Virales hämorrhagisches Fieber – Medikamentöse Therapie
Die Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung) viraler hämorrhagischer Fieber (durch Viren ausgelöste Fiebererkrankungen mit Blutungsneigung) ist überwiegend unterstützende Hochrisiko-Infektionsmedizin (Behandlung besonders gefährlicher Infektionskrankheiten). Eine spezifische, klinisch gesicherte Therapie existiert nur für ausgewählte Entitäten (Krankheitsformen): Rekonvaleszentenplasma/Immuneplasma beim argentinischen hämorrhagischen Fieber durch Junin-Virus, monoklonale Antikörper bei Zaire-Ebolavirus-Erkrankung und N-Acetylcystein als unterstützende Lebertherapie bei Gelbfieber-bedingtem akutem Leberversagen (plötzlichem Versagen der Leberfunktion). Ribavirin ist keine generelle Standardtherapie viraler hämorrhagischer Fieber; ein Off-Label-Use kommt nur frühzeitig und nach Spezialzentrumsentscheidung bei Lassa-Fieber, Krim-Kongo-hämorrhagischem Fieber, ausgewählten Arenavirus-Erkrankungen und hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom (Nierenbeteiligung) infrage [1-7, LL1-12].
Übergreifende evidenzbasierte Therapiegrundsätze
- Sofortmaßnahmen: Isolation (Absonderung), persönliche Schutzausrüstung (Schutzkleidung), Meldung nach Infektionsschutzgesetz, Kontaktaufnahme mit infektiologischem Spezialzentrum (Zentrum für Infektionskrankheiten)/Sonderisolierstation (Spezialstation für hoch ansteckende Erkrankungen) und öffentlichem Gesundheitsdienst.
- Unterstützende Therapie: engmaschige Überwachung von Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Diurese, Bewusstseinslage, Hämatokrit, Thrombozyten, Gerinnung, Elektrolyten, Nierenparametern, Leberparametern und Lactat.
- Antipyrese/Analgesie: Fiebersenkung/Schmerzlinderung; Paracetamol oder Metamizol; keine Acetylsalicylsäure (ASS) und keine nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) bei akuter undifferenzierter Arbovirose (durch Gliederfüßer übertragene Virusinfektion), Dengue-Verdacht, Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen), Koagulopathie (Gerinnungsstörung), Blutung oder relevanter Hepatopathie (Lebererkrankung) [LL1, LL3-4].
- Flüssigkeitstherapie: bevorzugt oral bei mildem Verlauf; bei Warnzeichen, Erbrechen, Schock oder Organhypoperfusion (Minderdurchblutung von Organen) intravenös (in eine Vene) mit isotonen kristalloiden Lösungen (Infusionslösungen mit blutähnlicher Salzkonzentration). Überinfusion vermeiden [LL1, LL3].
- Blutprodukte: Erythrozytenkonzentrat/Vollblut bei klinisch relevanter Blutung oder hämorrhagischem Schock (Kreislaufversagen durch Blutung); Thrombozyten nicht prophylaktisch (vorbeugend) allein wegen Thrombozytopenie ohne aktive Blutung [LL1, LL3].
- Corticosteroide: keine Routinetherapie bei akuter Dengue-/Chikungunya-/Gelbfieber-Erkrankung ohne andere klare Indikation (Anwendungsgrund) [LL1, LL3-4].
- Antivirale Therapie: keine empirische Breitspektrum-Antivirose (breit angelegte Behandlung gegen Viren ohne gesicherten Erreger) für alle Formen viraler hämorrhagischer Fieber; Ribavirin nur nach Erregerwahrscheinlichkeit, Erkrankungsphase, Schweregrad und Spezialzentrumsentscheidung [3-4, LL10-11].
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Analgetikum/Antipyretikum bei Dengue-/Chikungunya-/Gelbfieber-Verdacht; hepatotoxisches Risiko bei Überdosierung und Leberversagen |
| Metamizol | Alternative bei stärkeren Schmerzen/Fieber; Cave: Agranulozytose, Hypotonie bei rascher intravenöser Gabe |
| Orale Rehydratationslösung | Bei nicht schwerem Verlauf bevorzugt; fraktionierte Gabe bei Übelkeit/Erbrechen |
| Isotone kristalloide Lösung | Bei schwerem Dengue, Schock, Dehydratation, wiederholtem Erbrechen oder Organhypoperfusion; Überwässerung vermeiden |
| Erythrozytenkonzentrat/Vollblut | Bei klinisch signifikanter Blutung, hämorrhagischem Schock oder fallendem Hämatokrit trotz adäquater Flüssigkeitstherapie |
| Thrombozytenkonzentrat | Bei Dengue nicht allein wegen niedriger Thrombozytenzahl ohne aktive Blutung |
Paracetamol
- Wirkweise: analgetisch und antipyretisch durch zentrale Cyclooxygenase-Hemmung und Modulation nozizeptiver Signalwege (Schmerzleitungsbahnen).
- Indikation: Fieber und Schmerzen bei viraler Arbovirose, sofern keine relevante Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) oder Intoxikationsgefahr (Vergiftungsgefahr) besteht.
- Nebenwirkungen: Hepatotoxizität bei Überdosierung, Transaminasenerhöhung, selten schwere Hautreaktionen.
- Antidot: N-Acetylcystein bei Paracetamol-Intoxikation.
Metamizol
- Wirkweise: analgetisch, antipyretisch und spasmolytisch (krampflösend).
