Daumensattelgelenksarthrose (Rhizarthrose) – Phytotherapeutika
Pflanzliche Antirheumatika
Für oral bzw. systemisch (den gesamten Körper betreffend) angewandte pflanzliche Präparate besteht bei Rhizarthrose (Verschleiß des Daumensattelgelenks) derzeit keine hinreichende krankheitsspezifische Evidenz für eine leitliniengestützte Therapieempfehlung. Ergebnisse aus Studien bei anderen Arthroselokalisationen (Gelenkverschleiß an anderen Gelenken) oder anderen muskuloskelettalen (Muskeln und Skelett betreffenden) Erkrankungen können nicht unmittelbar auf die Rhizarthrose übertragen werden [1-4, LL1, LL2].
- Brennnesselkraut – für eine analgetische (schmerzlindernde) oder funktionsverbessernde Wirkung bei Handarthrose (Gelenkverschleiß der Hand) bzw. Rhizarthrose liegt keine hinreichende klinische Evidenz vor; eine spezifische Therapieempfehlung kann nicht gegeben werden [1, 2].
- Gamma-Linolensäure (GLA) – z. B. Borretschöl oder Nachtkerzenöl; für eine klinisch relevante Wirksamkeit bei Handarthrose bzw. Rhizarthrose liegt keine hinreichende krankheitsspezifische Evidenz vor [1, 2].
- Hagebuttenpulver – für Hagebuttenpräparate liegen Untersuchungen bei Arthrose (Gelenkverschleiß) vor, jedoch keine hinreichende spezifische Evidenz für die Rhizarthrose; eine Übertragung von Ergebnissen aus anderen Arthrosepopulationen ist nicht gesichert [1, 2].
- Ingwer – eine Metaanalyse randomisierter placebokontrollierter Studien zeigte bei Arthrose eine geringe Reduktion von Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Eine rhizarthrose- bzw. handarthrose-spezifische Wirksamkeit wurde jedoch nicht belegt; eine spezifische Empfehlung für die Rhizarthrose lässt sich daraus nicht ableiten [3].
- Teufelskrallenwurzel – enthält Iridoidglykoside (pflanzliche Inhaltsstoffe), insbesondere Harpagosid. Klinische Wirksamkeitsdaten liegen vor allem für unspezifische Kreuzschmerzen vor; eine belastbare Evidenz für Handarthrose bzw. Rhizarthrose fehlt [4].
- Weidenrinde (Salix alba) – enthält Salicin, das zu Salicylsäure metabolisiert wird. Klinische Wirksamkeitsdaten betreffen vor allem unspezifische Kreuzschmerzen; für die Rhizarthrose besteht keine hinreichende spezifische Evidenz [4].
Salben zur externen Anwendung
Bei der symptomatischen Lokaltherapie (örtlichen Behandlung von Beschwerden) der Handarthrose werden topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) (örtlich angewandte entzündungshemmende Schmerzmittel ohne Cortison) gegenüber systemischen Arzneimitteln bevorzugt. Die EULAR-Empfehlungen führen topische NSAR als pharmakologische Lokaltherapie (medikamentöse örtliche Behandlung) der ersten Wahl bei Handarthrose; das American College of Rheumatology (ACR) empfiehlt sie bei Handarthrose bedingt. In der systematischen Evidenzaktualisierung 2025 zeigte sich kurzfristig ein sehr kleiner Effekt auf die Funktion und ein kleiner oder fehlender Effekt auf die Schmerzen [1, LL1, LL2].
- Topische NSAR – z. B. Diclofenac oder Ibuprofen; sie können zur lokalen symptomatischen Therapie eingesetzt werden. Gegenüber oralen NSAR ist die systemische Exposition (Belastung des gesamten Körpers mit dem Wirkstoff) geringer; in vergleichenden Studien bei Handarthrose traten unter topischen NSAR weniger unerwünschte Ereignisse auf [2, LL1, LL2].
