Entzündung und Verschluss der Tuba auditiva – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Körpergewicht und Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion
      • Ohrmuscheln und retroaurikuläre Region (Bereich hinter dem Ohr) [Rötung, Schwellung]
      • Äußerer Gehörgang [Sekretion (Absonderung), Schwellung, Fremdkörper bzw. Cerumen obturans (verschließender Ohrenschmalzpfropf) als alternative Ursache einer Schallleitungsstörung (Störung der Schallübertragung)]
    • Inspektion und Palpation (Abtasten) der Lymphknotenstationen im Kopf-Hals-Bereich, insbesondere präaurikulär (vor dem Ohr), retroaurikulär, submandibulär (unterhalb des Unterkiefers) und zervikal (am Hals) [Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung) bei begleitender Infektion der oberen Atemwege]
  • HNO-ärztliche Untersuchung – inklusive:
    • Otoskopie (Ohrspiegelung) bzw. Ohrmikroskopie (mikroskopische Untersuchung des Ohres) beider Ohren [Retraktion des Trommelfells (Einziehung des Trommelfells) als Ausdruck eines negativen Mittelohrdrucks; verminderte Transparenz; bei Paukenerguss (Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr) gelblich bis bernsteinfarben durchscheinendes Sekret, Flüssigkeitsspiegel bzw. Luftblasen hinter dem Trommelfell]
    • Pneumatische Otoskopie (Ohrspiegelung mit Prüfung der Trommelfellbeweglichkeit), soweit verfügbar [verminderte bzw. aufgehobene Beweglichkeit des Trommelfells bei Paukenerguss]
    • Rhinoskopie (Nasenspiegelung) [Schleimhautschwellung, nasale Sekretion, behinderte Nasenatmung; Zeichen einer infektiösen bzw. allergischen Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung)]
    • Inspektion von Mundhöhle und Oropharynx (Mundrachen) [Rötung der Rachenschleimhaut, Tonsillenhyperplasie (Vergrößerung der Gaumenmandeln), Sekretstraße bei begleitender Infektion der oberen Atemwege]
    • Beurteilung des Nasopharynx (Nasenrachen) und der Tubenregion (Bereich der Ohrtrompete), soweit klinisch möglich [Adenoidhyperplasie (Vergrößerung der Rachenmandel), Schleimhautschwellung bzw. Raumforderung mit Verlegung des pharyngealen Tubenostiums (rachenwärtige Öffnung der Ohrtrompete)]
      • Bei Erwachsenen mit persistierendem (anhaltendem), insbesondere einseitigem Paukenerguss ohne erkennbare Ursache ist eine weiterführende Untersuchung des Nasopharynx und der Tubenregion zum Ausschluss einer mechanischen Obstruktion (Verlegung) bzw. Raumforderung erforderlich.
    • Stimmgabelversuche nach Weber und Rinne zur orientierenden Differenzierung einer Schallleitungs- von einer Schallempfindungsstörung (Störung der Schallwahrnehmung)
      • Weber-Versuch
        • Normalbefund: Ton wird mittig bzw. auf beiden Seiten gleich laut wahrgenommen.
        • Einseitige Schallleitungsstörung [Lateralisation (Verlagerung der Tonwahrnehmung) des Tons in das betroffene Ohr]
        • Einseitige Schallempfindungsstörung [Lateralisation des Tons in das besser hörende Ohr]
      • Rinne-Versuch
        • Rinne positiv: Luftleitung (Schallübertragung über den Gehörgang) wird länger bzw. lauter als Knochenleitung (Schallübertragung über den Schädelknochen) wahrgenommen; eine relevante Schallleitungsstörung ist damit weniger wahrscheinlich.
        • Rinne negativ [Knochenleitung wird länger bzw. lauter als Luftleitung wahrgenommen; Hinweis auf eine Schallleitungsstörung des betroffenen Ohres]
        • Bei geringgradiger Schallleitungsschwerhörigkeit (Hörminderung durch gestörte Schallübertragung) kann der Rinne-Versuch trotz Tubenfunktionsstörung (Funktionsstörung der Ohrtrompete) positiv bleiben.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.