Cholera – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Cholera mitbedingt sein können:
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) bzw. Exsikkose (Austrocknung) (E86) – bei schwerer Cholera rascher und ausgeprägter Volumenverlust infolge massiver sekretorischer Diarrhoe (wässriger Durchfall) und häufig zusätzlichen Erbrechens; unbehandelt Progression zur kritischen Hypovolämie (vermindertes Blutvolumen) [2, 3, LL1]
- Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen (Störungen der Blutsalze und des Säure-Basen-Haushalts) (E87.-) – insbesondere Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut) und metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes) infolge gastrointestinaler Elektrolyt- und Bicarbonatverluste; auch Störungen der Natriumkonzentration können auftreten [2, 3, LL1]
- Hypoglykämie (Unterzuckerung) (E16.2) – insbesondere bei Kindern und bei schwerem Krankheitsverlauf klinisch relevante metabolische Komplikation [2, 3, LL1]
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Frühgeburt bzw. vorzeitige Wehentätigkeit – mögliche Komplikation einer Cholera während der Schwangerschaft, insbesondere bei ausgeprägter mütterlicher Erkrankung [5, LL2]
- Intrauteriner Fruchttod (Tod des ungeborenen Kindes im Mutterleib) – wichtigste dokumentierte fetale Komplikation; das Risiko ist insbesondere mit schwerer mütterlicher Dehydratation und Erbrechen assoziiert [5, 6, LL2]
- Spontanabort (Fehlgeburt) – mögliche Komplikation einer Cholera während der Schwangerschaft [5, LL2]
In einer Metaanalyse betrug die gepoolte Rate fetaler Todesfälle in den eingeschlossenen Studien aus den Jahren 1991-2013 7,9 % (95-%-KI 5,3-10,4) [5].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Hypovolämischer Schock (Kreislaufschock durch starken Flüssigkeitsverlust) (R57.1) – Folge eines ausgeprägten Flüssigkeits- und Volumenverlustes; bei fehlender oder verzögerter Rehydratation (Flüssigkeits- und Elektrolytersatz) Gefahr einer kritischen Organhypoperfusion (Minderdurchblutung der Organe) bis hin zu Organversagen (Ausfall lebenswichtiger Organe) und Tod [2, 3, 7, LL1]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) (N17.-) – kann insbesondere im Rahmen ausgeprägter Volumenverluste und renaler Minderperfusion (verminderte Nierendurchblutung) auftreten [2-4]
Prognosefaktoren
- Schwere Dehydratation bzw. hypovolämischer Schock – zentraler unmittelbarer Risikofaktor für Organhypoperfusion, Organversagen und Tod; eine frühzeitige suffiziente Rehydratation ist prognostisch entscheidend [2, 3, 7, LL1]
- Verzögerter oder fehlender Zugang zu adäquater Rehydratation – wesentlicher vermeidbarer Faktor einer erhöhten Choleramortalität [3, 7, LL1]
- Alter – in mehreren Untersuchungen mit der Choleramortalität assoziiert; Richtung und Stärke des Zusammenhangs sind zwischen unterschiedlichen Ausbruchssituationen heterogen [7]
- Schwangerschaft mit schwerer Dehydratation und Erbrechen – erhöht insbesondere das Risiko eines intrauterinen Fruchttodes; in einer Kohortenanalyse waren zudem das dritte Trimenon (letztes Schwangerschaftsdrittel) und ein jüngeres mütterliches Alter mit einem erhöhten Risiko assoziiert [6, LL2]
Bei frühzeitiger und adäquater Behandlung kann die Fallsterblichkeit der Cholera auf unter 1 % gesenkt werden [2, 3, LL1]. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Studien zu Choleraausbrüchen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ergab eine gepoolte Fatalitätsprävalenz (Anteil der Todesfälle unter Erkrankten) von 1,3 % (95-%-KI 1,1-1,6) [1].
Literatur
- Asantewaa AA, Odoom A, Owusu-Okyere G, Donkor ES: Cholera Outbreaks in Low- and Middle-Income Countries in the Last Decade: A Systematic Review and Meta-Analysis. Microorganisms. 2024;12(12):2504. doi: 10.3390/microorganisms12122504.
- Kanungo S, Azman AS, Ramamurthy T, Deen J, Dutta S: Cholera. Lancet. 2022;399(10333):1429-1440. doi: 10.1016/S0140-6736(22)00330-0.
- Chowdhury F, Ross AG, Islam MT, McMillan NAJ, Qadri F: Diagnosis, Management, and Future Control of Cholera. Clin Microbiol Rev. 2022;35(3):e0021121. doi: 10.1128/cmr.00211-21.
- Vakrani GP, Nambakam T: Retrospective Study on Acute Kidney Injury among Cholera Patients in an Outbreak in Whitefield, Bengaluru. Int J Nephrol. 2021;2021:6682838. doi: 10.1155/2021/6682838.
- Tran NT, Taylor R, Antierens A, Staderini N: Cholera in Pregnancy: A Systematic Review and Meta-Analysis of Fetal, Neonatal, and Maternal Mortality. PLoS One. 2015;10(7):e0132920. doi: 10.1371/journal.pone.0132920.
- Schillberg E, Ariti C, Bryson L et al.: Factors Related to Fetal Death in Pregnant Women with Cholera, Haiti, 2011-2014. Emerg Infect Dis. 2016;22(1):124-127. doi: 10.3201/eid2201.151078.
- Pampaka D, Alberti K, Olson D, Ciglenecki I, Barboza P: Risk factors for cholera mortality: A scoping review. Trop Med Int Health. 2025;30(5):332-350. doi: 10.1111/tmi.14106.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- World Health Organization (WHO): Clinical tools for cholera treatment facilities. Geneva: World Health Organization; 2024. WHO Reference Number B09194. doi: 10.2471/B09194. [LL1]
- Global Task Force on Cholera Control (GTFCC): Interim Technical Note: Treatment of cholera in pregnant women. 21. November 2022. Technical guidance. [LL2]