Kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie)

Bei der Sigmoidoskopie (Spiegelung des unteren Dickdarms) (Synonyme: flexible Sigmoidoskopie, Rektosigmoidoskopie, Teilkoloskopie) handelt es sich um ein invasives (in den Körper eindringendes) endoskopisches Verfahren (Spiegelungsverfahren) zur Untersuchung des Rektums (Mastdarms), des Colon sigmoideum (S-förmigen Dickdarmabschnitts) und – abhängig von der individuellen Anatomie, der Darmvorbereitung und der Untersuchungstechnik – des distalen Colon descendens (unteren Abschnitts des absteigenden Dickdarms). Die Untersuchung wird in der Regel mit einem flexiblen Videoendoskop (biegsames Untersuchungsgerät mit Kamera) durchgeführt. Sie ermöglicht neben der direkten Beurteilung der Schleimhaut (inneren Gewebeschicht) die gezielte Entnahme von Biopsien (Gewebeproben) und begrenzte therapeutische Maßnahmen (Behandlungsmaßnahmen). Im Unterschied zur vollständigen Koloskopie (Spiegelung des gesamten Dickdarms) werden die proximalen Kolonabschnitte (weiter oben gelegenen Dickdarmabschnitte) nicht zuverlässig erfasst, sodass dort gelegene Läsionen (Gewebeveränderungen) durch eine Sigmoidoskopie nicht ausgeschlossen werden können [LL1, LL2].

Beurteilbare Strukturen

  • Analkanal (Afterkanal) – Der Analkanal kann beim Einführen und Zurückziehen des Endoskops orientierend beurteilt werden. Bei isolierten proktologischen Fragestellungen sind die Anoskopie (Spiegelung des Afterkanals) oder Proktoskopie (Spiegelung von Afterkanal und unterem Mastdarm) häufig besser geeignet.
  • Rektum – Die Schleimhaut kann auf entzündliche, neoplastische (tumorartige), vaskuläre (gefäßbedingte), traumatische (verletzungsbedingte) und postoperative (nach einer Operation entstandene) Veränderungen untersucht werden.
  • Rektosigmoidaler Übergang (Übergang vom Mastdarm zum S-förmigen Dickdarm) – Die Übergangszone zwischen Rektum und Colon sigmoideum kann auf Stenosen (Verengungen), Entzündungen und neoplastische Läsionen untersucht werden.
  • Colon sigmoideum – Das Colon sigmoideum kann auf Polypen (Schleimhautwucherungen), Karzinome (bösartige Tumoren), Divertikel (Ausstülpungen der Darmwand), entzündliche Veränderungen, Blutungsquellen und Stenosen untersucht werden.
  • Distales Colon descendens – Die Beurteilbarkeit hängt von der individuellen Kolonkonfiguration (Form des Dickdarms), der Darmreinigung, der Untersuchungstoleranz und dem Untersuchungsziel ab.
  • Linke Kolonflexur (linke Dickdarmbiegung) – Die linke Kolonflexur kann gegebenenfalls erreicht werden, stellt jedoch keinen obligaten Endpunkt jeder Sigmoidoskopie dar.

