Nephrotisches Syndrom – Prävention

Zur Prävention des nephrotischen Syndroms muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

  • Ernährung
    • Unausgewogene Ernährung kann das Risiko für metabolische Syndrome erhöhen, die sekundär Nierenerkrankungen auslösen können.
  • Drogenkonsum
    • Bestimmte Medikamente oder Drogen können direkt nephrotoxisch wirken.

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen) 

  • Cadmium
  • Gold
  • Palladium
  • Quecksilber

Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)

  • Regelmäßige medizinische Untersuchungen
    • Frühzeitige Diagnose und Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Hypertonie.
  • Vermeidung von Umwelttoxinen
    • Vermeidung beruflicher oder häuslicher Exposition gegenüber Schwermetallen und Chemikalien.
  • Infektionsprophylaxe
    • Impfungen gegen Hepatitis B und andere relevante Erreger.
  • Gesunde Lebensweise
    • Ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität zur Prävention metabolischer Syndrome.
  • Mikronährstoffe
    • Vitamin D – Sicherstellung eines suffizienten 25(OH)D-Status (25-Hydroxyvitamin-D-Status); nephrotisches Syndrom mit erhöhtem Risiko für niedrige 25(OH)D-Spiegel durch renale Verluste von Vitamin-D-bindendem Protein, besonders bei aktiver Proteinurie (vermehrte Eiweißausscheidung im Urin); Ziel: Mangel vermeiden, 25(OH)D < 20 ng/ml als Defizienz, 20-30 ng/ml als Insuffizienz je nach Labor/Leitlinie; keine Evidenz für Primärprävention des nephrotischen Syndroms durch Vitamin-D-Supplementation, aber Relevanz für Knochenstoffwechsel, insbesondere bei geplanter oder laufender Glukokortikoidtherapie (Kortisontherapie) [1, 3, 4].
    • Calcium – Bedarfsgerechte Zufuhr über Ernährung; besonders relevant bei Vitamin-D-Mangel, Glukokortikoidtherapie und reduziertem Knochenmineralstatus; keine pauschale Hochdosis-Supplementation, sondern Orientierung an Alter, Ernährung, Serumcalcium/Phosphat/PTH (Parathormon) und CKD-Stadium (Stadium einer chronischen Nierenerkrankung) [2, 4].
    • Eisen – Präventiv labordiagnostische Kontrolle bei persistierender Proteinurie (anhaltender vermehrter Eiweißausscheidung im Urin), da renale Verluste von Transferrin/Eisen mit Eisenmangel und Anämie (Blutarmut) assoziiert sein können; keine Routinegabe ohne Mangel; Diagnostik: Hb (Hämoglobin), Ferritin, Transferrinsättigung (TSAT), ggf. Retikulozyten-Hb [5, 6].
    • Zink – Ausreichende Zufuhr über Ernährung; bei nephrotischer Proteinurie potenziell erhöhte renale Verluste und niedrige Spiegel beschrieben; Routine-Supplementation bei chronischer Niereninsuffizienz (chronische Nierenschwäche, CKD) nicht empfohlen, Substitution nur bei gesichertem Mangel bzw. klinischem Hinweis [7, 8].
    • Selen – Ausreichende Zufuhr über Ernährung; niedrige Spiegel bei Proteinurie/renalen Verlusten möglich, antioxidative Bedeutung biologisch plausibel; keine gesicherte präventive Wirkung auf Erkrankungsrisiko, Supplementation nur bei dokumentiertem Mangel [7, 8].
    • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA; Eicosapentaensäure/Docosahexaensäure) – Mediterran geprägte, fischreiche Ernährung als Teil der kardiometabolischen Prävention; Supplementation zur Primärprävention des nephrotischen Syndroms nicht belegt; mögliche Relevanz eher bei Hypertriglyceridämie (erhöhten Triglyceridwerten im Blut) und proteinurischen Nierenerkrankungen, Evidenz heterogen [9, 10].
    • Ernährungsphysiologisch relevante Stoffe: Proteinqualität, Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe – Normokalorische, pflanzenbetonte Ernährung zur Reduktion metabolischer Risikofaktoren; keine Hochprotein-Diät, da hohe Proteinzufuhr glomeruläre Hyperfiltration und Proteinurie ungünstig beeinflussen kann; bei nicht dialysepflichtiger CKD meist individualisierte Proteinzufuhr nach KDOQI (Kidney Disease Outcomes Quality Initiative)/KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes), keine pauschale Restriktion bei Kindern/Wachstum [2, 11].

