Erektile Dysfunktion – Alprostadil

Die Alprostadil-Therapie dient insbesondere der medikamentösen Behandlung der erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung) (ED). Alprostadil entspricht pharmakologisch Prostaglandin E1 (PGE1) und steht für die intrakavernöse, intraurethrale und topische Anwendung zur Verfügung. Die Darreichungsformen sind hinsichtlich Dosierung, Anwendung, Gegenanzeigen und Sicherheitsprofil nicht austauschbar [LL1, FI1, FI2, FI3].

Therapieziele

  • Erreichen und Aufrechterhalten einer für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektion
  • Individuelle Einstellung auf die niedrigste wirksame Dosis bei möglichst geringer Rate lokaler und systemischer Nebenwirkungen
  • Vermeidung von prolongierter Erektion (verlängerter Erektion), Priapismus (krankhafter Dauererektion), peniler Fibrose (narbiger Verhärtung des Penisgewebes) und anwendungsbedingten Verletzungen [FI1, FI2, FI3]

Therapieempfehlungen

  • Behandelbare Ursachen: Vor Beginn der Therapie sind zugrunde liegende behandelbare Ursachen der erektilen Dysfunktion zu diagnostizieren und zu behandeln [FI1, FI2, FI3].
  • Stellenwert der intrakavernösen Therapie:
    • Intrakavernöse Injektionen können bei entsprechend aufgeklärten Patienten als alternative First-Line-Therapie oder als Second-Line-Therapie eingesetzt werden. Die EAU spricht hierfür eine starke Empfehlung aus [LL1].
    • Alprostadil ist der für die intrakavernöse Monotherapie der erektilen Dysfunktion zugelassene Wirkstoff. Die Erfolgsrate beträgt mehr als 70 % [LL1].
  • Stellenwert der topischen und intraurethralen Therapie:
    • Topisches oder intraurethrales Alprostadil kann bei Patienten erwogen werden, die keine orale vasoaktive Therapie wünschen oder dafür nicht geeignet sind, intrakavernöse Injektionen ablehnen oder eine weniger invasive Behandlung bevorzugen. Die EAU spricht hierfür eine schwache Empfehlung aus [LL1].
    • Die intraurethrale Therapie ist weniger invasiv, aber im Mittel weniger wirksam als die intrakavernöse Therapie [LL1].
    • Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse bestätigt eine gegenüber Placebo signifikante Verbesserung der erektilen Funktion durch topisches und intraurethrales Alprostadil; die Aussagekraft wird durch erhebliche Heterogenität, überwiegend ältere Studien und fehlende Langzeitdaten begrenzt [1].
  • Psychosexuelle Therapie: Bei entsprechender Indikation sollte die medikamentöse Behandlung mit psychosexueller Beratung, kognitiver Verhaltenstherapie oder Paartherapie kombiniert werden [LL1].

Wirkmechanismus

Alprostadil aktiviert Prostanoid-E-Rezeptoren und erhöht über die Adenylatcyclase die intrazelluläre Konzentration von zyklischem Adenosinmonophosphat. Dadurch relaxiert die glatte Muskulatur der kavernösen Arterien und Trabekel. Der arterielle Einstrom in die Corpora cavernosa (Penisschwellkörper) nimmt zu, während der venöse Abstrom durch Kompression der subtunikalen Venen vermindert wird. Hierdurch entsteht eine Erektion [FI1, FI2, FI3].

Indikationen

  • Intrakavernöses Alprostadil:
    • Symptomatische Behandlung der erektilen Dysfunktion neurogener, vaskulärer, psychogener oder gemischter Ursache beim erwachsenen Mann
    • Hilfsmittel bei der diagnostischen Abklärung einer erektilen Dysfunktion [FI1]
  • Intraurethrales Alprostadil:
    • Behandlung der primär organisch bedingten erektilen Dysfunktion bei Erwachsenen über 18 Jahren
    • Hilfsmittel bei Tests zur Diagnose und Behandlung der erektilen Dysfunktion [FI2]
  • Topisches Alprostadil:
    • Behandlung der erektilen Dysfunktion bei Männern ab 18 Jahren [FI3]
  • Weitere, von der ED-Therapie unabhängige Indikation:
    • Zeitweilige Aufrechterhaltung der Durchgängigkeit des Ductus arteriosus Botalli (Gefäßverbindung zwischen Lungenarterie und Hauptschlagader vor der Geburt) bei Neugeborenen mit ductusabhängigem angeborenem Herzfehler bis zur korrigierenden oder palliativen Operation [FI4]

