Scharlach (Scarlatina) – Prävention
Zur Prävention der Scarlatina (Scharlach) muss auf eine Reduktion der Risikofaktoren geachtet werden.
Eine spezifische Impfung gegen Scarlatina steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Prävention beruht daher auf Kontaktreduktion während der infektiösen Phase (ansteckenden Phase), konsequenter Basishygiene (grundlegenden Hygienemaßnahmen), frühzeitiger klinischer Erkennung (Erkennung anhand von Krankheitszeichen), leitliniengerechter antibiotischer Therapie (Behandlung mit Antibiotika) bei gesicherter beziehungsweise hochwahrscheinlicher Streptokokkeninfektion (Infektion mit Streptokokken) und angemessenen Maßnahmen in Gemeinschaftseinrichtungen.
Verhaltensbedingte Risikofaktoren
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Kontakt zu erkrankten Personen in der Phase der Ansteckung meiden – Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Tröpfcheninfektion (Ansteckung über feinste Speicheltröpfchen) beim Sprechen, Husten oder Niesen sowie durch engen direkten Kontakt zu Sekreten (Absonderungen) aus dem Nasen-Rachen-Raum (Bereich von Nase und Rachen). Eine Ansteckung ist insbesondere während der akuten Krankheitsphase mit Fieber, Halsschmerzen, Tonsillopharyngitis (Mandel-Rachen-Entzündung) und Exanthem (Hautausschlag) relevant.
- Nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie besteht in der Regel nach etwa 24 Stunden keine relevante Ansteckungsfähigkeit mehr.
- Ohne Antibiotikatherapie kann die Ansteckungsfähigkeit bis zu 3 Wochen nach Symptombeginn (Beginn der Krankheitszeichen) bestehen.
- Der Besuch von Kindergarten, Schule, Arbeitsplatz oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen sollte während der infektiösen Phase unterbleiben.
- Eine Wiederzulassung ist in der Regel nach klinischer Besserung, Fieberfreiheit und frühestens 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie möglich.
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Enge Kontakte in Haushalt, Kindergarten, Schule und Gemeinschaftseinrichtungen reduzieren – Enge Face-to-Face-Kontakte (direkte Kontakte von Angesicht zu Angesicht), gemeinsames Spielen in kleinen Räumen und Kontakt zu Speichel oder Nasensekret (Nasenschleim) erhöhen das Übertragungsrisiko.
- Während der akuten Krankheitsphase körpernahe Kontakte wie Küssen, gemeinsames Trinken aus Flaschen oder Teilen von Besteck vermeiden.
- Kontakt zu Säuglingen, Schwangeren, immungeschwächten Personen und Personen mit schweren Grunderkrankungen während der infektiösen Phase besonders konsequent begrenzen.
- Symptomatische Kontaktpersonen sollten frühzeitig ärztlich beurteilt werden.
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Gemeinsame Nutzung potenziell kontaminierter Gegenstände vermeiden – Eine indirekte Übertragung ist seltener als die Tröpfchenübertragung, kann aber bei engem Kontakt und Gegenständen mit Speichelkontakt relevant sein.
- Keine gemeinsame Nutzung von Trinkflaschen, Gläsern, Besteck, Zahnbürsten, Schnullern, Handtüchern oder Waschlappen.
- Essgeschirr und Besteck erkrankter Personen mit heißem Wasser und Spülmittel beziehungsweise in der Spülmaschine reinigen.
- Spielzeug mit Speichelkontakt insbesondere in Kindertageseinrichtungen regelmäßig reinigen.
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Frühe ärztliche Abklärung bei typischer Symptomkonstellation veranlassen – Eine frühzeitige Diagnostik (Untersuchung zur Feststellung einer Erkrankung) und Therapie verkürzen die Dauer der Ansteckungsfähigkeit und reduzieren das Risiko suppurativer (eitriger) und immunologisch vermittelter Folgeerkrankungen (Folgekrankheiten).
- Ärztliche Vorstellung bei Fieber, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, geröteten Tonsillen (Gaumenmandeln), schmerzhaften zervikalen Lymphknoten (Halslymphknoten), feinfleckigem Exanthem, perioraler Blässe (Blässe um den Mund) oder Himbeerzunge.
- Bei engem Kontakt zu einem bestätigten Fall und passenden Symptomen (Krankheitszeichen) sollte eine gezielte Streptokokkendiagnostik erfolgen.
- Eine rein symptomatische Behandlung ohne diagnostische Einordnung ist bei typischem klinischem Bild nicht ausreichend.
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Antibiotikatherapie bei gesicherter beziehungsweise hochwahrscheinlicher Streptokokkeninfektion vollständig durchführen – Eine indizierte Antibiotikatherapie reduziert die Ansteckungsfähigkeit, verkürzt den Krankheitsverlauf und dient der Komplikationsprophylaxe (Vorbeugung von Komplikationen).
- Antibiotikum entsprechend ärztlicher Verordnung einnehmen.