- Indikation: Fieber und Schmerzen, wenn Paracetamol nicht ausreicht oder wegen Leberbeteiligung nicht geeignet ist.
- Nebenwirkungen: Agranulozytose, Leukopenie, anaphylaktoide Reaktion, Hypotonie insbesondere bei schneller intravenöser Gabe.
- Antidot: kein spezifisches Antidot; Therapieabbruch, Blutbildkontrolle, unterstützende Behandlung.
Argentinisches hämorrhagisches Fieber (ICD-10-GM A96.0: Hämorrhagisches Fieber durch Junin-Viren)
Therapieziel
- Frühe passive Immuntherapie (Behandlung mit übertragenen Abwehrstoffen) zur Senkung der Letalität (Sterblichkeit).
- Unterstützende Stabilisierung von Kreislauf, Blutung und Organfunktion.
Therapieempfehlungen
- Immuneplasma: Therapie der Wahl bei bestätigtem oder hochwahrscheinlichem Junin-Virus-Fieber, möglichst innerhalb der ersten 8 Erkrankungstage [6-7].
- Unterstützende Therapie: Flüssigkeit, Blutprodukte, Gerinnungsmanagement (Behandlung von Gerinnungsstörungen) und Intensivtherapie (Behandlung auf der Intensivstation) nach Schweregrad [1-2, 7].
- Ribavirin/Favipiravir: keine etablierte Standardtherapie; nur Spezialzentrums-/Studien- oder Notfallprotokoll [7].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Rekonvaleszentenplasma/Immuneplasma | Historisch belegte spezifische Therapie; transfusionsmedizinische Sicherheitsprüfung erforderlich |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Vasopressoren, Blutprodukte, Organersatztherapie nach Bedarf |
Rekonvaleszentenplasma/Immuneplasma
- Wirkweise: passive Immunisierung (Übertragung von Abwehrstoffen) durch neutralisierende Antikörper gegen Junin-Virus.
- Indikation: argentinisches hämorrhagisches Fieber in der Frühphase.
- Nebenwirkungen: Transfusionsreaktionen (Reaktionen auf die Übertragung von Blutprodukten), allergische Reaktionen, transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (akutes Lungenversagen nach Blutproduktübertragung), Volumenüberladung (Flüssigkeitsüberlastung), Erregerübertragung; beschriebenes spätes neurologisches Syndrom (Beschwerdebild des Nervensystems).
- Antidot: kein spezifisches Antidot; Transfusion stoppen und transfusionsmedizinische Abklärung.
Beachte
- Der therapeutische Nutzen ist zeitkritisch; eine späte Gabe nach mehr als 8 Erkrankungstagen ist deutlich weniger plausibel wirksam [6-7].
Bolivianisches hämorrhagisches Fieber (ICD-10-GM A96.1: Hämorrhagisches Fieber durch Machupo-Viren)
Therapieziel
- Unterstützende Stabilisierung und frühe Spezialzentrumsentscheidung zu experimenteller Therapie.
Therapieempfehlungen
- Standard: unterstützende Intensivtherapie (Behandlung auf der Intensivstation) [1-2, 7].
- Immuneplasma: nicht so etabliert wie bei Junin-Virus; nur nach Spezialentscheidung [7].
- Ribavirin: allenfalls früher Off-Label-Use bei schwerem Verlauf und plausibler Arenavirus-Infektion (Infektion durch Arenaviren); klinische Evidenz (wissenschaftliche Beleglage) schwach [7].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Blutprodukte, Vasopressoren, Organunterstützung |
| Ribavirin | Off-Label-Use; Nutzen nicht gesichert |
| Rekonvaleszentenplasma/Immuneplasma | Keine robuste Evidenz wie beim Junin-Virus |
Ribavirin/Immuneplasma
- Wirkweise: Ribavirin wirkt virostatisch als Nukleosidanalogon; Immuneplasma bewirkt eine passive Immunisierung (Übertragung von Abwehrstoffen).
- Indikation: ausschließlich Spezialzentrums-/Notfallprotokoll bei schwerem Verlauf.
- Nebenwirkungen: Ribavirin: hämolytische Anämie (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen) und Teratogenität (Schädigung des ungeborenen Kindes); Immuneplasma: Transfusionsreaktionen (Reaktionen auf die Übertragung von Blutprodukten) und Volumenüberladung (Flüssigkeitsüberlastung).
- Antidot: kein spezifisches Antidot.
Beachte
- Die Junin-Virus-Evidenz darf nicht auf Machupo-Virus gleichgesetzt werden; die therapeutische Evidenz ist deutlich schwächer [7].
Ebola-hämorrhagisches Fieber (ICD-10-GM A98.4: Ebola-Viruskrankheit)
Therapieziel
- Frühzeitige spezifische Antikörpertherapie bei Zaire-Ebolavirus-Erkrankung.
- Optimierte unterstützende Therapie zur Vermeidung von Schock, Elektrolytstörungen, akutem Nierenversagen, Blutung und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe).
Therapieempfehlungen
- Zaire-Ebolavirus: Ansuvimab oder Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab so früh wie möglich nach Bestätigung einsetzen [5, LL2, LL12].
- Nicht-Zaire-Ebolavirus: keine Übertragung der Zulassung/Empfehlung auf Sudan-, Bundibugyo- oder andere Ebolavirus-Spezies; experimentelle Therapie nur Studien-/Notfallprotokoll [LL2, LL12].
