Eichelentzündung (Balanitis) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Balanitis (Eichelentzündung) mitbedingt sein können:

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Erosive (oberflächlich hautschädigende) oder ulzerierende (geschwürbildende) Balanitis bei ausgeprägter entzündlicher, infektiöser (durch Krankheitserreger bedingter) oder irritativ-allergischer Genese (reizbedingt-allergischer Ursache) [LL1]
  • Fissuren (Einrisse), Rhagaden (schmerzhafte Hauteinrisse) und schmerzhafte Erosionen (oberflächliche Haut-/Schleimhautdefekte) im Bereich von Glans penis (Eichel) und Präputium (Vorhaut), insbesondere bei chronischer oder rezidivierender Balanoposthitis (Eichel- und Vorhautentzündung) [LL1]
  • Narbige Veränderungen der Vorhaut bei chronisch-rezidivierender Entzündung, insbesondere im Kontext von Lichen sclerosus (chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit Verhärtung/Verengung) beziehungsweise Balanitis xerotica obliterans (vernarbende Eichel- und Vorhautentzündung) [LL1]
  • Sekundäre bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) bei erosiver, nässender oder exkoriierter (aufgekratzter) Balanitis [LL1]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Penile intraepitheliale Neoplasie (Krebsvorstufe des Penisepithels) bei chronischer genitaler Entzündung, Lichen sclerosus, Phimose (Vorhautverengung) oder persistierender unklarer Balanitis; bei Therapieresistenz (fehlendes Ansprechen auf Behandlung), Induration (Verhärtung), Ulzeration (Geschwürbildung) oder persistierender Erythroplakie (rote Schleimhautveränderung) ist eine Biopsie (Gewebeprobe) erforderlich [LL1, 2]
  • Peniskarzinom (Peniskrebs), insbesondere Plattenepithelkarzinom (Krebs der obersten Haut-/Schleimhautschicht), als seltene Risikofolge bei chronisch-rezidivierender Balanitis/Balanoposthitis, Phimose, Lichen sclerosus und/oder Infektion mit humanen Papillomaviren (Warzenviren); nicht als direkte Folge jeder akuten Balanitis zu werten [1-2]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dysurie (schmerzhaftes oder erschwertes Wasserlassen) bei entzündlicher Mitbeteiligung des Meatus urethrae (Harnröhrenmündung) oder irritativer Balanitis [LL1]
  • Schmerzen, Brennen, Juckreiz und Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) bei ausgeprägter entzündlicher oder erosiver Balanitis [LL1]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Balanoposthitis bei Ausbreitung der Entzündung von der Glans penis auf das Präputium beziehungsweise bei gleichzeitiger Entzündung von Glans penis und Vorhaut [LL1]
  • Chronisch-rezidivierende Balanitis, insbesondere bei Präputialdysfunktion (Funktionsstörung der Vorhaut), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), chronischen Dermatosen (Hauterkrankungen), irritativer Exposition (reizender Einwirkung) oder unzureichender ursachenbezogener Therapie (Behandlung) [LL1]
  • Meatitis (Entzündung der Harnröhrenmündung) beziehungsweise Meatostenose (Verengung der Harnröhrenmündung), insbesondere bei chronisch entzündlichen beziehungsweise sklerosierenden Genitaldermatosen (verhärtenden Hauterkrankungen der Geschlechtsorgane) wie Lichen sclerosus [LL1]
  • Paraphimose (eingeklemmte zurückgezogene Vorhaut) als Komplikation bei entzündlich geschwollener, retrahierter (zurückgezogener) Vorhaut und vorbestehender Präputialenge (Vorhautenge) [LL1]
  • Phimose, insbesondere als Folge chronisch-rezidivierender Balanoposthitis beziehungsweise narbiger Vorhautveränderungen [LL1, 1]
  • Urethrale Beteiligung (Mitbeteiligung der Harnröhre) bis Urethrastriktur (Harnröhrenverengung), vor allem bei Lichen sclerosus beziehungsweise Balanitis xerotica obliterans [LL1]
  • Urethritis (Harnröhrenentzündung) beziehungsweise periurethrale Entzündung (Entzündung um die Harnröhre) bei infektiöser Balanitis/Balanoposthitis mit Mitbeteiligung des Meatus urethrae; nicht als regelhafte aufsteigende Harnwegsinfektion (Infektion der Harnwege) zu werten [LL1]

Prognosefaktoren

  • Chronizität (dauerhafter Verlauf) und Rezidivneigung (Neigung zum Wiederauftreten) – ungünstig bei persistierender Präputialdysfunktion, Phimose, Diabetes mellitus, fortgesetzter irritativer Exposition, Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder nicht erkannter chronischer Dermatose [LL1]
  • Therapieresistenz – prognostisch relevant, da persistierende, indurierte (verhärtete), erosive, ulzerierende oder atypische Läsionen (Haut-/Schleimhautveränderungen) eine prämaligne (krebsvorstufenartige) oder maligne (bösartige) Genese ausschließen müssen [LL1]
  • Lichen sclerosus beziehungsweise Balanitis xerotica obliterans – erhöhtes Risiko für Phimose, Meatostenose, Urethrastriktur und penile intraepitheliale Neoplasie beziehungsweise Peniskarzinom [LL1, 2]
  • Phimose – starker Risikofaktor für invasive Peniskarzinome (einwachsender Peniskrebs) und zugleich Mediator (vermittelnder Faktor) zwischen chronischer Entzündung, erschwerter Hygiene und malignem Risiko [1-2]
  • Humanes Papillomavirus – relevanter onkogener Kofaktor (krebsfördernder Mitfaktor) bei einem Teil der penilen intraepithelialen Neoplasien und Peniskarzinome; besonders zu beachten bei persistierenden, verrukösen (warzenartigen) oder erythematösen Läsionen (geröteten Haut-/Schleimhautveränderungen) [2]
  • Beschneidungsstatus – Zirkumzision (Beschneidung) in Kindheit/Jugend ist in Metaanalysen mit niedrigerem Risiko für invasive Peniskarzinome assoziiert; der protektive Effekt (schützende Wirkung) wird teilweise über die Vermeidung von Phimose vermittelt [1]

Literatur

  1. Larke NL, Thomas SL, dos Santos Silva I, Weiss HA: Male circumcision and penile cancer: a systematic review and meta-analysis. Cancer Causes Control. 2011;22(8):1097-1110. https://doi.org/10.1007/s10552-011-9785-9
  2. Douglawi A, Masterson TA: Updates on the epidemiology and risk factors for penile cancer. Transl Androl Urol. 2017;6(5):785-790. https://doi.org/10.21037/tau.2017.05.19

Leitlinien

  1. Edwards SK, Bunker CB, van der Snoek EM, van der Meijden WI: 2022 European guideline for the management of balanoposthitis. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2023;37(6):1104-1117. https://doi.org/10.1111/jdv.18954