Knöchel-Arm-Index (ABI)

Bei der Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (engl.: ankle brachial index; auch tibio-brachialer Quotient (TBQ), cruro-brachialer Quotient (CBQ), ankle-brachial-index oder Verschlussdruckmessung genannt; engl. Ankle Brachial Pressure Index, auch Knöchel-Arm-Druck-Index (KADI)) handelt es sich um eine Untersuchungsmethode, die das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen beschreiben kann. Der Test gilt als hochspezifisch und sensitiv, um eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) nachweisen zu können. Das Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung innerhalb eines Jahres zu sterben, soll für Patienten mit pathologischen Werten im ABI um bis zu dreifach erhöht sein.
Der Knöchel-Arm-Index sagt zudem das Apoplexrisiko (Schlaganfallrisiko) besser voraus als der Verkalkungsgrad der Koronarien (Herzkranzgefäße) und die Intima-media-Dicke der Carotiden (Halsschlagadern) [3].

Zielsetzung der Bestimmung des Knöchel-Arm-Indexes

  • Identifikation von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK): Ein ABI-Wert unter 0,9 ist ein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen einer pAVK. Diese Methode ist wegen ihrer hohen Spezifität und Sensitivität besonders wertvoll in der Früherkennung der Erkrankung.
  • Kardiovaskuläres Risiko-Assessment: Personen mit pathologischen ABI-Werten haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, einschließlich Myokardinfarkt (Herzinfarkt) und Apoplex (Schlaganfall). Studien zeigen, dass ein niedriger ABI mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterberate) korreliert.
  • Prognostische Bewertung: Der ABI kann helfen, das langfristige Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sowie die allgemeine Sterblichkeit einzuschätzen. Ein pathologischer ABI ist ein unabhängiger Indikator für eine reduzierte Lebenserwartung.
  • Prädiktion von Schlaganfall und plötzlichem Herztod: Der ABI kann das Risiko für spezifische kardiovaskuläre Ereignisse wie hämorrhagische Schlaganfälle und plötzlichen Herztod (SCD) besser voraussagen als andere Biomarker wie die Koronarverkalkung (Herzkranzgefäßverkalkung) oder die Intima-Media-Dicke der Carotiden (Halsschlagader).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Abschätzung des kardiovaskulären Risikos
  • Verdacht auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Vor der Untersuchung

  • Für den Patienten ist keine spezielle Vorbereitung nötig.
  • Wichtig für die aussagekräftige Bestimmung sind folgende Punkte:
    • Der Patient soll vor der Messung mindestens zehn Minuten im Liegen ausgeruht haben
    • Die Messung wird zweimal durchgeführt, jeweils auf der rechten und linken Seite
    • Für die Interpretation der Werte wird der niedrigste Quotient als Grundlage für die Diagnose genommen

Das Verfahren

Beim liegenden Patienten wird am Knöchel (Arteria tibialis posterior und Arteria tibialis anterior) und am Oberarm (Arteria brachialis) der systolische Blutdruck (erster Blutdruckwert, in mmHg) gemessen. Aus diesen Werten wird dann ein Quotient gebildet (systolischer Knöchelarteriendruck/systolischer Armarteriendruck).

Bei gesunden Personen liegt der Quotient bei ≥ 1, da im Liegen der Blutdruck am Knöchel dem am Oberarm entspricht oder er etwas höher ist.

Bei gefäßkranken Personen ist der Blutdruck am Knöchel im Liegen erniedrigt.

Ein pathologischer Knöchel-Arm-Index ist ein unabhängiger Risikoindikator für eine erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität (Sterblichkeit).

Ist der Quotient unter 0,9 erniedrigt, so zeigt dies eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) an, die ihrerseits mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder Apoplex (Schlaganfall) einhergeht.
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist meist nur ein Zeichen der Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung), die sich am ganzen Körper abspielt.

