Schenkelhalsbruch (Schenkelhalsfraktur) – Differentialdiagnosen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Osteomalazie (Knochenerweichung) – kann belastungsabhängige Hüft-/Leistenschmerzen und Insuffizienzfrakturen (Knochenbruch bei normaler Belastung) im proximalen Femur (oberer Oberschenkelknochen) verursachen
  • Renale Osteopathie (nierenbedingte Knochenerkrankung) – metabolische Knochenerkrankung (stoffwechselbedingte Knochenerkrankung) mit erhöhtem Risiko für Insuffizienzfrakturen des Beckens und proximalen Femurs

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akute arterielle Extremitätenischämie (akute Durchblutungsstörung einer Gliedmaße) – akuter Beinschmerz mit Blässe, Pulslosigkeit, Sensibilitätsstörung (Gefühlsstörung) und Funktionsverlust; klinisch von traumatisch bedingtem Hüftschmerz abzugrenzen
  • Iliopsoas-/Iliakushämatom (Bluterguss im Hüftbeugemuskel/Beckenmuskel) – akuter Leisten-/Hüftschmerz, Hüftbeugeschmerz und gegebenenfalls Femoralneuropathie (Nervenschädigung des Oberschenkelnervs), insbesondere unter Antikoagulation (Blutverdünnung)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Iliopsoasabszess (Eiteransammlung im Hüftbeugemuskel) – Leisten-/Hüftschmerz, Schonhaltung, Fieber und erhöhte Entzündungsparameter; kann eine proximale Femurfraktur (Knochenbruch des oberen Oberschenkelknochens) klinisch imitieren
  • Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) des proximalen Femurs – lokaler Knochenschmerz, Fieber und Entzündungszeichen; differentialdiagnostisch bei atraumatischem oder subakutem Verlauf relevant
  • Septische Arthritis (eitrige Gelenkentzündung) des Hüftgelenks – akuter Hüftschmerz mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung, Fieber und Entzündungszeichen; orthopädischer Notfall

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Aktivierte Coxarthrose (aktivierte Hüftgelenkarthrose) – Hüft-/Leistenschmerz mit Bewegungseinschränkung, meist ohne frakturtypisches Trauma (Verletzung)
  • Arthritis (Gelenkentzündung) des Hüftgelenks – entzündlicher Hüftschmerz mit Bewegungseinschränkung, gegebenenfalls bei rheumatischer Grunderkrankung
  • Femurkopfnekrose (Absterben des Hüftkopfes) – belastungsabhängiger Leisten-/Hüftschmerz; radiologisch von Fraktur (Knochenbruch) und Coxarthrose abzugrenzen
  • Hüftgelenksluxation (Ausrenkung des Hüftgelenks) – meist traumatisch; starke Schmerzen, Beinfehlstellung und aufgehobene Hüftfunktion
  • Labrumläsion (Schädigung der Gelenklippe) des Hüftgelenks – mechanischer Leisten-/Hüftschmerz, häufig mit Schnappen, Einklemmungsgefühl oder Blockierungsgefühl
  • Morbus Perthes (kindliche Hüftkopfnekrose) – kindliche Hüftkopfnekrose; wichtige Differentialdiagnose bei kindlichem Hinken und Hüft-/Knieschmerz
  • Ruptur (Riss) der glutealen Sehnen beziehungsweise Trochanter-major-Schmerzsyndrom (Schmerzsyndrom am großen Rollhügel) – lateraler Hüftschmerz, Trendelenburg-Zeichen (Absinken des Beckens beim Gehen) und Gangstörung ohne intraartikuläre Frakturzeichen
  • Stressfraktur (Ermüdungsbruch)/Insuffizienzfraktur des proximalen Femurs – atraumatische oder niedrigtraumatische Leistenschmerzen, insbesondere bei Osteoporose (Knochenschwund), Überlastung oder metabolischer Knochenerkrankung
  • Transiente Osteoporose (vorübergehender Knochenschwund) des Hüftgelenks/Knochenmarködemsyndrom (Flüssigkeitseinlagerung im Knochenmark) – akuter bis subakuter Leistenschmerz ohne typische Frakturlinie; Magnetresonanztomographie (MRT) wegweisend

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Multiples Myelom (Knochenmarkkrebs) – osteolytische Läsionen (knochenauflösende Veränderungen) mit Knochenschmerz und pathologischer Fraktur möglich
  • Osteolytische Knochenmetastasen (knochenauflösende Tochtergeschwülste) des proximalen Femurs – pathologische Fraktur (Knochenbruch bei krankhaft verändertem Knochen) oder frakturähnlicher Hüft-/Leistenschmerz, insbesondere bei bekanntem Mammakarzinom (Brustkrebs), Prostatakarzinom (Prostatakrebs), Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) oder Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs)
  • Primäre Knochentumoren (ursprüngliche Knochengeschwülste) des proximalen Femurs – selten, aber bei atypischem Schmerzverlauf, Nachtschmerz oder pathologischer Fraktur differentialdiagnostisch relevant

