Mikronährstoff-Mehrbedarf (Vitalstoffe) in der Schwangerschaft – Weitere Vitalstoffe (Mikronährstoffe)
Cholin (lebenswichtiger Nährstoffbestandteil), L-Carnitin (Transportstoff für Fettsäuren), Coenzym Q10 (Hilfsstoff der zellulären Energiegewinnung) und Myo-Inositol (zuckerähnlicher Botenstoff) unterscheiden sich grundlegend hinsichtlich Essentialität (Notwendigkeit der Zufuhr), Referenzwerten (Richtwerten für die Zufuhr) und klinischer Evidenz (wissenschaftlicher Belege aus Patientenstudien). Unter diesen Substanzen besitzt nur Cholin einen von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten schwangerschaftsspezifischen Referenzwert. Für L-Carnitin, Coenzym Q10 und Myo-Inositol ist dagegen kein allgemeiner schwangerschaftsbedingter Mehrbedarf definiert [1, 4, 6, 8, 9].
Myo-Inositol wird in diesem Kapitel wegen seiner Untersuchung als präventive Intervention gegen Gestationsdiabetes mellitus (Schwangerschaftsdiabetes) berücksichtigt. Es handelt sich dabei nicht um einen Bedarfsnährstoff mit festgelegtem Zufuhrreferenzwert [8, 9].
Cholin
Physiologische Bedeutung – Cholin ist ein essenzieller Nährstoff. Es wird für die Bildung von Phosphatidylcholin (Baustein der Zellhülle) und Sphingomyelin (Fettbestandteil der Zellhülle) benötigt und ist dadurch am Aufbau biologischer Membranen (Zellhüllen) beteiligt. Cholin dient außerdem als Ausgangssubstanz für Acetylcholin (Botenstoff des Nervensystems) und kann über Betain Methylgruppen (chemische Ein-Kohlenstoffgruppen) für den Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel (Übertragung einzelner Kohlenstoffbausteine im Stoffwechsel) bereitstellen. Damit bestehen metabolische Wechselwirkungen mit Folat (Vitamin B9), Vitamin B12 und Methionin (lebensnotwendige Aminosäure) [1].
Der menschliche Organismus kann Cholin endogen synthetisieren (im Körper selbst bilden). Die Eigensynthese reicht jedoch nicht zuverlässig aus, um den physiologischen Bedarf vollständig zu decken. Cholin muss deshalb zusätzlich über die Nahrung zugeführt werden [1].
Referenzwert in der Schwangerschaft – Die EFSA hat für Schwangere eine angemessene Zufuhr, den Adequate Intake (AI), von 480 mg Cholin pro Tag festgelegt. Für nicht schwangere Erwachsene beträgt der AI 400 mg pro Tag. Der Referenzwert für Schwangere liegt damit um 80 mg pro Tag höher [1].
Die Differenz von 80 mg pro Tag darf nicht als experimentell bestimmter durchschnittlicher Mehrbedarf interpretiert werden. Die EFSA konnte für Cholin weder einen durchschnittlichen Bedarf noch eine daraus abgeleitete Zufuhrempfehlung im engeren Sinn bestimmen und legte deshalb angemessene Zufuhrwerte fest [1].
Versorgungssituation – Eine 2025 publizierte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien) untersuchte die Cholinversorgung Schwangerer. In der gepoolten Analyse von zwölf Prävalenzstudien (Studien zur Häufigkeit eines Merkmals) erreichten 11,24 % der Schwangeren den in den jeweiligen Studien verwendeten Referenzwert. Die meisten dieser Untersuchungen orientierten sich am US-amerikanischen AI von 450 mg pro Tag. Die hohe statistische Heterogenität (Unterschiedlichkeit der Studienergebnisse) begrenzt die Übertragbarkeit des gepoolten Werts auf einzelne Populationen [2].
In einer Metaanalyse von sechs Beobachtungsstudien waren eine höhere maternale (mütterliche) Cholinzufuhr oder höhere Cholinmarker (Messwerte zur Beurteilung der Cholinversorgung) mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit ungünstiger Schwangerschaftsoutcomes (Schwangerschaftsergebnisse) assoziiert. Die Odds-Ratio (Chancenverhältnis) betrug 0,51 bei einem 95-%-Konfidenzintervall (Bereich, in dem der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt) von 0,40-0,65. Aufgrund des beobachtenden Studiendesigns, der unterschiedlichen Expositionserfassung und der heterogenen Endpunkte lässt sich daraus kein kausaler (ursächlicher) Nutzen einer Cholin-Supplementierung ableiten [2].