Indikationen

  • Hämatochezie (sichtbares hellrotes Blut im Stuhl) – Die Sigmoidoskopie kann zur Abklärung einer vermuteten distalen gastrointestinalen Blutungsquelle (Blutungsquelle im unteren Verdauungstrakt) eingesetzt werden. Bei einer massiven Hämatochezie mit hämorrhagischem Schock (Kreislaufversagen durch starken Blutverlust) muss zunächst auch eine obere gastrointestinale Blutungsquelle ausgeschlossen werden [LL4].
  • Akute schwere Colitis ulcerosa (schwerer Schub einer chronisch entzündlichen Dickdarmerkrankung) – Bei notwendiger endoskopischer Diagnostik soll zunächst eine vorsichtige, begrenzte Sigmoidoskopie durchgeführt werden. Eine vollständige Ileokoloskopie (Spiegelung des gesamten Dickdarms und des letzten Dünndarmabschnitts) soll im akuten schweren Schub wegen des erhöhten Perforationsrisikos (Risikos eines Darmdurchbruchs) vermieden werden [LL3].
  • Bekannte distale Colitis ulcerosa oder Proktosigmoiditis (Entzündung von Mastdarm und S-förmigem Dickdarm) – Die Untersuchung kann zur Beurteilung der endoskopischen Krankheitsaktivität, des Therapieansprechens und der Mukosaheilung (Abheilung der Darmschleimhaut) eingesetzt werden [LL3].
  • Verdacht auf eine infektiöse Kolitis (infektionsbedingte Dickdarmentzündung) – Die Sigmoidoskopie kann bei klinisch relevanter Fragestellung zur Schleimhautbeurteilung und zur Gewinnung von Biopsien dienen. Bei schwerer oder steroidrefraktärer (auf Kortison nicht ausreichend ansprechender) Colitis ulcerosa können Gewebeproben insbesondere zur Diagnostik einer Cytomegalievirusinfektion (Infektion mit dem Cytomegalievirus) erforderlich sein [LL3].
  • Verdacht auf eine ischämische, medikamentös induzierte oder strahlenbedingte Kolitis (Dickdarmentzündung durch Minderdurchblutung, Medikamente oder Bestrahlung) – Die Untersuchung kann bei mutmaßlich linksseitigem Befall zur Diagnosesicherung und histologischen Differenzierung (Unterscheidung durch feingewebliche Untersuchung) eingesetzt werden [LL2].
  • Persistierende Diarrhö, Schleimabgang, Tenesmen oder imperativer Stuhldrang (anhaltender Durchfall, Schleimabgang, schmerzhafter oder plötzlich nicht aufschiebbarer Stuhldrang) – Die Untersuchung kann bei klinischem Verdacht auf eine distale entzündliche oder neoplastische Ursache erfolgen [LL2, LL3].
  • Verdacht auf eine distale kolorektale Neoplasie (Neubildung im unteren Dick- oder Mastdarm) – Auffällige Läsionen können lokalisiert, charakterisiert und biopsiert (durch eine Gewebeentnahme untersucht) werden. Kleine, technisch unkomplizierte Polypen können unter geeigneten Voraussetzungen endoskopisch reseziert (entfernt) werden [LL1, LL2].
  • Kontrolle bekannter distaler Läsionen – Die Sigmoidoskopie kann zur Verlaufskontrolle nach lokaler endoskopischer oder operativer Therapie eingesetzt werden [LL2].
  • Beurteilung kolorektaler Anastomosen (operativ geschaffener Darmverbindungen) – Die Untersuchung kann zur Erkennung von Anastomosenstenosen (Verengungen einer operativen Darmverbindung), Lokalrezidiven (örtlich wiederkehrenden Tumoren), Entzündungen, Blutungen oder Nahtinsuffizienzen (Undichtigkeiten einer Operationsnaht) erfolgen [LL2].
  • Endoskopische Überwachung eines verbliebenen Rektums – Nach Kolektomie (operativer Entfernung des Dickdarms) mit ileorektaler Anastomose (operativer Verbindung von Dünndarm und Mastdarm) kann eine regelmäßige Sigmoidoskopie erforderlich sein. Bei familiärer adenomatöser Polyposis (FAP, erblich bedingter Bildung zahlreicher Darmpolypen) empfiehlt die S3-Leitlinie eine Untersuchung alle 1-2 Jahre mit Entfernung von Polypen über 5 mm [LL1].
  • Distale Stenose oder Obstruktion (Verengung oder Verschluss des unteren Dickdarms) – Die Sigmoidoskopie kann bei ausgewählten Patienten zur diagnostischen Abklärung und zur Planung weiterer endoskopischer, radiologischer (durch Bildgebung erfolgender) oder chirurgischer Maßnahmen eingesetzt werden. Bei möglicher Perforation ist die Untersuchung kontraindiziert [LL2].
  • Kolorektale Karzinomfrüherkennung (Früherkennung von Dick- und Mastdarmkrebs) – Die Sigmoidoskopie ist ein in randomisierten Studien validiertes Screeningverfahren mit langfristiger Senkung der Inzidenz (Häufigkeit neuer Erkrankungsfälle) kolorektaler Karzinome und der krankheitsspezifischen Mortalität (Sterblichkeit an der betreffenden Erkrankung). Der präventive Effekt betrifft überwiegend das endoskopisch eingesehene Rektum und distale Kolon [1-4, LL1].

Kontraindikationen

Die Kontraindikationen richten sich nach der klinischen Dringlichkeit, dem Untersuchungsumfang, geplanten Interventionen und dem individuellen Komplikationsrisiko.

