Ebola – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Reduktion der Letalität (Sterblichkeit) durch frühzeitige Gabe einer spezifischen, neutralisierenden monoklonalen Antikörpertherapie (Behandlung mit gezielt wirkenden Abwehrstoffen) bei bestätigter Ebola-Viruskrankheit (Ebola-Infektion) durch Zaire-Orthoebolavirus (Zaire-Ebola-Virus) [1, 3, LL1-LL3].
- Stabilisierung lebenswichtiger Organfunktionen (Funktionen der inneren Organe) durch optimierte Supportivtherapie (unterstützende Behandlung) mit Volumen-, Elektrolyt-, Kreislauf-, Sauerstoff- und Organersatztherapie (Ersatz ausgefallener Organfunktionen) nach klinischem Bedarf [2, LL1-LL3].
- Vermeidung beziehungsweise Behandlung von Hypovolämie (Flüssigkeitsmangel im Blutkreislauf), Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze), Hypoglykämie (Unterzuckerung), metabolischer Azidose (stoffwechselbedingter Übersäuerung), Schock (Kreislaufversagen), Blutung, sekundären bakteriellen Infektionen (zusätzliche Infektionen durch Bakterien), disseminierter intravasaler Gerinnung (krankhafte Blutgerinnung in den Blutgefäßen) und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) [2, LL2].
- Symptomkontrolle (Beschwerdekontrolle), insbesondere Behandlung von Fieber, Schmerz, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö (Durchfall), Dehydratation (Austrocknung), Angst und Agitation (Unruhe) [2, LL2].
Therapieempfehlungen
- Spezifische Therapie bei Zaire-Orthoebolavirus
- Bei laborbestätigter Ebola-Viruskrankheit durch Zaire-Orthoebolavirus soll zusätzlich zur optimierten Supportivtherapie möglichst früh eine der beiden von der WHO empfohlenen monoklonalen Antikörpertherapien eingesetzt werden [1, 3, LL1-LL3].
- Empfohlene Wirkstoffe sind mAb114 beziehungsweise Ansuvimab und REGN-EB3 beziehungsweise Inmazeb; die Auswahl richtet sich nach Verfügbarkeit, Zulassung, nationalem Protokoll und Versorgungskontext [1, 3, LL1-LL3].
- Die Wirksamkeit ist für andere Orthoebolaviren, insbesondere Bundibugyo-Virus und Sudan-Virus, nicht gesichert; für diese Spezies (Virusarten) existiert derzeit keine zugelassene spezifische Therapie [LL2, LL3].
- Optimierte Supportivtherapie
- Frühzeitige orale (über den Mund) oder intravenöse (über die Vene) Rehydrierung (Flüssigkeitszufuhr) mit engmaschiger Bilanzierung.
- Korrektur von Elektrolytstörungen, Hypoglykämie und metabolischer Azidose.
- Kreislaufstabilisierung, bei Schock gegebenenfalls Vasopressoren und intensivmedizinisches Monitoring.
- Sauerstoffgabe, nichtinvasive oder invasive Beatmung bei respiratorischer Insuffizienz (Atemschwäche).
- Behandlung von Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö zur Vermeidung weiterer Flüssigkeitsverluste.
- Therapie von Blutung, Koagulopathie (Blutgerinnungsstörung) und disseminierter intravasaler Gerinnung nach klinischer Situation und lokalen Transfusionsprotokollen.
- Nierenersatztherapie (Blutwäscheverfahren) bei schwerem akutem Nierenversagen, sofern verfügbar und indiziert.
- Symptomatische Pharmakotherapie
- Bei Fieber und Schmerzen ist Paracetamol Mittel der Wahl, sofern keine schwere Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) vorliegt.
- Nichtsteroidale Antirheumatika und Acetylsalicylsäure sollten wegen Blutungsrisiko, Nierenfunktionsverschlechterung und gastrointestinaler Komplikationen vermieden werden.
- Bei starken Schmerzen können Opioid-Analgetika kurzfristig eingesetzt werden; Atemdepression, Sedierung, Ileus, Hypotonie sowie Nieren-/Leberfunktion sind zu berücksichtigen.
- Antiemetika und Antidiarrhoika können symptomorientiert eingesetzt werden; die Volumen- und Elektrolyttherapie bleibt vorrangig.
- Antiinfektive Begleittherapie
- Antibiotika sind nicht zur Behandlung der Ebola-Viruskrankheit selbst indiziert.
- Eine kalkulierte oder gezielte Antibiotikatherapie ist bei klinischem Verdacht auf bakterielle Sekundärinfektion, Sepsis, Pneumonie, Katheterinfektion oder andere bakterielle Komplikationen gerechtfertigt.
- Malaria muss in Endemiegebieten diagnostisch aktiv berücksichtigt und bei Verdacht beziehungsweise Nachweis leitliniengerecht behandelt werden.