Wirkstoffe und Dosierung

Wirkstoff Besonderheiten
Alprostadil, intrakavernös als Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) Ärztlich überwachte Titration und Einweisung erforderlich. Wirkungseintritt meist nach 5-15 Minuten. Die Dosis soll eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion von höchstens 60 Minuten Dauer bewirken [LL1, FI1].
Alprostadil, intraurethral als Medikamentöses Urethrales System zur Erektion (MUSE) Transurethrales Einmalsystem. Wirkungseintritt nach 5-10 Minuten; Wirkungsdauer etwa 30-60 Minuten. Vor der Anwendung soll der Patient urinieren [FI2].
Alprostadil, topisch als Creme Applikation der gesamten Creme in die Öffnung an der Spitze des Penis, ohne die Spitze des Behältnisses in den Meatus (Harnröhrenöffnung) einzuführen. Wirkungseintritt nach 5-30 Minuten; Wirkungsdauer etwa 1-2 Stunden [FI3].
  • Wirkweise: Relaxation der kavernösen glatten Muskulatur, Steigerung des arteriellen Bluteinstroms und Verminderung des venösen Blutabstroms [FI1, FI2, FI3].
  • Indikationen: Erektile Dysfunktion unterschiedlicher Genese sowie präparatespezifisch diagnostische Abklärung der erektilen Dysfunktion [FI1, FI2, FI3].
  • Kontraindikationen: Präparatespezifisch insbesondere Überempfindlichkeit, Prädisposition für Priapismus, bestimmte anatomische Penisveränderungen und Situationen, in denen sexuelle Aktivität nicht ratsam ist [FI1, FI2, FI3].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Penisschmerzen, lokale Reaktionen, prolongierte Erektion, Priapismus, penile Fibrose, Blutungen sowie gelegentlich Hypotonie (niedriger Blutdruck), Schwindel oder Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) [FI1, FI2, FI3].

Das Verfahren

Intrakavernöse Schwellkörper-Autoinjektionstherapie:

  • Initiale Einstellung:
    • Die ersten Injektionen und die Ermittlung der niedrigsten wirksamen Dosis müssen unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
    • Der Patient darf die Praxis erst verlassen, wenn die Erektion vollständig abgeklungen ist.
    • Bei fehlendem Ansprechen kann während der ärztlich überwachten Titration die nächsthöhere Dosis innerhalb einer Stunde verabreicht werden. Bei eingetretener Reaktion darf die nächste Dosis frühestens 24 Stunden später erfolgen [FI1].
  • Injektionstechnik:
    • Die Injektion erfolgt mit steriler Technik direkt in ein Corpus cavernosum, vorzugsweise dorsolateral im proximalen Drittel des Penisschafts.
    • Sichtbare Venen sind zu vermeiden. Injektionsstelle und Penisseite sind bei jeder Anwendung zu wechseln.
    • Eine Selbstinjektion ist erst nach sorgfältiger Einweisung, praktischer Übung und Prüfung der sicheren Anwendung zulässig [FI1].
  • Nachkontrollen:
    • Regelmäßige klinische Kontrollen, insbesondere zu Beginn und anschließend beispielsweise alle drei Monate, sind zur Prüfung von Wirksamkeit, Dosierung und Sicherheit erforderlich.
    • Die Kontrollen müssen eine sorgfältige Untersuchung des Penis auf Angulation (Abknickung), fibrotische Knötchen, Schwellkörperfibrose und Peyronie-Krankheit (erworbene Penisverkrümmung) einschließen [FI1].