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention des nephrotischen Syndroms zielt darauf ab, Grunderkrankungen frühzeitig zu erkennen und das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

  • Früherkennung und Diagnostik
    • Labordiagnostik:
      • Urinanalyse: Proteinurie, Mikrohämaturie.
      • Blutuntersuchungen: Serumalbumin, Kreatinin, Cholesterin.
      • Immunologische Tests: ANA, ANCA.
    • Bildgebung:
      • Sonographie der Nieren zur Erkennung struktureller Auffälligkeiten.
  • Therapeutische Maßnahmen
    • Immunsuppressiva:
      • Einsatz von Steroiden oder spezifischen Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen.
    • Blutdruckkontrolle:
      • Verwendung von ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorblockern (ARBs).
  • Mikronährstoffbasierte Therapieansätze
    • Vitamin D – Bestimmung von 25(OH)D bei aktiver Proteinurie, Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung), Glukokortikoidtherapie oder CKD-MBD-Risiko (Risiko für Störungen des Mineral- und Knochenstoffwechsels bei chronischer Nierenerkrankung); Substitution bei Mangel/Insuffizienz nach allgemeinen bzw. CKD-MBD-orientierten Strategien; bei CKD G3a-G5 zusätzlich Calcium, Phosphat, PTH und alkalische Phosphatase berücksichtigen; aktive Vitamin-D-Analoga nicht routinemäßig, eher bei schwerem/progredientem Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen) [1, 3, 4].
    • Calcium – Korrektur nur bei unzureichender Zufuhr, Hypokalzämie (zu niedrigem Calciumspiegel im Blut) oder erhöhtem Osteopenie-/Osteoporoserisiko (Risiko für verminderte Knochendichte/Knochenschwund); Gesamtcalcium bei Hypoalbuminämie (zu niedrigem Albuminspiegel im Blut) vorsichtig interpretieren, ggf. ionisiertes Calcium bestimmen; bei CKD-MBD keine isolierte Calciumgabe ohne Phosphat/PTH-Kontext [2, 4].
    • Eisen – Diagnostik und Therapie bei Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) bzw. funktionellem Eisenmangel; nephrotische Proteinurie als Risikokonstellation für Transferrin-/Eisenverluste; Therapieentscheidung nach Hb, Ferritin, TSAT, Entzündungsstatus und CKD-Stadium, nicht allein nach Ferritin; bei CKD-Anämie leitlinienorientierte Eisenstrategie [5, 6, 12].
    • Vitamin B12/Folat – Kontrolle bei makrozytärer Anämie (Blutarmut mit vergrößerten roten Blutkörperchen), Malnutrition (Mangelernährung), gastrointestinalen Resorptionsstörungen, Metformin-/PPI-Therapie oder ausgeprägter Proteinurie mit Verdacht auf renale Verluste von Transportproteinen; keine krankheitsspezifische Routine-Supplementation ohne Mangel [6, 11].
    • Zink – Spiegelkontrolle bei Wachstumsstörung, Wundheilungsstörung, Dysgeusie (Geschmacksstörung), Infektneigung, ausgeprägter Proteinurie oder restriktiver Diät; Substitution nur bei gesichertem Mangel, da KDOQI bei CKD keine routinemäßige Zinkgabe empfiehlt [7, 8].
    • Selen – Kontrolle bei langanhaltender Proteinurie, Mangelernährung oder hohem oxidativem Stress diskutabel; Substitution nur bei niedrigem Spiegel, da klinische Outcome-Daten beim nephrotischen Syndrom unzureichend [7, 8].
    • Kupfer – Kontrolle bei Anämie oder Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) unklarer Genese sowie persistierender Proteinurie; renale Verluste beschrieben, jedoch keine Routine-Supplementation ohne gesicherten Mangel; Zinktherapie kann Kupfermangel verstärken [6, 7].
    • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) – Additiv bei Hypertriglyceridämie und proteinurischen Nierenerkrankungen erwägenswert, aber nicht als leitliniengesicherte Standardtherapie des nephrotischen Syndroms; Metaanalysen zeigen mögliche Proteinurie-Reduktion in bestimmten proteinurischen Nephropathien (Nierenerkrankungen), jedoch heterogene Studienlage und keine robuste Evidenz für renale Endpunkte [9, 10].
    • Ernährungsphysiologisch relevante Stoffe: Natriumrestriktion und Proteinsteuerung – Natriumrestriktion als zentrale diätetische Maßnahme bei Ödemen (Wassereinlagerungen) und Hypertonie (Bluthochdruck), häufig Zielbereich ca. < 2 g Natrium/Tag bzw. < 5 g Kochsalz/Tag, individualisiert nach Alter, Blutdruck, Diuretika und CKD-Stadium; Proteinzufuhr ausreichend, aber nicht überhöht, um Malnutrition und zusätzliche glomeruläre Belastung zu vermeiden [2, 11].

Tertiärprävention

Die Tertiärprävention zielt darauf ab, Langzeitkomplikationen und Krankheitsprogression zu minimieren.

