Makro- und Mikronährstoff-Mehrbedarf in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, essenziellen Fettsäuren und weiteren Mikronährstoffen von besonderer Bedeutung. Der Aufbau der Plazenta und des kindlichen Gewebes, die Vergrößerung des mütterlichen Blutvolumens sowie die Anpassungen des mütterlichen Stoffwechsels erhöhen den Bedarf an zahlreichen Nährstoffen. Da der Energiebedarf deutlich weniger stark zunimmt als der Nährstoffbedarf, kommt einer hohen Nährstoffdichte der Ernährung eine zentrale Bedeutung zu [1, 2].

Eine gezielte Supplementierung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge vor und während der Schwangerschaft. Sie ergänzt eine ausgewogene Ernährung und trägt dazu bei, die Versorgung mit solchen Mikronährstoffen zuverlässig sicherzustellen, deren Bedarf über Lebensmittel allein nicht immer ausreichend oder rechtzeitig gedeckt werden kann. Ernährung und Supplementierung stehen dabei nicht im Gegensatz, sondern bilden gemeinsam die Grundlage einer bedarfsgerechten Mikronährstoffversorgung von Mutter und Kind [1].

Besonders deutlich wird der präventive Nutzen bei der Folsäure. Die rechtzeitig vor der Konzeption begonnene Supplementierung vermindert das Risiko für Neuralrohrdefekte des Kindes. Deshalb sollen Frauen mit Kinderwunsch zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich 400 µg Folsäure bzw. eine äquivalente Menge anderer Folate einnehmen. Die Einnahme soll spätestens 4 Wochen vor der Konzeption beginnen und bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden. Bei einem späteren Beginn wird bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche eine höhere Dosierung empfohlen [1].

Auch Jod soll während der gesamten Schwangerschaft ergänzend zugeführt werden. Empfohlen wird ein Supplement mit täglich 100-150 µg Jod. Bei einer Schilddrüsenerkrankung soll die Einnahme zuvor ärztlich abgestimmt werden. Schwangere, die keinen oder nicht regelmäßig fettreichen Meeresfisch verzehren, können die empfohlene Zufuhr von durchschnittlich 200 mg Docosahexaensäure pro Tag durch ein geeignetes DHA-Supplement sicherstellen [1].

Weitere Supplementierungen können die Versorgung gezielt optimieren. Bei geringer oder fehlender körpereigener Vitamin-D-Bildung werden täglich 20 µg bzw. 800 Internationale Einheiten Vitamin D empfohlen. Eisen sollte bei einem laborchemisch bestätigten Eisenmangel supplementiert werden. Bei veganer Ernährung, Malabsorptionsstörungen, vorausgegangener bariatrischer Operation, Mehrlingsschwangerschaft, chronischen Erkrankungen oder einer langfristigen Arzneimitteltherapie können zusätzliche Mikronährstoffe erforderlich sein [1].

Ein hinsichtlich Zusammensetzung und Dosierung geeignetes Schwangerschaftspräparat kann die praktische Umsetzung der Supplementierungsempfehlungen erleichtern. Die Auswahl sollte den individuellen Ernährungsgewohnheiten, dem Schwangerschaftsstadium, bestehenden Risikofaktoren und gegebenenfalls den Ergebnissen einer gezielten Labordiagnostik Rechnung tragen. Auf diese Weise lassen sich Versorgungslücken frühzeitig vermeiden und die Voraussetzungen für eine optimale Entwicklung des Kindes sowie für die Gesundheit der Mutter verbessern.

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Mikronährstoffgruppen finden Sie in den folgenden Beiträgen:

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Literatur und Handlungsempfehlungen

  1. Netzwerk Gesund ins Leben: Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft. Bundesweite Handlungsempfehlungen, aktualisierte Fassung 2026. Handlungsempfehlungen Schwangerschaft
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 3. Auflage, 1. Ausgabe, Bonn 2025. D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr