Knochenbruch (Fraktur) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Fraktur (Knochenbruch) bedingt sein können:

Direkte Komplikationen:

  • Band- und Kapselverletzungen (Verletzungen der stabilisierenden Bänder und Gelenkkapseln) – insbesondere bei gelenknahen Frakturen (Knochenbrüchen nahe eines Gelenks) durch Mitbeteiligung des ligamentären Stützapparates
  • Blutverlust/hämorrhagischer Schock (lebensbedrohlicher Blutverlustzustand) – ausgeprägtes Frakturhämatom (größerer Bluterguss am Bruch) bzw. hypovolämischer Schock (Kreislaufversagen durch Blutverlust) infolge relevanten Blutverlustes, insbesondere bei Becken-, Femur- (Oberschenkelknochen) oder Mehrfachfrakturen
  • Fettembolie/Fettemboliesyndrom (Verschleppung von Fetttröpfchen in die Blutgefäße) – vor allem bei Frakturen (Knochenbrüchen) langer Röhrenknochen (z. B. Femurfraktur (Oberschenkelknochenbruch)) durch Einschwemmung von Fettgewebe aus dem Knochenmark in den systemischen Kreislauf
  • Hämatothorax (Blutansammlung im Brustkorb) – insbesondere bei Rippen- oder Wirbelsäulenfrakturen (Brüchen der Wirbelsäule) mit thorakaler Beteiligung (Beteiligung des Brustkorbs)
  • Haut- und Weichteilverletzungen (Verletzungen von Haut, Muskeln und Unterhaut) – von Prellungen bis zu offenen Frakturen (Knochenbrüchen mit Hautdurchtrennung) mit ausgedehnten Weichteilschäden
  • Nerven- oder Gefäßverletzungen – mit Durchblutungsstörungen sowie sensiblen (Gefühls-) und/oder motorischen (Bewegungs-) Defiziten
  • Pneumothorax (Luftansammlung im Brustkorb) – bei Frakturen (Knochenbrüchen) der Rippen, Clavicula (Schlüsselbein) oder oberen Thoraxapertur (oberer Brustkorbeingang) durch Verletzung der Pleura (Lungenfell)
  • Kompartmentsyndrom (akutes Logensyndrom) – Bei dem sogenannten Logensyndrom handelt es sich um eine Blutung in einer Muskelloge (durch Bindegewebe abgegrenzter Muskelraum), die zu einer Drucksteigerung führt. Der Druck kann nicht entweichen und es kommt zu neuromuskulären Störungen (Nerven- und Muskelstörungen) sowie zu Gewebe- und Organschädigungen.

Indirekte Komplikationen:

  • Frakturheilungsstörungen (gestörte Knochenheilung) – verzögerte Frakturheilung (verzögerter Knochenbruchheilungsprozess) oder Pseudarthrose (Falschgelenk)
  • Refraktur (erneuter Knochenbruch) – erneute Fraktur (Knochenbruch) am gleichen Knochen, häufig bei insuffizienter Ausheilung oder reduzierter Knochenqualität (z. B. Osteoporose (Knochenschwund))
  • Infektionen (Entzündungen durch Krankheitserreger) – insbesondere bei offenen Frakturen (Knochenbrüchen mit Hautverletzung) oder im Rahmen operativer Versorgungen
  • Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) – akute oder chronische Knocheninfektion als schwerwiegende Spätkomplikation
  • Posttraumatische Arthrose (Gelenkverschleiß nach Verletzung) – degenerative Gelenkveränderungen nach intraartikulären Frakturen (Knochenbrüchen mit Gelenkbeteiligung)
  • Myositis ossificans (Verknöcherung der Muskulatur) – heterotope Ossifikation (fehlgeleitete Knochenbildung) der Muskulatur nach Trauma oder operativer Intervention
  • Thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) – tiefe Venenthrombose (Blutgerinnsel in tiefen Venen) oder Lungenembolie (Gefäßverschluss in der Lunge) infolge Immobilisation (Bewegungseinschränkung)
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (engl. Complex regional pain syndrome, CRPS; Synonyme: Algoneurodystrophie, Morbus Sudeck, Sudeck-Dystrophie, Sudeck-Leriche-Syndrom, sympathische Reflexdystrophie (SRD)) – neurologisch-orthopädisches Krankheitsbild (Erkrankung von Nerven und Bewegungsapparat), dem eine Entzündungsreaktion nach Verletzung einer Extremität (Arm oder Bein) zugrunde liegt und bei dem zudem die zentrale Schmerzverarbeitung (Schmerzverarbeitung im Gehirn) in das Krankheitsgeschehen involviert ist; stellt eine Symptomatik dar, bei der es nach der Verletzung oder dem Eingriff zu ausgeprägten Durchblutungsstörungen, Ödemen (Schwellungen), Funktionseinschränkungen sowie zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Berührungs- oder Schmerzreizen kommt; Auftreten bei bis zu fünf Prozent der Patienten nach distalen Radiusfrakturen (handgelenksnaher Speichenbruch), aber auch nach Frakturen (Knochenbrüchen) oder Bagatelltraumen (leichten Verletzungen) der unteren Extremität (Beine); eine frühfunktionelle Behandlung (Physio- und Ergotherapie (Bewegungs- und Alltagstherapie)) in Kombination mit Medikamenten gegen neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) sowie topischen Therapien (örtlichen Behandlungen) führt langfristig zu besseren funktionellen Ergebnissen.

