Hodenverdrehung (Hodentorsion) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Hodentorsion (Hodenverdrehung) mitbedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Subklinischer Hypogonadismus (verminderte Hormonfunktion der Hoden ohne deutliche Symptome) – selten, meist nur bei bilateraler Schädigung (beidseitige Schädigung) oder nach Verlust eines Einzelhodens (eines Hodens) klinisch relevant

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Psychische Belastung – Angst, depressive Verstimmung (Niedergeschlagenheit) oder Einschränkung des Körperbildes (Selbstwahrnehmung des Körpers), insbesondere nach Hodenverlust (Verlust eines Hodens)

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Infertilität (Unfruchtbarkeit) des Mannes als indirekte Folge einer Hodentorsion (Verdrehung des Hodens) im Jugend- oder Erwachsenenalter

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Skrotalschmerzen (anhaltende Schmerzen im Hodensack) (postischämisches Schmerzsyndrom)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Hodenatrophie (Schrumpfung des Hodens)
    • Die Atrophierate nach einer Hodentorsion (Verdrehung des Hodens) ist insbesondere bei verzögerter Detorsion (Rückdrehung des Hodens) hoch; bei pädiatrischen Patienten (Kinder und Jugendliche) werden Raten von bis zu 60 % beschrieben. Zu möglichen Auswirkungen auf die zukünftige Fertilität (Fruchtbarkeit) liegen uneinheitliche Daten vor [1, 2].
      Beachte: Chirurgische Interventionen (operative Eingriffe) zur Detorsion (Rückdrehung) torquierter Hoden (verdrehter Hoden) müssen innerhalb von 6 Stunden erfolgen.
  • Kontralaterale Hodenschädigung (Schädigung des gegenüberliegenden Hodens) – immunologisch vermittelte (durch das Immunsystem ausgelöste) oder durch reflektorische Vasokonstriktion (Gefäßverengung) bedingte Funktionsbeeinträchtigung
  • Reduzierte Samenzellqualität – insbesondere nach protrahierter Ischämie (verlängerte Minderdurchblutung); mögliche Beeinträchtigung der Fertilität (Fruchtbarkeit) trotz erhaltener endokriner Funktion (Hormonfunktion)
  • Rezidivierende Hodentorsion (wiederkehrende Verdrehung des Hodens) – insbesondere bei fehlender oder unzureichender Orchidopexie (operative Fixierung des Hodens)
  • Verlust des Hodens (Orchiektomie (operative Entfernung des Hodens) bei nicht vitalem Hoden (nicht mehr durchbluteter Hoden))

Prognosefaktoren

  • Verlässliche Prädiktoren (Vorhersagefaktoren) für eine Hodenatrophie (Schrumpfung des Hodens) (bei Vergleich kontralateralen Hoden (gegenüberliegender Hoden)) sind [1]:
    • Rötung des Skrotums (Hodensack)
    • Schmerzen > 12 Stunden
    • sonographisch (im Ultraschall) präoperativ (vor der Operation) ermittelte Heterogenität (unregelmäßige Struktur) des Hodenparenchyms (Hodengewebe)
  • Weitere ungünstige Prognosefaktoren:
    • fehlende oder verspätete chirurgische Versorgung (operative Behandlung)
    • komplette Torsion (vollständige Verdrehung) (> 360°)
    • lange Ischämiedauer (Dauer der Minderdurchblutung) (> 6-12 Stunden)

Literatur

  1. Grimsby GM et al.: Prospective Evaluation of Predictors of Testis Atrophy after Surgery for Testis Torsion in Children. Urology 2018; online 20. März. doi: https://doi.org/10.1016/j.urology.2018.03.009
  2. Milivojević S et al.: Testicular atrophy following torsion in pediatric patients. Results of a long-term follow-up. Urology 2025; https://doi.org/10.1016/j.urology.2025.01.017