Videokapseluntersuchung des Dünndarms

Die Kapselendoskopie des Dünndarmes ist ein bildgebendes Verfahren, das vor allem zur klinischen Untersuchung des Dünndarms, der im Gegensatz zu Magen (Gastroskopie; Magenspiegelung) und Kolon (Koloskopie; Darmspiegelung) relativ schwer mit von außen geführten Endoskopen erreichbar ist, dient.

Beurteilbare Strukturen 

  • Dünndarmmukosa (Dünndarmschleimhaut)
    • Die Innenwand des Dünndarms kann auf Entzündungen, Erosionen (Schleimhautveränderungen), Ulzerationen (Geschwürsbildung), oder Blutungen hin untersucht werden.
    • Feine Details wie Villi (Zotten), die für die Nährstoffaufnahme wichtig sind, können visualisiert werden.
  • Angiodysplasien
    • Kleine, abnormale Blutgefäße, die oft Quellen von Blutungen im Dünndarm sind
  • Polypen
    • Gutartige Wucherungen, die sich aus der Schleimhaut des Dünndarms erheben. Diese können im Rahmen von Polyposis-Syndromen wie Peutz-Jeghers-Syndrom auftreten.
  • Tumoren
    • Sowohl gutartige als auch bösartige Tumoren können identifiziert werden. Die Kapselendoskopie hilft bei der Erkennung von frühen Tumorstadien und bei der Bewertung des Tumorausmaßes.
  • Zeichen von Morbus Crohn
    • Dazu gehören unter anderem aphthöse Ulzerationen (Geschwürsbildung), tiefere längliche Geschwüre, Fisteln oder ein verdickter Darm aufgrund von Entzündungen.
  • Ulzerationen (Geschwürsbildung)
    • Diese können durch verschiedene Bedingungen verursacht werden, einschließlich Infektionen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED).
  • Fehlbildungen und anatomische Anomalien
    • Dazu gehören angeborene Anomalien wie Meckel-Divertikel oder ungewöhnliche Verwachsungen.
  • Malabsorptionszustände
    • Veränderungen in der Mukosa (Schleimhaut), die auf Malabsorption (fehlerhafte Aufnahme von Bestandteilen der Nahrung) hinweisen, wie sie bei Zöliakie vorkommen können.
  • Transitzeit
    • Die Kapselendoskopie ermöglicht es, die Transitzeit der Kapsel durch den Dünndarm zu messen, was diagnostisch bei bestimmten Motilitätsstörungen (Bewegungsstörungen) hilfreich sein kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Dünndarmblutungen: Bei Blutungen, die durch herkömmliche Endoskopie nicht lokalisierbar sind.
  • Polyposis-Syndrome: Zum Beispiel Peutz-Jeghers-Syndrom.
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, insbesondere bei Verdacht auf Dünndarmbeteiligung.
  • Dünndarmlymphome: Diagnostik bösartiger lymphatischer Erkrankungen im Dünndarm.
  • Therapieresistente Zöliakie: Bei Patienten, die auf eine glutenfreie Diät nicht ansprechen.
  • Unvollständige Koloskopie: Wenn eine Koloskopie nicht vollständig durchführbar ist, jedoch nicht aufgrund von hochgradigen Stenosen.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Stenosen im Gastrointestinaltrakt: Vorhandene oder vermutete Engstellen im Verdauungstrakt können zum Steckenbleiben der Kapsel führen.
  • Schluckstörungen: Schwierigkeiten beim Schlucken oder Aspirationsrisiko.
  • Elektronische Implantate: Bei Patienten mit Herzschrittmachern oder anderen elektronischen medizinischen Geräten sollte eine individuelle Abwägung erfolgen.

Vor der Untersuchung

  • Darmreinigung: Trinken einer speziellen Lösung zur Darmreinigung.
  • Nüchtern bleiben: Patienten müssen vor der Kapselendoskopie nüchtern sein.
  • Aufklärung: Erläuterung des Ablaufs, möglicher Risiken und der Nachsorge.

Das Verfahren

Bei der Videokapselendoskopie bekommt der Patient eine Videokapsel, die ungefähr 2,5 x 1 cm groß ist. Diese soll er mit etwas Flüssigkeit schlucken.
Die in der Kapsel eingebaute Kamera sendet pro Sekunde zwei Bilder, die auf einem Empfänger, der am Körper getragen wird, gespeichert werden. Nach Beendigung der Untersuchung werden die Daten auf einen Computer eingelesen und dort von einem Gastroenterologen ausgewertet.

Vor der Untersuchung muss der Darm durch Trinken einer speziellen Lösung gesäubert werden. Die Untersuchung kann ambulant durchgeführt werden.
Sie wird in Deutschland bislang nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Nachteil der Videokapselendoskopie ist, dass bei einem pathologischen Befund nicht wie bei der Gastro- oder Koloskopie gleichzeitig eine Biopsie genommen werden kann.

Untersuchungsdauer: Die Kapsel reist in der Regel innerhalb von 8 bis 24 Stunden durch den gesamten Verdauungstrakt und wird natürlich ausgeschieden.

Nach der Untersuchung

  • Datenanalyse: Die gesammelten Daten werden auf einen Computer übertragen und von einem Gastroenterologen ausgewertet.
  • Normale Aktivitäten: Patienten können normalerweise nach der Untersuchung ihre alltäglichen Aktivitäten fortsetzen.
  • Ausscheidung der Kapsel: Die Kapsel wird in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf natürlichem Wege ausgeschieden.

Mögliche Komplikationen

  • Kapselretention: Die Kapsel kann in Engstellen des Dünndarms stecken bleiben.
  • Unklare Bilder: In einigen Fällen kann die Qualität der Bilder für eine eindeutige Diagnose nicht ausreichend sein.
  • Unbequemlichkeit: Gelegentliches Unbehagen oder Blähungen nach dem Schlucken der Kapsel.

Weitere Hinweise

  • Nichtinvasivität: Im Gegensatz zu traditionellen endoskopischen Verfahren ist die Kapselendoskopie weniger invasiv und erfordert keine Sedierung.
  • Diagnostische Einschränkungen: Die Kapselendoskopie ermöglicht keine Biopsieentnahme oder therapeutische Eingriffe. Bei auffälligen Befunden sind zusätzliche diagnostische Verfahren notwendig.
  • Innovative Entwicklungen: Inzwischen ist es gelungen, die Kapselendoskopie effektiver zu machen. Fluoreszierendes Licht könnte die diagnostischen Möglichkeiten der Kolonkapsel erweitern [1].

Literatur

  1. Al-Rawhani MA et al.: Wireless fluorescence capsule for endoscopy using single photon-based detection. Scientific Reports 5, Article number: 18591 (2015). doi:10.1038/srep18591