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Lumbale Radikulopathie (Nervenwurzelreizung der Lendenwirbelsäule) – ausstrahlender Schmerz in Leiste, Oberschenkel oder Knie; neurologische Zeichen und Wirbelsäulenbefund wegweisend
  • Periphere Neuropathie (Nervenschädigung außerhalb von Gehirn und Rückenmark) – Gangunsicherheit, Sturzereignis und Schmerzfehlwahrnehmung können die klinische Einschätzung erschweren

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Akuter Leistenschmerz unklarer Genese (unklarer Ursache) – bei älteren Patienten bis zum Ausschluss einer okkulten proximalen Femurfraktur (verborgener Knochenbruch des oberen Oberschenkelknochens) als frakturverdächtig zu bewerten
  • Gangstörung/Hinken – unspezifisches Leitsymptom bei Schenkelhalsfraktur (Knochenbruch des Oberschenkelhalses), Coxarthrose, Femurkopfnekrose, Beckenfraktur (Beckenbruch) und neurologischen Ursachen
  • Knieschmerz als projizierter Schmerz (übertragener Schmerz) – kann bei Hüftpathologien auftreten und die Diagnose einer proximalen Femurfraktur verzögern

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Ureterolithiasis (Harnleiterstein) – kolikartiger Flanken-/Leistenschmerz; bei atypischer Präsentation von Hüft-/Leistenschmerz abzugrenzen

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Acetabulumfraktur (Bruch der Hüftpfanne) – Hüft-/Leistenschmerz nach Trauma; Abgrenzung durch Beckenübersichtsaufnahme und Computertomographie (CT)
  • Beckenringfraktur (Bruch des Beckenrings) – insbesondere vordere Beckenringfraktur oder laterale Kompressionsverletzung bei älteren Patienten nach Sturz
  • Femurkopffraktur (Bruch des Hüftkopfes) – meist bei Hüftluxation oder Hochenergietrauma; intraartikuläre Fraktur (Knochenbruch im Gelenk) mit anderer therapeutischer Konsequenz
  • Hüftkontusion (Hüftprellung)/Weichteiltrauma (Weichteilverletzung) – Schmerzen nach Sturz ohne Frakturnachweis; Diagnose erst nach sicherem Ausschluss einer okkulten Fraktur
  • Intertrochantäre Femurfraktur (Knochenbruch zwischen den Rollhügeln des Oberschenkelknochens) – extrakapsuläre proximale Femurfraktur (Knochenbruch außerhalb der Gelenkkapsel); klinisch ähnlich, radiologisch und therapeutisch von der Schenkelhalsfraktur zu trennen
  • Isolierte Fraktur des Trochanter major (Bruch des großen Rollhügels) – lateraler Hüftschmerz; wichtig ist der Ausschluss einer okkulten intertrochantären Frakturausdehnung
  • Periprothetische Fraktur (Knochenbruch um eine Prothese) des proximalen Femurs – bei vorhandener Hüftendoprothese (künstliches Hüftgelenk) oder Osteosynthesematerial (Material zur Knochenbruchstabilisierung); radiologisch gezielt abzugrenzen
  • Ramus-pubis-Fraktur (Schambeinastbruch) – häufige Fragilitätsfraktur (Knochenbruch bei verminderter Knochenfestigkeit) bei älteren Patienten; kann Leisten-/Hüftschmerz verursachen
  • Sakrale Insuffizienzfraktur (Bruch des Kreuzbeins bei normaler Belastung) – Gesäß-, Becken- oder Leistenschmerz; häufig bei Osteoporose und initial im Röntgen okkult
  • Subtrochantäre Femurfraktur (Knochenbruch unterhalb der Rollhügelregion) – proximale Femurfraktur unterhalb der Trochanterenregion; andere biomechanische und operative Relevanz

Medikamente

  • Antikoagulantien – können ein Iliopsoas-/Iliakushämatom mit Leisten-/Hüftschmerz, Hüftbeugeschmerz und Anämie (Blutarmut) begünstigen
  • Bisphosphonate/Denosumab bei Langzeittherapie – atypische Femurfraktur (ungewöhnlicher Oberschenkelknochenbruch) als wichtige Abgrenzung bei Oberschenkel-/Leistenschmerz
  • Glukokortikoide – erhöhen das Risiko für Osteoporose, Insuffizienzfrakturen und Femurkopfnekrose