Kardiogener Schock – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch einen kardiogenen Schock (herzbedingten Kreislaufschock) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute respiratorische Insuffizienz (akute Atemschwäche) – häufige extrakardiale Organfunktionsstörung (Funktionsstörung eines Organs außerhalb des Herzens) bei kardiogenem Schock; pathophysiologisch (krankheitsmechanistisch) durch pulmonalvenöse Stauung (Blutstau in den Lungenvenen), kardiogenes Lungenödem (herzbedingte Wasseransammlung in der Lunge), Ventilations-Perfusions-Störung (Störung des Verhältnisses von Belüftung und Durchblutung), erhöhten Sauerstoffbedarf und systemische Hypoperfusion (verminderte Durchblutung des Körpers) mitbedingt; der Bedarf an invasiver Beatmung (künstlicher Beatmung über einen Beatmungsschlauch) ist prognostisch (für die Vorhersage des Krankheitsverlaufs) ungünstig [1-3, 7, LL2-3]
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Lactatazidose (milchsäurebedingte Übersäuerung) bzw. metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung) – Folge der systemischen Gewebehypoperfusion (verminderten Durchblutung der Gewebe) und gestörten zellulären Sauerstoffverwertung (Sauerstoffnutzung in den Zellen); ein Lactatwert (Milchsäurewert) > 2,0 mmol/l ist nach der Society for Cardiovascular Angiography and Interventions (SCAI, Fachgesellschaft für Herzkathetermedizin)-Schockklassifikation (Einteilung der Schockschwere) mit mindestens Stadium C vereinbar, sofern der klinische Kontext passt [3, 4, LL1-3]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Kreislaufstillstand (Herz-Kreislauf-Stillstand) – möglicher Endpunkt eines refraktären kardiogenen Schocks (nicht ausreichend behandelbaren herzbedingten Kreislaufschocks) mit persistierender Hypoperfusion (anhaltend verminderter Durchblutung) trotz Eskalation der medikamentösen und/oder mechanischen Kreislaufunterstützung (Unterstützung des Blutkreislaufs durch Medikamente und/oder Geräte); insbesondere bei Society-for-Cardiovascular-Angiography-and-Interventions-Stadium D/E bzw. bei infarktbedingtem kardiogenem Schock prognostisch hochrelevant [3, LL1-3]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Hypoxische Hepatitis (sauerstoffmangelbedingte Leberentzündung) bzw. ischämische Hepatopathie (durchblutungsbedingte Leberschädigung) – durch vermindertes hepatisches Sauerstoffangebot (Sauerstoffangebot der Leber), niedrigen Herzzeitindex (Pumpleistung des Herzens bezogen auf die Körperoberfläche) und/oder venöse Kongestion (Blutstau in den Venen); typisch sind ein akuter, deutlicher Transaminasen- (Leberenzym-) und Lactatdehydrogenase-Anstieg (Anstieg eines Zellschadensmarkers), meist im Kontext schwerer Schockzustände oder Multiorganversagen [1, 2, 6]
- Akute cholestatische Leberfunktionsstörung (akute Leberfunktionsstörung durch gestörten Galleabfluss) bei venöser Kongestion – vor allem bei rechtsventrikulärer Beteiligung (Beteiligung der rechten Herzkammer), erhöhtem zentralvenösem Druck (erhöhtem Druck in den großen Körpervenen vor dem Herzen) oder biventrikulärer Dekompensation (Entgleisung beider Herzkammern) möglich; klinisch gegenüber der hypoxischen Hepatitis abzugrenzen [1, 2, 6]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Nichtokklusive mesenteriale Ischämie (Durchblutungsstörung des Darms ohne Gefäßverschluss) – seltene, aber schwerwiegende Komplikation bei ausgeprägter splanchnischer Hypoperfusion (verminderter Durchblutung der Bauchorgane), systemischer Vasokonstriktion (Gefäßverengung im Körperkreislauf) und/oder hoher Vasopressordosis (Dosis kreislaufstützender gefäßverengender Medikamente); bei kardiogenem Schock differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer Erkrankungen) besonders bei neuem abdominellem Schmerz (Bauchschmerz), Ileuszeichen (Zeichen eines Darmverschlusses), steigender Lactatkonzentration (Milchsäurekonzentration) oder Multiorganversagen zu berücksichtigen [1, 2, 8]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Akute hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (akute Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel und Minderdurchblutung) – mögliche Folge fortgesetzter zerebraler Minderperfusion (verminderter Durchblutung des Gehirns) oder eines schockbedingten Kreislaufstillstands; klinisches Spektrum von Vigilanzminderung (Bewusstseinsminderung) und Delir (akuter Verwirrtheitszustand) bis Koma (tiefe Bewusstlosigkeit), prognostisch vor allem im Kontext prolongierter Hypotonie (länger anhaltend niedrigen Blutdrucks) bzw. Reanimationspflichtigkeit (Notwendigkeit einer Wiederbelebung) relevant [1, 2, 9]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Multiorganversagen (MODS, multiple organ dysfunction syndrome; MOF, multiple organ failure; Versagen mehrerer Organe) – zentrale Endstrecke eines schweren oder protrahierten kardiogenen Schocks (verlängert verlaufenden herzbedingten Kreislaufschocks); entsteht durch Kombination aus systemischer Hypoperfusion, venöser Kongestion, Mikrozirkulationsstörung (Störung der Durchblutung kleinster Gefäße), Inflammation (Entzündungsreaktion) und sekundärer Organschädigung (nachfolgender Organschädigung); betrifft insbesondere Niere, Leber, Lunge, Darm und Gehirn [1-3, LL1-3]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Akutes Nierenversagen (akutes Versagen der Nierenfunktion) – häufige extrakardiale Organfunktionsstörung bei kardiogenem Schock; mitbedingt durch renale Hypoperfusion (verminderte Durchblutung der Niere), venöse Kongestion, systemische Inflammation, nephrotoxische Begleitfaktoren (nierenschädigende Begleitfaktoren) und Kontrastmittelexposition (Belastung durch Röntgenkontrastmittel); Bedarf an Nierenersatzverfahren (Dialyseverfahren) kennzeichnet eine besonders ungünstige Prognose [1, 2, 6, 10]