  • Fehlende Einwilligung – Ohne wirksame Einwilligung darf die Untersuchung außer bei einer unmittelbar vitalen Indikation und den hierfür geltenden rechtlichen Voraussetzungen nicht durchgeführt werden [LL2].
  • Gesicherte oder hochgradig vermutete Darmperforation (Darmdurchbruch) – Bei freier intraabdomineller Luft (freier Luft in der Bauchhöhle), Peritonitis (Bauchfellentzündung) oder ausgeprägter Abwehrspannung (reflexhafter Anspannung der Bauchdecke) ist eine Sigmoidoskopie in der Regel kontraindiziert [LL2].
  • Nicht stabilisierte hämodynamische oder respiratorische Situation (nicht stabilisierte Kreislauf- oder Atmungssituation) – Vor einer endoskopischen Untersuchung müssen zunächst die Vitalfunktionen stabilisiert werden [LL2, LL4].
  • Toxisches Megakolon oder fulminante Kolitis (lebensbedrohliche Erweiterung des Dickdarms oder sehr schwer verlaufende Dickdarmentzündung) – Es besteht ein erhöhtes Perforationsrisiko. Eine Untersuchung darf nur bei zwingender diagnostischer Konsequenz, durch einen erfahrenen Untersucher, mit begrenzter Eindringtiefe und minimaler Insufflation erfolgen [LL3].
  • Akutes Abdomen mit Peritonitiszeichen (plötzlich einsetzende schwere Baucherkrankung mit Zeichen einer Bauchfellentzündung) – Eine endoskopische Untersuchung ist bis zur Klärung einer möglichen Perforation oder transmuralen Entzündung (alle Darmwandschichten betreffenden Entzündung) zu vermeiden [LL2].
  • Frische kolorektale Operation oder gefährdete Anastomose – Es handelt sich um eine relative Kontraindikation. Die Entscheidung muss vom Operationsverfahren, vom postoperativen Intervall und von der klinischen Fragestellung abhängig gemacht werden [LL2].
  • Klinisch relevante, nicht kontrollierte Gerinnungsstörung (bedeutsame Störung der Blutgerinnung) – Vor einer Polypektomie (Entfernung eines Darmpolypen) oder anderen interventionellen Maßnahme muss das Blutungsrisiko individuell bewertet und gegebenenfalls korrigiert werden. Eine rein diagnostische Endoskopie einschließlich Standardbiopsien gilt dagegen als Eingriff mit niedrigem Blutungsrisiko [LL2].
  • Antithrombotische Therapie (blutgerinnungshemmende Behandlung) – Eine Behandlung mit Antikoagulanzien (Gerinnungshemmern) oder Thrombozytenaggregationshemmern (Blutplättchenhemmern) stellt keine generelle Kontraindikation dar. Das weitere Vorgehen richtet sich nach dem Blutungsrisiko der geplanten Maßnahme und dem individuellen Thromboembolierisiko (Risiko eines Gefäßverschlusses durch ein Blutgerinnsel) [LL2].
  • Unzureichende Darmvorbereitung – Eine unzureichende Reinigung ist keine absolute Kontraindikation, kann jedoch die diagnostische Aussagekraft erheblich vermindern und eine Wiederholungsuntersuchung erforderlich machen [LL2].

Vor der Untersuchung

Vor der Sigmoidoskopie sind folgende Maßnahmen zu berücksichtigen:

