Schenkelhalsbruch (Schenkelhalsfraktur) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Schenkelhalsfraktur (Oberschenkelhalsbruch) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Postoperative Pneumonie (Lungenentzündung nach einer Operation) – insbesondere bei geriatrischen Patienten eine klinisch relevante Komplikation; eine Metaanalyse von zehn Studien mit 37.130 Patienten ergab nach operativer Versorgung einer Hüftfraktur eine gepoolte Inzidenz von 7,8 %. Risikofaktoren waren insbesondere höheres Alter, männliches Geschlecht, ein ASA-Status ≥ 3 sowie pulmonale, kardiale und renale Begleiterkrankungen [2].

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Akute posthämorrhagische bzw. postoperative Anämie (akute Blutarmut nach Blutverlust bzw. Operation) – durch frakturbedingte und perioperative Blutverluste; bei Hüftfrakturpatienten ist eine klinisch relevante postoperative Anämie eine typische perioperative Komplikation [LL2].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Dekubitus (Druckgeschwür) – insbesondere bei längerer Immobilisierung (Bewegungsunfähigkeit), eingeschränkter Eigenmobilität und geriatrischen Patienten; frühe Mobilisierung und Vermeidung unnötiger Immobilisierung sind wesentliche Bestandteile der Komplikationsprävention [6, LL2].

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Venöse Thromboembolie (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) – Schenkelhalsfraktur, Immobilisierung und operative Versorgung bedingen ein hohes thromboembolisches Risiko; hierzu gehören insbesondere:
    • Tiefe Venenthrombose (TVT) (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene)
    • Lungenembolie (LE) (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel)
    Die Notwendigkeit einer konsequenten Thromboembolieprophylaxe (Vorbeugung gegen Blutgerinnsel und Gefäßverschlüsse) wird sowohl von der aktuellen deutschen S3-Leitlinie als auch von der AAOS-Leitlinie hervorgehoben [LL1, LL2].

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Femurkopfnekrose (Absterben von Knochengewebe am Hüftkopf) – insbesondere nach dislozierten intrakapsulären Schenkelhalsfrakturen und gelenkerhaltender Osteosynthese (operative Knochenfixierung); pathogenetisch entscheidend ist die frakturbedingt beeinträchtigte Blutversorgung des Femurkopfes [1].
  • Pseudarthrose (Falschgelenkbildung) bzw. ausbleibende Frakturheilung – relevante Spätkomplikation nach gelenkerhaltender Versorgung; das Risiko steigt insbesondere bei Dislokation (Verschiebung), Instabilität und Trümmerzone der Fraktur [1].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Delir (akuter Verwirrtheitszustand) – eine der wichtigsten geriatrischen Komplikationen nach Hüftfraktur; eine aktuelle Metaanalyse ergab für das postoperative Delir eine gepoolte Prävalenz von 23 % (95-%-Konfidenzintervall 19-28 %). Besonders relevante Risikofaktoren sind vorbestehende Demenz (fortschreitender Verlust geistiger Fähigkeiten), früheres Delir, hohes Alter und hohe perioperative Morbidität [3, LL3].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Anhaltende bzw. chronische Schmerzen (lang anhaltende Schmerzen) – insbesondere bei Pseudarthrose, Femurkopfnekrose, sekundärem Kollaps, Fehlstellung oder Versagen einer Osteosynthese [1].
  • Anhaltende Gangstörung (Störung des Gehens) und eingeschränkte Mobilität – ein Teil der Patienten erreicht das präfrakturelle Mobilitäts- und Funktionsniveau nicht wieder; Mangelernährung ist mit einem zusätzlich erhöhten Risiko für einen Mobilitätsverlust assoziiert, während eine frühe postoperative Mobilisierung mit besseren klinischen Ergebnissen verbunden ist [4, 6].

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Harnwegsinfektion (Infektion der Harnwege) – insbesondere im perioperativen Verlauf bei geriatrischen Patienten, Immobilisierung und erforderlicher Blasenkatheterisierung (Einlage eines Katheters in die Harnblase) eine relevante nosokomiale Komplikation [LL2].

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Fehlstellung und Beinverkürzung – insbesondere durch sekundäre Dislokation, Frakturkollaps (Zusammensinken des Bruchbereichs) oder ausbleibende knöcherne Heilung [1].
  • Sekundäre Dislokation bzw. Repositionsverlust (erneuter Verlust der korrigierten Knochenstellung) – insbesondere nach gelenkerhaltender Osteosynthese instabiler oder dislozierter Frakturen [1].
  • Osteosyntheseversagen (Versagen der operativen Knochenfixierung) – mechanisches Versagen der gelenkerhaltenden Versorgung mit sekundärem Kollaps bzw. Revisionsbedürftigkeit; Dislokation, Instabilität und Trümmerzone sind ungünstige Faktoren [1].
  • Postoperative Wundheilungsstörung (gestörte Heilung der Operationswunde) bzw. Wundinfektion (Infektion der Operationswunde) – behandlungsassoziierte Komplikation nach operativer Versorgung.
  • Prothesenluxation (Ausrenkung der Hüftprothese) bzw. periprothetische Fraktur (Knochenbruch im Bereich der Prothese) – mögliche behandlungsspezifische Komplikationen nach endoprothetischer Versorgung.
  • Zweite kontralaterale Hüftfraktur (zweiter Hüftbruch auf der Gegenseite) – nach bereits erlittener Hüftfraktur besteht ein ausgeprägtes Risiko für eine erneute Fraktur der Gegenseite; eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 65 Studien ergab eine gepoolte Prävalenz von 7,3 % (95-%-Konfidenzintervall 6,3-8,4 %). Ein erheblicher Anteil der Zweitfrakturen tritt innerhalb der ersten zwei Jahre auf [5].