- Nicht empfohlen: Remdesivir und ZMapp nicht als bevorzugte Therapie bei Zaire-Ebolavirus-Erkrankung nach WHO-Leitlinie [LL2].
- Unterstützende Therapie: Flüssigkeit, Elektrolyte, Antiemese (Behandlung von Übelkeit und Erbrechen), Analgesie, Blutprodukte, Vasopressoren, Sauerstoff/Beatmung, Nierenersatztherapie (Ersatzverfahren bei Nierenversagen) und Behandlung sekundärer Infektionen [1-2, 5, LL2, LL12].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab | Monoklonale Antikörperkombination gegen Zaire-Ebolavirus; nicht für Marburg-Viruskrankheit und nicht gesichert für andere Ebolavirus-Spezies [8] |
| Ansuvimab | Monoklonaler Antikörper gegen Zaire-Ebolavirus [9] |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Optimierte unterstützende Therapie bleibt essenziell |
Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab
- Wirkweise: drei monoklonale Antikörper gegen unterschiedliche Epitope (Bindungsstellen) des Zaire-Ebolavirus-Glykoproteins; Neutralisation (Unschädlichmachen) und Blockade des Viruseintritts (Eindringen des Virus in die Zelle).
- Indikation: bestätigte Zaire-Ebolavirus-Erkrankung bei Erwachsenen, Kindern und Neugeborenen nach Exposition (Kontakt mit dem Erreger) über infizierte Mutter.
- Nebenwirkungen: Infusionsreaktionen (Reaktionen während der Infusion), Fieber, Schüttelfrost, Tachykardie (Herzrasen), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Übelkeit, Erbrechen, Hypotonie, Überempfindlichkeitsreaktionen (allergische Reaktionen) bis Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion).
- Antidot: kein spezifisches Antidot; Infusion stoppen, Anaphylaxie-Management nach Standard.
Ansuvimab
- Wirkweise: monoklonaler Antikörper gegen das Glykoprotein des Zaire-Ebolavirus.
- Indikation: bestätigte Zaire-Ebolavirus-Erkrankung.
- Nebenwirkungen: Infusionsreaktionen, Fieber, Tachykardie, Tachypnoe, Erbrechen, Diarrhoe, Hypotonie, Überempfindlichkeitsreaktionen.
- Antidot: kein spezifisches Antidot; Infusion stoppen, symptomatische Therapie, Anaphylaxie-Management.
Beachte
- Die Antikörpertherapie ersetzt nicht die optimierte unterstützende Intensivtherapie; beide Therapiekomponenten sind gemeinsam entscheidend [5, LL2, LL12].
Gelbfieber (ICD-10-GM A95.-: Gelbfieber)
Therapieziel
- Unterstützende Therapie von Fieber, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), Kreislaufinstabilität (instabiler Blutkreislauf), Koagulopathie (Gerinnungsstörung) und Leberversagen (Versagen der Leberfunktion).
- Frühzeitige Leberzentrum-/Intensivmedizin-Anbindung bei Ikterus (Gelbsucht), Gerinnungsstörung, Enzephalopathie (Hirnfunktionsstörung) oder Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe).
Therapieempfehlungen
- Spezifische antivirale Standardtherapie: keine zugelassene Standardtherapie [LL1].
- N-Acetylcystein: bei akutem Leberversagen durch wahrscheinliches oder bestätigtes Gelbfieber intravenös erwägen [LL1].
- Studienkontext: TY014 und Sofosbuvir nur im Studienkontext [LL1].
- Antipyrese/Analgesie: Paracetamol nur sehr zurückhaltend und leberfunktionsabhängig; bei relevanter Hepatopathie (Lebererkrankung) eher vermeiden oder streng dosisreduzieren.
- Blutungsrisiko: keine Acetylsalicylsäure (ASS) und keine nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) [LL1].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| N-Acetylcystein | Unterstützende Therapie bei Gelbfieber-bedingtem akutem Leberversagen; keine antivirale Therapie [LL1] |
| Metamizol | Analgetisch/antipyretisch; Blutbildrisiko beachten |
| Isotone kristalloide Lösung/Blutprodukte | Engmaschige Steuerung wegen Risiko von Leber- und Nierenversagen |
N-Acetylcystein
- Wirkweise: Glutathion-Substitution, antioxidative und zytoprotektive Effekte; bei akutem Leberversagen unterstützende Lebertherapie.
- Indikation: akutes Leberversagen bei wahrscheinlichem oder bestätigtem Gelbfieber; außerdem Antidot bei Paracetamol-Intoxikation.
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Flush, bronchospastische (die Bronchien verengende) oder anaphylaktoide Reaktion, selten Hypotonie.
- Antidot: kein spezifisches Antidot erforderlich; bei Reaktion Infusionspause, Antihistaminikum, Bronchodilatator oder Adrenalin nach Schweregrad.
Beachte
- Paracetamol ist bei Gelbfieber wegen möglicher Leberbeteiligung besonders kritisch zu dosieren; bei manifestem Leberversagen vermeiden.
Hämorrhagisches Chikungunya-Fieber (ICD-10-GM A92.0: Chikungunya-Viruskrankheit)
Therapieziel
- Fiebersenkung, Analgesie (Schmerzlinderung), Rehydratation (Wiederzufuhr von Flüssigkeit) und Vermeidung von Blutungskomplikationen.
- Ausschluss von Dengue-Fieber bei entsprechender Epidemiologie (Verbreitungsmuster), da sich die Frühphase klinisch überschneiden kann.