  • Indikationsprüfung und Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) – Die klinische Fragestellung, Voruntersuchungen, frühere kolorektale Operationen, Begleiterkrankungen und individuelle Risikofaktoren müssen erfasst werden [LL2].
  • Patientenaufklärung und Einwilligung – Der Patient muss über das Untersuchungsziel, die begrenzte Reichweite, mögliche Alternativen, vorgesehene Biopsien oder Interventionen sowie potenzielle Komplikationen aufgeklärt werden [LL2].
  • Medikamentenanamnese (Erfassung der eingenommenen Medikamente) – Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer, Antidiabetika (Medikamente gegen Diabetes), Sedativa (Beruhigungsmittel) und anamnestisch relevante Allergien müssen erfasst werden [LL2, LL5].
  • Gerinnungsdiagnostik (Untersuchung der Blutgerinnung) – Eine routinemäßige Bestimmung der Gerinnungsparameter (Messwerte der Blutgerinnung) ist vor einer diagnostischen Endoskopie nicht grundsätzlich erforderlich. Sie soll bei entsprechender Blutungsanamnese, Lebererkrankung, klinischem Verdacht auf eine Gerinnungsstörung oder vor einer risikoreichen Intervention erfolgen [LL2].
  • Darmreinigung – Für eine diagnostische Sigmoidoskopie genügt üblicherweise eine lokale Darmvorbereitung mit einem oder zwei rektalen Klysmen (Einläufen). Eine vollständige orale Darmreinigung ist im Regelfall nicht erforderlich [LL1, LL2].
  • Erweiterte Darmvorbereitung – Eine orale Vorbereitung kann bei geplanter weiter proximaler Untersuchung, erwarteter Polypektomie, ausgeprägter Obstipation (Verstopfung) oder unzureichender lokaler Reinigung sinnvoll sein [LL2].
  • Sedierungsplanung (Planung einer Beruhigung bzw. leichten Narkose) – Eine kurze diagnostische Sigmoidoskopie kann häufig ohne Sedierung durchgeführt werden. Der Sedierungswunsch, der Untersuchungsumfang, die Begleiterkrankungen und die strukturellen Voraussetzungen müssen individuell berücksichtigt werden [LL5].
  • Nüchternheit – Die erforderliche Nüchternheitsdauer richtet sich nach einer geplanten Sedierung oder Analgesie (Schmerzbehandlung) und den hierfür geltenden Empfehlungen und lokalen Standards [LL5].
  • Schwangerschaft – Die Untersuchung soll nur bei einer klinisch relevanten Indikation und nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Zu den möglichen Indikationen gehören eine relevante untere gastrointestinale Blutung, der Verdacht auf einen kolorektalen Tumor oder eine schwere persistierende Diarrhö nach erfolgloser nicht invasiver Diagnostik [LL2].

Das Verfahren

Die flexible Sigmoidoskopie wird überwiegend in Linksseitenlage (Lagerung auf der linken Körperseite) durchgeführt. Die Eindringtiefe wird anhand anatomischer Landmarken (erkennbarer Orientierungspunkte im Körper), der Darmvorbereitung, des Untersuchungsziels, der Patiententoleranz und der sicheren Durchführbarkeit festgelegt. Eine auf dem Endoskop angegebene Zentimeterdistanz erlaubt wegen möglicher Schleifenbildung (Schlingenbildung des Endoskops) keine zuverlässige anatomische Lokalisation.

Zum Ablauf der Sigmoidoskopie:

  • Vor Beginn der Endoskopie erfolgen eine Inspektion der Perianalregion (Bereich um den After) und in der Regel eine digitale rektale Untersuchung (Austastung des Mastdarms mit dem Finger) [LL2].
  • Das flexible Endoskop wird unter Verwendung eines Gleitmittels und unter direkter Sicht vorsichtig über den Analkanal in das Rektum eingeführt.
  • Die Passage des rektosigmoidalen Übergangs und des Colon sigmoideum erfolgt unter kontrollierter Insufflation (Einbringen von Gas), Aspiration (Absaugen von Flüssigkeit oder Gas) und gegebenenfalls Wasserspülung.
  • Für die flexible kolorektale Endoskopie soll Kohlendioxid (CO₂) anstelle von Raumluft zur Insufflation verwendet werden. Kohlendioxid wird rascher resorbiert (vom Körper aufgenommen) und reduziert postinterventionelle (nach dem Eingriff auftretende) Schmerzen und Blähungen [LL2].
  • Das Endoskop wird nur so weit vorgeschoben, wie es das Untersuchungsziel, die individuelle Anatomie, die Darmvorbereitung und die Patientensicherheit erlauben.
  • Die detaillierte Schleimhautinspektion erfolgt insbesondere während des langsamen Zurückziehens des Endoskops.
  • Auffällige Befunde werden hinsichtlich ihrer Lokalisation, Größe, Morphologie (Form und Gestalt), Oberflächenstruktur, Ausdehnung und gegebenenfalls Blutungsaktivität dokumentiert [LL2].
  • Gezielte oder systematische Biopsien können über den Arbeitskanal (Instrumentenkanal des Endoskops) entnommen werden.
  • Kleine, technisch unkomplizierte Polypen können bei geeigneter Vorbereitung und fehlenden Kontraindikationen reseziert werden. Bei komplexen Läsionen muss eine vollständige Koloskopie mit festgelegter Resektionsstrategie (Plan zur Entfernung der Gewebeveränderung) geplant werden [LL1, LL2].
  • Die erreichte Untersuchungsausdehnung, die Qualität der Darmreinigung, die Vollständigkeit der Schleimhautbeurteilung, entnommene Proben, durchgeführte Interventionen und aufgetretene Komplikationen müssen dokumentiert werden [LL2].

