Mesangiale IgA-Glomerulonephritis – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Alport-Syndrom (erbliche Nierenerkrankung) – hereditäre glomeruläre Hämaturie (Blut im Urin aus den Nierenkörperchen), häufig mit sensorineuraler Schwerhörigkeit (Innenohrschwerhörigkeit) und okulären Veränderungen (Augenveränderungen); Abgrenzung insbesondere durch Familienanamnese, Elektronenmikroskopie und molekulargenetische Diagnostik

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • IgA-Vaskulitis (Gefäßentzündung mit IgA-Ablagerungen) (Purpura Schönlein-Henoch) mit Nephritis (Nierenentzündung) – renale Histologie kann der IgA-Nephropathie (IgA-Nierenerkrankung) entsprechen; für die Abgrenzung entscheidend sind extrarenale Manifestationen (Krankheitszeichen außerhalb der Niere) wie palpable Purpura (tastbare Hauteinblutungen), Arthralgien (Gelenkschmerzen) bzw. Arthritis (Gelenkentzündung) und gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden); auch im Erwachsenenalter relevant

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chronische Virushepatitis (chronische virusbedingte Leberentzündung), insbesondere Hepatitis B und Hepatitis C – mögliche Ursache einer sekundären IgA-Nephropathie
  • HIV-Infektion – mögliche Ursache einer sekundären IgA-Nephropathie

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Leberzirrhose (Lebervernarbung) mit sekundärer IgA-Nephropathie – mesangiale IgA-Ablagerungen sind insbesondere bei fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung zu berücksichtigen

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung) mit sekundärer IgA-Nephropathie – bei gleichzeitig aktiver chronisch-entzündlicher Darmerkrankung zu berücksichtigen
  • Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) mit sekundärer IgA-Nephropathie – bei gleichzeitig aktiver chronisch-entzündlicher Darmerkrankung zu berücksichtigen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • ANCA-assoziierte Vaskulitiden (autoimmunbedingte Gefäßentzündungen) – insbesondere bei rasch progredienter Glomerulonephritis (rasch fortschreitender Nierenkörperchenentzündung) mit deutlichem Abfall der Nierenfunktion auszuschließen; typischerweise pauci-immune nekrotisierende und extrakapillär proliferierende Glomerulonephritis
  • Anti-GBM-Krankheit (Autoimmunerkrankung der Nierenkörperchen) – insbesondere bei rasch progredienter Glomerulonephritis bzw. pulmonorenalem Syndrom (gleichzeitiger Erkrankung von Lunge und Niere) auszuschließen; charakteristisch ist eine lineare IgG-Ablagerung entlang der glomerulären Basalmembran (Filtermembran der Nierenkörperchen)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Dünne-Basalmembran-Nephropathie (Erkrankung mit verdünnter Filtermembran der Nierenkörperchen) (früher: benigne familiäre Hämaturie) – meist persistierende glomeruläre Mikrohämaturie (mit bloßem Auge nicht sichtbares Blut im Urin) bei geringer oder fehlender Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin); Abgrenzung durch Elektronenmikroskopie und gegebenenfalls molekulargenetische Diagnostik
  • IgA-dominante infektionsassoziierte Glomerulonephritis (infektionsbedingte Nierenkörperchenentzündung mit vorherrschenden IgA-Ablagerungen) – wichtigste direkte histopathologische Differenzialdiagnose einer IgA-Nephropathie; besonders bei älteren Patienten, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und aktiver bzw. kürzlich vorausgegangener Staphylokokkeninfektion (Infektion durch Staphylokokken); akute Nierenfunktionsverschlechterung, Hypokomplementämie (erniedrigte Komplementfaktoren im Blut), endokapillär-exsudative Proliferation und C3-Kodominanz sprechen für eine infektionsassoziierte Genese
  • Minimal-Change-Glomerulopathie (Nierenerkrankung mit nur minimalen mikroskopischen Veränderungen) mit mesangialen IgA-Ablagerungen – insbesondere bei ausgeprägtem nephrotischem Syndrom (Nierenerkrankung mit starker Eiweißausscheidung im Urin) und ansonsten typischem podozytärem Minimal-Change-Muster zu differenzieren