Therapieempfehlungen
- Spezifische antivirale Therapie: keine zugelassene oder leitlinienempfohlene Therapie [LL1, LL4].
- Bis Dengue ausgeschlossen ist: Behandlung wie Dengue mit Paracetamol oder Metamizol, Rehydratation und Vermeidung von Acetylsalicylsäure (ASS)/nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) [LL1, LL4].
- Nichtsteroidale Antirheumatika: erst nach Dengue-Ausschluss und fehlenden Blutungswarnzeichen als Option bei akuter Arthralgie (Gelenkschmerz)/Myalgie (Muskelschmerz) vertretbar [LL4].
- Corticosteroide: keine Akuttherapie; bei persistierender postakuter Arthritis (Gelenkentzündung) nur nach Ausschluss anderer Ursachen und unter Spezialabwägung [LL1, LL4].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Erstlinientherapie bei Fieber/Schmerzen bis Dengue ausgeschlossen ist |
| Metamizol | Alternative bei stärkeren Schmerzen/Fieber |
| Nichtsteroidale Antirheumatika | Nicht in der frühen undifferenzierten Arbovirusphase; Blutungsrisiko beachten |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische antivirale Wirkstoffe: keine; Wirkweise, Indikationen und Nebenwirkungen der Basiswirkstoffe siehe übergreifende Therapiegrundsätze.
Beachte
- Hämorrhagische Verläufe sind bei Chikungunya deutlich seltener als bei Dengue; die therapeutische Vorsicht ergibt sich vor allem aus der schwierigen klinischen Abgrenzung in der Frühphase [LL1, LL4].
Hämorrhagisches Dengue-Fieber/schweres Dengue (ICD-10-GM A97: Dengue)
Therapieziel
- Vermeidung und Behandlung von Plasmaleck (Austritt von Flüssigkeit aus Blutgefäßen), Schock, schwerer Blutung und Organbeteiligung.
- Präzise Flüssigkeitssteuerung in der kritischen Phase.
Therapieempfehlungen
- Spezifische antivirale Therapie: keine zugelassene Standardtherapie [LL1, LL3].
- Antipyrese/Analgesie: Fiebersenkung/Schmerzlinderung; Paracetamol oder Metamizol; keine Acetylsalicylsäure (ASS)/nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) [LL1, LL3].
- Flüssigkeit: orale Rehydratation (Wiederzufuhr von Flüssigkeit) bei mildem Verlauf; stationäre intravenöse (in eine Vene) kristalloide Flüssigkeitstherapie bei Warnzeichen, schwerem Dengue oder Schock; fortlaufende Anpassung nach Hämatokrit, Kreislauf und Diurese [LL1, LL3].
- Thrombozyten: keine prophylaktische Thrombozytentransfusion (vorbeugende Gabe von Blutplättchen) ohne aktive Blutung [LL1, LL3].
- Corticosteroide/Immunglobuline: nicht routinemäßig empfohlen [LL1, LL3].
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Bei Fieber/Schmerzen; Leberbeteiligung beachten |
| Metamizol | Alternative; Blutbildrisiko beachten |
| Isotone kristalloide Lösung | Zentrale Intervention bei schwerem Dengue; Überinfusion vermeiden |
| Erythrozytenkonzentrat/Vollblut | Bei schwerer Blutung oder hämorrhagischem Schock |
| Thrombozytenkonzentrat | Nicht allein wegen Thrombozytopenie ohne Blutung |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische antivirale Wirkstoffe: keine; bei Dengue ist die zeitgerechte Flüssigkeitssteuerung die zentrale therapeutische Intervention (Behandlungsmaßnahme) [LL1, LL3].
Beachte
- Ein fallender Hämatokrit bei instabilem Kreislauf spricht eher für Blutung; ein steigender Hämatokrit bei Kreislaufinstabilität eher für Plasmaleck und Hämokonzentration (Eindickung des Blutes) [LL3].
Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (ICD-10-GM A98.5: Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom)
Therapieziel
- Stabilisierung von Flüssigkeitshaushalt, Blutdruck, Elektrolyten und Nierenfunktion.
- Vermeidung von Überwässerung, Schock, schwerer Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen), Blutung und Dialysekomplikationen.
Therapieempfehlungen
- Unterstützende Therapie: sorgfältige Hydratations- und Elektrolytsteuerung (Steuerung von Flüssigkeit und Blutsalzen), Sauerstoff, Blutdruckmanagement und Behandlung sekundärer Infektionen [LL6].
- Dialyse: bei schwerer Überwässerung, Urämie (Harnvergiftung), Hyperkaliämie oder schwerem Nierenversagen [LL6].
- Ribavirin: bei frühem hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom durch Altwelt-Hantaviren kann intravenöses Ribavirin erwogen werden; Nutzen ist am ehesten früh und nicht auf das hantavirale pulmonale Syndrom (Hantavirus-Erkrankung mit Lungenbeteiligung) übertragbar [LL6].
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit nicht schematisch, sondern streng bilanziert; Überwässerung vermeiden |
| Ribavirin | Keine Anwendung als Standard bei etabliertem hantaviralem pulmonalem Syndrom |
| Dialyse/Nierenersatztherapie | Bei schwerer Überwässerung, Urämie, Hyperkaliämie oder Nierenversagen |
Ribavirin
- Wirkweise: Nukleosidanalogon mit antiviraler Wirkung gegen bestimmte Hantaviren.