Prognosefaktoren

  • Dislokation, Instabilität und Trümmerzone der Schenkelhalsfraktur – ungünstige lokale Prognosefaktoren bei gelenkerhaltender Osteosynthese; sie erhöhen insbesondere das Risiko für Pseudarthrose, Osteosyntheseversagen und Femurkopfnekrose [1].
  • Beeinträchtigte Blutversorgung des Femurkopfes – wesentlicher pathogenetischer Faktor für die Entwicklung einer posttraumatischen Femurkopfnekrose nach intrakapsulärer Fraktur [1].
  • Hohes Alter und ausgeprägte Komorbidität (Begleiterkrankungen) – mit einem erhöhten Risiko für postoperative Pneumonie und weitere perioperative Komplikationen assoziiert; für die Pneumonie sind insbesondere ein ASA-Status ≥ 3 sowie pulmonale, kardiale und renale Begleiterkrankungen relevant [2].
  • Vorbestehende Demenz bzw. kognitive Einschränkung (Beeinträchtigung des Denkens und Erinnerns) und früheres Delir – starke Risikofaktoren für ein postoperatives Delir und damit für einen komplizierten geriatrischen Verlauf [3, LL3].
  • Mangelernährung – in einer Metaanalyse von 14 Studien mit einer erhöhten Mortalität (Sterblichkeit), einer höheren Delirrate, einem Verlust der Mobilität und einer größeren Wahrscheinlichkeit für einen Wechsel in eine stärker unterstützende Wohn- bzw. Versorgungssituation assoziiert [4].
  • Verzögerte operative Versorgung – eine medizinisch vermeidbare Verzögerung ist mit ungünstigeren klinischen Ergebnissen und einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert; die AAOS empfiehlt die operative Versorgung innerhalb von 24-48 Stunden nach Aufnahme, sofern der klinische Zustand dies zulässt. Die deutsche QSFFx-RL fordert eine qualitativ hochwertige und frühestmögliche operative Versorgung [2, LL2, LL4].
  • Verzögerte postoperative Mobilisierung – frühe Mobilisierung nach Hüftfrakturoperation ist in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse mit einer niedrigeren 30-Tage-Mortalität und einer geringeren Komplikationsrate assoziiert [6].

Literatur

  1. Randelli F, Viganò M, Liccardi A et al.: Femoral neck fractures: Key points to consider for fixation or replacement a narrative review of recent literature. Injury. 2023;54 Suppl 1:S70-S77. doi:10.1016/j.injury.2021.09.024
  2. Han SB, Kim SB, Shin KH: Risk factors for postoperative pneumonia in patients undergoing hip fracture surgery: a systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord. 2022;23(1):553. doi:10.1186/s12891-022-05497-1
  3. Hu Y, Tang W, Jiang X: Prevalence and risk factors for postoperative delirium after hip fracture in the elderly: A systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2026;105(4):e47296. doi:10.1097/MD.0000000000047296
  4. Chiavarini M, Ricciotti GM, Genga A et al.: Malnutrition-Related Health Outcomes in Older Adults with Hip Fractures: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2024;16(7):1069. doi:10.3390/nu16071069
  5. Morris D, Cheok T, Smith T et al.: Period prevalence and timing of contralateral hip fractures: An eighteen year retrospective cohort study, systematic review and meta-analysis of the literature. Bone. 2025;195:117453. doi:10.1016/j.bone.2025.117453
  6. Agarwal N, Feng T, MacLullich AMJ et al.: Early mobilisation after hip fracture surgery is associated with improved patient outcomes: A systematic review and meta-analysis. Musculoskeletal Care. 2024;22(1):e1863. doi:10.1002/msc.1863

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE). (AWMF-Registernummer 003-001) Januar 2026. Langfassung. [LL1]
  2. American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS): Management of Hip Fractures in Older Adults. Evidence-Based Clinical Practice Guideline. Dezember 2021. Leitlinie. [LL2]
  3. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Hip fracture: management. Clinical Guideline CG124. Publiziert Juni 2011, zuletzt aktualisiert Januar 2023. Leitlinie. [LL3]
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie zur Versorgung der hüftgelenknahen Femurfraktur (QSFFx-RL). Zuletzt geändert am 22. Januar 2026, in Kraft getreten am 23. April 2026. Richtlinie. [LL4]