Lymphödem – Weitere Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Bewegung, vorzugsweise unter Kompressionstherapie
  • Konsequente Hautpflege zur Stabilisierung der Hautbarriere und zur Reduktion des Risikos für Hautinfektionen
  • Normalgewicht anstreben! 
  • Bestimmung des BMI (Body-Mass-Index, Körpermasse-Index) bzw. der Körperzusammensetzung mittels der elektrischen Impedanzanalyse und ggf. Teilnahme an einem ärztlich betreuten Abnehmprogramm
    • BMI ≥ 25 → Teilnahme an einem ärztlich betreuten Abnehmprogramm
    • BMI-Rechner – ermitteln Sie unter Berücksichtigung von Geschlecht und Alter Ihren gesunden Gewichtsbereich! (Anzeige)

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) – zur Umfangsreduktion bei Lymphödem

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet u. a.:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns

Sportmedizin

  • Ausdauertraining (Cardiotraining) und Krafttraining (Muskeltraining)
    • wesentlicher Aspekt der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) ist Sport und Bewegung unter Kompression
    • kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining sowohl zur Prävention, als auch zur Therapie tumorassoziierter Lymphödeme [2]
  • Erstellung eines Fitness- bzw. Trainingsplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck)
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin stehen exklusiv unseren Partnern zur Verfügung.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) mit den folgenden Komponenten:
    • Manuelle Lymphdrainage (ML)
    • Kompressionsstrümpfe/komprimierende Bandagen (Kompressionsbandagen oder -armstrümpfe)
    • Entstauende Bewegungs-/Atemtherapie – ein wesentlicher Aspekt der Behandlung ist Sport und Bewegung unter Kompression
    • Hautpflege der beanspruchten Haut
  • Intermittierende pneumatische Kompression (IPK) (Synonyme: apparative intermittierende Kompression; AIK) – therapeutisches Verfahren zur Kompressionsbehandlung von venösen und lymphatischen Erkrankungen. 
  • In der aktuellen Heilmittelrichtlinie (Diagnosen zum langfristigen Heilmittelbedarf) werden Lymphödeme vom Stadium II als Erkrankungen mit langfristigem Heilmittelbedarf anerkannt. Dadurch unterliegen Verordnungen von manueller Lymphdrainage (MLD) für Lymphödeme des Stadiums II und III nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung.
  • Kompressionsärmel bei Frauen nach axillärer Lymphonodektomie (operative Entfernung der Lymphknoten in der Achselhöhle) zur Therapie von postoperativen Lymphödemen – die Patienten erhielten dazu Armstrümpfe (SIGVARIS Advance Arm sleeve, 20-25 mmHg; Tragedauer: vom ersten postoperativen Tag bis drei Monate nach Abschluss der adjuvanten Behandlungen (mit Ausnahme der Hormonbehandlungen). Ergebnis: kumulative Inzidenz der Schwellungen nach einem Jahr 42 % in der Gruppe mit Kompressionsärmel versus 52 % in der Kontrollgruppe [1].
    Einschränkung: Der Effekt muss über die Dauer des ersten Beobachtungsjahres hinweg weiter beobachtet werden.

Schulungsmaßnahmen

  • Anleitung zur Selbstbehandlung beziehungsweise zum Selbstmanagement
    • Patienten sollten angeleitet werden, sich zumindest in einem begrenzten Umfang selbst behandeln zu können, da manuelle Lymphdrainagen häufig nur zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt werden.
    • Hierzu gehören insbesondere die korrekte Anwendung der Kompressionstherapie, geeignete Bewegungsübungen, Hautpflege, Gewichtskontrolle sowie das frühzeitige Erkennen von Entzündungszeichen.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Deutsche Gefäßliga e. V.
    Postfach 4038, D-69254 Malsch b. Heidelberg
    Telefon: 07253-26228, Fax: 07253-278160, E-Mail: info@deutsche-gefaessliga.de Internet: www.deutsche-gefaessliga.de

Literatur

  1. Paramanandam VS et al.: Prophylactic Use of Compression Sleeves Reduces the Incidence of Arm Swelling in Women at High Risk of Breast Cancer–Related Lymphedema: A Randomized Controlled Trial. J Clin Oncol 2022; https://doi.org/10.1200/JCO.21.02567
  2. Haye SC et al.: The Effect of Exercise for the Prevention and Treatment of Cancer-Related Lymphedema: A Systematic Review with Meta-analysis Medicine & Science in Sports & Exercise 2022;54(8):p 1389-1399 doi: 10.1249/MSS.0000000000002918

Leitlinien

  1.  S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Lymphödeme. (AWMF-Registernummer: 058-001), Mai 2017 Langfassung