- Indikation: frühes schweres hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom nach Spezialzentrumsentscheidung.
- Nebenwirkungen: hämolytische Anämie (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen), gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Transaminasenerhöhung, Teratogenität (Schädigung des ungeborenen Kindes).
- Antidot: kein spezifisches Antidot.
Beachte
- Die Therapie ist phasenabhängig: in der oligurischen Phase (Phase mit verminderter Urinausscheidung) ist Überwässerung besonders kritisch; in der polyurischen Phase (Phase mit vermehrter Urinausscheidung) drohen Volumen- und Elektrolytverluste [LL6].
Hämorrhagisches Omsk-Fieber (ICD-10-GM A98.1: Hämorrhagisches Omsk-Fieber)
Therapieziel
- Symptomatische Therapie (Behandlung der Beschwerden) und unterstützende Stabilisierung bei hämorrhagischem Verlauf.
Therapieempfehlungen
- Spezifische antivirale Therapie: keine etablierte oder zugelassene Therapie [10].
- Unterstützende Therapie: Rehydratation (Wiederzufuhr von Flüssigkeit), Fieber-/Schmerztherapie, Blutungsmanagement (Behandlung von Blutungen), Gerinnungs- und Organunterstützung nach klinischer Situation [10].
- Ribavirin: nicht als Standardtherapie empfohlen.
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Bei Fieber/Schmerzen; Leberfunktion beachten |
| Metamizol | Alternative; Blutbildkontrolle bei längerem Einsatz |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Blutprodukte, Gerinnungsfaktoren nach klinischer Situation |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische antivirale Wirkstoffe: keine.
Beachte
- Bei hämorrhagischer Manifestation Acetylsalicylsäure (ASS)/nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und vermeidbare invasive Maßnahmen (eingreifende Maßnahmen) vermeiden.
Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber (ICD-10-GM A98.0: Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber)
Therapieziel
- Unterstützende Stabilisierung, Blutungsmanagement (Behandlung von Blutungen) und Organunterstützung.
- Frühe Prüfung eines Off-Label-Use von Ribavirin bei schwerem oder frühem Hochrisikoverlauf.
Therapieempfehlungen
- Unterstützende Therapie: zentrale Therapie mit Volumenmanagement (Steuerung des Flüssigkeitshaushalts), Blutprodukten, Gerinnungsmanagement (Behandlung von Gerinnungsstörungen), Vasopressoren und Organersatztherapie (Ersatz ausgefallener Organfunktionen) nach Bedarf [1-2, 4, LL11].
- Ribavirin: nicht als gesichert wirksame Standardtherapie; Nutzen und optimale Dosierung unklar, Anwendung nur frühzeitig und nach Spezialzentrumsentscheidung [4, LL11].
- Immunglobuline/Corticosteroide: keine routinemäßige Standardtherapie.
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ribavirin | Off-Label-Use; Wirksamkeit klinisch unklar [4, LL11] |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Blutprodukte, Flüssigkeit, Vasopressoren, Organersatztherapie |
Ribavirin
- Wirkweise: Nukleosidanalogon mit antiviraler Wirkung gegen einige Ribonukleinsäureviren.
- Indikation: allenfalls früher Off-Label-Use bei Krim-Kongo-hämorrhagischem Fieber nach Spezialzentrumsentscheidung; keine gesicherte Standardtherapie.
- Nebenwirkungen: hämolytische Anämie (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen), gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Kopfschmerzen, Transaminasenerhöhung, Teratogenität (Schädigung des ungeborenen Kindes).
- Antidot: kein spezifisches Antidot.
Beachte
- Die Behandlung darf nicht ribavirinzentriert dargestellt werden; die belastbarste Evidenz (wissenschaftliche Beleglage) stützt vor allem optimierte unterstützende Behandlung [4, LL11].
Kyasanur-Wald-Krankheit (ICD-10-GM A98.2: Kyasanur-Wald-Krankheit)
Therapieziel
- Unterstützende Stabilisierung, insbesondere Flüssigkeitsbalance (Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts), Sauerstoffversorgung, Blutdruckstabilisierung und Behandlung sekundärer Infektionen.
Therapieempfehlungen
- Spezifische antivirale Therapie: keine kurative Therapie (heilende Behandlung) verfügbar [11, LL8].
- Unterstützende Therapie: Flüssigkeit, Antipyrese (Fiebersenkung), Analgesie (Schmerzlinderung), Sauerstoff, Blutdruckstabilisierung und Behandlung zusätzlicher Infektionen [11, LL8].
- Blutungsmanagement: Blutprodukte/Gerinnungstherapie nach klinischer Situation.
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Bei Fieber/Schmerzen |
| Metamizol | Alternative |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Sauerstoff, Vasopressoren, Blutprodukte, Behandlung sekundärer Infektionen |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische antivirale Wirkstoffe: keine; Therapie unterstützend [11, LL8].
Beachte
- Die Impfung in Endemiegebieten (Gebieten mit dauerhaftem Vorkommen einer Erkrankung) ist Prävention, nicht Therapie.
Lassa-Fieber (ICD-10-GM A96.2: Lassa-Fieber)
Therapieziel
- Frühe Behandlung schwerer Verläufe, Vermeidung von Schock, akutem Nierenversagen, Blutung und maternaler/fetaler Mortalität (Sterblichkeit von Mutter/ungeborenem Kind).
- Reduktion der Viruslast (Virusmenge) in der Frühphase, sofern Ribavirin nach Spezialentscheidung eingesetzt wird.