- Therapie nicht eigenständig vorzeitig abbrechen.
- Bei fehlender klinischer Besserung nach 48-72 Stunden, erneuten Beschwerden, Exanthemprogression (Zunahme des Hautausschlags), Dyspnoe (Atemnot), Kreislaufinstabilität oder Unverträglichkeitsreaktionen erneute ärztliche Beurteilung.
Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)
- Hygienemaßnahmen –
- Regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife, insbesondere nach Husten, Niesen, Naseputzen, Kontakt mit Speichel oder Nasensekret, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Speisen.
- Nutzung von Einmaltaschentüchern oder der Ellenbeuge beim Husten und Niesen.
- Einmaltaschentücher unmittelbar entsorgen.
- Hände nicht ungewaschen an Mund, Nase oder Augen führen.
- Häufig berührte Oberflächen wie Türklinken, Lichtschalter, Wasserhähne, Tische, Spielzeug und Sanitärflächen regelmäßig reinigen.
- Innenräume regelmäßig lüften, insbesondere in Kindergärten, Schulen, Wartebereichen und Haushalten mit Erkrankten.
- Vermeidung von Übertragung in Gemeinschaftseinrichtungen –
- Erkrankte Kinder, Schüler und Beschäftigte sollen Gemeinschaftseinrichtungen während der infektiösen Phase nicht besuchen.
- Wiederzulassung nach klinischer Besserung, Fieberfreiheit und in der Regel frühestens 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie.
- Bei unbehandeltem Scharlach ist wegen der bis zu 3 Wochen möglichen Ansteckungsfähigkeit eine besonders restriktive Rückkehr in Gemeinschaftseinrichtungen erforderlich.
- Bei gehäuftem Auftreten Information der Eltern beziehungsweise Kontaktpersonen über typische Symptome, Ansteckungsdauer und Rückkehrkriterien.
- Keine verfügbare Schutzimpfung –
- Gegen Scarlatina beziehungsweise Streptococcus-pyogenes-Infektionen steht derzeit keine allgemein verfügbare Impfung zur Verfügung.
- Eine durchgemachte Scharlacherkrankung schützt nicht zuverlässig vor erneuter Erkrankung, da unterschiedliche erythrogene Toxine (rötungsauslösende Giftstoffe) eine Erkrankung auslösen können.
- Auch nach früherem Scharlach sollten typische Symptome erneut diagnostisch abgeklärt werden.
Postexpositionsprophylaxe (PEP)
Unter einer Postexpositionsprophylaxe versteht man die Gabe von Medikamenten nach Kontakt zu einem Krankheitserreger mit dem Ziel, eine Erkrankung zu verhindern. Siehe dazu unter "Medikamentöse Therapie".
Hinweis: Bei Scarlatina wird eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) für asymptomatische Kontaktpersonen in der Regel nicht routinemäßig empfohlen. Im Vordergrund stehen Symptombeobachtung, Kontaktreduktion während der infektiösen Phase des Erkrankten und konsequente Hygienemaßnahmen. Eine prophylaktische Antibiotikagabe kann in Einzelfällen nach ärztlicher Risikoabwägung erwogen werden, insbesondere bei besonders vulnerablen Kontaktpersonen, schweren Grunderkrankungen, Immunsuppression (Abwehrschwäche) oder besonderen Ausbruchssituationen in Gemeinschaftseinrichtungen.
Sekundärprävention
Die Sekundärprävention zielt darauf ab, erste Anzeichen von Scarlatina frühzeitig zu erkennen, eine Streptococcus-pyogenes-Infektion gezielt nachzuweisen und rasch eine geeignete Therapie einzuleiten, um Weiterverbreitung und Komplikationen zu vermeiden.
- Früherkennung und Diagnostik
- Symptombeobachtung – Überwachung auf typische Anzeichen wie Fieber, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, gerötete Tonsillen, schmerzhafte zervikale Lymphknoten, Himbeerzunge, periorale Blässe und charakteristisches feinfleckiges, sandpapierartiges Exanthem.
- Abgrenzung gegenüber viralen Infektionen – Husten, Rhinorrhö (Fließschnupfen), Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Heiserkeit, orale Ulzera (Geschwüre im Mund) oder Diarrhö (Durchfall) sprechen eher für eine virale Ursache und sollten bei der Indikationsstellung zur Streptokokkendiagnostik berücksichtigt werden.
- Labordiagnostik –
- Rachenabstrich – Zum Nachweis von Streptococcus pyogenes mittels Kultur oder molekularbiologischem Verfahren bei klinischer Indikation.
- Schnelltest auf Streptokokken-Antigene – Zur schnellen Diagnostik bei klinischem Verdacht auf Streptokokkenpharyngitis (Streptokokken-Rachenentzündung) beziehungsweise Scarlatina.
- Rachenkultur – Insbesondere bei negativem Schnelltest und fortbestehendem klinischem Verdacht bei Kindern und Jugendlichen sinnvoll, abhängig von lokaler Diagnostikstrategie.
