Knochenbruch (Fraktur) – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Achondroplasie (angeborener Kleinwuchs) – disproportionierter Kleinwuchs mit Knochenfehlstellungen, keine akute Kontinuitätsunterbrechung
  • Kongenitale Knochendysplasien (angeborene Knochenfehlbildungen) – strukturelle Fehlentwicklung des Knochens mit Deformierung und chronischem Schmerz
  • Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit) – genetisch bedingte Knochenbrüchigkeit, Abgrenzung zur traumatischen Fraktur durch Bagatelltrauma-Anamnese

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Hämophilie (Bluterkrankheit) – ausgeprägte Hämatomneigung mit Schmerz und Schwellung ohne Fraktur
  • Leukämien (Blutkrebs) – Knochenmarksinfiltration mit diffusen Knochenschmerzen
  • Sichelzellkrankheit (angeborene Bluterkrankung) – vaso-okklusive Knocheninfarkte mit akutem Schmerz

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen) – gesteigerter Knochenabbau mit Knochenschmerz
  • Osteomalazie (Knochenerweichung) – unzureichende Knochenmineralisation mit Belastungsschmerz
  • Vitamin-D-Mangel – muskuloskelettale Schmerzen ohne Frakturlinie

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute bakterielle Osteomyelitis (akute Knochenmarkentzündung) – lokaler Knochenschmerz, Fieber, systemische Entzündungszeichen
  • Chronische Osteomyelitis (chronische Knochenmarkentzündung) – persistierende Schmerzen, ggf. Fistelbildung
  • Septische Arthritis (bakterielle Gelenkentzündung) – schmerzhafte Bewegungseinschränkung ohne Fraktur

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Degenerative Skelettveränderungen (Verschleißerkrankungen der Knochen und Gelenke) – Arthrose oder Spondylose mit akuter Schmerzexazerbation
  • Erbliche Skelettdeformitäten (angeborene Fehlstellungen des Skeletts) – Achsfehlstellungen mit Fehlbelastung
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (entzündliche Rheumaerkrankungen) – entzündliche Knochen- oder Gelenkbeteiligung
  • Kontusionen (Prellungen) – Prellung mit Hämatom, erhaltene Knochenkontinuität
  • Luxationen (Gelenkverrenkungen) – Gelenkfehlstellung mit Funktionsverlust
  • Osteopathien (Knochenerkrankungen) – strukturelle Knochenveränderungen, ggf. Insuffizienzfrakturen
  • Verstauchungen (Zerrungen der Bänder) – Bandüberdehnung mit Schwellung und Bewegungsschmerz
  • Weichteilverletzungen (Verletzungen von Muskeln und Sehnen) – Muskel-, Sehnen- oder Faszienläsionen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Knochenmetastasen (Knochenabsiedelungen von Tumoren) – belastungsabhängiger Schmerz, ggf. pathologische Fraktur
  • Multiples Myelom (bösartige Erkrankung des Knochenmarks) – osteolytische Läsionen mit hohem Frakturrisiko
  • Osteosarkom (bösartiger Knochentumor) – progrediente Schmerzen, ggf. Schwellung
  • Riesenzelltumor des Knochens (meist gutartiger Knochentumor) – lokale Osteolyse mit Schmerz

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (chronisches Schmerzsyndrom nach Verletzung) – disproportionaler Schmerz ohne strukturelle Fraktur
  • Neuropathische Schmerzen (nervlich bedingte Schmerzen) – sensomotorische Beschwerden ohne knöcherne Läsion

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Renale Osteodystrophie (knochenbedingte Folge einer Nierenerkrankung) – gestörter Knochenstoffwechsel bei chronischer Niereninsuffizienz

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Niedrigenergetische Traumata (leichte Unfallmechanismen) – Weichteil- oder Bandverletzungen ohne Fraktur
  • Wiederholte Mikrotraumata (wiederholte kleine Überlastungen) – Stressreaktionen des Knochens

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Bandrupturen (Bänderrisse) – Instabilität und Schmerz ohne Frakturlinie
  • Gelenkkapselverletzungen (Verletzungen der Gelenkhülle) – Bewegungseinschränkung ohne Knochenbeteiligung
  • Muskelrisse (Muskelfaserrisse) – akuter Schmerz mit Kraftverlust

Medikamente

  • Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle) – Beeinflussung des Knochenstoffwechsels mit Frakturrisiko
  • Bisphosphonate (Medikamente zur Osteoporosebehandlung) – atypische Femurfrakturen oder prodromale Knochenschmerzen
  • Glukokortikoide (kortisonhaltige Medikamente) – sekundäre Osteoporose mit Insuffizienzfrakturen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Fluorose (Fluorüberdosierung) – erhöhte Knochendichte mit verminderter Elastizität
  • Schwermetallbelastungen (Belastung durch giftige Metalle) – Störung des Knochenstoffwechsels

Weiteres

  • Stressreaktionen des Knochens (Überlastungsreaktionen) – Frühstadium der Stressfraktur ohne sichtbare Frakturlinie

Red Flags (Warnzeichen) bei Fraktur

  • Hochenergetischer Unfallmechanismus
  • Sichtbare Fehlstellung oder Verkürzung einer Extremität
  • Krepitation (knirschendes Geräusch) bei Bewegung oder Palpation
  • Akuter Funktionsverlust der betroffenen Region
  • Zunehmender Schmerz trotz Ruhigstellung
  • Neurologische Ausfälle (Nervenstörungen) distal der Verletzung
  • Durchblutungsstörungen (kalte, blasse Extremität)
  • Offene Verletzung mit Knochenexposition
  • Fieber oder systemische Entzündungszeichen bei Verdacht auf infektassoziierte Knochenbeteiligung