Therapieempfehlungen
- Unterstützende Therapie: zentrale Basistherapie mit Volumen-, Elektrolyt-, Sauerstoff-, Blutungs- und Organersatzmanagement (Ersatz ausgefallener Organfunktionen) [1-3, LL10].
- Ribavirin: früher Off-Label-Use bei schwerem, wahrscheinlichem oder bestätigtem Lassa-Fieber; robuste Evidenz (wissenschaftliche Beleglage) ist unsicher, Anwendung daher als Spezialzentrumsentscheidung formulieren [3, LL10].
- Schwangerschaft: Hochrisikokonstellation; Ribavirin wegen Teratogenität (Schädigung des ungeborenen Kindes) nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und Spezialzentrumsentscheidung.
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ribavirin | Off-Label-Use; Nutzen wahrscheinlich am ehesten früh und bei schwerer Erkrankung; Evidenzqualität kritisch [3, LL10] |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Elektrolyte, Blutprodukte, Vasopressoren, Dialyse nach Bedarf |
Ribavirin
- Wirkweise: Nukleosidanalogon; Hemmung der viralen Ribonukleinsäure-Replikation.
- Indikation: frühes schweres Lassa-Fieber nach Spezialzentrumsentscheidung.
- Nebenwirkungen: hämolytische Anämie (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen), Übelkeit, Erbrechen, Transaminasenerhöhung, Hyperurikämie, Bradykardie, Teratogenität.
- Antidot: kein spezifisches Antidot; Blutbildkontrolle, Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Nierenfunktionsschwäche), unterstützende Therapie.
Beachte
- Ribavirin darf nicht als gesicherte kurative Therapie dargestellt werden; neuere Evidenzanalysen (Auswertungen der wissenschaftlichen Belege) zeigen erhebliche Verzerrungsrisiken der historischen Daten [3, LL10].
Marburg-hämorrhagisches Fieber (ICD-10-GM A98.3: Marburg-Viruskrankheit)
Therapieziel
- Optimierte unterstützende Hochrisiko-Infektionsmedizin (Behandlung besonders gefährlicher Infektionskrankheiten).
- Studien-/Notfallprotokollprüfung bei Ausbruchslage.
Therapieempfehlungen
- Spezifische zugelassene Therapie: keine zugelassene antivirale oder antikörperbasierte Standardtherapie [LL7].
- Unterstützende Therapie: Flüssigkeit, Elektrolyte, Sauerstoff, Blutdruckstabilisierung, Blutprodukte, Gerinnungsmanagement (Behandlung von Gerinnungsstörungen) und Behandlung sekundärer Infektionen [LL7].
- Experimentelle Therapien: nur im Rahmen von Studien oder strukturierten Notfallprotokollen.
- Ebola-Antikörper: nicht auf Marburg-Viruskrankheit übertragen [LL2, LL7, LL12].
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Vasopressoren, Blutprodukte, Organersatztherapie |
| Experimentelle Therapeutika | Keine zugelassene Standardtherapie |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische zugelassene Wirkstoffe: keine.
Beachte
- Marburg-Viruskrankheit ist therapeutisch von Zaire-Ebolavirus-Erkrankung zu trennen; Ansuvimab und Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab sind hierfür nicht etabliert [LL2, LL7, LL12].
Rifttal-Fieber (ICD-10-GM A92.4: Rifttalfieber)
Therapieziel
- Symptomkontrolle bei mildem Verlauf.
- Unterstützende Behandlung schwerer Verläufe mit hämorrhagischer Manifestation (Auftreten von Blutungszeichen), Hepatitis (Leberentzündung), Retinitis (Netzhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder Schock.
Therapieempfehlungen
- Spezifische antivirale Therapie: keine zugelassene Standardtherapie [12, LL9].
- Milder Verlauf: Antipyrese/Analgesie (Fiebersenkung/Schmerzlinderung) und Rehydratation (Wiederzufuhr von Flüssigkeit).
- Schwerer Verlauf: stationäre oder intensivmedizinische unterstützende Therapie mit Flüssigkeit, Blutprodukten, Blutdruckstabilisierung und Organunterstützung nach klinischer Situation [12, LL9].
- Ribavirin: nicht als gesicherte Standardtherapie empfohlen.
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Bei Fieber/Schmerzen; Leberbeteiligung beachten |
| Metamizol | Alternative bei stärkeren Beschwerden |
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Blutprodukte, Vasopressoren, Organersatztherapie nach Bedarf |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische antivirale Wirkstoffe: keine; Behandlung unterstützend [12, LL9].
Beachte
- Bei hämorrhagischer Manifestation sind Acetylsalicylsäure (ASS)/nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und intramuskuläre Injektionen (Spritzen in den Muskel) zu vermeiden.
Sonstiges hämorrhagisches Fieber durch Arenaviren (ICD-10-GM A96.8)
Therapieziel
- Unterstützende Stabilisierung und Erregerdifferenzierung (genaue Bestimmung des Erregers).
- Gezielte Spezialtherapie nur bei plausibler Arenavirus-Entität (Krankheitsform durch Arenaviren) und vorhandener Protokollgrundlage.
Therapieempfehlungen
- Unterstützende Therapie: Standard für Lujo-, Sabiá-, Chapare-, Guanarito-, Machupo- und andere seltene Arenavirus-Erkrankungen [1-2, 7].
