Legionellose – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Legionellose mitbedingt sein können:

Klinisch relevante Folgeerkrankungen betreffen nahezu ausschließlich die Legionärskrankheit (schwere Form der Legionellose) (Legionellen-Pneumonie (Lungenentzündung durch Legionellen)). Das Pontiac-Fieber (milde fieberhafte Form der Legionellose) verläuft demgegenüber in der Regel selbstlimitierend und ohne relevante Organfolgen [LL1].

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akute hypoxämische respiratorische Insuffizienz (akutes Lungenversagen mit Sauerstoffmangel) zentrale Komplikation schwerer Verläufe; erforderlich werden können High-Flow-Sauerstofftherapie (Sauerstofftherapie mit hohem Gasfluss), nichtinvasive Beatmung (Atemunterstützung ohne Beatmungsschlauch), invasive Beatmung (künstliche Beatmung über einen Beatmungsschlauch) oder bei therapierefraktärem schwerem ARDS eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) (künstliche Sauerstoffanreicherung des Blutes außerhalb des Körpers) [1-4].
  • Akutes Atemnotsyndrom (ARDS) (schweres akutes Lungenversagen) wichtige intensivmedizinische Komplikation der schweren Legionellen-Pneumonie. In einer multizentrischen französischen Intensivkohorte entwickelten 45 % der Patienten ein ARDS [3].
  • Parapneumonischer Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand infolge einer Lungenentzündung)/Empyem (Eiteransammlung im Brustfellraum) Pleuraergüsse werden bei etwa 15-50 % der Legionärskrankheiten beschrieben und sind in der Regel parapneumonisch; ein Empyem ist selten und insbesondere bei immunsupprimierten Patienten mit schweren Verläufen beschrieben [1].
  • Pulmonale Kavitation (Hohlraumbildung im Lungengewebe)/Lungenabszess (abgekapselte Eiteransammlung in der Lunge) seltene Komplikation, vor allem bei Immunsuppression; trotz adäquater antimikrobieller Therapie können kavitäre Verläufe auftreten [1].
  • Persistierende pulmonale Residuen (anhaltende Veränderungen des Lungengewebes) nach schwerer Legionellen-Pneumonie können radiologische Parenchymveränderungen und eine reduzierte Diffusionskapazität über Monate persistieren. In einer Nachuntersuchung wiesen 24 % der mittels hochauflösender Computertomographie (Schichtbilduntersuchung mit Röntgenstrahlen) untersuchten Patienten im Mittel 16 Monate nach der Erkrankung noch pulmonale Veränderungen auf [8].

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) (schwere Gerinnungsstörung mit überschießender Blutgerinnung und Blutungsneigung) seltene, potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer schweren systemischen Legionellen-Infektion bzw. eines septischen Verlaufs [1].

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyponatriämie (zu niedriger Natriumgehalt im Blut) häufige Begleitstörung der Legionärskrankheit. In einer kontrollierten Kohorte lag Natrium bei 44,4 % der Patienten mit Legionärskrankheit unter 130 mmol/l gegenüber 8,2 % bei Pneumonien anderer Ätiologie. Ein gleichzeitiger Anstieg von CT-ProVasopressin fand sich nicht; die Daten sprechen damit gegen eine gesteigerte ADH-Sekretion als wesentlichen kausalen Mechanismus. Als ADH-unabhängige Mechanismen werden insbesondere renale Natriumverluste durch direkte renale Effekte von Zytokinen bzw. Toxinen sowie natriuretische Hormone diskutiert [5].

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Myoperikarditis (Entzündung von Herzmuskel und Herzbeutel)/Perikarditis (Herzbeutelentzündung) sehr seltene extrapulmonale Manifestation der Legionellen-Infektion; die Evidenz beruht überwiegend auf Fallberichten und kleinen Fallserien [1].
  • Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut bzw. Herzklappen) sehr seltene extrapulmonale Legionellen-Infektion, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten und bei prothetischem Klappenmaterial beschrieben [1].

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (lebensbedrohliche Organschädigung durch eine fehlregulierte Reaktion auf eine Infektion) und septischer Schock (schwerste Form der Sepsis mit Kreislaufversagen) wesentliche lebensbedrohliche Komplikationen der schweren Legionärskrankheit und häufig mit Multiorgandysfunktion (gleichzeitiger Funktionsstörung mehrerer Organe) verbunden [1, 3, 4, LL3].

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Akute hepatische Beteiligung (akute Mitbeteiligung der Leber) bei schweren Verläufen können eine hepatozelluläre Schädigung mit Transaminasenerhöhung und eine Leberfunktionsstörung im Rahmen der systemischen Infektion auftreten [1].
  • Akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) sehr seltene extrapulmonale Manifestation; die Evidenz beruht überwiegend auf Einzelfallberichten [1].