Folgeerkrankungen eines Knochenbruchs (direkte und indirekte Komplikationen)

Atmungssystem (J00-J99)

  • Pneumothorax (Luftansammlung im Brustkorb) – bei Rippen- oder Claviculafrakturen (Schlüsselbeinbrüchen)
  • Hämatothorax (Blutansammlung im Brustkorb) – infolge thorakaler Begleitverletzungen (zusätzlicher Brustkorbverletzungen)
  • Lungenembolie (Gefäßverschluss in der Lunge) – als Folge von Immobilisation (Bewegungseinschränkung) oder perioperativen Thrombosen (Blutgerinnseln im Zusammenhang mit Operationen)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Posttraumatische oder postoperative Infektionen (Entzündungen nach Verletzung oder Operation) – erhöhtes Risiko bei offenen Frakturen (Knochenbrüchen mit Hautverletzung)
  • Osteomyelitis (Knochenentzündung)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Frakturheilungsstörungen (gestörte Knochenheilung) – verzögerte Konsolidation (verlangsamtes Zusammenwachsen des Knochens), Pseudarthrose (Falschgelenk)
  • Ermüdungsfraktur (Stressbruch) – bei Fehlbelastung oder insuffizienter Knochenqualität
  • Posttraumatische Arthrose (Gelenkverschleiß nach Verletzung)
  • Myositis ossificans (Verknöcherung der Muskulatur)
  • Kontrakturen (Bewegungseinschränkungen durch Verkürzungen) und Bewegungseinschränkungen infolge Immobilisation (Ruhigstellung) oder Weichteilschädigung

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
  • Chronische Schmerzsyndrome (lang anhaltende Schmerzerkrankungen)
  • Posttraumatische Belastungsstörung (psychische Belastungsreaktion nach Trauma)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Blutverlust/hämorrhagischer Schock (lebensbedrohlicher Blutverlustzustand)
  • Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen (Chronic Widespread Pain, CWP (weitverbreitete chronische Schmerzen)) – Schmerzen über mehr als drei Monate mit Beteiligung mehrerer Körperareale [1]
    • Wirbelkörperfrakturen (Brüche der Wirbelkörper) – bei Männern 2,7-fach, bei Frauen 2,1-fach erhöhtes CWP-Risiko
    • Hüftfrakturen (Hüftknochenbrüche) bei Frauen – etwa 2,2-fach erhöhtes CWP-Risiko

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Band- und Kapselverletzungen (Verletzungen von Bändern und Gelenkkapseln)
  • Fettembolie/Fettemboliesyndrom (Verschleppung von Fetttröpfchen in die Blutgefäße)
  • Haut- und Weichteilverletzungen (Verletzungen von Haut und Weichteilen)
  • Nerven- oder Gefäßverletzungen (Verletzungen von Nerven oder Blutgefäßen)
  • Refraktur (erneuter Knochenbruch)
  • Kompartmentsyndrom (akutes Logensyndrom)

Prognosefaktoren

  • Ausgeprägter psychosozialer Stress (z. B. posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)) – assoziiert mit verzögerter Frakturheilung (verzögerter Knochenbruchheilung) und chronischen Schmerzsyndromen
  • Hohes Lebensalter und Osteoporose (Knochenschwund) – erhöhtes Risiko für Heilungsstörungen und Refrakturen (erneute Knochenbrüche)
  • Ausmaß der Weichteilschädigung (Schwere der Verletzung von Muskeln und Gewebe) – entscheidend für Komplikationsrate und Langzeitprognose
  • Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, periphere Gefäßerkrankung (Durchblutungsstörung der Extremitäten))

Literatur

  1. Walker-Bone K, Harvey NC, Ntani G, Tinati T, Jones GT, Smith BH, Macfarlane GJ, Cooper C: Chronic widespread bodily pain is increased among individuals with history of fracture: findings from UK Biobank. Arch Osteoporos. 2016; 11:1. Epub 2015 Dec 17.PMID: 26678491.