- Ribavirin: nur früher Off-Label-Use im Notfallprotokoll bei schwerem Verlauf und plausibler Arenavirus-Infektion [7].
- Immuneplasma: nur entitätsspezifisch, wenn neutralisierendes Plasma verfügbar ist und ein Spezialzentrum dies empfiehlt [7].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Blutprodukte, Vasopressoren, Organersatztherapie |
| Ribavirin | Off-Label-Use; Evidenz entitätsspezifisch schwach |
| Rekonvaleszentenplasma/Immuneplasma | Nur bei verfügbarer und plausibel wirksamer Antikörperquelle |
Wirkstoffdetails:
- Ribavirin/Immuneplasma: Wirkweise, Indikationen und Nebenwirkungen siehe Lassa-Fieber bzw. argentinisches hämorrhagisches Fieber.
Beachte
- Bei seltenen Arenaviren ist die Evidenzlage (wissenschaftliche Beleglage) häufig fallberichtsbasiert; experimentelle Therapie sollte möglichst in Register-/Studienstrukturen dokumentiert werden [7].
Venezolanisches hämorrhagisches Fieber durch Guanarito-Virus
Therapieziel
- Unterstützende Stabilisierung und frühzeitige Behandlung von Schock, Blutung und Organversagen (Versagen eines Organs).
- Prüfung einer experimentellen Therapie beziehungsweise eines Off-Label-Use nur im Spezialzentrum.
Therapieempfehlungen
- Standard: unterstützende Intensivtherapie (Behandlung auf der Intensivstation), Volumensteuerung (Steuerung des Flüssigkeitshaushalts), Blutungsmanagement (Behandlung von Blutungen) und Organersatztherapie (Ersatz ausgefallener Organfunktionen) nach Bedarf [1-2, 7, 13].
- Ribavirin: keine gesicherte klinische Evidenz (wissenschaftliche Beleglage); nur früher Off-Label-Use im Notfallprotokoll bei plausibler Neuwelt-Arenavirus-Infektion nach Spezialzentrumsentscheidung [7, 13].
- Immuneplasma: nicht etabliert; nicht automatisch vom Junin-Virus übertragbar [7, 13].
Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Unterstützende Pharmakotherapie | Flüssigkeit, Vasopressoren, Blutprodukte, Organersatztherapie nach klinischer Situation |
| Ribavirin | Off-Label-Use; keine gesicherte Wirksamkeit für Guanarito-Virus |
Ribavirin
- Wirkweise: Nukleosidanalogon mit Hemmung viraler Ribonukleinsäure-Synthese und Störung der viralen Replikation.
- Indikation: allenfalls frühe Spezialzentrumsoption bei Neuwelt-Arenavirus-Verdacht; keine zugelassene Standardtherapie.
- Nebenwirkungen: hämolytische Anämie (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen), Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Transaminasenerhöhung, Hyperurikämie, Exanthem, Bradykardie, Teratogenität/Embryotoxizität (Schädigung von Embryo oder Fetus).
- Antidot: kein spezifisches Antidot; Therapieabbruch, Blutbildkontrolle und unterstützende Therapie.
Beachte
- Die Bezeichnung „Venezolanisches hämorrhagisches Fieber“ durch Guanarito-Virus ist nosologisch (krankheitssystematisch) nicht identisch mit „Venezolanischem Pferdefieber“ beziehungsweise Venezolanischer Pferdeenzephalitis (Gehirnentzündung).
West-Nil-Fieber (ICD-10-GM A92.3: West-Nil-Virusinfektion)
Therapieziel
- Symptomkontrolle bei mildem Verlauf.
- Vermeidung und Behandlung neurologischer Komplikationen (Komplikationen des Nervensystems), respiratorischer Insuffizienz (Atemschwäche), Krampfanfälle (epileptische Anfälle) und erhöhter intrakranieller Druckzeichen (Zeichen eines erhöhten Schädelinnendrucks) bei neuroinvasivem Verlauf (Verlauf mit Befall des Nervensystems).
Therapieempfehlungen
- Spezifische Therapie: keine zugelassene oder nachgewiesen wirksame antivirale Therapie [LL5].
- Milder Verlauf: Antipyrese/Analgesie (Fiebersenkung/Schmerzlinderung), Flüssigkeit, Ruhe.
- Neuroinvasiver Verlauf: stationäre Überwachung, Antiemese (Behandlung von Übelkeit und Erbrechen), Rehydratation (Wiederzufuhr von Flüssigkeit), Schmerztherapie, Krampfanfalltherapie und Beatmung bei neuromuskulärer (Nerven und Muskeln betreffender) respiratorischer Insuffizienz [LL5].
- Nicht empfohlen: Ribavirin, Immunglobuline, Interferon oder Corticosteroide als Routinetherapie ohne gesicherten Nutzen [LL5].
Wirkstoffe
| Wirkstoff/Maßnahme | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Bei Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien |
| Metamizol | Alternative bei stärkerem Schmerz/Fieber |
| Antikonvulsiva | Nur bei Krampfanfällen/status epilepticus; kein West-Nil-spezifischer Wirkstoff |
Wirkstoffdetails:
- Spezifische antivirale Wirkstoffe: keine; die Behandlung ist unterstützend [LL5].
Beachte
- West-Nil-Fieber ist pharmakotherapeutisch (die Arzneimitteltherapie betreffend) von Dengue/Chikungunya zu trennen: keine spezifische antivirale Standardtherapie und keine gesicherte Immunglobulintherapie [LL5].