Cholin und kindliche Neuroentwicklung – Ein systematischer Review von 2025 identifizierte vier randomisierte kontrollierte Studien (Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung und Vergleichsgruppe) zur Cholin-Supplementierung während der Schwangerschaft und fünf Beobachtungsstudien zur pränatalen (vorgeburtlichen) Cholinexposition. Einzelne Untersuchungen berichteten Vorteile bei ausgewählten Parametern der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses oder der Informationsverarbeitung [3].
Die Mehrzahl der untersuchten neurokognitiven Endpunkte (Messgrößen geistiger Fähigkeiten) zeigte jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied. Kleine Stichproben, unterschiedliche Dosierungen, heterogene Interventionszeiträume, verschiedene Testverfahren und multiple Endpunkte verhindern eine belastbare Schlussfolgerung. Die gegenwärtige Evidenz reicht daher weder zum Nachweis noch zum Ausschluss eines neurokognitiven Zusatznutzens einer erhöhten Cholinzufuhr aus [3].
Lebensmittelquellen – Relevante Cholinquellen sind insbesondere Eier, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Pflanzliche Lebensmittel wie Sojabohnen und andere Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte und verschiedene Gemüsearten tragen ebenfalls zur Cholinzufuhr bei, enthalten pro üblicher Portion jedoch häufig geringere Mengen als besonders cholinreiche tierische Lebensmittel [1].
Ernährungsmedizinische Konsequenz – In der Schwangerschaft sollte eine Gesamtzufuhr von etwa 480 mg Cholin pro Tag aus Lebensmitteln und gegebenenfalls Supplementen angestrebt werden. Die Beurteilung sollte auf einer Ernährungsanamnese (systematischen Erfassung der Ernährungsgewohnheiten) beruhen, da kein validierter einzelner Laborparameter zur routinemäßigen Bestimmung des Cholinstatus verfügbar ist [1].
Ergibt die Ernährungsanamnese, dass der AI nicht erreicht wird, kann der rechnerisch fehlende Anteil durch ein cholinhaltiges Supplement ergänzt werden. Dies dient der Annäherung an den Referenzwert und ist nicht mit einer Empfehlung zur hoch dosierten Cholin-Supplementierung gleichzusetzen. Ein klinischer Zusatznutzen einer Zufuhr deutlich oberhalb des AI ist bislang nicht gesichert [1-3].
L-Carnitin
Physiologische Bedeutung – L-Carnitin ist am mitochondrialen Transport langkettiger Fettsäuren (Transport von Fettsäuren in die Kraftwerke der Zellen) beteiligt und ermöglicht damit deren Beta-Oxidation (Abbau von Fettsäuren zur Energiegewinnung). Es wird überwiegend in Leber und Nieren aus Lysin und Methionin synthetisiert und zusätzlich über die Nahrung aufgenommen. Fleisch stellt die mengenmäßig bedeutendste alimentäre (über die Nahrung aufgenommene) Quelle dar [4].
Für L-Carnitin ist kein allgemeiner schwangerschaftsspezifischer Zufuhrreferenzwert etabliert. Die biochemische Funktion von Carnitin begründet für sich allein keine Supplementierungsindikation (medizinische Begründung für eine Nahrungsergänzung) [4].
Veränderungen während der Schwangerschaft – Die Plasmakonzentrationen (Konzentrationen in der Blutflüssigkeit) von freiem und gesamtem Carnitin nehmen im Verlauf der Schwangerschaft ab. Als mögliche Ursachen werden Veränderungen der endogenen Synthese, der renalen Handhabung (Verarbeitung durch die Nieren), des maternalen Fettsäurestoffwechsels und des fetoplazentaren Carnitintransports (Carnitintransport zwischen Mutterkuchen und ungeborenem Kind) diskutiert [4, 5].
Die physiologische Konzentrationsabnahme ist nicht mit einem klinisch relevanten Carnitinmangel gleichzusetzen. Schwangerschaftsspezifische Grenzwerte, die niedrige Plasmakonzentrationen zuverlässig mit funktionellen Störungen oder ungünstigen Schwangerschaftsoutcomes verbinden, sind nicht validiert [4, 5].
