Schulterarthrose (Omarthrose) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Omarthrose (Schultergelenkarthrose) mitbedingt sein können:

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Bewegungseinschränkung der Schulter – progrediente (fortschreitende) Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit, insbesondere der Außenrotation (Auswärtsdrehung) und Abduktion (Abspreizen), infolge von Knorpeldegeneration (Knorpelverschleiß), Osteophytenbildung (Knochenanbauten), Kapselverdickung (Verdickung der Gelenkkapsel) und schmerzbedingter Funktionshemmung (Bewegungshemmung) [1-4]
  • Funktionelle Behinderung der oberen Extremität (Arm) – Einschränkung alltagsrelevanter Aktivitäten wie Ankleiden, Körperpflege, Heben, Tragen, Überkopfarbeiten und berufliche Belastungen; klinisch relevant durch reduzierte Selbstständigkeit und verminderte Lebensqualität [1-5]
  • Glenohumerale Fehlstellung/Subluxation (Fehlstellung/Teilausrenkung des Schultergelenks) – fortgeschrittene strukturelle Folge mit exzentrischem Glenoidverschleiß (einseitiger Verschleiß der Gelenkpfanne), humeraler Kopfdezentrierung (Verschiebung des Oberarmkopfs), Osteophytenbildung und veränderter Gelenkmechanik (Gelenkbewegungsablauf); relevant für Progression (Fortschreiten), Funktionseinschränkung und operative Planung [1, 3, 5]
  • Muskelatrophie (Muskelschwund) und Kraftminderung der Schultermuskulatur – sekundär durch schmerzbedingte Schonung, reduzierte Nutzung und eingeschränkte Beweglichkeit; funktionell relevant durch verminderte Schulterstabilität und Belastbarkeit [2, 4, 6]
  • Schultersteife/Kapselkontraktur (Gelenkkapselverkürzung) – zunehmende periartikuläre Weichteilverkürzung (Weichteilverkürzung um das Gelenk) und Kapselrestriktion (Bewegungsbegrenzung durch die Gelenkkapsel) mit persistierender Bewegungseinschränkung; klinisch häufig mit Außenrotationsdefizit (eingeschränkter Auswärtsdrehung), Endphasenschmerz (Schmerz am Bewegungsende) und Alltagsbehinderung verbunden [1-4, 6]
  • Sekundäre Rotatorenmanschetteninsuffizienz (Schwäche der Schultersehnenmanschette) – mögliche Begleit- und Folgekonstellation bei fortgeschrittener glenohumeraler Arthrose (Schultergelenkverschleiß) mit veränderter Gelenkmechanik, Muskeldegeneration (Muskelabbau) oder koexistierender Rotatorenmanschettenpathologie (Erkrankung der Schultersehnenmanschette); relevant für Funktion, Schmerzpersistenz (anhaltende Schmerzen) und Wahl des operativen Verfahrens [1, 3, 5]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Insomnie (Schlaflosigkeit) – schmerzbedingte Ein- und Durchschlafstörung, insbesondere durch Nacht- und Ruheschmerz bei fortgeschrittener Omarthrose; klinisch relevant durch Verstärkung von Schmerzempfinden, Fatigue (Erschöpfung) und reduzierter Tagesfunktion [1-4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Schulterschmerzen – häufig tief im Glenohumeralgelenk (Schultergelenk) lokalisierte, zunächst belastungsabhängige und später auch Ruhe- beziehungsweise Nachtschmerzen; zentrale Leitsymptomatik (Hauptbeschwerdebild) der symptomatischen Omarthrose [1-4]
  • Crepitatio (Gelenkreiben) und mechanische Symptome – Reiben, Knirschen, Schnappen oder Blockierungsgefühl infolge degenerativer Gelenkflächenveränderungen (verschleißbedingter Veränderungen der Gelenkflächen), Osteophyten und Gelenkinkongruenz (Nichtzusammenpassen der Gelenkflächen); klinisch relevant bei fortgeschrittener Strukturveränderung [1-4]
  • Schonhaltung – schmerzbedingte kompensatorische Entlastung des betroffenen Schultergelenks mit möglicher Überlastung der Schultergürtel-, Nacken- und Rumpfmuskulatur; möglich sind myofasziale Beschwerden (Muskel-Bindegewebs-Beschwerden) und sekundäre Funktionsdefizite (Folgeeinschränkungen der Funktion) [2, 4, 6]

