Pseudokrupp – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Pseudokrupp (akute stenosierende Laryngotracheitis; akute verengende Kehlkopf-Luftröhren-Entzündung) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute obere Atemwegsobstruktion (akute Verengung der oberen Atemwege) – zentrale Komplikation des Pseudokrupps durch entzündlich-ödematöse Einengung (entzündlich bedingte Schwellung und Verengung) des subglottischen Atemwegs (Atemweg unterhalb der Stimmritze); klinisch relevant bei Stridor (pfeifendes Atemgeräusch) in Ruhe, zunehmenden Einziehungen (sichtbare Einziehungen der Brustwand beim Atmen), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Erschöpfung, Unruhe, Somnolenz (Benommenheit) oder Zyanose (Blaufärbung der Haut/Schleimhäute). Hypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe) ist ein spätes Warnzeichen und spricht für eine drohende kritische Atemwegsobstruktion [1-3, LL1-3].
- Akute respiratorische Insuffizienz (akute Atemschwäche) – seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Verlaufsform bei schwerem oder lebensbedrohlichem Pseudokrupp; klinisch relevant durch Sauerstoffbedarf, Notwendigkeit wiederholter inhalativer Adrenalingaben (über Einatmung verabreichte Adrenalingaben), Atemerschöpfung oder Intubations-/Beatmungspflichtigkeit (Notwendigkeit eines Beatmungsschlauchs/künstlicher Beatmung) [2-4, LL1-3].
- Bakterielle Tracheitis (bakterielle Luftröhrenentzündung) – seltene sekundär-bakterielle Komplikation beziehungsweise wichtige Differenzialdiagnose (mögliche andere Ursache) nach viralem Atemwegsinfekt (durch Viren ausgelöster Atemwegsinfekt); typisch sind hohes Fieber, toxischer Allgemeineindruck (schwer krank wirkender Allgemeinzustand), zäh-eitrige Sekrete (zähflüssige, eitrige Absonderungen), progrediente obere Atemwegsobstruktion (fortschreitende Verengung der oberen Atemwege) und schlechtes Ansprechen auf Standardtherapie mit Glucocorticoiden (entzündungshemmende Cortisonmedikamente) und inhalativem Adrenalin (über Einatmung verabreichtes Notfallmedikament zur Abschwellung der Atemwege) [5, 6, LL1-3].
- Pneumonie (Lungenentzündung) – seltene pulmonale Komplikation (die Lunge betreffende Komplikation), vor allem bei schwerem, protrahiertem (verlängertem) oder sekundär-bakteriellem Verlauf; nicht typisch für unkomplizierten Pseudokrupp und daher nur bei Fieberpersistenz (anhaltendem Fieber), Verschlechterung des Allgemeinzustands, fokalen Auskultationsbefunden (örtlich begrenzten Abhörbefunden) oder Hypoxie über das erwartbare Maß hinaus anzunehmen [3, 5, 6, LL1-3].
- Pulmonales Ödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) beziehungsweise negatives Druck-Lungenödem – sehr seltene Komplikation bei ausgeprägter inspiratorischer Atemwegsobstruktion (Verengung der Atemwege beim Einatmen) mit hoher negativer intrathorakaler Druckentwicklung (Druckentwicklung im Brustkorb); klinisch relevant bei plötzlicher Hypoxämie (vermindertem Sauerstoffgehalt im Blut), Rasselgeräuschen, schaumigem Sekret oder radiologischen Zeichen (Zeichen in der Bildgebung) eines Lungenödems nach schwerer Obstruktion [3, LL2].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Hypoxämie/Zyanose – Spätzeichen eines schweren Pseudokruppverlaufs und Hinweis auf eine drohende komplette obere Atemwegsobstruktion; bei typischem mildem bis moderatem Pseudokrupp sind Sauerstoffsättigung und Hautkolorit meistens normal [LL2, LL3].
- Bewusstseinsstörung (gestörtes Bewusstsein)/Erschöpfung – kritisches Zeichen der Atemerschöpfung bei schwerem oder lebensbedrohlichem Pseudokrupp; klinisch relevant als unmittelbare Indikation (Behandlungsgrund) zur Behandlung in einem hochakuten Setting (unmittelbaren Notfallumfeld) mit erfahrener pädiatrischer Atemwegssicherung (kindermedizinischer Sicherung der Atemwege) [LL2, LL3].