- Arnika (Arnica montana) – in einer randomisierten Doppelblindstudie bei Patienten mit Arthrose der Interphalangealgelenke (Fingergelenke zwischen den einzelnen Fingerknochen) zeigte ein Arnika-Gel nach 21 Tagen hinsichtlich Schmerz und Handfunktion keinen Unterschied gegenüber Ibuprofen-Gel. Da keine Placebogruppe untersucht wurde und keine spezifische Rhizarthrosepopulation vorlag, lässt sich daraus weder eine Wirksamkeit gegenüber Placebo noch eine spezifische Wirksamkeit bei Rhizarthrose ableiten [5]. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) bewertet die Evidenz als begrenzt; von einer topischen Anwendung bei Arthrose muss bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten jedoch nicht grundsätzlich abgeraten werden. Ein systemischer Einsatz von Arnika wird aufgrund möglicher Toxizität (Giftigkeit) nicht befürwortet [LL3].
Durchblutungsfördernde bzw. lokal reizende Präparate sind keine leitliniengestützte Standardtherapie der Rhizarthrose:
- Capsaicinoide – insbesondere Capsaicin aktivieren den TRPV1-Rezeptor (Wärme- und Schmerzrezeptor) und können nach initialer Reizung analgetische Effekte vermitteln. Das ACR empfiehlt topisches Capsaicin bei Handarthrose bedingt nicht, da direkte Wirksamkeitsnachweise fehlen und bei der Anwendung an den Händen ein erhöhtes Risiko einer versehentlichen Kontamination der Augen besteht [LL2].
- Nicotinsäureester – werden topisch als hyperämisierende Dermatika (hautdurchblutungsfördernde Mittel) eingesetzt; eine hinreichende Wirksamkeitsevidenz für Handarthrose bzw. Rhizarthrose liegt nicht vor [1, 2].
- Ätherische Öle – z. B. aus Rosmarin, Kampfer oder Latschenkiefer; für eine klinisch relevante analgetische Wirkung bei Rhizarthrose besteht keine hinreichende Evidenz [1, 2].
Abkürzungen
- ACR – American College of Rheumatology
- DGRh – Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie
- EULAR – European Alliance of Associations for Rheumatology
- GLA – Gamma-Linolensäure
- NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika
- TRPV1 – Transient Receptor Potential Vanilloid 1
Literatur
- Kjeken I, Bordvik DH, Osteras N et al.: Efficacy and safety of non-pharmacological, pharmacological and surgical treatments for hand osteoarthritis in 2024: a systematic review. RMD Open 2025;11:e004963. doi: 10.1136/rmdopen-2024-004963 [1]
- Kroon FPB, Carmona L, Schoones JW, Kloppenburg M: Efficacy and safety of non-pharmacological, pharmacological and surgical treatment for hand osteoarthritis: a systematic literature review informing the 2018 update of the EULAR recommendations for the management of hand osteoarthritis. RMD Open 2018;4:e000734. doi: 10.1136/rmdopen-2018-000734 [2]
- Bartels EM, Folmer VN, Bliddal H et al.: Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Osteoarthritis Cartilage 2015;23:13-21. doi: 10.1016/j.joca.2014.09.024 [3]
- Oltean H, Robbins C, van Tulder MW et al.: Herbal medicine for low-back pain. Cochrane Database Syst Rev 2014;2014:CD004504. doi: 10.1002/14651858.CD004504.pub4 [4]
- Widrig R, Suter A, Saller R, Melzer J: Choosing between NSAID and arnica for topical treatment of hand osteoarthritis in a randomised, double-blind study. Rheumatol Int 2007;27:585-591. doi: 10.1007/s00296-007-0304-y [5]
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Kloppenburg M, Kroon FPB, Blanco FJ et al.: 2018 update of the EULAR recommendations for the management of hand osteoarthritis. Ann Rheum Dis 2019;78:16-24. doi: 10.1136/annrheumdis-2018-213826 [LL1]
- Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC et al.: 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Rheumatol 2020;72:220-233. doi: 10.1002/art.41142 [LL2]
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh): Behandlung rheumatischer Erkrankungen mit Arnika montana. Stand 10.03.2026. Empfehlung [LL3]
- S3-Leitlinie: Diagnostik, Prävention und Therapie der Rhizarthrose. (AWMF-Registernummer 187-065) – Leitlinienprojekt in Entwicklung; derzeit keine publizierte Langfassung [LL4]