Intraurethrale Anwendung mit MUSE:

  • Anwendung:
    • Unmittelbar vor der Anwendung soll der Patient urinieren, da eine feuchte Harnröhre das Einführen und Auflösen des Stäbchens erleichtert.
    • Der Penis wird gestreckt, der Applikator vorsichtig in die Harnröhre eingeführt und das Stäbchen freigesetzt.
    • Nach Entfernung des Applikators wird der Penis mindestens zehn Sekunden zwischen den Händen gerollt. Bei Brennen kann dies weitere 30-60 Sekunden fortgeführt werden.
    • Während der Entwicklung der Erektion soll der Patient etwa zehn Minuten sitzen oder vorzugsweise stehen beziehungsweise gehen [FI2].
  • Wirksamkeit:
    • Eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion wird abhängig von Patientenkollektiv und Dosis bei etwa 30-65,9 % der Patienten erreicht [LL1].

Topische Anwendung als Alprostadil-Creme:

  • Anwendung:
    • Vor der Anwendung wird das Wasserlassen empfohlen.
    • Der Penis wird aufrecht gehalten und die Meatusöffnung vorsichtig erweitert.
    • Der gesamte Inhalt des Einzeldosisbehältnisses wird in die Meatusöffnung gegeben. Die Applikatorspitze darf nicht in die Harnröhre eingeführt werden.
    • Der Penis wird anschließend etwa 30 Sekunden aufrecht gehalten. Nicht sofort urinieren, da der Wirkstoff sonst vor Wirkungseintritt ausgespült werden kann.
    • Nach der Anwendung sind die Hände zu waschen [FI3].

Kontraindikationen

Die Gegenanzeigen sind von der Darreichungsform abhängig und dürfen nicht undifferenziert auf alle Alprostadil-Präparate übertragen werden [FI1, FI2, FI3].

Intrakavernöses Alprostadil:

  • Überempfindlichkeit:
    • Überempfindlichkeit gegen Alprostadil, Benzylalkohol oder einen sonstigen Bestandteil [FI1]
  • Prädisposition für Priapismus:
    • Sichelzellenanämie (erblich bedingte Form der Blutarmut) oder Sichelzellanlage (Trägerstatus für die Sichelzellkrankheit)
    • Multiples Myelom (bösartige Erkrankung der Plasmazellen)
    • Leukämie (Blutkrebs) [FI1]
  • Anatomische Veränderungen:
    • Penisdeviation (Abweichung des Penis von der geraden Achse)
    • Schwellkörperfibrose
    • Phimose (Vorhautverengung)
    • Peyronie-Krankheit
    • Penisprothese [FI1]
  • Sexuelle Aktivität kontraindiziert:
    • Patienten, für die sexuelle Aktivität aus kardiovaskulären, zerebrovaskulären oder anderen gesundheitlichen Gründen nicht ratsam oder kontraindiziert ist [FI1]

Intraurethrales Alprostadil:

  • Überempfindlichkeit:
    • Überempfindlichkeit gegen Alprostadil oder einen sonstigen Bestandteil [FI2]
  • Anatomische oder entzündliche Veränderungen:
    • Harnröhrenstriktur (Verengung der Harnröhre)
    • Schwere Hypospadie (angeborene Fehlmündung der Harnröhre)
    • Starke Peniskrümmung oder Angulation
    • Kavernöse Fibrose oder Peyronie-Krankheit
    • Balanitis (Entzündung der Eichel)
    • Akute oder chronische Urethritis (Entzündung der Harnröhre) [FI2]
  • Prädisposition für Priapismus:
    • Sichelzellenanämie oder Sichelzellanlage
    • Thrombozythämie (Vermehrung der Blutplättchen)
    • Polyzythämie (Vermehrung der roten Blutkörperchen)
    • Multiples Myelom
    • Leukämie
    • Neigung zu Venenthrombosen (Blutgerinnseln in den Venen)
    • Rezidivierender Priapismus in der Anamnese [FI2]
  • Weitere Gegenanzeigen:
    • Instabiler kardiovaskulärer oder zerebrovaskulärer Zustand, bei dem sexuelle Aktivität nicht ratsam ist
    • Bestehende oder mögliche Schwangerschaft der Partnerin, sofern kein Kondom verwendet wird
    • Anwendung bei Frauen sowie bei Kindern und Jugendlichen [FI2]

