Brustkorbverletzung (Thoraxtrauma) – Differentialdiagnosen
Atmungssystem (J00-J99)
- Aspiration (Einatmen von Fremdmaterial) – Fremdmaterial in den Atemwegen mit akuter Dyspnoe (Atemnot), Husten, Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) oder sekundärer Pneumonie (Lungenentzündung); kann nach Trauma (Verletzung), Bewusstseinsstörung oder Intoxikation (Vergiftung) auftreten
- Atelektase (Lungenabschnittskollaps) – kollabierter Lungenabschnitt, insbesondere posttraumatisch (nach Verletzung) bei Schmerzen, Schonatmung, Bronchusobstruktion (Verlegung eines Bronchus) oder Sekretretention (Sekretverhalt)
- Hämathorax (Blut im Brustfellraum) – Blutansammlung im Pleuraspalt (Brustfellraum), meist nach stumpfem oder penetrierendem Thoraxtrauma (Brustkorbverletzung); hämodynamisch relevanter Blutverlust möglich
- Hämatopneumothorax (Blut und Luft im Brustfellraum) – kombinierte Blut- und Luftansammlung im Pleuraspalt; häufig bei Rippenfraktur (Rippenbruch), Lungenverletzung oder penetrierender Thoraxverletzung
- Pneumomediastinum (Luft im Mittelfellraum) – Luft im Mediastinum (Mittelfellraum), möglich bei Tracheobronchialverletzung (Verletzung von Luftröhre oder Bronchien), Ösophagusverletzung (Speiseröhrenverletzung), Barotrauma (Druckverletzung) oder alveolärer Ruptur (Einriss von Lungenbläschen)
- Pneumothorax (Luft im Brustfellraum) – Luft im Pleuraspalt mit partieller oder kompletter Lungenkollapsneigung; traumatisch oder spontan möglich
- Spannungspneumothorax (lebensbedrohlicher Überdruck im Brustfellraum) – lebensbedrohliche Form des Pneumothorax mit Mediastinalverlagerung (Verlagerung des Mittelfellraums), respiratorischer Insuffizienz (Atemversagen) und obstruktivem Schock (Schock durch mechanische Behinderung des Blutflusses)
- Spontanpneumothorax (spontane Luftansammlung im Brustfellraum) – nichttraumatischer Pneumothorax; wichtige Differenzialdiagnose (Abgrenzungsdiagnose) bei akutem Thoraxschmerz (Brustschmerz) und Dyspnoe ohne eindeutiges Trauma
- Tracheobronchialverletzung – Ruptur (Riss) oder Einriss von Trachea (Luftröhre) oder Bronchien (Atemwege); Hinweise sind persistierender Pneumothorax trotz Drainage (Ableitung), massives Hautemphysem (Luftansammlung unter der Haut), Hämoptysen (Bluthusten) oder Luftleck
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens) – Myokardischämie (Durchblutungsmangel des Herzmuskels) bis Myokardinfarkt (Herzinfarkt) als nichttraumatische Differenzialdiagnose bei Thoraxschmerz, Dyspnoe, Schock oder Synkope (Ohnmacht)
- Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie) – akuter Verschluss von Lungenarterien durch Thromboembolien (verschleppte Blutgerinnsel); wichtige Differenzialdiagnose bei Dyspnoe, Thoraxschmerz, Tachykardie (Herzrasen), Synkope oder Schock
- Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – entzündliche Erkrankung des Perikards (Herzbeutel) mit atemabhängigem Thoraxschmerz; kann traumatischen oder ischämischen Thoraxschmerz imitieren
- Traumatische Aortenverletzung/Aortenruptur (Verletzung/Riss der Hauptschlagader) und Aortendissektion (Einriss der Hauptschlagaderwand) – lebensbedrohliche Verletzung beziehungsweise akute Aortenerkrankung (Erkrankung der Hauptschlagader) mit Thoraxschmerz, Rückenschmerz, Schock, Pulsdifferenzen oder Mediastinalverbreiterung (Verbreiterung des Mittelfellraums)
- Herzbeuteltamponade (Einengung des Herzens durch Flüssigkeit im Herzbeutel) – hämodynamisch relevante Flüssigkeits- oder Blutansammlung im Perikard mit obstruktivem Schock; traumatisch oder nichttraumatisch möglich
- Herzkontusion (Herzprellung) – stumpfe Myokardverletzung (Herzmuskelverletzung) mit Thoraxschmerz, Rhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen), Troponinerhöhung oder hämodynamischer Instabilität (Kreislaufinstabilität)
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Boerhaave-Syndrom (spontaner Speiseröhrenriss) – spontane transmurale Ösophagusruptur (Riss durch alle Wandschichten der Speiseröhre), meist nach massivem Erbrechen; Differenzialdiagnose bei akutem Thoraxschmerz, Pneumomediastinum oder Sepsiszeichen (Zeichen einer Blutvergiftung)
- Ösophagusperforation (Speiseröhrendurchbruch) – traumatische, iatrogene (durch medizinische Maßnahmen verursachte) oder spontane Perforation (Durchbruch) mit Mediastinitisrisiko (Risiko einer Mittelfellentzündung); abzugrenzen bei Pneumomediastinum, Dysphagie (Schluckstörung), Hämatemesis (Bluterbrechen) oder schwerem retrosternalem Schmerz (Schmerz hinter dem Brustbein)
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Interkostalneuralgie (Nervenschmerz zwischen den Rippen) – neuropathischer Schmerz (Nervenschmerz) entlang eines Interkostalnerven (Zwischenrippennerven), z. B. nach Trauma, Operation oder Herpes zoster (Gürtelrose)
