Legionellose – Medizingerätediagnostik
Obligate Medizingerätediagnostik
Die medizingerätediagnostischen Empfehlungen betreffen im Wesentlichen die Legionella-Pneumonie (Lungenentzündung durch Legionellen) (Legionärskrankheit). Das Pontiac-Fieber (milde Form der Legionellose ohne Lungenentzündung) ist eine selbstlimitierende Form der Legionellose ohne Pneumonie [2]. Die thorakale Bildgebung dient bei der Legionella-Pneumonie dem Nachweis bzw. der Bestätigung einer Pneumonie und der Erfassung pulmonaler Komplikationen (Komplikationen der Lunge); eine ätiologische Zuordnung zu Legionella spp. ist anhand des radiologischen Befundes nicht möglich [1, LL1-LL4].
- Röntgenaufnahme des Thorax (Röntgen-Thorax) – bei Erwachsenen mit stationärer Abklärung einer vermuteten Legionella-Pneumonie zur bildgebenden Bestätigung der Pneumonie; bei im Krankenhaus abgeklärter ambulant erworbener Pneumonie soll die Diagnostik einschließlich Thoraxröntgen zeitnah erfolgen [LL1, LL3].
- Typische radiologische Einzelbefunde erlauben keine sichere Identifikation einer Legionella-Pneumonie. In einer Legionella-spezifischen Vergleichsstudie unterschieden sich die CT-Befunde nicht signifikant von denen anderer bakterieller ambulant erworbener Pneumonien; die frühen röntgenologischen und computertomographischen Manifestationen wurden als unspezifisch beurteilt [1].
- Pulsoxymetrie – zur Erfassung der peripheren Sauerstoffsättigung im Rahmen der klinischen Beurteilung einer Pneumonie; eine ausgeprägte Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) beeinflusst die Beurteilung des Schweregrades und der klinischen Stabilität. Eine Sauerstoffsättigung < 90 % unter Raumluft bzw. das Nichterreichen des individuellen langfristigen Sauerstoffbedarfs gilt bei Erwachsenen mit ambulant erworbener Pneumonie als Zeichen klinischer Instabilität [LL1].
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Lungensonographie (Lungenultraschall) – bei stationär behandelten Patienten mit Pneumonie insbesondere
- zur raschen Point-of-Care-Diagnostik bei schwer erkrankten oder sich klinisch verschlechternden Patienten [LL1],
- bei relevanten Differentialdiagnosen, beispielsweise einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) [LL1],
- zur Untersuchung pleuraler Komplikationen (Komplikationen des Brustfells) [LL1],
- als diagnostische Alternative zum Röntgen-Thorax bei Erwachsenen mit Verdacht auf ambulant erworbene Pneumonie in Einrichtungen mit ausreichender sonographischer Expertise; die Empfehlung der American Thoracic Society ist konditional bei niedriger Evidenzqualität [LL2].
- Computertomographie des Thorax (Thorax-CT) – keine Routinediagnostik bei unkomplizierter Legionella-Pneumonie; als weiterführende Bildgebung insbesondere
- bei fortbestehendem klinischen Pneumonieverdacht und negativem oder nicht eindeutigem initialen Röntgen-Thorax; hier wird die CT des Thorax ohne intravenöses Kontrastmittel als geeignete Folgeuntersuchung bewertet [LL4],
- bei im Röntgen-Thorax vermutetem parapneumonischen Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustfellraum im Zusammenhang mit einer Lungenentzündung) oder Lungenabszess (Eiterhöhle in der Lunge); hier werden CT-Untersuchungen des Thorax mit oder ohne intravenöses Kontrastmittel als geeignete weiterführende Bildgebung bewertet [LL4].
- Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage (BAL) – keine Routinediagnostik bei unkomplizierter Legionella-Pneumonie; bei schwerer Pneumonie oder fehlendem Ansprechen auf die antibiotische Therapie zu erwägen [LL3].
- Bei Verdacht auf Legionella spp. sollen tiefe Atemwegsproben für PCR und Kultur gewonnen werden; eine Bronchoskopie kann bei entsprechender klinischer Indikation die Gewinnung geeigneten Materials ermöglichen [LL3].
- Röntgenaufnahme des Thorax im Verlauf – nach stationär behandelter Pneumonie nicht routinemäßig bei allen Patienten erforderlich [LL1].
- Eine Kontrollaufnahme etwa sechs Wochen nach der Entlassung ist zu erwägen bei Risikofaktoren für ein Lungenkarzinom (Lungenkrebs) oder eine andere zugrunde liegende respiratorische Erkrankung (Erkrankung der Atemwege), insbesondere bei Rauchern oder Patienten über 50 Jahren, sowie bei persistierenden bzw. sich verschlechternden Beschwerden oder ungeklärtem Gewichtsverlust [LL1].
Abkürzungen
- ACR – American College of Radiology
- ATS – American Thoracic Society
- BAL – bronchoalveoläre Lavage
- CT – Computertomographie
- NICE – National Institute for Health and Care Excellence
- PCR – Polymerase-Kettenreaktion
Literatur
- Poirier R, Rodrigue J, Villeneuve J, Lacasse Y: Early Radiographic and Tomographic Manifestations of Legionnaires' Disease. Can Assoc Radiol J. 2017;68(3):328-333. doi: 10.1016/j.carj.2016.10.005 [1]
- Kaufmann AF, McDade JE, Patton CM et al.: Pontiac fever: isolation of the etiologic agent (Legionella pneumophilia) and demonstration of its mode of transmission. Am J Epidemiol. 1981;114(3):337-347. doi: 10.1093/oxfordjournals.aje.a113200 [2]
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- NICE Guideline: Pneumonia: diagnosis and management. NG250. September 2025. Volltext [LL1]
- American Thoracic Society Clinical Practice Guideline: Diagnosis and Management of Community-acquired Pneumonia: An Official American Thoracic Society Clinical Practice Guideline. Am J Respir Crit Care Med. 2026;212(1):24-44. doi: 10.1164/rccm.202507-1692ST [LL2]
- Swedish Society of Infectious Diseases: Management of community-acquired pneumonia in immunocompetent adults: updated Swedish guidelines. Infect Dis (Lond). 2025;57(10):979-1015. doi: 10.1080/23744235.2025.2543077 [LL3]
- American College of Radiology: ACR Appropriateness Criteria® Acute Respiratory Illness in Immunocompetent Patients. Revised 2024. Volltext [LL4]