Mögliche Befunde

  • Entzündliche Veränderungen – Zu den möglichen Befunden gehören Erytheme (Rötungen), Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen), ein Verlust der Gefäßzeichnung (des sichtbaren Gefäßmusters), eine erhöhte Kontaktvulnerabilität (leichte Blutbarkeit bei Berührung), Erosionen (oberflächliche Schleimhautdefekte), Ulzerationen (tiefer reichende Schleimhautgeschwüre), Pseudopolypen (entzündlich entstandene Schleimhautvorwölbungen) und spontane Schleimhautblutungen [LL3].
  • Neoplastische Veränderungen – Adenomatöse Polypen (drüsenbildende Schleimhautwucherungen), sessile serratierte Läsionen (flache gezackte Krebsvorstufen), Frühkarzinome (frühe bösartige Tumoren) und fortgeschrittene kolorektale Karzinome (fortgeschrittener Dick- oder Mastdarmkrebs) können identifiziert und histologisch abgeklärt werden [LL1, LL2].
  • Divertikuläre Veränderungen – Divertikel, luminale Einengungen (Verengungen des Darminneren) und Blutungsstigmata (Zeichen einer stattgehabten oder aktiven Blutung) können dargestellt werden.
  • Vaskuläre Veränderungen – Zu den möglichen Befunden gehören Angiodysplasien (Gefäßfehlbildungen), Gefäßektasien (erweiterte Gefäße), eine Strahlenproktopathie (strahlenbedingte Schädigung des Mastdarms) und aktive Blutungsquellen.
  • Ischämische Veränderungen – Segmentale Schleimhautrötungen, Ödeme, Einblutungen, Längsulzerationen und nekrotische Veränderungen (abgestorbenes Gewebe) können auf eine ischämische Kolitis hinweisen.
  • Infektiöse Veränderungen – Die Sigmoidoskopie kann unspezifische oder erregerassoziierte Entzündungszeichen zeigen. Die ätiologische Zuordnung (Bestimmung der Ursache) erfordert in der Regel ergänzende mikrobiologische (auf Erreger ausgerichtete) und histopathologische Untersuchungen (feingewebliche Untersuchungen).
  • Stenosen und Strikturen (Verengungen und narbige Verengungen) – Entzündliche, neoplastische, postoperative oder ischämische Lumeneinengungen können erkannt werden.
  • Postoperative Veränderungen – Anastomosenstenosen, Anastomosenrezidive (Tumorwiederkehr an einer operativen Darmverbindung), Ulzerationen, Blutungen und entzündliche Veränderungen können beurteilt werden.
  • Fremdkörper – Distal gelegene Fremdkörper können identifiziert und bei geeigneten Voraussetzungen endoskopisch entfernt werden.
  • Unauffälliger Befund – Eine unauffällige Schleimhaut im untersuchten Abschnitt schließt eine Erkrankung des nicht eingesehenen proximalen Kolons nicht aus [LL1].

Nach der Untersuchung

  • Untersuchung ohne Sedierung – Nach einer komplikationslosen Untersuchung können die normalen Alltagsaktivitäten in der Regel unmittelbar wieder aufgenommen werden.
  • Abdominelle Beschwerden (Bauchbeschwerden) – Ein vorübergehendes Druckgefühl, Blähungen oder leichte krampfartige Schmerzen können durch verbliebenes Insufflationsgas verursacht werden.
  • Geringfügiger Blutabgang – Nach Biopsien oder einer Polypektomie kann vorübergehend eine geringe rektale Blutung auftreten.
  • Propofol-Monosedierung (alleinige Beruhigung mit Propofol) – Nach einer alleinigen Sedierung mit Propofol darf der Patient mindestens 12 Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, keine gefährlichen Maschinen bedienen und keine rechtlich bindenden Dokumente unterzeichnen [LL5].
  • Sedierung mit Benzodiazepinen (bestimmten Beruhigungsmitteln) – Nach Verwendung eines Benzodiazepins gelten die entsprechenden Einschränkungen für 24 Stunden [LL5].
  • Entlassung nach Sedierung – Die Entlassung darf erst nach Erfüllung standardisierter Entlassungskriterien erfolgen. Eine geeignete Begleitperson und schriftliche Verhaltensanweisungen sind erforderlich [LL5].
  • Histopathologischer Befund (feingeweblicher Untersuchungsbefund) – Nach Vorliegen des Ergebnisses der Gewebeuntersuchung müssen der Befund besprochen und das weitere diagnostische oder therapeutische Vorgehen festgelegt werden.