Prognosefaktoren

  • Ausmaß der glenohumeralen Strukturveränderung – Gelenkspaltverschmälerung (Verschmälerung des Gelenkspalts), Osteophytenbildung, subchondrale Sklerose (Knochenverdichtung unter dem Knorpel), Zystenbildung (Hohlraumbildung), Glenoiddeformität (Verformung der Gelenkpfanne) und humerale Kopfdezentrierung beeinflussen Schmerz, Funktion und therapeutische Optionen (Behandlungsmöglichkeiten) [1, 3, 5]
  • Begleitende Rotatorenmanschettenpathologie – relevante Rupturen (Risse) oder Insuffizienz (Schwäche) der Rotatorenmanschette (Schultersehnenmanschette) verschlechtern Funktion und beeinflussen insbesondere die Wahl zwischen anatomischer und inverser Schulterendoprothetik (künstlichem Schultergelenkersatz) [1, 3, 5]
  • Chronifizierung (Dauerhaftwerden) von Schmerz und Schlafstörung – persistierende Ruhe- und Nachtschmerzen sowie Insomnie sind mit höherer Krankheitslast, reduzierter Funktion und schlechterer gesundheitsbezogener Lebensqualität assoziiert (verbunden) [1-4]
  • Funktioneller Ausgangsstatus – ausgeprägte Bewegungseinschränkung, Kraftminderung, Muskelatrophie und Alltagsbehinderung sprechen für eine fortgeschrittene klinische Krankheitslast [2, 4, 6]
  • Patientenbezogene Faktoren – Alter, Aktivitätsniveau, berufliche Schulterbelastung, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Therapieziel (Behandlungsziel) und Erwartungshaltung beeinflussen konservative Behandlungsfähigkeit (Behandelbarkeit ohne Operation), Operationsindikation (Operationsgrund) und funktionelles Ergebnis [1, 3, 5, 6]
  • Voroperationen, Instabilität oder posttraumatische Veränderungen (Veränderungen nach Verletzungen) – sekundäre Omarthroseformen können früher auftreten, rascher progredient sein und die Rekonstruktion (Wiederherstellung) beziehungsweise Endoprothetik technisch erschweren [1, 3, 5]

Literatur

  1. Crane C, Wagner C, Wong S et al.: Glenohumeral Osteoarthritis: A Biological Advantage or a Missed Diagnosis? J Clin Med. 2024;13(8):2341. https://doi.org/10.3390/jcm13082341 
  2. Davies MR, Musahl V, Forsythe B et al.: Glenohumeral Osteoarthritis: Disease Burden, Current Understanding, and Gaps in Knowledge and Treatment. Orthop J Sports Med. 2025;13(5):23259671251339428. https://doi.org/10.1177/23259671251339428 
  3. Ibounig T, Simons T, Launonen A, Paavola M: Glenohumeral osteoarthritis: an overview of etiology and diagnostics. Scand J Surg. 2021;110(3):441-451. https://doi.org/10.1177/1457496920935018 
  4. Yamamoto N, Szymski D, Voss A et al.: Non-operative management of shoulder osteoarthritis: Current concepts. J ISAKOS. 2023;8(5):289-295. https://doi.org/10.1016/j.jisako.2023.06.002 

Leitlinien

  1. Khazzam MS, Pearl ML: AAOS Clinical Practice Guideline: Management of Glenohumeral Joint Osteoarthritis. J Am Acad Orthop Surg. 2020;28(19):790-794. https://doi.org/10.5435/JAAOS-D-20-00405 
  2. Michener LA, Heitzman J, Abdrabo K et al.: Physical Therapist Management of Glenohumeral Joint Osteoarthritis: A Clinical Practice Guideline from the American Physical Therapy Association. Phys Ther. 2023;103(6):pzad041. https://doi.org/10.1093/ptj/pzad041