Interventionsdaten – In einer kleinen randomisierten kontrollierten Studie wurden 26 gesunde Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche bis zur Entbindung mit 500 mg L-Carnitin pro Tag oder Placebo (Scheinpräparat) behandelt. Die Supplementierung verhinderte den Abfall der Plasmacarnitinkonzentration [5].
Die Studie war nicht ausreichend dimensioniert, um klinische Endpunkte wie Gestationsdiabetes, Präeklampsie (schwangerschaftsbedingte Hochdruckerkrankung), Frühgeburt, fetales Wachstum (Wachstum des ungeborenen Kindes) oder neonatale Morbidität (Erkrankungshäufigkeit des Neugeborenen) zu bewerten. Die Normalisierung eines biochemischen Parameters belegt deshalb keinen klinischen Nutzen einer routinemäßigen L-Carnitin-Supplementierung [5].
Ernährungsmedizinische Konsequenz – Für gesunde Schwangere besteht keine evidenzbasierte Indikation zur routinemäßigen L-Carnitin-Supplementierung. Eine gezielte Gabe bleibt einem nachgewiesenen primären oder sekundären Carnitinmangel (angeborenen oder erworbenen Carnitinmangel) sowie definierten angeborenen Stoffwechselerkrankungen vorbehalten. Diagnostik, Dosierung und Verlaufskontrolle sollten in diesen Fällen stoffwechselmedizinisch erfolgen [4, 5].
Coenzym Q10
Physiologische Bedeutung – Coenzym Q10, auch Ubichinon genannt, ist ein Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette (Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zellen). Es vermittelt den Elektronentransport zu Komplex III und ist dadurch an der oxidativen Phosphorylierung (Bildung von Zellenergie mithilfe von Sauerstoff) und der Bildung von Adenosintriphosphat (ATP, wichtigster Energieträger der Zelle) beteiligt. Die reduzierte Form Ubichinol wirkt zusätzlich innerhalb zellulärer antioxidativer Systeme (Schutzsysteme gegen aggressive Sauerstoffverbindungen) [6].
Coenzym Q10 wird endogen synthetisiert und in geringeren Mengen über Lebensmittel aufgenommen. Für gesunde Erwachsene oder Schwangere besteht kein anerkannter Zufuhrreferenzwert. Ein allgemeiner schwangerschaftsspezifischer Mehrbedarf ist nicht nachgewiesen [6].
Prävention der Präeklampsie – In einer randomisierten doppelblinden Studie (Studie, bei der weder Teilnehmerinnen noch Untersuchende die Gruppenzuteilung kennen) wurden 235 Schwangere mit erhöhtem Präeklampsierisiko ab der 20. Schwangerschaftswoche mit 200 mg Coenzym Q10 pro Tag oder Placebo behandelt. Eine Präeklampsie trat bei 14,4 % der Teilnehmerinnen in der Coenzym-Q10-Gruppe und bei 25,6 % der Teilnehmerinnen in der Placebogruppe auf. Das relative Risiko (Verhältnis der Erkrankungswahrscheinlichkeiten) betrug 0,56 bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,33-0,96 [7].
Das Ergebnis stammt aus einer einzelnen Studie und wurde bislang nicht durch ausreichend große unabhängige randomisierte Studien bestätigt. Ein aktueller Review aus dem Jahr 2025 bewertet die Evidenz zu Coenzym Q10 deshalb als nicht ausreichend für eine klinische Routineempfehlung [6, 7].
Abgrenzung zur leitliniengerechten Präeklampsieprophylaxe – Die aktuelle S2k-Leitlinie (medizinische Handlungsempfehlung auf Basis eines strukturierten Expertenkonsenses) empfiehlt bei anamnestischem Risiko (aus der Krankengeschichte erkennbarem Risiko) oder einem hohen Risikowert im Präeklampsiescreening (Vorsorgeuntersuchung auf ein Präeklampsierisiko) die orale Einnahme von 100-150 mg Acetylsalicylsäure (ASS, Medikament zur Hemmung der Blutplättchen) pro Tag. Die Einnahme soll in der Frühschwangerschaft und spätestens vor 16+0 Schwangerschaftswochen begonnen werden und vorzugsweise abends erfolgen [LL1].
Coenzym Q10 ist kein Bestandteil der leitliniengerechten Präeklampsieprophylaxe und darf eine indizierte ASS-Prophylaxe nicht ersetzen [6, 7, LL1].