Eine unverzügliche ärztliche Abklärung ist bei folgenden Beschwerden erforderlich:

  • Starke oder zunehmende abdominelle Schmerzen erfordern eine unverzügliche ärztliche Abklärung.
  • Eine zunehmende abdominelle Distension (Aufblähung des Bauches) oder Bauchdeckenspannung erfordert eine unverzügliche ärztliche Abklärung.
  • Eine stärkere, anhaltende oder rezidivierende rektale Blutung erfordert eine unverzügliche ärztliche Abklärung.
  • Fieber, Schüttelfrost oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl erfordern eine unverzügliche ärztliche Abklärung.
  • Schwindel, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Dyspnoe (Atemnot) oder Kreislaufbeschwerden erfordern eine unverzügliche ärztliche Abklärung.
  • Übelkeit und Erbrechen in Verbindung mit zunehmenden Schmerzen oder fehlendem Wind- und Stuhlabgang erfordern eine unverzügliche ärztliche Abklärung.

Mögliche Komplikationen

  • Perforation – Eine Verletzung der Darmwand ist selten. Das Risiko ist bei ausgeprägter Entzündung, Stenosen, vorgeschädigter Darmwand und therapeutischen Eingriffen erhöht [5, LL2].
  • Blutung – Nach Standardbiopsien sind Blutungen meist geringfügig. Klinisch relevante Blutungen treten überwiegend nach Polypektomien oder anderen therapeutischen Maßnahmen auf [5, LL2].
  • Postpolypektomiesyndrom (Entzündungsreaktion nach Polypenabtragung ohne freien Darmdurchbruch) – Nach einer elektrochirurgischen Resektion (Gewebeentfernung mit elektrischem Strom) kann eine thermische Schädigung der Darmwand ohne freie Perforation auftreten.
  • Schmerzen und vasovagale Reaktionen (Kreislaufreaktionen durch Reizung des Vagusnervs) – Die Untersuchung kann vorübergehend Schmerzen, Übelkeit, eine Bradykardie (zu langsamer Herzschlag), einen Blutdruckabfall oder eine Synkope auslösen.
  • Sedierungsassoziierte Komplikationen – Zu den möglichen Komplikationen gehören Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Apnoe (Atemstillstand), Aspiration, arterielle Hypotonie (niedriger Blutdruck), Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzschlags) und allergische Reaktionen [LL5].
  • Infektionen – Infektionen sind bei regelgerechter Geräteaufbereitung und Durchführung äußerst selten [LL2].
  • Unvollständige Untersuchung – Schmerzen, Stenosen, eine ungünstige Anatomie, eine ausgeprägte Entzündung oder eine unzureichende Darmvorbereitung können eine vollständige Beurteilung des vorgesehenen Abschnitts verhindern.
  • Übersehene Läsionen – Läsionen können bei unzureichender Darmreinigung oder inkompletter Schleimhautinspektion übersehen werden. Proximal der erreichten Untersuchungsausdehnung gelegene Läsionen werden grundsätzlich nicht erfasst [LL1, LL2].

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2023 schätzte die Häufigkeit schwerer Blutungen nach einer Screening-Sigmoidoskopie auf etwa 8 Ereignisse pro 100.000 untersuchte Personen bei einem 95-%-Konfidenzintervall (statistischen Unsicherheitsbereich) von 2-24 Ereignissen. Für Perforationen aller erfassten Schweregrade innerhalb von 30 Tagen ergab sich in Studien ohne kritisches Verzerrungsrisiko (Risiko systematischer Fehler) ein Schätzwert von etwa 2 Ereignissen pro 100.000 untersuchte Personen bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0-14 Ereignissen. Wegen heterogener Definitionen, unvollständiger Komplikationserfassung und erheblicher Verzerrungsrisiken wurde die Sicherheit dieser Evidenz insgesamt als sehr niedrig bewertet. Die Zahlen sind daher als orientierende Größenordnungen und nicht als präzise individuelle Risikowerte zu interpretieren [5].