Topisches Alprostadil:

  • Überempfindlichkeit:
    • Überempfindlichkeit gegen Alprostadil oder einen sonstigen Bestandteil [FI3]
  • Kardiovaskuläre oder vasovagale Risiken:
    • Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
    • Myokardinfarkt (Herzinfarkt) in der Anamnese
    • Synkopen in der Anamnese
    • Instabiler kardiovaskulärer oder zerebrovaskulärer Zustand, bei dem sexuelle Aktivität nicht ratsam ist [FI3]
  • Prädisposition für Priapismus:
    • Sichelzellenanämie oder Sichelzellanlage
    • Thrombozythämie
    • Polyzythämie
    • Multiples Myelom
    • Leukämie
    • Neigung zu Venenthrombosen
    • Hyperviskositätssyndrom (erhöhte Zähflüssigkeit des Blutes) [FI3]
  • Anatomische oder entzündliche Veränderungen:
    • Schwere Hypospadie
    • Anatomische Peniskrümmung
    • Urethritis
    • Balanitis [FI3]
  • Partnerin im gebärfähigen Alter:
    • Geschlechtsverkehr ohne Verwendung eines Kondoms [FI3]

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Prolongierte Erektion und Priapismus:
    • Der Patient muss jede vier Stunden oder länger anhaltende Erektion als urologischen Notfall betrachten und unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
    • Die Behandlung einer prolongierten Erektion beziehungsweise eines Priapismus soll spätestens innerhalb von sechs Stunden beginnen, um eine Schädigung des Schwellkörpergewebes und eine irreversible erektile Dysfunktion zu verhindern [FI1, FI2, FI3].
  • Antikoagulation und Blutungsrisiko:
    • Eine Antikoagulation ist bei der intrakavernösen oder intraurethralen Anwendung keine generelle absolute Gegenanzeige.
    • Unter Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für Blutungen an der Injektionsstelle beziehungsweise für Harnröhrenblutungen. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung ist erforderlich [FI1, FI2, FI3].
  • Kardiovaskuläre und pulmonale Erkrankungen:
    • Stabile koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße), Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Lungenerkrankung sind nicht generell substanzbezogene Gegenanzeigen. Entscheidend ist, ob sexuelle Aktivität für den Patienten medizinisch vertretbar ist.
    • Bei transitorisch-ischämischen Attacken (vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Gehirns) in der Anamnese sowie bei instabilen kardiovaskulären oder zerebrovaskulären Erkrankungen ist besondere Vorsicht beziehungsweise die präparatespezifische Kontraindikation zu beachten [FI1, FI2, FI3].
  • Sexuell übertragbare Erkrankungen:
    • Alprostadil schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.
    • Eine sexuell übertragbare Infektion stellt nicht grundsätzlich eine substanzbezogene Gegenanzeige dar. Blutungen durch eine intrakavernöse Injektion oder eine Verletzung der Harnröhrenschleimhaut können jedoch das Übertragungsrisiko hämatogener Erreger erhöhen [FI1, FI2, FI3].
  • Penile Fibrose:
    • Bei Entwicklung einer Penisangulation, kavernösen Fibrose oder Peyronie-Krankheit ist die intrakavernöse beziehungsweise intraurethrale Therapie abzusetzen [FI1, FI2].
  • Leber- oder Niereninsuffizienz (eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion):
    • Eine schwere Leberinsuffizienz ist keine generelle Gegenanzeige aller intrapenilen Alprostadil-Präparate.
    • Für topisches Alprostadil wurde die Pharmakokinetik bei Leber- oder Niereninsuffizienz nicht ausreichend untersucht; eine erhöhte Exposition und die Notwendigkeit einer Dosisanpassung sind zu berücksichtigen [FI3].
  • Schwangerschaft der Partnerin:
    • Bei intraurethralem Alprostadil muss beim Geschlechtsverkehr mit einer schwangeren Partnerin ein Kondom verwendet werden.
    • Bei topischem Alprostadil ist bei Geschlechtsverkehr mit Frauen im gebärfähigen Alter sowie mit schwangeren oder stillenden Frauen ein Kondom erforderlich. Dies gilt auch für Oral- oder Analverkehr. Nur Latexkondome wurden in Verbindung mit der Creme untersucht [FI2, FI3].
  • Verkehrstüchtigkeit:
    • Nach MUSE sind wegen möglicher Hypotonie oder Synkope Tätigkeiten mit Verletzungsrisiko zu vermeiden. Die Ereignisse treten insbesondere zu Therapiebeginn und innerhalb der ersten Stunde nach Anwendung auf [FI2].
    • Nach topischem Alprostadil sollen Autofahren und gefährliche Tätigkeiten für 1-2 Stunden vermieden werden [FI3].

