Halsschlagaderverengung (extracranielle Carotisstenose) – Differentialdiagnosen
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Okuläre Migräne (Augenmigräne) – vorübergehende visuelle Symptome (Sehstörungen) ohne embolisch bedingte retinale Ischämie (Minderdurchblutung der Netzhaut); insbesondere gegen carotisassoziierte monokuläre Ischämie (einseitige Minderdurchblutung des Auges im Zusammenhang mit der Halsschlagader) abzugrenzen
- Retinalarterienverschluss (Verschluss einer Netzhautarterie) – akute retinale Ischämie; abzugrenzen gegen embolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch verschleppte Blutgerinnsel) aus Carotisplaque (Ablagerung in der Halsschlagader), kardiale Embolien (vom Herzen ausgehende Gefäßverschlüsse) und vaskulitische Ursachen (entzündliche Gefäßursachen)
- Vordere ischämische Optikusneuropathie (Durchblutungsstörung des Sehnervs) – akuter Sehverlust durch Durchblutungsstörung des Sehnervenkopfes; insbesondere gegen carotisassoziierte monokuläre Ischämie abzugrenzen
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Antiphospholipid-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit erhöhter Gerinnungsneigung) – Autoimmunthrombophilie (autoimmun bedingte Gerinnungsstörung) mit arteriellen und venösen Thrombosen (Blutgerinnseln); relevante Differenzialdiagnose (Abgrenzungsdiagnose) bei transitorischer ischämischer Attacke (TIA) (vorübergehender Durchblutungsstörung des Gehirns) oder Schlaganfall, insbesondere bei jüngerem Alter, Rezidiven (Wiederauftreten) oder fehlender atherosklerotischer Erklärung (Erklärung durch Gefäßverkalkung)
- Polycythaemia vera (Blutbildungsstörung mit Vermehrung roter Blutkörperchen) – myeloproliferative Neoplasie (Erkrankung des Knochenmarks mit vermehrter Zellbildung) mit erhöhter arterieller und venöser Thromboseneigung (Neigung zu Blutgerinnseln)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) mit hyperosmolarem Zustand (schwerer Flüssigkeits- und Stoffwechselentgleisung) – kann fokal-neurologische Defizite (umschriebene Nervenausfälle), Bewusstseinsstörung oder epileptische Anfälle (Krampfanfälle) imitieren
- Hypoglykämie (Unterzuckerung) – wichtige Stroke-Mimic-Ursache (Schlaganfall-Nachahmung) mit fokal-neurologischen Ausfällen (umschriebenen Nervenausfällen), Vigilanzstörung (Bewusstseinsstörung) oder Verwirrtheit
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Aortendissektion (Einriss der Hauptschlagaderwand) – kann mit zerebraler Minderperfusion (Minderdurchblutung des Gehirns), carotidaler Beteiligung (Beteiligung der Halsschlagader) oder Schlaganfall- beziehungsweise TIA-Symptomatik (Beschwerden einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns) einhergehen
- Arteria-carotis-Dissektion (Einriss der Halsschlagaderwand) – wichtige Differenzialdiagnose zur atherosklerotischen extrakraniellen Carotisstenose (gefäßverkalkungsbedingte Verengung der außerhalb des Schädels gelegenen Halsschlagader), insbesondere bei Hals-/Kopfschmerz, Horner-Syndrom (Nervenschädigung mit hängendem Oberlid, enger Pupille und vermindertem Schwitzen) oder jüngerem Lebensalter
- Arteria-vertebralis-Dissektion (Einriss der Wand der Wirbelarterie) – Ursache posteriorer Ischämien (Minderdurchblutungen im hinteren Hirnkreislauf) mit Schwindel, Ataxie (Koordinationsstörung), Dysarthrie (Sprechstörung) oder Hirnstammsymptomen (Beschwerden durch Störung des Hirnstamms)
- Intrakranielle arterielle Stenose (Gefäßverengung innerhalb des Schädels) – zerebrovaskuläre Stenose (Verengung eines Hirngefäßes) innerhalb des Schädels; kann transitorische ischämische Attacke (TIA) oder Schlaganfall unabhängig von einer extrakraniellen Carotisstenose verursachen
- Kardioembolischer Hirninfarkt (vom Herzen ausgehender Schlaganfall) – insbesondere bei Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung), Klappenvitien (Herzklappenfehlern), Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), linksventrikulärem Thrombus (Blutgerinnsel in der linken Herzkammer) oder offenem Foramen ovale (offener Verbindung zwischen den Herzvorhöfen)