Weitere Hinweise

  • Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom bewertet die Sigmoidoskopie in einem Abstand von fünf Jahren als wirksames Verfahren der Darmkrebsfrüherkennung [LL1].
  • Eine gepoolte Analyse von vier randomisierten Studien mit einer Nachbeobachtung von bis zu 15 Jahren zeigte in der Intention-to-Screen-Analyse (Auswertung nach der ursprünglichen Gruppenzuteilung) eine Reduktion der Inzidenz kolorektaler Karzinome um relativ 21 % und der krankheitsspezifischen Mortalität um relativ 20 % [4].
  • Die präventive Wirkung betrifft vor allem das Rektum und das distale Kolon. Für Karzinome des proximalen Kolons ist kein vergleichbarer protektiver Effekt belegt [1-4, LL1].
  • Eine Reanalyse und Metaanalyse randomisierter Studien aus dem Jahr 2024 deutet darauf hin, dass der präventive Langzeiteffekt nach Ausschluss bereits zum Screeningzeitpunkt vorhandener Karzinome stärker sein könnte, als die konventionellen Intention-to-Screen-Auswertungen erkennen lassen. Wegen des post hoc gewählten analytischen Ansatzes sind diese Ergebnisse ergänzend und nicht als Ersatz für die primären Studienanalysen zu bewerten [2].
  • Die 21-jährige Nachbeobachtung der britischen randomisierten Screeningstudie bestätigte eine anhaltende Reduktion der Inzidenz und Mortalität kolorektaler Karzinome nach Einladung zu einer einmaligen Sigmoidoskopie [3].
  • In der bevölkerungsbasierten randomisierten Norwegian-Colorectal-Cancer-Prevention-Studie wurden 100.210 Personen im Alter von 50-64 Jahren einer Einladung zu einer einmaligen Sigmoidoskopie mit oder ohne einen einmaligen fäkalen immunchemischen Test (FIT, Stuhltest auf nicht sichtbares Blut) oder einer Kontrollgruppe ohne Screeningangebot zugeteilt. In die Intention-to-Screen-Analyse gingen 98.654 Personen ein. Davon gehörten 20.552 Personen der Screeninggruppe und 78.102 Personen der Kontrollgruppe an [1].
  • Die Teilnahmequote an der angebotenen Untersuchung betrug 61,4 % bei den Männern und 64,7 % bei den Frauen [1].
  • Bei den Männern betrug das kumulative 23-Jahres-Risiko (über 23 Jahre aufsummiertes Risiko) für ein kolorektales Karzinom 4,3 % in der Screeninggruppe und 6,0 % in der Kontrollgruppe. Die absolute Risikodifferenz (Unterschied der Erkrankungsrisiken in Prozentpunkten) betrug -1,7 Prozentpunkte bei einem 95-%-Konfidenzintervall von -2,2 bis -1,2 Prozentpunkten [1].
  • Das kumulative 23-Jahres-Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu versterben, betrug bei den Männern 1,4 % in der Screeninggruppe und 2,2 % in der Kontrollgruppe. Die absolute Risikodifferenz betrug -0,8 Prozentpunkte bei einem 95-%-Konfidenzintervall von -1,1 bis -0,5 Prozentpunkten [1].
  • Bei den Frauen betrug das kumulative 23-Jahres-Risiko für ein kolorektales Karzinom 4,2 % in der Screeninggruppe und 4,7 % in der Kontrollgruppe. Die absolute Risikodifferenz betrug -0,5 Prozentpunkte bei einem 95-%-Konfidenzintervall von -1,0 bis -0,01 Prozentpunkten [1].
  • Für die Mortalität am kolorektalen Karzinom wurde bei den Frauen kein statistisch gesicherter Vorteil nachgewiesen. Das kumulative Risiko betrug 1,3 % in der Screeninggruppe und 1,4 % in der Kontrollgruppe. Die absolute Risikodifferenz betrug -0,1 Prozentpunkte bei einem 95-%-Konfidenzintervall von -0,3 bis 0,1 Prozentpunkten [1].
  • Der präventive Effekt war in der norwegischen Studie bei rektosigmoidalen Karzinomen am stärksten ausgeprägt. Die Ergänzung der Sigmoidoskopie durch einen einmalig durchgeführten FIT veränderte den langfristigen Screeningnutzen nicht [1].
  • Die Ursache des geringeren Effekts bei Frauen ist nicht geklärt. Ein höherer Anteil proximal gelegener kolorektaler Karzinome, die durch die Sigmoidoskopie nicht unmittelbar erfasst werden, stellt eine mögliche Erklärung dar. Diese Interpretation ist hypothesengenerierend und belegt keinen kausalen geschlechtsspezifischen Mechanismus [1, 4].
  • Die Norwegian-Colorectal-Cancer-Prevention-Studie belegt den langfristigen Nutzen eines einmaligen Screeningangebots, untersuchte jedoch keinen direkten Vergleich verschiedener Wiederholungsintervalle. Aus den beobachteten zeitlichen Verläufen kann daher keine evidenzgesicherte Empfehlung für ein zehnjähriges Sigmoidoskopieintervall abgeleitet werden. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt weiterhin einen Abstand von fünf Jahren [1, LL1].
  • Die Koloskopie ermöglicht im Unterschied zur Sigmoidoskopie die Untersuchung des gesamten Kolons und damit auch die Erkennung und Entfernung proximal gelegener Neoplasien [LL1].
  • Die Sigmoidoskopie gehört derzeit nicht zu den regulären Untersuchungsverfahren des organisierten gesetzlichen Darmkrebsfrüherkennungsprogramms in Deutschland. Dieses umfasst die Früherkennungskoloskopie und den immunologischen Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl [6].
  • Der Nachweis eines Karzinoms, eines fortgeschrittenen Adenoms, multipler Polypen oder anderer klinisch relevanter Läsionen erfordert in der Regel eine vollständige Koloskopie zur Beurteilung des übrigen Kolons [LL1].
  • Eine unauffällige Sigmoidoskopie schließt pathologische Veränderungen des nicht untersuchten proximalen Kolons nicht aus [1-4, LL1].