Mögliche Nebenwirkungen

Intrakavernöses Alprostadil:

  • Sehr häufig:
    • Penisschmerzen; in klinischen Studien bei 30 % der Patienten mindestens einmal und bei 11 % der Injektionen [FI1]
  • Häufig oder klinisch relevant:
    • Penisfibrose einschließlich Penisdeviation, fibrotischer Knötchen und Peyronie-Krankheit
    • Prolongierte Erektion
    • Hämatom (Bluterguss) oder Ekchymose (flächenhafte Hautblutung) an der Injektionsstelle
    • Muskelkrämpfe [FI1]
  • Gelegentlich oder Häufigkeit nicht bekannt:
    • Priapismus
    • Schmerzhafte Erektion
    • Blutung, Entzündung, Ödem (Flüssigkeitseinlagerung), Schwellung, Pruritus (Juckreiz) oder Taubheitsgefühl an der Injektionsstelle
    • Balanitis, Skrotal- oder Hodenschmerzen
    • Hypotonie, Vasodilatation, Schwindel, Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht) oder Synkope
    • Supraventrikuläre Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge aus den Herzvorhöfen), Myokardischämie (Minderdurchblutung des Herzmuskels) oder Schlaganfall [FI1]
  • Häufigkeiten ausgewählter Komplikationen:
    • Prolongierte Erektion von 4-6 Stunden bei 4 %
    • Priapismus von mehr als sechs Stunden bei 0,4 %
    • Penisfibrose bei 3 %; in einer Selbstinjektionsstudie über bis zu 18 Monate bei etwa 8 % [FI1]

Intraurethrales Alprostadil:

  • Sehr häufig:
    • Penisschmerzen
    • Brennen in der Harnröhre [FI2]
  • Häufig:
    • Kopfschmerzen und Schwindelgefühl
    • Symptomatische Hypotonie
    • Geringfügige Harnröhrenblutung
    • Verstärkte Erektion
    • Peyronie-Krankheit
    • Muskelkrämpfe
    • Brennen oder Jucken in der Scheide der Partnerin [FI2]
  • Gelegentlich oder selten:
    • Synkope oder Präsynkope
    • Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen), Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Mengen) und Miktionsdrang (starker Harndrang)
    • Priapismus und schmerzhafte Erektion
    • Balanitis und Phimose
    • Penile Fibrose
    • Harnwegsinfektion [FI2]
  • Partnerin:
    • Bei etwa 6 % der Partnerinnen wurden vaginales Brennen oder Jucken angegeben [FI2].

Topisches Alprostadil:

  • Häufig:
    • Brennen, Schmerzen, Erythem (Hautrötung), Pruritus, Kribbeln, Pochen oder Taubheitsgefühl des Penis
    • Genitale Schmerzen oder Beschwerden
    • Penisödem
    • Balanitis
    • Schmerzen in der Harnröhre
    • Vulvovaginales Brennen oder Vaginitis (Scheidenentzündung) bei der Partnerin [FI3]
  • Gelegentlich:
    • Schwindel, Synkope oder Hypotonie
    • Prolongierte Erektion oder Priapismus
    • Harnröhrenstenose oder Harnwegsentzündung
    • Genitalausschlag oder Skrotalschmerzen [FI3]
  • Verlauf:
    • Die lokalen Reaktionen sind überwiegend leicht bis mäßig ausgeprägt und bilden sich meist innerhalb von 1-2 Stunden zurück [FI3].