- Karotisverschluss (Verschluss der Halsschlagader) – vollständiger Verschluss der Arteria carotis interna (inneren Halsschlagader); differentialdiagnostisch gegen hochgradige Stenose (starke Gefäßverengung), Pseudo-Okklusion (scheinbaren Gefäßverschluss) und akuten thromboembolischen Verschluss (akuten Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel) abzugrenzen
- Reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (RCVS) (vorübergehende Verengung von Hirngefäßen; reversible Verengung von Hirngefäßen; Synonym: Call-Fleming-Syndrom) – reversible segmentale Vasokonstriktion (rückbildungsfähige abschnittsweise Gefäßverengung) zerebraler Arterien (Hirnarterien); Leitsymptom ist Donnerschlagkopfschmerz (plötzlich einsetzender starker Kopfschmerz), möglich sind transitorische neurologische Defizite (vorübergehende Nervenausfälle), ischämischer Schlaganfall (Schlaganfall durch Gefäßverschluss), intrazerebrale Blutung (Blutung im Hirngewebe) oder Subarachnoidalblutung (Blutung zwischen Gehirn und Hirnhaut)
- Subclavian-Steal-Syndrom (Anzapfphänomen der Armarterie) – vertebrobasiläre Minderperfusion (Minderdurchblutung des hinteren Hirnkreislaufs) durch Stenose oder Verschluss der Arteria subclavia (Schlüsselbeinarterie) mit belastungsabhängigen neurologischen Symptomen (Nervenbeschwerden)
- Vertebrobasiläre Insuffizienz (Minderdurchblutung des hinteren Hirnkreislaufs) – Durchblutungsstörung im hinteren Stromgebiet; typischerweise mit Schwindel, Doppelbildern, Dysarthrie, Ataxie oder bilateralen Symptomen (beidseitigen Beschwerden)
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Endokarditis – infektiöse Klappenentzündung (Herzklappenentzündung) mit septischen Embolien (infektiösen Gefäßverschlüssen) und möglichen zerebralen Ischämien
- Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Gehirnentzündung) – infektiöse Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn mit Bewusstseinsstörung, Fieber, fokal-neurologischen Defiziten oder Krampfanfällen
- Neurosyphilis (Syphilis des Nervensystems) – seltene, aber relevante infektiöse Differenzialdiagnose bei unklarer zerebrovaskulärer Symptomatik (Beschwerden durch Störung der Hirngefäße)
- Varizella-zoster-Vaskulopathie (Gefäßerkrankung durch Windpocken-/Gürtelrosevirus) – zerebrale Vaskulopathie (Gefäßerkrankung des Gehirns) nach Varizella-zoster-Virus-Reaktivierung (Wiederaktivierung des Windpocken-/Gürtelrosevirus), auch ohne typischen Hautbefund möglich
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Granulomatose mit Polyangiitis (entzündliche Gefäßerkrankung) – systemische Vaskulitis (Gefäßentzündung) mit möglicher zerebraler Gefäßbeteiligung (Beteiligung der Hirngefäße)
- Riesenzellarteriitis (Entzündung großer und mittlerer Arterien) – großgefäßbetonte Vaskulitis; relevant bei Kopfschmerz, Kauschmerz, Sehstörung, erhöhten Entzündungsparametern und Alter über 50 Jahre
- Takayasu-Arteriitis (Entzündung großer Arterien) – großgefäßbetonte Vaskulitis mit möglicher Beteiligung der supraaortalen Gefäße (Gefäße oberhalb der Hauptschlagader) und Stenosen der Carotisarterien (Verengungen der Halsschlagadern)
- Zerebrale Vaskulitis (Gefäßentzündung im Gehirn) – entzündliche Erkrankung zerebraler Gefäße mit transitorischer ischämischer Attacke (TIA), Schlaganfall, Kopfschmerz oder Enzephalopathie (Gehirnfunktionsstörung)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Intrakranielle Raumforderung (Raumforderung im Schädel) – Tumor (Geschwulst), Metastase (Tochtergeschwulst) oder raumfordernde Läsion (gewebeverdrängende Veränderung) mit fokal-neurologischen Ausfällen, Krampfanfällen oder Hirndruckzeichen (Zeichen erhöhten Drucks im Schädel)
- Paragangliom des Glomus caroticum (Tumor an der Aufzweigung der Halsschlagader) – Tumor der Carotisbifurkation (Aufzweigung der Halsschlagader); relevante Differenzialdiagnose bei carotisnaher Raumforderung oder unklarer Befundkonstellation in der Bildgebung der Carotisregion (Untersuchung der Halsschlagaderregion)