Literatur

  1. Botteri E, Holme Ø, Løberg M, Bretthauer M, Kalager M, Randel KR, Hoff G: Twenty-Three-Year Benefits of Sigmoidoscopy Screening for Colorectal Cancer: A Randomized Trial. Ann Intern Med 2026;179(6):804-811. doi: 10.7326/ANNALS-25-05456
  2. Brenner H, Heisser T, Cardoso R, Hoffmeister M: The underestimated preventive effects of flexible sigmoidoscopy screening: re-analysis and meta-analysis of randomized trials. Eur J Epidemiol 2024;39(7):743-751. doi: 10.1007/s10654-024-01120-w
  3. Wooldrage K, Robbins EC, Duffy SW, Cross AJ: Long-term effects of once-only flexible sigmoidoscopy screening on colorectal cancer incidence and mortality: 21-year follow-up of the UK Flexible Sigmoidoscopy Screening randomised controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol 2024;9(9):811-824. doi: 10.1016/S2468-1253(24)00190-0
  4. Juul FE, Cross AJ, Schoen RE, Senore C, Segnan N, Holme Ø et al.: 15-Year Benefits of Sigmoidoscopy Screening on Colorectal Cancer Incidence and Mortality: A Pooled Analysis of Randomized Trials. Ann Intern Med 2022;175(11):1525-1533. doi: 10.7326/M22-0835
  5. Kindt IS, Martiny FHJ, Gram EG, Bie AKL, Jauernik CP, Rahbek OJ et al.: The risk of bleeding and perforation from sigmoidoscopy or colonoscopy in colorectal cancer screening: A systematic review and meta-analyses. PLoS One 2023;18(10):e0292797. doi: 10.1371/journal.pone.0292797
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss: Programm zur Früherkennung von Darmkrebs. Letzter Zugriff: 21. Juli 2026

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Kolorektales Karzinom. (AWMF-Registernummer: 021-007OL), Version 3.2, März 2026. Langfassung
  2. S2k-Leitlinie: Qualitätsanforderungen in der gastrointestinalen Endoskopie. (AWMF-Registernummer: 021-022), Version 2.1, Juli 2025. Langfassung
  3. S3-Leitlinie: Colitis ulcerosa. (AWMF-Registernummer: 021-009), Version 7.0, November 2025. Langfassung
  4. S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Blutung. (AWMF-Registernummer: 021-028), Version 2.0, Dezember 2025. Langfassung
  5. S3-Leitlinie: Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie. (AWMF-Registernummer: 021-014), Juni 2023. Langfassung