Wechselwirkungen

Intrakavernöses Alprostadil:

  • Sympathomimetika: Können die Wirkung von Alprostadil vermindern [FI1].
  • Antihypertensiva und Vasodilatatoren: Eine Verstärkung der blutdrucksenkenden beziehungsweise vasodilatierenden Wirkung ist möglich [FI1].
  • Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer: Das Blutungsrisiko an der Injektionsstelle kann erhöht sein [FI1].
  • Andere ED-Therapeutika: Die gleichzeitige Anwendung mit Phosphodiesterase-5-Hemmern, Papaverin, Alpharezeptorenblockern oder anderen erektionsinduzierenden Substanzen ist gemäß Fachinformation nicht vorgesehen, da eine prolongierte Erektion ausgelöst werden kann [FI1].

Intraurethrales Alprostadil:

  • Systemische Wechselwirkungen: Sind wegen der niedrigen peripheren Alprostadil-Konzentrationen unwahrscheinlich [FI2].
  • Dekongestiva, Sympathomimetika und Appetitzügler: Können die Wirkung vermindern [FI2].
  • Antihypertensiva und vasoaktive Substanzen: Können das Risiko hypotensiver Beschwerden erhöhen [FI2].
  • Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer: Können das Risiko einer Harnröhrenblutung erhöhen [FI2].
  • Andere ED-Therapeutika: Sicherheit und Wirksamkeit der Kombination mit Phosphodiesterase-5-Hemmern, Papaverin oder anderen erektionsinduzierenden Wirkstoffen sind nicht ausreichend untersucht; eine gleichzeitige Anwendung ist nicht vorgesehen [FI2].

Topisches Alprostadil:

  • Phosphodiesterase-5-Hemmer: Vitaros soll gemäß Fachinformation nicht mit Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil oder anderen Phosphodiesterase-5-Hemmern kombiniert werden, da Sicherheit und Wirksamkeit nicht untersucht sind und ein additives kardiovaskuläres Risiko nicht ausgeschlossen werden kann [FI3].
  • Andere erektionsinduzierende Substanzen: Bei Kombination mit Papaverin, Phentolamin oder anderen vasoaktiven Substanzen besteht ein erhöhtes Priapismusrisiko [FI3].
  • Sympathomimetika, Dekongestiva und Appetitzügler: Können die Wirkung von Alprostadil abschwächen [FI3].
  • Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer: Können das Risiko für Harnröhrenblutung und Hämaturie (Blut im Urin) erhöhen [FI3].
  • Antihypertensiva und vasoaktive Arzneimittel: Können insbesondere bei älteren Patienten das Hypotonierisiko erhöhen [FI3].

Weitere Indikation bei Neugeborenen

  • Indikation:
    • MINPROG 500 µg wird zur zeitweiligen Aufrechterhaltung eines lebensnotwendigen offenen Ductus arteriosus Botalli bei Neugeborenen mit ductusabhängigem angeborenem Herzfehler eingesetzt, bis eine korrigierende oder palliative Operation erfolgen kann [FI4].
  • Dosierung:
    • Initial 3-6 µg/kg Körpergewicht pro Stunde als kontinuierliche Infusion über eine zuverlässige Infusionspumpe.
    • Nach Eintritt des therapeutischen Effekts wird auf die niedrigste wirksame Infusionsrate reduziert.
    • Die bevorzugte Applikation erfolgt intravenös; alternativ ist vorübergehend eine ductusnahe intraaortale Infusion über einen Nabelarterienkatheter möglich [FI4].
  • Überwachung:
    • Die Behandlung darf ausschließlich in einer Kinderklinik mit kardiologischer Diagnostik, pädiatrischer Intensivpflege sowie sofortiger Möglichkeit zur Intubation und Beatmung erfolgen.
    • Atmung, Körpertemperatur und arterieller Blutdruck müssen kontinuierlich beziehungsweise engmaschig überwacht werden [FI4].
  • Gegenanzeigen und Warnhinweise:
    • Überempfindlichkeit gegen Alprostadil oder einen sonstigen Bestandteil
    • Spontan offen bleibender Ductus arteriosus Botalli als isolierter Herzfehler
    • Keine Anwendung bei neonatalem Atemnotsyndrom (schwerer Atemstörung des Neugeborenen) durch hyaline Membranen
    • Besondere Vorsicht bei Blutungsneigung [FI4]
  • Wichtige Nebenwirkungen:
    • Apnoe (Atemstillstand) bei etwa 10-12 % der behandelten Neugeborenen, insbesondere bei einem Geburtsgewicht unter 2 kg und häufig innerhalb der ersten Infusionsstunde
    • Vorübergehendes Fieber, Bradykardie (zu langsamer Herzschlag), Tachykardie (zu schneller Herzschlag), Hypotonie, Herzrhythmusstörungen, Hautrötung und Ödeme
    • Bei längerer Behandlung Hyperostosen (übermäßige Knochenneubildungen), Veränderungen der Gefäßwand sowie Hyperplasie der Antrumschleimhaut (Vermehrung der Schleimhautzellen im Magenausgang) mit möglicher Magenausgangsobstruktion (Verengung des Magenausgangs) [FI4]