Mithilfe des Knöchel-Arm-Index lassen sich folgende Stadien der pAVK unterscheiden:

Messwert  Schweregrad der pAVK
Fontaine-Stadium
 > 1,3 Falsch hoher Wert (Verdacht auf Mediasklerose/Mönckeberg-Mediasklerose)/Verkalkung der mittleren Wandschicht einer Extremitätenarterie)  -
 > 0,9 Normalbefund  
 0,75-0,9 Leichte pAVK  I-II
 0,5-0,75 Mittelschwere pAVK  II-III
 < 0,5 Schwere pAVK – trophische Läsionen wie Nekrosen (Absterben von Gewebe), Ulzerationen (Geschwürbildung), Gangrän/Sonderform der Koagulationsnekrose; sie entsteht nach länger bestehender relativer oder absoluter Ischämie (Minderdurchblutung) und ist durch Nekrosen bedingt  III-IV

Weitere Hinweise

  • Ein pathologischer ABI (engl.: ankle brachial index) ist ein unabhängiger Indikator für kardiovaskuläre Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterberate): Mit zunehmendem Schweregrad der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sinkt die Lebenserwartung der Betroffenen dramatisch. Sie kann unter der mancher Krebserkrankungen liegen. Bei gleichzeitig vorliegendem metabolischen Syndrom verdoppelt sich das kardiovaskuläre Risiko nochmals.
  • Der Knöchel-Arm-Index zeigt für das Risiko eines hämorrhagischen Insults den Verlauf einer J-Kurve: Die Hazard-Ratio (HR) von 1,0 fiel mit dem Wert 1,2 zusammen. Links davon, also zu den niedrigen Werten des ABI, wurde ein HR von rund 2,3 bei einem ABI von 0,4 erreicht (d. h. das Risiko eines hämorrhagischen Insults betrug 130 % über jenem für einen Wert von ABI 1,2). Rechts davon, also zu den höheren Werten des ABI, wurde bei einem ABI von 2,0 ein HR von 1,25 gemessen (Risiko für eine intrakranielle Blutung war um 25 % erhöht) [4].
  • Der Knöchel-Arm-Index kann zudem das Risiko für einen plötzlichen Herztod (SCD) anzeigen: Das SCD-Risiko nahm mit sinkendem ABI kontinuierlich zu. Verglichen mit Teilnehmenden mit normalem ABI (1,00-1,40) hatten diejenigen mit grenzwertigem bzw. niedrigem ABI (≤ 0,90) ein um 52 % bzw. um 127 % und damit signifikant erhöhtes SCD-Risiko [5].

Falsche oder nicht aussagekräftige Werte können vor allem bei sehr alten Personen oder bei Diabetikern vorliegen, da sie Gefäßveränderungen vorweisen können, die eine richtige Messung unmöglich machen.

Pathologische Knöchel-Arm-Index-Werte machen eine weitere angiologische Diagnostik erforderlich (Untersuchung durch einen Facharzt für Erkrankungen der Gefäße).

Literatur

  1. Diehm C, Darius H, Pittrow D, Allenberg JR, Jens R: Knöchel-Arm-Index. Dtsch Arztebl 2005;102:A2310-2313 [Heft 34-35]
  2. Diehm C, Darius H, Pittrow D, Allenberg JR, Haberl RL, Mahn M, Tepohl HG, Tramisch HJ, Lange S: Metabolic syndrome and peripheral arterial occlusive disease as indicators for increased cordiaovascular risk. Dtsch Med Wochenschr. 2007 Jan 5;132(1-2):15-20
  3. Gronewold J et al.: Combined use of coronary artery calcification, carotid intima-Media thickness and ankle brachial index for stroke prediction in the general population. EFNS/ENS Joint Congress of European Neurology, 31. Mai – 3. Juni 2014, Istanbul.
  4. Alves-Cabratosa L et al.: Ankle-brachial index and the risk of hemorrhagic stroke. Eur J Intern Med 2021; https://doi.org/10.1016/j.ejim.2021.10.013
  5. Suzuki T et al.: Ankle–Brachial Index and Risk of Sudden Cardiac Death in the Community: The ARIC Study Journal of the American Heart Association. 2024;13:e032008  https://doi.org/10.1161/JAHA.123.032008