Extrasystolen – Folgeerkrankungen

Extrasystolen sind meist harmlos und lösen keine Folgeerkrankungen aus.

Ventrikuläre Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge aus der Herzkammer; hohe Extrasystolenlast, meist > 10-15 % aller Herzschläge im Langzeit-EKG (Langzeit-Herzstromkurve)) können jedoch im Einzelfall zu folgenden Erkrankungen bzw. Komplikationen führen:

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Kammerflimmern (ungeordnete, lebensbedrohliche Erregung der Herzkammern) – seltene, potenziell lebensbedrohliche Komplikation ventrikulärer Extrasystolen
  • Linksventrikuläre Dysfunktion (verminderte Funktion der linken Herzkammer) – Verminderung der Pumpfunktion des linken Ventrikels (linke Herzkammer)
  • PVC-induzierte Kardiomyopathie (durch Extrasystolen verursachte Herzmuskelerkrankung) – reversible linksventrikuläre Funktionsstörung durch häufige ventrikuläre Extrasystolen
  • Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie (anfallsartiges Herzrasen aus den Vorhöfen) bzw. Vorhofflattern (schneller, regelmäßiger Herzrhythmus der Herzvorhöfe) – mögliches „Umspringen“ in einen anderen Herzrhythmus
  • Plötzlicher Herztod – selten, überwiegend bei zugrunde liegender struktureller Herzerkrankung (Erkrankung des Herzmuskels oder der Herzklappen)
  • Schlaganfall – indirekt erhöhtes Risiko, vor allem bei nachfolgendem Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzrhythmus der Vorhöfe)
  • Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) – bei Übergang in hämodynamisch relevante Tachyarrhythmien (schnelle Herzrhythmusstörungen mit Kreislaufbeeinträchtigung)
  • Ventrikuläre Tachykardie (schnelles Herzrasen aus der Herzkammer) – insbesondere bei struktureller Herzerkrankung oder früher ventrikulärer Extrasystole (R-on-T-Phänomen)
  • Vorhofflimmern – erhöhtes Risiko insbesondere bei häufigen ventrikulären Extrasystolen
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – infolge einer chronisch erhöhten Extrasystolenlast

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörung – durch Palpitationen (Herzstolpern), subjektiv bedrohlich empfundene Herzrhythmusstörungen oder Angst vor plötzlichem Herztod
  • Panikstörung – möglich bei rezidivierenden, subjektiv als bedrohlich erlebten Extrasystolen
  • Schlafstörung – insbesondere bei nächtlich wahrgenommenen Extrasystolen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Belastungsdyspnoe (Atemnot bei körperlicher Belastung)
  • Chronische Leistungsminderung
  • Palpitationen
  • Schwindel

Weiteres

  • Einschränkung der Lebensqualität – insbesondere bei hoher subjektiver Symptombelastung trotz fehlender objektiver Gefährdung

Prognosefaktoren

  • Günstige Prognose
    • Keine strukturelle Herzerkrankung
    • Monomorphe Extrasystolen (gleichförmige zusätzliche Herzschläge)
    • Normale linksventrikuläre Funktion
    • Seltene supraventrikuläre (aus den Vorhöfen stammende) oder ventrikuläre Extrasystolen
  • Ungünstige Prognose
    • Bereits eingeschränkte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (Auswurfleistung der linken Herzkammer)
    • Hohe Extrasystolenlast (> 10-15 % im 24-h-Langzeit-EKG)
    • Polymorphe (unterschiedlich geformte) oder couplet-/salvenförmige ventrikuläre Extrasystolen
    • R-on-T-Phänomen – Das R-on-T-Phänomen bezeichnet das Auftreten einer ventrikulären Extrasystole genau während der vulnerablen Repolarisationsphase (Erholungsphase der elektrischen Erregung) des vorhergehenden Herzschlags, also wenn die R-Zacke der Extrasystole in die T-Welle des vorangehenden QRS-Komplexes fällt.
    • Strukturelle Herzerkrankung
    • Zunahme der Extrasystolen unter körperlicher Belastung