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Epileptischer Anfall mit Todd-Parese (vorübergehende Lähmung nach Krampfanfall) – postiktale fokale Parese (umschriebene Lähmung nach einem Anfall) nach epileptischem Anfall; wichtige Differenzialdiagnose zur transitorischen ischämischen Attacke (TIA) oder zum Schlaganfall
- Funktionelle neurologische Störung (Nervenfunktionsstörung ohne nachweisbare strukturelle Schädigung) – neurologische Ausfälle ohne strukturell-vaskuläre Ursache (strukturelle Gefäßursache); klinisch relevante Stroke-Mimic-Ursache
- Intrazerebrale Blutung – akute Blutung im Hirnparenchym (Hirngewebe) mit fokal-neurologischen Defiziten; in der Akutdiagnostik (Notfalldiagnostik) zwingend gegen Ischämie (Minderdurchblutung) abzugrenzen
- Migräne mit Aura – häufige Stroke-Mimic-Ursache mit visuellen, sensiblen (das Gefühl betreffenden) oder sprachlichen Symptomen; typischerweise allmähliche Ausbreitung der Symptome
- Multiple Sklerose (MS) (entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems) – entzündlich-demyelinisierende Erkrankung (entzündliche Erkrankung mit Schädigung der Nervenhüllen) des zentralen Nervensystems mit fokal-neurologischen Defiziten
- Subarachnoidalblutung – Blutung in den Subarachnoidalraum (Raum zwischen Gehirn und Hirnhaut); Leitsymptom häufig Donnerschlagkopfschmerz, gegebenenfalls mit fokal-neurologischen Defiziten
- Transitorische globale Amnesie (vorübergehende Gedächtnisstörung) – akut einsetzende, vorübergehende Gedächtnisstörung ohne fokal-neurologisches Defizit
- Transitorische ischämische Attacke (TIA) anderer Ursache – vorübergehendes fokal-neurologisches Defizit durch kardioembolische, intrakranielle, vertebrobasiläre oder andere vaskuläre Ursachen
- Zerebraler Hirninfarkt anderer Ursache – ischämischer Schlaganfall ohne ursächliche extrakranielle Carotisstenose, insbesondere lakunär (durch Verschluss kleiner Hirngefäße), kardioembolisch oder durch intrakranielle Gefäßpathologie (Gefäßerkrankung innerhalb des Schädels)
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT) (Verletzung von Schädel und Gehirn) – traumatische Ursache (verletzungsbedingte Ursache) neurologischer Ausfälle, Bewusstseinsstörung oder intrakranieller Blutungen (Blutungen im Schädelinneren)
- Subduralhämatom (Blutung unter der harten Hirnhaut) – Blutung zwischen Dura mater (harter Hirnhaut) und Arachnoidea (Spinnwebenhaut); akut oder chronisch mit Kopfschmerz, Vigilanzstörung, kognitiver Störung (Denkstörung) oder fokal-neurologischen Defiziten
Medikamente
- Antidiabetika (blutzuckersenkende Medikamente) – können durch Hypoglykämie neurologische Symptome imitieren
- Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente) oder Diuretika (entwässernde Medikamente) – können durch Hypotonie (niedrigen Blutdruck), Exsikkose (Austrocknung) oder Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze) neurologische Symptome imitieren
- Antikoagulanzien (gerinnungshemmende Medikamente) – erhöhen das Risiko intrakranieller Blutungen als Differenzialdiagnose akuter neurologischer Defizite
- Sympathomimetika (anregende Medikamente), Triptane (Migränemedikamente), Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Antidepressiva) oder immunsuppressive Substanzen (das Immunsystem unterdrückende Substanzen) – mögliche Auslöser eines reversiblen zerebralen Vasokonstriktionssyndroms (RCVS)
Umweltbelastungen – Intoxikationen
- Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung) – kann Dysarthrie, Ataxie, Vigilanzstörung oder fokal-neurologische Symptome vortäuschen
- Amphetamine (aufputschende Drogen), Kokain und andere Sympathomimetika – können zerebrale Vasokonstriktion, hypertensive Krise (Blutdruckkrise), Ischämie oder Blutung auslösen
- Kohlenmonoxidintoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) – kann Kopfschmerz, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung und neurologische Defizite verursachen