Prognosefaktoren
- Society-for-Cardiovascular-Angiography-and-Interventions-Schockstadium
- Die Society-for-Cardiovascular-Angiography-and-Interventions-Klassifikation bildet die Schockschwere von Risiko-/Frühstadien bis zum refraktären Schock ab; höhere Stadien sind konsistent mit steigender Kurzzeitmortalität (Sterblichkeit innerhalb kurzer Zeit) assoziiert [LL1-3]
- Ein Lactatwert > 2,0 mmol/l ist im passenden klinischen Kontext mit mindestens Society-for-Cardiovascular-Angiography-and-Interventions-Stadium C vereinbar; normale Lactatwerte schließen eine relevante Organhypoperfusion (Minderdurchblutung von Organen) jedoch nicht sicher aus [LL1]
- Lactat
- Ein erhöhter arterieller Lactatwert (Milchsäurewert im arteriellen Blut) reflektiert Gewebehypoperfusion, zelluläre Sauerstoffverwertungsstörung und Schockschwere; serielle Messungen (wiederholte Messungen) sind prognostisch aussagekräftiger als Einzelwerte [4, LL1-3]
- Der 8-Stunden-Wert und die Lactat-Clearance (Abnahme des Lactatwerts im Verlauf) sind Prädiktoren (Vorhersagefaktoren) der 30-Tage-Mortalität (Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen); in der Analyse von Fuernau et al. war eine Lactat-Clearance von mindestens 3,45 % pro Stunde mit einer deutlich besseren Überlebenswahrscheinlichkeit assoziiert (Hazard Ratio (HR, Risikoverhältnis): 0,53; p < 0,001) [4]
- CLIP-Score
- Der CLIP-Score dient der Abschätzung der 30-Tage-Mortalität bei infarktbedingtem kardiogenem Schock und basiert auf vier Biomarkern (messbaren biologischen Kennwerten): Cystatin C, Lactat, Interleukin-6 und N-terminales pro brain natriuretic peptide (NT-proBNP, Laborwert für Herzbelastung) [5]
- Der Score verbindet renale Dysfunktion (Nierenfunktionsstörung), Schockmetabolismus (Stoffwechselveränderungen im Schock), Inflammation und kardiale Wandspannung (Wandspannung des Herzens) und ist damit pathophysiologisch plausibel für die frühe Risikostratifizierung (Risikoeinschätzung) [5]
- Akutes Nierenversagen
- Akutes Nierenversagen und insbesondere die Notwendigkeit eines Nierenersatzverfahrens sind robuste Marker (belastbare Kennzeichen) für Schockschwere und erhöhte Kurzzeitmortalität [1, 2, 6, 10]
- Leberfunktionsstörung
- Hypoxische Hepatitis, deutliche Transaminasenerhöhung (Anstieg der Leberwerte) oder kombinierte hepatorenale Dysfunktion (kombinierte Leber- und Nierenfunktionsstörung) weisen auf schwere systemische Hypoperfusion und/oder venöse Kongestion hin und sind prognostisch ungünstig [1, 2, 6]
- Respiratorische Insuffizienz
- Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Bedarf an nichtinvasiver Beatmung (Beatmung ohne Beatmungsschlauch) oder invasiver Beatmung und pulmonale Stauung (Blutstau in der Lunge) kennzeichnen eine schwere kardio-pulmonale Dekompensation (Entgleisung von Herz und Lunge) und sind mit ungünstigem Verlauf assoziiert [2, 3, 7]
- Neurologischer Status
- Vigilanzminderung, Koma oder vorausgegangener Kreislaufstillstand verschlechtern die Prognose, da zerebrale Hypoperfusion und postreanimationsbedingte Hirnschädigung (Hirnschädigung nach Wiederbelebung) entscheidende Determinanten (bestimmende Faktoren) der funktionellen Erholung sind [1, 2, 9]
- Zeit bis zur Schockkontrolle und Kausalfaktoren
- Frühe Kausaltherapie (Behandlung der Ursache), insbesondere Revaskularisation (Wiederherstellung der Durchblutung) beim akuten Koronarsyndrom (akuten Durchblutungsproblem des Herzens), sowie rasche hämodynamische Stabilisierung (Stabilisierung von Blutdruck und Kreislauf) sind prognostisch entscheidend; persistierende Hypotonie, steigender Vasopressorbedarf (zunehmender Bedarf an gefäßverengenden Kreislaufmedikamenten) und refraktäre Hypoperfusion sprechen für eine ungünstige Dynamik [3, LL2-3]
Literatur
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- Sundermeyer J, Kellner C, Beer BN et al.: Kidney injury in patients with heart failure-related cardiogenic shock: Results from an international, multicentre cohort study. Eur J Heart Fail. 2025. https://doi.org/10.1002/ejhf.3701
Leitlinien
- Naidu SS, Baran DA, Jentzer JC et al.: SCAI SHOCK Stage Classification Expert Consensus Update: A Review and Incorporation of Validation Studies. J Soc Cardiovasc Angiogr Interv. 2022;1(1):100008. https://doi.org/10.1016/j.jscai.2021.100008
- Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. Eur Heart J. 2023;44(38):3720-3826. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehad191
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