Sinusarrhythmie – Differentialdiagnosen
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Atriale Extrasystolie (vorzeitiger Herzschlag aus dem Vorhof) – vorzeitige atriale Erregungen mit veränderter P-Wellen-Morphologie (Form der Vorhoferregungszacke im EKG) und nicht kompensatorischer oder inkomplett kompensatorischer Pause; wichtige Differenzialdiagnose einer unregelmäßigen Sinusrhythmik (Herzrhythmus aus dem Sinusknoten).
- Atrioventrikulärer Block II. Grades (Überleitungsstörung zweiten Grades zwischen Vorhof und Herzkammer) – intermittierende Überleitungsstörung mit ausfallenden QRS-Komplexen (Kammererregungszeichen im EKG); kann als unregelmäßiger Puls imponieren, unterscheidet sich aber durch P-Wellen ohne nachfolgenden QRS-Komplex.
- Ektoper atrialer Rhythmus/Wandering atrial pacemaker (wandernder Vorhofschrittmacher) – wechselnder atrialer Schrittmacher mit unterschiedlicher P-Wellen-Morphologie; Abgrenzung zur Sinusarrhythmie über die wechselnde P-Wellen-Konfiguration.
- Multifokale atriale Tachykardie (schneller Herzrhythmus aus mehreren Vorhofherden) – irreguläre supraventrikuläre Tachykardie (schneller Herzrhythmus oberhalb der Herzkammern) mit mindestens drei P-Wellen-Morphologien, variablen PP-/PR-/RR-Intervallen (Zeitabständen zwischen bestimmten EKG-Zacken) und meist tachykarder Frequenz; wichtige Abgrenzung zu Vorhofflimmern und Sinusarrhythmie.
- Respiratorische Sinusarrhythmie (atemabhängige Schwankung des Herzrhythmus aus dem Sinusknoten) – physiologische, atemabhängige Variation der Sinusfrequenz (Herzfrequenz aus dem Sinusknoten) mit Beschleunigung bei Inspiration (Einatmung) und Verlangsamung bei Exspiration (Ausatmung); besonders bei Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und vagotonen Personen (Personen mit verstärktem Einfluss des beruhigenden Anteils des Nervensystems), ohne Krankheitswert bei fehlenden Symptomen und unauffälligem EKG (Elektrokardiogramm).
- Sinusknotendysfunktion/Sick-Sinus-Syndrom (Fehlfunktion des natürlichen Herzschrittmachers) – pathologische Sinusbradykardie (krankhaft langsamer Herzrhythmus aus dem Sinusknoten), inadäquate Sinuspausen (unangemessene Pausen des Sinusknotens), Sinusarrest (Stillstand des Sinusknotens), sinoatrialer Block (Überleitungsstörung vom Sinusknoten zum Vorhof) oder Tachy-Brady-Syndrom (Wechsel zwischen schnellem und langsamem Herzrhythmus); relevant bei Synkope (Ohnmacht), Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht), Belastungsintoleranz (verminderte Belastbarkeit) oder symptomatischer Bradykardie (langsamer Herzschlag mit Beschwerden).
- Ventrikuläre Extrasystolie (vorzeitiger Herzschlag aus der Herzkammer) – vorzeitige ventrikuläre Erregungen mit breitem QRS-Komplex, fehlender vorausgehender sinusaler P-Welle und häufig kompensatorischer Pause; kann subjektiv als unregelmäßiger Sinusrhythmus fehlinterpretiert werden.
- Ventrikulophasische Sinusarrhythmie (von der Kammeraktion abhängige Schwankung des Herzrhythmus aus dem Sinusknoten) – Variation der PP-Intervalle bei höhergradigem atrioventrikulärem Block, wobei PP-Intervalle mit dazwischenliegendem QRS-Komplex kürzer sein können als PP-Intervalle ohne ventrikuläre Aktion.
- Vorhofflattern mit variabler atrioventrikulärer Überleitung (Vorhofrhythmusstörung mit wechselnder Überleitung auf die Herzkammern) – atriale Makroreentrytachykardie (kreisende schnelle Erregung im Vorhof) mit Flatterwellen (Vorhoferregungswellen) und wechselnder Kammerüberleitung; kann eine irreguläre Kammeraktion verursachen und dadurch Vorhofflimmern oder Sinusarrhythmie imitieren.
- Vorhofflimmern (unregelmäßiger Vorhofrhythmus) – wichtigste Differenzialdiagnose bei absolut unregelmäßiger Herzaktion; typisch sind fehlende reproduzierbare P-Wellen und irreguläre RR-Intervalle ohne atemabhängiges Muster.
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Neurokardiogene Synkope/vasovagale Reaktion (nervenvermittelte Ohnmacht) – vagal vermittelte Bradykardie, Sinuspausen oder Blutdruckabfall; relevant bei anfallsartiger Präsynkope oder Synkope, nicht bei isolierter asymptomatischer respiratorischer Sinusarrhythmie.
- Obstruktive Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer durch Atemwegsverengung) – schlafbezogene Atmungsstörung mit zyklischer Bradykardie, Sinuspausen und anschließender Frequenzbeschleunigung; wichtig bei nächtlich dokumentierter Sinusarrhythmie, Bradyarrhythmie (langsamer oder unregelmäßiger Herzrhythmus) oder Pausen.
Medikamente
- Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen) – insbesondere Klasse-I- und Klasse-III-Antiarrhythmika; können Sinusknotendysfunktion, Bradykardie, Leitungsstörungen oder proarrhythmische Rhythmusstörungen (durch Medikamente ausgelöste Herzrhythmusstörungen) auslösen.
- Bradykardisierende Medikamente (herzschlagverlangsamende Medikamente) – insbesondere Betablocker, Verapamil, Diltiazem, Digoxin, Ivabradin, Clonidin, Cholinesterasehemmer, Opioide und Sedativa; können Sinusbradykardie, Sinuspausen oder sinoatriale Blockierungen verursachen.