorschnell als Tubenverschluss einordnen. Ist sie nicht durch Außen- oder Mittelohrbefunde erklärbar, ist eine dringliche HNO-ärztliche Beurteilung erforderlich [LL3].
  • Ein persistierender einseitiger Paukenerguss im Erwachsenenalter, insbesondere ohne Atemwegsinfekt, erfordert eine gezielte HNO-ärztliche Abklärung [LL3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • HNO: Hals-Nasen-Ohren
  • MAO: Monoaminoxidase
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • DHA: Docosahexaensäure
  • LL: Leitlinie
  • FI: Fachinformation

Literatur

  1. Schilder AGM, Bhutta MF, Butler CC et al.: Eustachian tube dysfunction: consensus statement on definition, types, clinical presentation and diagnosis. Clin Otolaryngol. 2015;40(5):407-411. doi: 10.1111/coa.12475
  2. Mehta NK, Ma C, Nguyen SA et al.: Medical Management for Eustachian Tube Dysfunction in Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis. Laryngoscope. 2022;132(4):849-856. doi: 10.1002/lary.29878
  3. Nibhanupudy TJ, Patel A, Trinh CP et al.: Efficacy of intranasal corticosteroid sprays in relieving clinical signs of Eustachian tube dysfunction: a systematic review and meta-analysis of randomised, controlled trials. J Laryngol Otol. 2024;138(11):1065-1072. doi: 10.1017/s0022215124000756

Leitlinien

  1. National Institute for Health and Care Excellence: Otitis media with effusion in under 12s. NICE guideline NG233, 30. August 2023. Empfehlungen [LL1]
  2. Rosenfeld RM, Shin JJ, Schwartz SR et al.: Clinical Practice Guideline: Otitis Media with Effusion (Update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2016;154(1 Suppl):S1-S41. doi: 10.1177/0194599815623467 [LL2]
  3. National Institute for Health and Care Excellence: Hearing loss in adults: assessment and management. NICE guideline NG98, 2018, aktualisiert Oktober 2023. Empfehlungen [LL3]

Fachinformationen

  1. Nasivin Nasentropfen/WICK Nasivin Nasenspray Erwachsene und Schulkinder, 0,5 mg/ml. Stand September 2024. Fachinformation [FI1]
  2. WICK Nasivin Nasenspray ohne Konservierungsstoffe Kleinkinder, 0,25 mg/ml. Stand September 2024. Fachinformation [FI2]
  3. WICK Nasivin Dosiertropfer ohne Konservierungsstoffe Baby, 0,1 mg/ml. Stand September 2024. Fachinformation [FI3]
  4. Mometasonfuroat-ratiopharm 50 Mikrogramm/Sprühstoß Nasenspray. Stand Mai 2023. Fachinformation [FI4]
  5. Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand Dezember 2024. Fachinformation [FI5]