- Thorakale Radikulopathie (Nervenwurzelreizung im Brustwirbelsäulenbereich) – radikulärer Schmerz (von einer Nervenwurzel ausgehender Schmerz) bei thorakaler Nervenwurzelreizung (Nervenwurzelreizung im Brustkorbbereich), z. B. durch Wirbelkörperfraktur (Wirbelkörperbruch), Bandscheibenpathologie (Bandscheibenerkrankung) oder Herpes zoster
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Dyspnoe unklarer Genese (Atemnot unklarer Ursache) – Leitsymptom bei Pneumothorax, Hämathorax, Lungenkontusion (Lungenprellung), Lungenembolie, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Angstreaktion
- Hämoptyse – Bluthusten bei Lungenkontusion, Tracheobronchialverletzung, Lungenembolie, Tumor (Geschwulst) oder Infektion (Ansteckung)
- Thoraxschmerz unklarer Genese (Brustschmerz unklarer Ursache) – Leitsymptom, das traumatische, kardiale (das Herz betreffende), pulmonale (die Lunge betreffende), ösophageale (die Speiseröhre betreffende) und muskuloskelettale (Muskeln und Skelett betreffende) Ursachen erfordert
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Barotrauma – druckbedingte thorakale Verletzung (Verletzung des Brustkorbs), z. B. bei Beatmung, Explosion, Tauchen oder Luftdruckänderung; möglich sind Pneumothorax, Pneumomediastinum oder Lungenverletzung
- Iatrogene Thoraxverletzung (durch medizinische Maßnahmen verursachte Brustkorbverletzung) – z. B. nach zentralvenöser Katheteranlage (Anlage eines Katheters in eine große Vene), Thoraxdrainage (Ableitung aus dem Brustraum), Biopsie (Gewebeprobe), Reanimation (Wiederbelebung), Operation oder interventionellem Eingriff (minimal-invasivem Eingriff)
- Penetrierendes Thoraxtrauma (eindringende Brustkorbverletzung) – Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzung mit Risiko für Lungen-, Herz-, Gefäß-, Zwerchfell- oder Ösophagusverletzung
- Stumpfes Thoraxtrauma (stumpfe Brustkorbverletzung) – z. B. durch Verkehrsunfall, Sturz, Quetschung, Sportverletzung oder körperliche Gewalt; typische Folgen sind Rippenfrakturen, Pneumothorax, Hämothorax, Lungenkontusion und Herzkontusion
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Claviculafraktur (Schlüsselbeinbruch) – Schlüsselbeinfraktur mit lokalem Schmerz, Fehlstellung und möglicher Begleitverletzung von Gefäßen, Plexus brachialis (Armnervengeflecht) oder Thoraxspitze (obere Brustkorböffnung)
- Gefäßverletzung im Thorax (Gefäßverletzung im Brustkorb) – Verletzung von Aorta (Hauptschlagader), Vena cava (Hohlvene), Pulmonalgefäßen (Lungengefäßen) oder Interkostalgefäßen (Zwischenrippengefäßen) mit Blutungs-, Schock- oder Hämothoraxrisiko
- Instabiler Thorax (instabiler Brustkorb) – segmentale Rippenfrakturen mit paradoxer Thoraxwandbewegung (gegenläufiger Brustkorbwandbewegung); häufig kombiniert mit Lungenkontusion und respiratorischer Insuffizienz
- Lungenkontusion – Parenchymverletzung der Lunge (Verletzung des Lungengewebes) mit alveolärer Blutung (Blutung in Lungenbläschen) und Ödem (Flüssigkeitseinlagerung); Symptome können verzögert progredient (fortschreitend) sein
- Lungenlazeration (Lungeneinriss) – Einriss des Lungenparenchyms (Lungengewebes), häufig mit Pneumothorax, Hämothorax, Hämatopneumothorax oder Hämoptysen
- Rippenfraktur – häufige Verletzung nach stumpfem Thoraxtrauma; Risiko für Pneumothorax, Hämothorax, Lungenkontusion und chronische Schmerzen
- Scapulafraktur (Schulterblattbruch) – Marker für hochenergetisches Trauma; häufig mit intrathorakalen Begleitverletzungen (Begleitverletzungen im Brustkorb) assoziiert
- Sternoklavikulargelenk-Luxation (Ausrenkung des Brustbein-Schlüsselbein-Gelenks) – insbesondere posterior (nach hinten gerichtet) gefährlich wegen möglicher Kompression (Druckschädigung) oder Verletzung mediastinaler Strukturen (Strukturen im Mittelfellraum)
- Sternumfraktur (Brustbeinbruch) – Fraktur des Brustbeins; kann mit Herzkontusion, mediastinalem Hämatom (Bluterguss im Mittelfellraum) oder Wirbelsäulenverletzung einhergehen
- Thorakale Wirbelkörperfraktur (Wirbelkörperbruch im Brustwirbelsäulenbereich) – mögliche Begleitverletzung bei Hochrasanztrauma, Sturz oder axialer Krafteinwirkung; neurologische Defizite (Ausfälle des Nervensystems) aktiv ausschließen
- Thoraxwandhämatom (Bluterguss der Brustkorbwand) – Einblutung in Weichteile (Gewebe) oder Muskulatur der Thoraxwand (Brustkorbwand); relevant insbesondere unter Antikoagulation (Blutverdünnung) oder nach Hochenergietrauma
- Zwerchfellruptur (Zwerchfellriss) – traumatische Ruptur des Zwerchfells, häufiger linksseitig; kann zur intrathorakalen Verlagerung (Verlagerung in den Brustkorb) abdomineller Organe (Bauchorgane) führen