Extrasystolen – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Beschwerdefreiheit

Therapieempfehlungen

  • Allgemeine Prinzipien:
    • Extrasystolen (Herzstolpern) sind bei herzgesunden Personen häufig und in der Regel prognostisch benign.
    • Eine Therapie ist primär bei belastender Symptomatik, struktureller Herzerkrankung (Erkrankung des Herzmuskels oder der Herzstruktur) oder prognostischer Relevanz indiziert.
    • Bei bestehender Herzerkrankung erfolgt die kausale Behandlung durch Therapie der Grunderkrankung.
  • Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES, zusätzliche Herzschläge aus den Herzvorhöfen):
    • Keine Therapie bei asymptomatischen Gesunden:
      • SVES sind häufig zufällig, klinisch harmlos und benötigen keine Behandlung.
    • Elektrolytüberprüfung:
      • Kontrolle von Kalium- und Magnesiumspiegeln, da Hypokaliämie (Kalium-Mangel) und Hypomagnesiämie (Magnesium-Mangel) supraventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) begünstigen.
      • Ggf. Supplementierung:
        • Magnesiumcitrat
        • Kaliumcitrat
    • Medikamentöse Therapie:
      • Bei symptomatischen SVES:
        • Betablocker (Medikamente zur Dämpfung der Herzfrequenz).
        • Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen) sind in der Regel nicht erforderlich.
  • Ventrikuläre Extrasystolen (VES, zusätzliche Herzschläge aus den Herzkammern):
    • Therapieindikation:
      • Belastende Symptome (Palpitationen (Herzklopfen), Schwindel, Synkopen (kurzzeitige Bewusstlosigkeit)).
      • Häufige VES (>10 % der QRS-Komplexe (Messgröße im EKG) im 24-h-Holter-EKG (Langzeit-EKG)).
      • Gefahr einer tachykardieinduzierten Kardiomyopathie (Herzmuskelschwäche durch dauerhaft zu schnellen Herzrhythmus).
    • Therapieansätze:
      • Betablocker:
        • Therapie der ersten Wahl bei symptomatischen oder prognostisch relevanten VES.
        • Suppressionsrate ca. 50-60 %.
      • Antiarrhythmika:
        • Amiodaron (Medikament gegen Herzrhythmusstörungen): Bei therapierefraktären VES unter Berücksichtigung der Langzeittoxizität (Nebenwirkungen bei längerer Anwendung).
        • Klasse-I-Antiarrhythmika (Medikamente der Klasse I gegen Herzrhythmusstörungen): Nur nach sicherem Ausschluss einer strukturellen Herzerkrankung und unter spezialärztlicher Kontrolle.

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Betablocker (β-Rezeptorenblocker)

Wirkstoff Selektivität Wirkdauer Besonderheiten
Metoprolol β1 8-15 h Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz
Bisoprolol β1 10-12 h Dosisanpassung bei Nieren- und Herzinsuffizienz
  • Wirkweise: Kompetitive Hemmung adrenerger Substanzen an β-Rezeptoren (Andockstellen für Stresshormone)
  • Nebenwirkungen: Bradykardie (langsamer Herzschlag), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Bronchokonstriktion (Verengung der Atemwege), Müdigkeit, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden)

Mineralstoffe – Magnesium und Kalium (Kombination)

  • Wirkung: Zur Aufrechterhaltung der elektrischen Stabilität der Herzfunktion ist stets eine positive Kalium- und Magnesiumbilanz notwendig.
    Magnesium wirkt als physiologischer Calciumantagonist (natürlicher Gegenspieler von Calcium). Es kontrolliert den Calciumeinstrom in die Zellen und wirkt einer Calciumüberladung entgegen. Zusätzlich hemmt Magnesium die myokardiale Erregbarkeit (Erregbarkeit des Herzmuskels) und kann dadurch Herzrhythmusstörungen verhindern oder beseitigen.
    Magnesium ist Cofaktor der Natrium-Kalium-ATPase (Enzym für den Elektrolyttransport) und fördert die intrazelluläre Kaliumaufnahme. Beide Mineralstoffe wirken synergistisch.
    Beachte: Eine Hypomagnesiämie (Magnesiummangel) erhöht die Kaliumpermeabilität über K+-Kanäle (Kaliumkanäle) und stört das intra-/extrazelluläre Kaliumgleichgewicht mit negativer Wirkung auf das Aktionspotential (elektrische Aktivität der Herzmuskelzellen).
  • Indikationen:
    • Ventrikuläre Extrasystolen bei fehlender oder stabiler kardialer Grunderkrankung (stabile Herzerkrankung)
    • Prävention und Therapie supraventrikulärer Extrasystolen
  • Dosierung:
    • Magnesiumbezogene Dosierung gemäß ärztlicher Empfehlung
    • Aufteilung höherer Tagesmengen auf mehrere Einnahmezeitpunkte
    • Therapiedauer initial mehrere Wochen mit anschließender Dosisanpassung
  • Kontraindikationen:
    • Magnesium: schwere Niereninsuffizienz (schwere Nierenschwäche), AV-Block (Störung der Erregungsleitung im Herzen), Myasthenia gravis (neuromuskuläre Erkrankung)
    • Kalium: Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel), Oligurie (stark verminderte Urinmenge), kaliumsparende Diuretika (bestimmte entwässernde Medikamente), Morbus Addison (Nebennierenrindeninsuffizienz)
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe (Durchfall), Meteorismus (Blähungen)
  • Zielwerte: Kalium ca. 4,4 mmol/l; Magnesium ca. 0,9 mmol/l

Differenzierung der verschiedenen Klassen der Antiarrhythmika (nach Vaughan Williams)

Klasse Wirkstoffe Wirkmechanismus
Ia Ajmalin
Chinidin
Disopyramid
Prajmalin

Hemmung des schnellen Natriumeinstroms in die Zelle und langsame Reaktivierung
→ Leitungsverzögerung

Ib Aprindin
Lidocain
Phenytoin
Tocainid
Hemmung des schnellen Natriumeinstroms und schnelle Reaktivierung
→ Leitungsverbesserung (durch Verkürzung des Aktionspotentials)
Ic Flecainid
Lorcainid
Propafenon
Hemmung des schnellen Natriumeinstroms und langsame Reaktivierung
→ Leitungsverzögerung
II Atenolol
Bisoprolol
Metoprolol
Propranolol
Kompetitive Hemmung der ß-Rezeptoren
→ Erregbarkeit ↓
III Amiodaron
(Dronedaron)
Sotalol
Hemmung des Kaliumausstroms
→ Aktionspotential ↑
IV Diltiazem
Verapamil
Hemmung des Calciumausstroms
→ Leitungsverzögerung
Nicht-
Klassifiziert
Adenosin Hemmung der Erregungsüberleitung
  (Dronedaron) Multikanalblocker
  Magnesium Calciumantagonist

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Herz und Gefäßen sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Kalium, Magnesium)
  • Spurenelemente (Chrom, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Traubenkern- und Olivenpolyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesiumcitrat und Kaliumcitrat))

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Marktl W: Physiologie der Interaktion zwischen Kalium und Magnesium. J. Miner. Stoffwechs. 2003; 10: 5-7
  2. Liebscher DH, Micke O, von Ehrlich B, Kisters K: Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Vierling W,  Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1165-1171