Fersensporn – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte. Beim Fersensporn dient sie insbesondere der Lokalisation des Schmerzursprungs, der Erfassung prädisponierender biomechanischer Faktoren und der Abgrenzung anderer Ursachen des Fersenschmerzes.
Ein Fersensporn selbst lässt sich durch die körperliche Untersuchung nicht sicher nachweisen. Ein radiologisch nachgewiesener Kalkaneussporn (knöcherner Auswuchs am Fersenbein) kann asymptomatisch sein; beim symptomatischen plantaren Fersensporn stehen klinisch meist die Befunde einer Plantarfasziopathie (Erkrankung der Sehnenplatte an der Fußsohle) im Vordergrund.
- Allgemeine körperliche Untersuchung
- Inspektion
- Gangbild und Belastungsverhalten im Seitenvergleich [antalgisches Gangbild (schmerzbedingtes Hinken); Vermeidung der Fersenbelastung]
- Fußform und Fußstellung im Stand [Knick-Senk-Fuß, Hohlfuß; Rückfußvalgus (nach außen abweichende Fersenstellung) bzw. Rückfußvarus (nach innen abweichende Fersenstellung)]
- Plantarer Fersenbereich [Schwellung, Rötung, Hautläsionen (Hautschädigungen), Hyperkeratosen (übermäßige Hornhautbildung)]
- Dorsaler Fersenbereich bei posterioren Beschwerden [lokale Prominenz, Schwellung oder Rötung im Bereich der Achillessehneninsertion (Ansatzstelle der Achillessehne am Fersenbein)]
- Palpation
- Medialer plantarseitiger Kalkaneushöcker (innerer Höcker an der Unterseite des Fersenbeins) und proximaler Verlauf der Plantarfaszie (Sehnenplatte der Fußsohle) [umschriebener Druckschmerz am medialen Kalkaneushöcker bzw. am Ursprung der Plantarfaszie als typischer Befund einer Plantarfasziopathie]
- Zentraler plantarseitiger Fersenbereich [diffuser zentraler Druckschmerz als Hinweis auf ein Fersenfettpolstersyndrom (schmerzhafte Veränderung des Fettpolsters unter der Ferse)]
- Achillessehne und deren Ansatz am Kalkaneus (Fersenbein) [Druckschmerz, Verdickung oder Schwellung bei insertionaler Achillessehnentendinopathie (Erkrankung der Achillessehne an ihrer Ansatzstelle)]
- Mediale und laterale Kompression des Kalkaneus [Schmerz bei positivem Kalkaneus-Kompressionstest (Schmerz bei seitlichem Zusammendrücken des Fersenbeins) als Hinweis auf eine Kalkaneusstressfraktur (Ermüdungsbruch des Fersenbeins)]
- Funktionsprüfung
- Aktive und passive Beweglichkeit des oberen und unteren Sprunggelenks, insbesondere Dorsalextension des Fußes (Anheben des Fußes in Richtung Schienbein) [eingeschränkte Dorsalextension]
- Prüfung der Wadenmuskulatur bei gestrecktem und gebeugtem Kniegelenk [verkürzter Musculus gastrocnemius (oberflächlicher Wadenmuskel) bzw. verkürzter Triceps surae (Wadenmuskulatur)]
- Windlass-Test (Test zur Prüfung der Plantarfaszie) durch passive Dorsalextension der Großzehe [Reproduktion des typischen plantarmedialen Fersenschmerzes]
- Einbeiniger Zehenstand bei posterioren Fersenschmerzen [Schmerz im Bereich der Achillessehneninsertion oder eingeschränkte Belastbarkeit]
- Inspektion
- Neurologische Untersuchung – insbesondere bei brennenden Schmerzen, Parästhesien (Missempfindungen), Sensibilitätsstörungen (Störungen des Hautgefühls) oder atypischer Schmerzausstrahlung
- Prüfung der Oberflächen- und Berührungssensibilität von Fuß und Ferse [Hypästhesie (vermindertes Hautgefühl), Dysästhesie (unangenehme Missempfindung) oder Parästhesie]
- Perkussion des Nervus tibialis (Schienbeinnerv) im Bereich des Tarsaltunnels (Nervenkanal an der Innenseite des Sprunggelenks) [positives Tinel-Zeichen (elektrisierende Missempfindung bei Beklopfen eines Nervs) mit ausstrahlenden Parästhesien bei Tarsaltunnelsyndrom (Einengung des Schienbeinnervs am inneren Sprunggelenk)]
- Bei Verdacht auf radikuläre Genese (Ursprung an einer Nervenwurzel) Prüfung von Motorik, Achillessehnenreflex (Muskeleigenreflex der Achillessehne) und gegebenenfalls neurodynamischen Tests (Bewegungstests zur Prüfung von Nerven) [neurologisches Defizit (Ausfall einer Nervenfunktion) bzw. radikuläre Schmerzprovokation]
- Weitere orthopädische Untersuchung
- Seitenvergleich beider Füße sowie Beurteilung der Beinachse und der Rückfußstellung
- Beurteilung der Beweglichkeit von Sprung-, Subtalar- (unteres Sprunggelenk) und Mittelfußgelenken [Bewegungseinschränkung, schmerzhafte Gelenkbeweglichkeit]
- Gezielte differentialdiagnostische Untersuchung bei atypischen Befunden auf
- Plantarfasziopathie
- Fersenfettpolstersyndrom
- Kalkaneusstressfraktur
- Insertionale Achillessehnentendinopathie bzw. retrocalcaneare Bursitis (Schleimbeutelentzündung vor der Achillessehne)
- Tarsaltunnelsyndrom bzw. andere Nervenkompressionssyndrome (Erkrankungen durch Druck auf einen Nerv) des Rückfußes
- Entzündliche Enthesitis (Entzündung eines Sehnen- oder Bandansatzes), insbesondere im Rahmen einer Spondyloarthritis (entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule und Gelenke) [bilateraler Fersenschmerz, weitere druckschmerzhafte Enthesen (Sehnen- oder Bandansatzstellen)]
- Infektiöse oder neoplastische Ursache (durch eine Neubildung beziehungsweise einen Tumor bedingte Ursache) bei entsprechenden klinischen Warnzeichen [ausgeprägte Rötung, Überwärmung, Schwellung, Ruheschmerz oder tastbare Raumforderung (ungewöhnliche Gewebsvermehrung)]
- Apophysitis calcanei (Entzündung beziehungsweise Reizung der Wachstumszone des Fersenbeins) bei Kindern und Jugendlichen
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.