- Blutuntersuchung (ASL-Titer) – Nicht zur Akutdiagnostik der Scarlatina geeignet; allenfalls zur retrospektiven Beurteilung einer vorangegangenen Streptokokkeninfektion bei Verdacht auf immunologisch vermittelte Folgeerkrankungen.
- Medikamentöse Therapie – Frühzeitige Gabe eines geeigneten Antibiotikums, bevorzugt Penicillin beziehungsweise Amoxicillin, bei gesicherter oder hochwahrscheinlicher Streptococcus-pyogenes-Infektion zur Verkürzung der Ansteckungsfähigkeit und zur Vermeidung von Komplikationen.
- Kontrolle des klinischen Verlaufs – Erneute ärztliche Beurteilung bei fehlender Besserung nach 48-72 Stunden, Verschlechterung des Allgemeinzustands, persistierendem Fieber, Atemnot, ausgeprägten Schluckstörungen, Dehydratation (Austrocknung), Nackensteifigkeit, Thoraxschmerzen (Brustkorbschmerzen), Gelenkschmerzen, Hämaturie (Blut im Urin) oder Ödemen (Wassereinlagerungen).
Tertiärprävention
Die Tertiärprävention zielt darauf ab, Komplikationen wie Peritonsillarabszess (Abszess neben der Gaumenmandel), Otitis media (Mittelohrentzündung), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), invasive Streptokokkeninfektion (in den Körper eindringende Streptokokkeninfektion), akutes rheumatisches Fieber (entzündliche Folgeerkrankung nach Streptokokkeninfektion) und akute poststreptokokkale Glomerulonephritis (Nierenkörperchenentzündung nach Streptokokkeninfektion) frühzeitig zu erkennen, gezielt zu behandeln und bleibende Schäden zu vermeiden.
- Behandlung von Komplikationen
- Therapie bei suppurativen Komplikationen – Ärztliche beziehungsweise fachärztliche Behandlung bei Peritonsillarabszess, Otitis media, Sinusitis, Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung), Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) oder Pneumonie (Lungenentzündung).
- Therapie bei invasiver Streptokokkeninfektion – Notfallmäßige stationäre Behandlung bei Verdacht auf Sepsis (Blutvergiftung), nekrotisierende Fasziitis (schwere Weichteilinfektion mit Gewebezerfall), Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (schweres Streptokokken-Schocksyndrom) oder rasch progredienten schweren Allgemeinzustand.
- Therapie bei rheumatischem Fieber – Fachärztliche Behandlung mit antientzündlicher Therapie, Erfassung einer Karditis (Herzentzündung) und gegebenenfalls langfristiger Rezidivprophylaxe (Vorbeugung gegen erneutes Auftreten).
- Behandlung von Glomerulonephritis (Entzündung der Glomeruli) – Therapie zur Stabilisierung der Nierenfunktion, Kontrolle von Blutdruck, Urinbefund und Nierenparametern sowie nephrologische Mitbeurteilung bei schwerem Verlauf.
- Rehabilitation und Nachsorge
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen – Verlaufskontrolle bei kompliziertem Verlauf, persistierendem Fieber, Rezidivbeschwerden oder Hinweisen auf Herz-, Gelenk- oder Nierenbeteiligung.
- Herzdiagnostik bei Verdacht auf rheumatisches Fieber – Klinische Untersuchung, Auskultation (Abhören), Elektrokardiographie (Herzstromkurve) und Echokardiographie (Herzultraschall) bei Hinweisen auf Karditis, Herzgeräusch, Thoraxschmerzen, Dyspnoe oder Palpitationen (Herzklopfen).
- Nierendiagnostik bei Verdacht auf poststreptokokkale Glomerulonephritis – Kontrolle von Blutdruck, Urinstatus, Hämaturie, Proteinurie (Eiweiß im Urin), Kreatinin, geschätzter glomerulärer Filtrationsrate und Elektrolyten bei Ödemen, dunklem Urin, Hypertonie (Bluthochdruck) oder reduziertem Allgemeinzustand.
- Schonung während der akuten Erkrankung – Körperliche Belastung erst nach klinischer Erholung, Fieberfreiheit und deutlicher Besserung des Allgemeinzustands wieder steigern.
- Physiotherapie – Nur bei relevanten funktionellen Einschränkungen nach schweren Komplikationen, nicht routinemäßig nach unkompliziertem Scharlach erforderlich.
- Ernährungsberatung – Keine spezifische ernährungsmedizinische Prävention der Scarlatina belegt; im Vordergrund stehen ausreichende Flüssigkeitszufuhr, altersgerechte Kost und Vermeidung von Dehydratation während der akuten Erkrankung.
- Aufklärung über Hygienemaßnahmen – Vermittlung von Händehygiene, Husten- und Niesetikette, Kontaktreduktion während der infektiösen Phase und korrekter Antibiotikaeinnahme zur Vermeidung zukünftiger Infektionsketten.