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe) seltene, aber charakteristische schwere extrapulmonale Komplikation mit ausgeprägtem Anstieg der Creatinkinase (CK), Myoglobinfreisetzung und erhöhtem Risiko einer akuten Nierenschädigung. Die Kombination aus Legionellen-Pneumonie, Rhabdomyolyse und akuter Nierenschädigung ist mit einem schweren Krankheitsverlauf assoziiert [1, 7].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Enzephalopathie (Funktionsstörung des Gehirns)/Delir (akuter Verwirrtheitszustand) Verwirrtheit und andere Bewusstseins- bzw. kognitive Störungen treten insbesondere bei schweren Verläufen auf und können durch systemische Inflammation, Sepsis, Hypoxämie und metabolische Störungen mitbedingt sein [1].
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung)/Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) sehr seltene neurologische Manifestation der Legionellen-Infektion [1].
  • Zerebelläres Syndrom mit Ataxie (Störung der Bewegungskoordination durch eine Funktionsstörung des Kleinhirns) seltene, charakteristische neurologische Manifestation; zerebelläre Symptome können trotz Rückbildung der pulmonalen Infektion länger persistieren [1].
  • Persistierende neurologische und neuromuskuläre Beschwerden (anhaltende Beschwerden des Nerven- und Muskelsystems) nach überstandener Legionärskrankheit wurden länger anhaltende neurologische und neuromuskuläre Symptome beschrieben; eine eindeutige Abgrenzung Legionella-spezifischer Folgen von Folgen einer schweren Pneumonie bzw. intensivmedizinischen Behandlung ist nicht möglich [11].
  • Posttraumatische Belastungsstörung (psychische Folgestörung nach einem stark belastenden Ereignis) nach schwerer Legionärskrankheit bzw. Ausbruchsexposition beschrieben. In einer Ausbruchskohorte erfüllten 17 Monate nach der Erkrankung 15 % der Überlebenden Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung; ein spezifischer kausaler Anteil der Legionellen-Infektion gegenüber schwerer Pneumonie und Ausbruchssituation ließ sich nicht bestimmen [11].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Persistierende Fatigue (anhaltende ausgeprägte Erschöpfung) ausgeprägte Müdigkeit und reduzierte körperliche Belastbarkeit können noch ein Jahr oder länger nach überstandener Legionärskrankheit bestehen [9, 11].
  • Persistierende Dyspnoe (anhaltende Atemnot) und Belastungsintoleranz (verminderte körperliche Belastbarkeit) können über Monate fortbestehen. In einer Ausbruchskohorte berichteten 57 % der Überlebenden im Mittel 16 Monate nach Erkrankung weiterhin vermehrte dyspnoeassoziierte Beschwerden; objektivierbare pulmonale Residuen erklärten diese Symptome nicht vollständig [8].

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (AKI) (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) eine der wichtigsten extrapulmonalen Organmanifestationen und Komplikationen schwerer Legionärskrankheit. Pathogenetisch kommen insbesondere Sepsis und Hypoperfusion, Rhabdomyolyse sowie direkte oder immunvermittelte renale Schädigungsmechanismen infrage; bei ausgeprägtem Organversagen kann eine Nierenersatztherapie (Blutreinigungsverfahren bei Nierenversagen) erforderlich werden [1, 7].
  • Akute Tubulusnekrose (Absterben von Zellen der Nierenkanälchen)/tubulointerstitielle Nephritis (Entzündung des Nierenzwischengewebes und der Nierenkanälchen) als renale Manifestationen bei Legionärskrankheit beschrieben; sie können mit renalem Salzverlust und akuter Nierenschädigung einhergehen [5, 7].

Weiteres

  • Langfristig eingeschränkte gesundheitsbezogene Lebensqualität und körperliche Leistungsfähigkeit ein relevanter Anteil der Überlebenden weist noch ein Jahr nach der Erkrankung Einschränkungen insbesondere hinsichtlich Fatigue, allgemeiner Lebensqualität und körperlicher Rollenfunktion auf [9, 11].
  • Erhöhte längerfristige Morbidität (erhöhte längerfristige Krankheitsbelastung) nach schwerem Verlauf in einer Kohorte hospitalisierter Patienten war eine intensivmedizinische Behandlung während der Legionärskrankheit mit einer höheren Zahl späterer Krankenhausaufnahmen innerhalb von fünf Jahren assoziiert; aufgrund des retrospektiven Designs und relevanter Komorbiditäten ist eine spezifische Kausalzuordnung nur eingeschränkt möglich [10].