Beachte

  • Keine Austauschbarkeit: CAVERJECT beziehungsweise andere SKAT-Präparate, MUSE, Vitaros und MINPROG unterscheiden sich grundlegend hinsichtlich Darreichungsform, Dosis, Applikationsweg und Hilfsstoffen. Sie dürfen nicht gegeneinander ausgetauscht oder über einen nicht zugelassenen Applikationsweg verabreicht werden [FI1, FI2, FI3, FI4].
  • Keine eigenmächtige Dosiserhöhung: Dosisänderungen dürfen ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache erfolgen [FI1, FI2, FI3].
  • Priapismus: Jede mindestens vier Stunden anhaltende Erektion erfordert unverzügliche ärztliche beziehungsweise urologische Notfallbehandlung [FI1, FI2, FI3].
  • Antikoagulation: Antikoagulanzien sind keine generelle absolute Gegenanzeige, erhöhen aber das Blutungsrisiko bei intrakavernöser oder intraurethraler Anwendung [FI1, FI2, FI3].
  • Infektionsschutz: Alprostadil schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen [FI1, FI2, FI3].
  • Kombinationstherapie: Die präparatespezifischen Einschränkungen zur Kombination mit Phosphodiesterase-5-Hemmern oder anderen erektionsinduzierenden Substanzen sind zu beachten [FI1, FI2, FI3].

Abkürzungsverzeichnis

  • EAU: European Association of Urology
  • ED: Erektile Dysfunktion
  • FI: Fachinformation
  • LL: Leitlinie
  • MUSE: Medikamentöses Urethrales System zur Erektion
  • PGE1: Prostaglandin E1
  • SKAT: Schwellkörper-Autoinjektionstherapie

Literatur

  1. Papadopoulos I, Tishukov M, Sokolakis I, Katafigiotis I, Leotsakos I, Karavitakis M, et al. The effect of topical and intraurethral alprostadil on erectile function: a systematic review and meta-analysis. Andrology. 2025;13(8):2235-2245. doi: 10.1111/andr.70025 [1]

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. 2026 edition. Chapter: Management of Erectile Dysfunction. Arnhem: EAU Guidelines Office; 2026. Leitlinie [LL1]

Fachinformationen

  1. Pfizer Pharma GmbH. CAVERJECT 10 µg/20 µg, Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung. Fachinformation. Stand November 2023. Fachinformation [FI1]
  2. Viatris Healthcare GmbH. MUSE 250/500/1.000 µg, Stäbchen zur Anwendung in der Harnröhre. Fachinformation. Stand Januar 2026. Fachinformation [FI2]
  3. The Simple Pharma Company Limited. Vitaros 300 µg/100 mg Creme. Fachinformation. Stand Mai 2022. Fachinformation [FI3]
  4. Pfizer Pharma GmbH. MINPROG 500 µg, Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation. Stand November 2023. Fachinformation [FI4]