  • Langzeitnachsorge
    • Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion.
    • Überwachung auf Anzeichen einer chronischen Niereninsuffizienz.
  • Rehabilitation und Unterstützung
    • Ernährungsberatung: Spezielle diätetische Maßnahmen zur Kontrolle von Protein- und Salzaufnahme.
    • Psychosoziale Unterstützung: Beratung bei chronischen Krankheitsverläufen.
    • Behandlung von Komplikationen: Umgang mit Hyperlipidämie und Thromboserisiken.
  • Therapieoptimierung
    • Anpassung der Medikation basierend auf Langzeitverläufen und Nebenwirkungen.
  • Mikronährstoffbasierte Langzeitstrategien
    • Vitamin D – Langzeitmonitoring bei chronischer Proteinurie, CKD, wiederholten Steroidzyklen oder Osteopenie/Osteoporose; Ziel: Vermeidung persistierender 25(OH)D-Defizienz (< 20 ng/ml), sekundären Hyperparathyreoidismus und steroidassoziierter Knochenschäden; Therapie immer im CKD-MBD-Kontext mit Calcium, Phosphat, PTH und Frakturrisiko [1, 3, 4].
    • Calcium – Langfristig bedarfsgerechte Zufuhr, bevorzugt alimentär; Supplementation nur bei unzureichender Aufnahme oder spezifischer Indikation, da bei CKD Hyperkalzämie (zu hoher Calciumspiegel im Blut) und Gefäßverkalkung berücksichtigt werden muss; DXA-Messung (Messung der Knochendichte) bei relevantem Steroid-/Frakturrisiko erwägen [2, 4].
    • Eisen – Regelmäßige Kontrolle bei persistierender Proteinurie, CKD-Progression oder Anämie; Ziel: Vermeidung chronischer Eisenmangelanämie durch renale Eisen-/Transferrinverluste und inflammationsbedingte Eisenrestriktion; bei CKD-Anämie Therapie nach Ferritin/TSAT und klinischem Kontext [5, 6, 12].
    • Vitamin B12/Folat – Langzeitkontrolle bei chronischer Anämie, eingeschränkter Ernährung, Resorptionsrisiken oder medikamentösen Risikofaktoren; Substitution nur bei Mangel, da kein gesicherter nephroprotektiver Effekt ohne Defizit [6, 11].
    • Zink – Langzeitstrategie: keine routinemäßige Supplementation, aber gezielte Kontrolle bei chronischer Proteinurie, Wachstums-/Wundheilungsstörung, Geschmacksstörung oder Infektanfälligkeit; Überdosierung vermeiden wegen Kupfermangelrisiko [7, 8].
    • Selen – Langzeitstrategie: ernährungsmedizinische Sicherung der Zufuhr; Laborkontrolle bei Mangelernährung, chronischer Proteinurie oder restriktiver Diät; keine pauschale antioxidative Supplementation mangels belastbarer Outcome-Daten [7, 8].
    • Kupfer – Kontrolle bei therapierefraktärer Anämie (nicht ausreichend auf Therapie ansprechender Blutarmut), Neutropenie oder längerfristiger Zinkgabe; Substitution nur bei gesichertem Mangel [6, 7].
    • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) – Langfristig als Bestandteil kardioprotektiver Ernährung sinnvoll; Supplementation insbesondere bei Hypertriglyceridämie erwägenswert, nicht jedoch als Ersatz für antiproteinurische Standardtherapie mit RAAS-Blockade (Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems)/SGLT2-Inhibition (Natrium-Glucose-Cotransporter-2-Hemmung) bei geeigneter Indikation oder krankheitsspezifische Immunsuppression; renale Outcome-Evidenz bei nephrotischem Syndrom begrenzt [1, 9, 10].
    • Ernährungsphysiologisch relevante Stoffe: Energie-, Protein- und Ballaststoffmanagement – Langfristig Vermeidung von Protein-Energie-Malnutrition trotz Proteinurie; zugleich keine proteinreiche Selbstmedikation; individualisierte Proteinzufuhr nach CKD-Stadium, Alter, Ernährungsstatus und Dialysepflicht; pflanzenbetonte Ernährung mit Ballaststoffen/sekundären Pflanzenstoffen zur Reduktion kardiometabolischer Begleitrisiken [2, 11].

Literatur

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  3. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD-MBD Update Work Group. KDIGO 2017 Clinical Practice Guideline Update for the Diagnosis, Evaluation, Prevention, and Treatment of Chronic Kidney Disease-Mineral and Bone Disorder (CKD-MBD). Kidney Int Suppl (2011). 2017 Jul;7(1):1-59. doi: 10.1016/j.kisu.2017.04.001.
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