- Nicht empfohlene spezifische Therapien
- ZMapp und Remdesivir sollen nach WHO-Leitlinie nicht als spezifische Therapie der Ebola-Viruskrankheit durch Zaire-Orthoebolavirus eingesetzt werden [1, 3, LL1].
- Favipiravir, Interferone, Brincidofovir, convaleszentes Plasma und weitere experimentelle Ansätze sollen außerhalb klinischer Studien beziehungsweise autorisierter Protokolle nicht routinemäßig eingesetzt werden [3, LL1].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
| Wirkstoffgruppe | Wirkstoff | Hauptindikation | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Monoklonaler Antikörper | mAb114, Ansuvimab, Ebanga | Bestätigte Ebola-Viruskrankheit durch Zaire-Orthoebolavirus | WHO-stark empfohlen; möglichst frühe intravenöse Gabe nach Diagnosebestätigung; Wirksamkeit für andere Orthoebolaviren nicht etabliert |
| Monoklonaler Antikörper-Cocktail | REGN-EB3, Inmazeb, Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab | Bestätigte Ebola-Viruskrankheit durch Zaire-Orthoebolavirus | WHO-stark empfohlen; möglichst frühe intravenöse Gabe nach Diagnosebestätigung; Wirksamkeit für andere Orthoebolaviren nicht etabliert |
| Nichtopioid-Analgetikum/Antipyretikum | Paracetamol | Fieber und leichte bis mäßige Schmerzen | Keine Thrombozytenfunktionshemmung; Dosisanpassung und Kontraindikationen bei Leberinsuffizienz beachten |
| Opioid-Analgetika | Morphin, Piritramid, andere Opioide nach lokalem Standard | Starke Schmerzen, palliative Symptomkontrolle, intensivmedizinische Analgesie | Kurzfristiger, kontrollierter Einsatz; Atemdepression, Sedierung, Ileus, Hypotonie sowie Nieren-/Leberfunktion beachten |
| Antiemetika | Ondansetron, Metoclopramid nach klinischer Situation | Übelkeit und Erbrechen | QT-Zeit, extrapyramidal-motorische Reaktionen, Elektrolytstörungen und Interaktionen berücksichtigen |
| Antibiotika | Kalkulierte oder gezielte Antibiotikatherapie nach lokalem Resistenzmuster | Bakterielle Sekundärinfektion oder Sepsisverdacht | Nicht routinemäßig gegen Ebola; Einsatz nur bei begründetem klinischen Verdacht oder Nachweis bakterieller Komplikation |
Beachte
- Die spezifische Antikörpertherapie ersetzt nicht die Supportivtherapie; beide Therapiekomponenten sind komplementär.
- Der größte Nutzen ist bei früher Diagnose, früher Therapieeinleitung und niedrigerer Viruslast zu erwarten [1, 3, LL1].
- Bei Bundibugyo-Virus- oder Sudan-Virus-Erkrankung ist die Therapie derzeit primär optimierte Supportivtherapie; spezifische Wirkstoffe sollen nur im Rahmen autorisierter Studien- oder Notfallprotokolle eingesetzt werden [LL2, LL3].
- Eine parallele Lebendimpfung gegen Ebola kann durch monoklonale Antikörper in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden; Zeitpunkt und Vorgehen müssen nach Expositionslage, Ausbruchskontext und zuständiger Public-Health-Empfehlung festgelegt werden [LL2, LL3].
- Supplemente, Vitamine, Spurenelemente, Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure), Probiotika oder pflanzliche Präparate haben keinen belegten therapeutischen Stellenwert bei Ebola-Viruskrankheit und sind kein Ersatz für spezifische Antikörpertherapie und Supportivtherapie.
Literatur
- Mulangu S, Dodd LE, Davey RT Jr, Tshiani Mbaya O, Proschan M, Mukadi D et al.: A randomized, controlled trial of Ebola virus disease therapeutics. N Engl J Med. 2019;381(24):2293-2303. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1910993
- Jacob ST, Crozier I, Fischer WA 2nd, Hewlett A, Kraft CS, Vega MA et al.: Ebola virus disease. Nat Rev Dis Primers. 2020;6(1):13. https://doi.org/10.1038/s41572-020-0147-3
- Gao Y, Zhao Y, Guyatt G, Fowler R, Kojan R, Ge L, et al. Effects of therapies for Ebola virus disease: a systematic review and network meta-analysis. Lancet Microbe. 2022;3(9):e683-e692. https://doi.org/10.1016/S2666-5247(22)00123-9
Leitlinien und Guidance-Dokumente
- World Health Organization. Therapeutics for Ebola virus disease. Living guideline. Geneva: WHO; 2022. https://www.who.int/publications/i/item/9789240055742
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Guidance for Ebola Disease. Updated January 30, 2025. https://www.cdc.gov/ebola/hcp/clinical-guidance/index.html
- U.S. Food and Drug Administration. Ebola. Medical countermeasures and therapeutics. Updated October 1, 2024. https://www.fda.gov/emergency-preparedness-and-response/mcm-issues/ebola