Ernährungsmedizinische Konsequenz – Eine routinemäßige Coenzym-Q10-Supplementierung gesunder Schwangerer oder von Schwangeren mit erhöhtem Präeklampsierisiko ist gegenwärtig nicht evidenzbasiert begründbar. Die einzelne positive Interventionsstudie stellt ein Forschungssignal, aber keinen Nachweis eines allgemeinen Mehrbedarfs dar [6, 7].
Myo-Inositol
Einordnung – Myo-Inositol kann im menschlichen Organismus aus Glucose synthetisiert werden. Inositolphosphate und Phosphatidylinositole (Bestandteile zellulärer Signalwege) sind an intrazellulären Signalwegen (Informationsübertragung innerhalb der Zelle) beteiligt. Myo-Inositol wirkt unter anderem als sekundärer Signalvermittler der Insulinwirkung [8, 9].
Myo-Inositol besitzt keinen Referenzwert für die tägliche Zufuhr in der Schwangerschaft. Seine Anwendung ist deshalb nicht als Deckung eines Mikronährstoff-Mehrbedarfs, sondern als untersuchte metabolische Präventionsintervention einzuordnen [8, 9].
Prävention des Gestationsdiabetes mellitus – Der Cochrane-Review (systematische wissenschaftliche Übersichtsarbeit nach festgelegten Qualitätsstandards) von 2023 schloss sieben Studien zur antenatalen Myo-Inositol-Supplementierung (Nahrungsergänzung vor der Geburt) ein. In der Metaanalyse war Myo-Inositol mit einer niedrigeren Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) des Gestationsdiabetes mellitus (GDM) assoziiert. Das relative Risiko betrug 0,53 bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,31-0,90 [8].
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde aufgrund kleiner Studienpopulationen, methodischer Einschränkungen, unzureichender Verblindung und unvollständiger Erfassung unerwünschter Ereignisse als niedrig bis sehr niedrig bewertet. Der Cochrane-Review sah deshalb keine ausreichende Grundlage für eine allgemeine Anwendung [8].
Eine 2026 publizierte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse umfasste zwölf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 4.765 Teilnehmerinnen. Myo-Inositol war gegenüber Placebo oder Standardversorgung mit einer relativen Reduktion der GDM-Inzidenz um 44 % verbunden [9].
Für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen (schwangerschaftsbedingte Bluthochdruckerkrankungen), Sectio caesarea (Kaiserschnitt), Makrosomie (übermäßiges kindliches Geburtsgewicht), Frühgeburt und neonatale Hypoglykämie (Unterzuckerung des Neugeborenen) ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede. Die Evidenz stützt damit ein präventives Signal für die GDM-Inzidenz, zeigt jedoch keinen konsistenten Nutzen hinsichtlich weiterer maternaler oder neonataler Endpunkte (Messgrößen bei Mutter oder Neugeborenem) [9].
Einschränkungen der Evidenz – Die Studien unterschieden sich hinsichtlich Risikoprofil, Body-Mass-Index (Körpermassenzahl), präkonzeptionellem (vor der Empfängnis liegendem) oder gestationalem Behandlungsbeginn (Behandlungsbeginn während der Schwangerschaft), Dosierung, Kontrollintervention und diagnostischen GDM-Kriterien. In mehreren Studien wurden 2 g Myo-Inositol zweimal täglich eingesetzt, häufig zusammen mit Folsäure. Dieses Dosierungsschema ist ein Studienregime und kein Zufuhrreferenzwert [8, 9].
Ernährungsmedizinische Konsequenz – Die aktuelle Metaanalyse verstärkt die Evidenz für eine mögliche Reduktion der GDM-Inzidenz. Eine routinemäßige Myo-Inositol-Supplementierung aller Schwangeren kann daraus jedoch noch nicht als allgemeiner Versorgungsstandard abgeleitet werden. Hierfür fehlen insbesondere eine abschließende leitliniengestützte Bewertung, eine einheitliche Definition der Zielgruppe und ausreichend belastbare Daten zu langfristigen kindlichen Endpunkten [8, 9].
Myo-Inositol ersetzt weder eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität noch das reguläre Screening (Reihenuntersuchung) auf Gestationsdiabetes mellitus [8, 9].