Beachte
- Ribavirin: kein generisches Arzneimittel gegen virales hämorrhagisches Fieber; die Evidenz ist je nach Erreger sehr unterschiedlich und bei Lassa-Fieber/Krim-Kongo-hämorrhagischem Fieber methodisch unsicher [3-4, LL10-11].
- Ebola-Antikörper: nur für Zaire-Ebolavirus-Erkrankung; nicht auf Marburg-Viruskrankheit oder andere Filoviren (fadenförmige Viren) übertragen [5, LL2, LL7, LL12].
- Dengue/Arbovirosen: nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Acetylsalicylsäure (ASS), prophylaktische Thrombozytentransfusionen ohne Blutung und systemische Corticosteroide sind nicht Teil der Standardtherapie [LL1, LL3-4].
- Gelbfieber: N-Acetylcystein ist unterstützende Lebertherapie, keine antivirale Therapie [LL1].
- Experimentelle Arzneimittel: Favipiravir, Remdesivir, Sofosbuvir, TY014 und weitere Kandidaten gehören bei den hier genannten Entitäten nicht in die Routineversorgung, sondern in Studien-/Notfallprotokolle.
Literatur
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- Rigby I, Michelen M, Dagens A et al.: Standard of care for viral haemorrhagic fevers (VHFs): a systematic review of clinical management guidelines for high-priority VHFs. Lancet Infectious Diseases. 2023;23(7):e240-e252. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(22)00874-X
- Cheng HY, French CE, Salam AP et al.: Lack of evidence for ribavirin treatment of Lassa fever in systematic review of published and unpublished studies. Emerging Infectious Diseases. 2022;28(8):1559-1568. https://doi.org/10.3201/eid2808.211787
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- Mulangu S, Dodd LE, Davey RT Jr et al.: A randomized, controlled trial of Ebola virus disease therapeutics. New England Journal of Medicine. 2019;381(24):2293-2303. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1910993
- Enria DA, Briggiler AM, Sánchez Z: Treatment of Argentine hemorrhagic fever. Antiviral Research. 2008;78(1):132-139. https://doi.org/10.1016/j.antiviral.2007.10.010
- Frank MG, Beitscher A, Webb CM et al.: South American Hemorrhagic Fevers: A summary for clinicians. International Journal of Infectious Diseases. 2021;105:505-515. https://doi.org/10.1016/j.ijid.2021.02.046
- US Food and Drug Administration: INMAZEB (atoltivimab, maftivimab, and odesivimab-ebgn) Prescribing Information. 2024. https://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2024/761169s011lbl.pdf
- US Food and Drug Administration: EBANGA (ansuvimab-zykl) Prescribing Information. 2024. https://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2024/761172s008lbl.pdf
- Diani E, Cecchetto R, Tonon E et al.: Omsk Hemorrhagic Fever Virus: A Comprehensive Review from Epidemiology to Diagnosis and Treatment. Microorganisms. 2025;13(2):426. https://doi.org/10.3390/microorganisms13020426
- Srilekha N, Choudhary OP, Dhama K et al.: Kyasanur Forest Disease: A Comprehensive Review. Cureus. 2024;16(7):e65228. https://doi.org/10.7759/cureus.65228
- Javelle E, Lesueur A, Pommier de Santi V et al.: The challenging management of Rift Valley Fever in humans: literature review of the clinical disease and algorithm proposal. Annals of Clinical Microbiology and Antimicrobials. 2020;19:4. https://doi.org/10.1186/s12941-020-0346-5
- Silva-Ramos CR, Montoya-Ruíz C, Faccini-Martínez ÁA et al.: An updated review and current challenges of Guanarito virus infection, Venezuelan hemorrhagic fever. Archives of Virology. 2022;167:1727-1738. https://doi.org/10.1007/s00705-022-05453-3
Leitlinien
- World Health Organization: WHO guidelines for clinical management of arboviral diseases: dengue, chikungunya, Zika and yellow fever. 2025. https://www.who.int/publications/i/item/9789240111110
- World Health Organization: Therapeutics for Ebola virus disease. 2022. https://www.who.int/publications/i/item/9789240055742
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Care of Dengue. 2026. https://www.cdc.gov/dengue/hcp/clinical-care/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: Treatment and Prevention of Chikungunya Virus Disease. 2026. https://www.cdc.gov/chikungunya/hcp/treatment-prevention/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Treatment and Prevention – West Nile Virus. 2025. https://www.cdc.gov/west-nile-virus/hcp/treatment-prevention/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinician Brief – Hemorrhagic Fever with Renal Syndrome. 2024. https://www.cdc.gov/hantavirus/hcp/clinical-overview/hfrs.html
- Centers for Disease Control and Prevention: About Marburg. 2025. https://www.cdc.gov/marburg/about/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: About Kyasanur Forest Disease. 2025. https://www.cdc.gov/kyasanur/about/index.html
- World Health Organization: Rift Valley fever. Fact sheet. 2024. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/rift-valley-fever
- World Health Organization: Lassa fever. Fact sheet. 2024. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/lassa-fever
- World Health Organization: Crimean-Congo haemorrhagic fever. Fact sheet. 2025. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/crimean-congo-haemorrhagic-fever
- STAKOB beim Robert Koch-Institut: Hinweise zu Therapie und Prophylaxe von Ebolafieber. Stand März 2025. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/10630.2/Therapiehinweise_Stakob_Ebola_U1_202503.pdf