Prognosefaktoren
- Schweregrad bei Erstkontakt – ungünstig sind Stridor in Ruhe, persistierender (anhaltender) oder biphasischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Ein- und Ausatmen), deutliche Einziehungen, Tachypnoe, Tachykardie (Herzrasen), Agitation (starke Unruhe), Somnolenz, Blässe, Zyanose, Hypoxämie und Zeichen der Atemerschöpfung [LL2, LL3].
- Alter und atypische Präsentation (untypisches Erscheinungsbild) – Alter unter 6 Monaten, Auftreten außerhalb des typischen Altersbereichs, sehr rascher Beginn, fehlender bellender Husten, Dysphagie (Schluckstörung), Speichelfluss oder toxischer Allgemeineindruck sprechen gegen unkomplizierten Pseudokrupp und erhöhen die Wahrscheinlichkeit relevanter Differenzialdiagnosen [LL1-3].
- Vorbekannte Atemwegsrisiken – ungünstig sind frühere schwere Pseudokrupp-Episoden, vorbestehende Einengung der oberen Atemwege, Laryngomalazie/Tracheomalazie (Erweichung von Kehlkopf/Luftröhre), subglottische Stenose (Verengung unterhalb der Stimmritze), Zustand nach Atemwegsoperation oder Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs) sowie neuromuskuläre Erkrankungen (Erkrankungen von Nerven und Muskeln) mit reduziertem Atemwegstonus (verminderter Spannung der Atemwege) [LL2, LL3].
- Therapieansprechen (Ansprechen auf Behandlung) – fehlende Besserung nach inhalativem Adrenalin, wiederholter Bedarf an inhalativem Adrenalin, persistierender Stridor in Ruhe oder erneute Verschlechterung nach initialer Stabilisierung (anfänglicher Stabilisierung) sind ungünstige Verlaufszeichen und sprechen für Überwachung, pädiatrische Konsultation (kinderärztliche Mitbeurteilung) oder Verlegung [1, 2, LL1-3].
- Sekundär-bakterielle Warnzeichen – hohes Fieber, toxischer Allgemeineindruck, progrediente Obstruktion, zähe Sekrete und schlechtes Ansprechen auf Glucocorticoide/inhalatives Adrenalin sprechen insbesondere für bakterielle Tracheitis und verschlechtern die Prognose (Krankheitsvorhersage) durch hohes Risiko einer Atemwegssicherung [5, 6, LL1-3].
- SARS-CoV-2 (Coronavirus)-assoziierter Pseudokrupp – kann in einzelnen Kohorten (untersuchten Patientengruppen) mit höherem Schweregrad, häufigerem Therapiebedarf oder häufigerem stationärem Verlauf (Verlauf mit Krankenhausbehandlung) assoziiert sein; dies ist ein kontextabhängiger Risikohinweis und kein eigenständiger Prognosemarker (Vorhersagemarker) ohne klinische Schwerezeichen [8, LL1-3].
- Rezidivierender (wiederkehrender) oder atypischer Pseudokrupp – mehrere Episoden pro Jahr, protrahierter Verlauf oder untypisches Alter sollten nicht als einfache Folge eines Einzelepisoden-Pseudokrupps gewertet werden, sondern als Hinweis auf zugrunde liegende Faktoren wie anatomische Atemwegsveränderungen (körperliche Veränderungen der Atemwege), Atopie (Neigung zu allergischen Erkrankungen), Asthma bronchiale (chronisch entzündliche Atemwegserkrankung) oder gastroösophagealen Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre); die Evidenz (wissenschaftliche Beleglage) spricht hier für Assoziationen (Zusammenhänge), nicht für eine gesicherte Kausalfolge (ursächliche Folge) [7, LL1-3].
Literatur
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- Lai TC, Walker PJB, Schrader S et al.: COVID-19-associated croup severity in Australian children. Arch Dis Child. 2023;108(8):e14. https://doi.org/10.1136/archdischild-2023-325717
Leitlinien
- Canadian Paediatric Society: Acute management of croup in the emergency department. Updated March 6, 2026. https://cps.ca/en/documents/position/acute-management-of-croup
- The Royal Children’s Hospital Melbourne: Clinical Practice Guidelines: Croup (Laryngotracheobronchitis). Last updated September 2024. https://www.rch.org.au/clinicalguide/guideline_index/croup_laryngotracheobronchitis/
- Children’s Health Queensland: Croup – Emergency management in children. Queensland Paediatric Emergency Care Guideline. https://www.childrens.health.qld.gov.au/for-health-professionals/queensland-paediatric-emergency-care-qpec/queensland-paediatric-clinical-guidelines/croup