Prognosefaktoren

  • Alter, Leberzirrhose (fortgeschrittene Vernarbung und Schädigung der Leber), Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) und Lymphopenie (verminderte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen) waren in einer aktuellen multizentrischen Kohorte mit 344 Patienten unabhängige Prädiktoren der 30-Tage-Mortalität. Die 30- und 90-Tage-Mortalität betrug 11,9 % bzw. 16,6 % [2].
  • Hoher SOFA-Score und höheres Lebensalter waren in einer multizentrischen französischen Intensivkohorte unabhängige Prädiktoren der 28-Tage-Mortalität; die 28-Tage-Mortalität betrug 12 % [3].
  • Nosokomial erworbene Legionellen-Pneumonie (im Krankenhaus erworbene Legionellen-Lungenentzündung) und erhöhtes Lactat waren in einer multizentrischen Intensivkohorte aus Zürich, Hannover und Bonn unabhängige Risikofaktoren der 28-Tage-Mortalität. Die Schätzung für die nosokomiale Infektion war aufgrund der kleinen Fallzahl mit einem breiten Konfidenzintervall verbunden [4].
  • Nierenversagen (schwere Einschränkung oder Ausfall der Nierenfunktion), schwere Hypoxämie (ausgeprägter Sauerstoffmangel im Blut) bzw. ARDS, Rhabdomyolyse, Malignität (bösartige Erkrankung), Immunsuppression und verzögerte adäquate Antibiotikatherapie sind in Kohortenstudien und Übersichtsarbeiten mit ungünstigen Verläufen bzw. erhöhter Mortalität assoziiert [1, 6].
  • Persistierende pulmonale Residuen mechanische Beatmung während der Akutphase, verzögerter Beginn einer adäquaten Antibiotikatherapie und vorbestehende chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (dauerhafte Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen) wurden als Risikofaktoren für länger persistierende pulmonale Veränderungen identifiziert [8].

Literatur

  1. Rello J, Allam C, Ruiz-Spinelli A et al.: Severe Legionnaires' disease. Ann Intensive Care. 2024;14:51. doi: 10.1186/s13613-024-01252-y
  2. Pulsipher AM, Khattar G, VanDolah H et al.: Legionella Pneumonia in the Modern Era: Clinical Features and Predictors of Mortality. Clin Infect Dis. 2026;ciag085. doi: 10.1093/cid/ciag085
  3. Dartevel A, Galerneau LM, Peigne V et al.: Clinical features and prognosis of severe legionnaires' disease requiring intensive care unit admission: a multicentric retrospective cohort study. Pneumonia (Nathan). 2025;17:21. doi: 10.1186/s41479-025-00173-z
  4. Hauffe T, Nalbant B, Wild L et al.: Demographics and outcome of Legionella pneumonia in the intensive care unit: a retrospective multicenter cohort study. Crit Care. 2025;29:372. doi: 10.1186/s13054-025-05524-2
  5. Schuetz P, Haubitz S, Christ-Crain M et al.: Hyponatremia and anti-diuretic hormone in Legionnaires' disease. BMC Infect Dis. 2013;13:585. doi: 10.1186/1471-2334-13-585
  6. Chidiac C, Che D, Pires-Cronenberger S et al.: Factors associated with hospital mortality in community-acquired legionellosis in France. Eur Respir J. 2012;39:963-970. doi: 10.1183/09031936.00076911
  7. Soni AJ, Peter A: Established association of legionella with rhabdomyolysis and renal failure: A review of the literature. Respir Med Case Rep. 2019;28:100962. doi: 10.1016/j.rmcr.2019.100962
  8. Jonkers RE, Lettinga KD, Pels Rijcken TH et al.: Abnormal radiological findings and a decreased carbon monoxide transfer factor can persist long after the acute phase of Legionella pneumophila pneumonia. Clin Infect Dis. 2004;38:605-611. doi: 10.1086/381199
  9. van Loenhout JAF, van Tiel HHMM, van den Heuvel J et al.: Serious long-term health consequences of Q-fever and Legionnaires' disease. J Infect. 2014;68:527-533. doi: 10.1016/j.jinf.2014.01.004
  10. Gamage SD, Ross N, Kralovic SM et al.: Health after Legionnaires' disease: A description of hospitalizations up to 5 years after Legionella pneumonia. PLoS One. 2021;16:e0245262. doi: 10.1371/journal.pone.0245262
  11. Lettinga KD, Verbon A, Nieuwkerk PT et al.: Health-Related Quality of Life and Posttraumatic Stress Disorder among Survivors of an Outbreak of Legionnaires Disease. Clin Infect Dis. 2002;35:11-17. doi: 10.1086/340738

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Legionellose. Stand 20.10.2021. RKI-Ratgeber. [LL1]
  2. Martin-Loeches I, Torres A, Nagavci B et al.: ERS/ESICM/ESCMID/ALAT guidelines for the management of severe community-acquired pneumonia. Eur Respir J. 2023;61:2200735. doi: 10.1183/13993003.00735-2022. [LL2]
  3. S3-Leitlinie: Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge – Update 2025. Version 4.0, Stand 30.04.2025, gültig bis 29.04.2030. (AWMF-Registernummer 079-001). Juli 2025 Langfassung. [LL3]
  4. S3-Leitlinie: Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie. Version 4.0, Stand 24.04.2021, gültig bis 23.04.2025; Aktualisierung bei der AWMF angemeldet. (AWMF-Registernummer 020-020). Mai 2021 Langfassung. [LL4]