Zusammenfassende Bewertung
- Cholin – Die EFSA legt für Schwangere einen AI von 480 mg pro Tag fest. Bei alimentär nicht erreichter Zielzufuhr kann die individuelle Versorgungslücke durch ein Supplement geschlossen werden. Ein Zusatznutzen hoch dosierter Gaben oberhalb des AI ist nicht gesichert [1-3].
- L-Carnitin – Die Plasmakonzentrationen nehmen während der Schwangerschaft ab. Der klinische Nutzen einer routinemäßigen Supplementierung wurde nicht nachgewiesen. Eine Gabe bleibt definierten medizinischen Indikationen vorbehalten [4, 5].
- Coenzym Q10 – Ein schwangerschaftsspezifischer Mehrbedarf ist nicht belegt. Eine einzelne randomisierte Studie zeigte ein positives Signal zur Präeklampsieprävention, das bisher nicht ausreichend repliziert wurde [6, 7].
- Myo-Inositol – Myo-Inositol ist kein Bedarfsnährstoff. Metaanalysen zeigen eine geringere GDM-Inzidenz, aber keine konsistenten Vorteile bei weiteren maternalen oder neonatalen Endpunkten. Eine allgemeine Supplementierung ist noch kein leitliniengestützter Versorgungsstandard [8, 9].
Fazit
Ein allgemeiner Mehrbedarf an sogenannten Vitaminoiden lässt sich für die Schwangerschaft nicht ableiten. Unter den hier behandelten Substanzen besitzt nur Cholin einen schwangerschaftsspezifischen Referenzwert. Der EFSA-AI beträgt 480 mg pro Tag und liegt damit um 80 mg pro Tag über dem Wert für nicht schwangere Erwachsene [1].
Die Cholinzufuhr sollte anhand der Ernährungsanamnese beurteilt und vorrangig über cholinreiche Lebensmittel gesichert werden. Wird der Referenzwert nicht erreicht, kann der fehlende Anteil gezielt supplementiert werden. Eine generelle hoch dosierte Cholin-Supplementierung ist dagegen nicht durch gesicherte klinische Vorteile belegt [1-3].
Für L-Carnitin und Coenzym Q10 fehlen Referenzwerte und belastbare Nachweise eines klinischen Nutzens der routinemäßigen Supplementierung. Biochemische Plausibilität oder schwangerschaftsbedingte Veränderungen von Plasmakonzentrationen reichen zur Begründung einer Supplementierungsindikation nicht aus [4-7].
Myo-Inositol zeigt in der aktuellen Metaanalyse ein relevantes präventives Signal hinsichtlich des Gestationsdiabetes mellitus. Aufgrund der verbleibenden methodischen Unsicherheiten, der fehlenden konsistenten Effekte auf weitere Schwangerschaftsoutcomes und der noch ausstehenden endgültigen leitliniengestützten Bewertung ist eine allgemeine Anwendung derzeit nicht als Standardversorgung einzuordnen [8, 9].
Literatur
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- Gould JF et al.: Choline During Pregnancy and Child Neurodevelopment: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials and Observational Studies. Nutrients. 2025;17(5):886. doi:10.3390/nu17050886
- Manta-Vogli PD et al.: The significant role of carnitine and fatty acids during pregnancy, lactation and perinatal period. Nutritional support in specific groups of pregnant women. Clin Nutr. 2020;39(8):2337-2346. doi:10.1016/j.clnu.2019.10.025
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- Ushida T et al.: Dietary supplements and prevention of preeclampsia. Hypertens Res. 2025;48(4):1444-1457. doi:10.1038/s41440-025-02144-9
- Teran E et al.: Coenzyme Q10 supplementation during pregnancy reduces the risk of pre-eclampsia. Int J Gynaecol Obstet. 2009;105(1):43-45. doi:10.1016/j.ijgo.2008.11.033
- Motuhifonua SK et al.: Antenatal dietary supplementation with myo-inositol for preventing gestational diabetes. Cochrane Database Syst Rev. 2023;2(2):CD011507. doi:10.1002/14651858.CD011507.pub3
- Poyatos-León R et al.: The effect of myo-inositol supplementation on gestational diabetes mellitus prevention: a systematic review and meta-analysis. Am J Obstet Gynecol. 2026; online ahead of print. doi:10.1016/j.ajog.2026.05.020
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft: Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 015-018), Version 7.0, Juli 2024. Langfassung