Schenkelhalsbruch (Schenkelhalsfraktur) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, pulsoxymetrischer Sauerstoffsättigung (Messung des Sauerstoffgehalts im Blut) (SpO2), Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung von Allgemeinzustand (allgemeinem körperlichen Zustand), Bewusstseinslage (Wachheitszustand) und Orientierung
- Inspektion (Betrachtung) der betroffenen unteren Extremität (Bein):
- [Verkürzung und Außenrotation (Auswärtsdrehung), ggf. Abduktion (Abspreizung) des betroffenen Beins, insbesondere bei dislozierter Schenkelhalsfraktur (verschobenem Oberschenkelhalsbruch)]
- [Schmerzbedingte Schonhaltung und fehlende bzw. deutlich eingeschränkte Belastbarkeit des betroffenen Beins]
- Beurteilung der Haut- und Weichteilverhältnisse (Zustand von Haut und Weichteilen) im Bereich von Hüfte und proximalem Oberschenkel (oberem Oberschenkel)
- Orthopädische Untersuchung der betroffenen Hüfte und unteren Extremität – vorsichtig und schmerzadaptiert, nach adäquater Analgesie (Schmerzbehandlung); bei eindeutiger Fehlstellung keine forcierte Bewegungsprüfung:
- Palpation (Abtasten) der Leisten- und vorderen Hüftregion [Druckschmerz]
- Vorsichtige passive Innen- und Außenrotation (Ein- und Auswärtsdrehung) des gestreckten Beins [Schmerzprovokation in Hüfte bzw. Leiste]
- Vorsichtige axiale Belastung (Belastung in Längsrichtung) über die Ferse [Stauchungsschmerz in Hüfte bzw. Leiste]
- Aktives Anheben des gestreckten Beins nur bei klinischer Vertretbarkeit [schmerzbedingt nicht möglich]
- Bei impaktierten (ineinandergestauchten) bzw. nicht dislozierten Schenkelhalsfrakturen können die typische Fehlstellung und eine vollständige Belastungsunfähigkeit fehlen.
- Neurovaskuläre Untersuchung (Untersuchung von Nerven und Blutgefäßen) der betroffenen Extremität – Dokumentation von DMS (Durchblutung, Motorik, Sensibilität), insbesondere peripherer Pulse, Hautperfusion (Hautdurchblutung), Motorik (Bewegungsfunktion) und Sensibilität (Empfindungsfähigkeit)
- Untersuchung auf Begleitverletzungen – entsprechend Unfallmechanismus insbesondere Becken, kontralaterale Hüfte (Hüfte der Gegenseite), gesamter Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Sprunggelenk sowie obere Extremitäten (Arme), Schultergürtel, Wirbelsäule und Kopf; bei Hochenergietrauma (Unfall mit hoher Gewalteinwirkung) systematische Traumuntersuchung
- Internistische und neurologische Untersuchung – insbesondere zur Erfassung relevanter Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und möglicher Sturzursachen mit Untersuchung von Herz, Kreislauf, Lunge und zentralem Nervensystem (Gehirn und Rückenmark)
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.