Atrioventrikulärer Block – Medikamentöse Therapie

Die folgenden Empfehlungen und Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Ein atrioventrikulärer Block (AV-Block) erfordert eine Behandlung entsprechend der hämodynamischen Gefährdung (Gefährdung der Kreislauffunktion), der vermuteten Blocklokalisation und der zugrundeliegenden Ursache. Arzneimittel dienen bei höhergradigem AV-Block überwiegend der kurzfristigen Überbrückung; sie ersetzen eine indizierte Schrittmachertherapie nicht [LL1, LL3, LL4].

Therapieziele

  • Linderung bradykardiebedingter (durch einen zu langsamen Herzschlag verursachter) Beschwerden, insbesondere Schwindel, Präsynkopen (Beinahe-Ohnmachtsanfälle) und Synkopen (kurzzeitige Ohnmachtsanfälle).
  • Wiederherstellung einer ausreichenden Organperfusion (Durchblutung der Organe) und Vermeidung von Schock (lebensbedrohlichem Kreislaufversagen), akuter Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und bradykardiebedingtem Kreislaufstillstand.
  • Behandlung reversibler Ursachen und Sicherstellung einer zuverlässigen ventrikulären Erregung (elektrischen Aktivierung der Herzkammern) durch vorübergehende bzw. dauerhafte Schrittmacherstimulation, sofern erforderlich [LL1, LL3, LL4].

Therapieempfehlungen

Akutbehandlung nach hämodynamischer Gefährdung

  • Sofortige Ersteinschätzung: Kreislaufzustand, Bewusstsein, Atmung und Zusammenhang zwischen Bradykardie (zu langsamem Herzschlag) und Beschwerden beurteilen. Kontinuierliches Elektrokardiogramm (EKG), Blutdruck- und Sauerstoffsättigungsüberwachung, venösen Zugang und 12-Kanal-EKG sicherstellen; Sauerstoff bei Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) verabreichen. Reversible Ursachen gleichzeitig behandeln [LL2, LL8].
  • Hämodynamisch gefährdeter Patient: Schock, Synkope, myokardiale Ischämie (unzureichende Durchblutung des Herzmuskels) oder schwere Herzinsuffizienz erfordern unverzügliche Behandlung und notfallmäßige kardiologische Unterstützung. Eine vorübergehend akzeptable Herzfrequenz schließt eine gefährliche Leitungsstörung nicht aus [LL2].
  • Vermutlich nodaler Block (Überleitungsstörung im Verbindungsknoten zwischen Vorhöfen und Herzkammern): Bei symptomatischer Bradykardie mit Kreislaufbeeinträchtigung und ohne Hinweise auf einen hochgradigen infranodalen Block (Überleitungsstörung unterhalb dieses Verbindungsknotens) Atropin einsetzen. Bei unzureichender Wirkung adrenerge Überbrückung und/oder transkutane Schrittmacherstimulation; erforderlichenfalls frühzeitig transvenöse Stimulation vorbereiten [LL1, LL8].
  • Hochgradiger AV-Block mit breitem QRS-Komplex: Atropin nach dem Algorithmus des European Resuscitation Council (ERC) 2025 nicht verabreichen; es ist häufig unwirksam und kann die Überleitungsstörung verschlechtern. Bei Instabilität unmittelbar Schrittmacherstimulation einleiten und die transvenöse Versorgung organisieren. Eine medikamentöse Überbrückung darf die elektrische Behandlung nicht verzögern [LL1].
  • Hämodynamisch stabiler Patient mit Asystolierisiko (Risiko eines Ausfalls der elektrischen Herzaktivität): Mobitz-II-Block, vollständiger AV-Block mit breitem QRS-Komplex, vorausgegangene Asystolie (Ausfall der elektrischen Herzaktivität) oder ventrikuläre Pausen über 3 Sekunden erfordern überwachte Versorgung und unmittelbare Stimulationsbereitschaft. Bei neu aufgetretenem höhergradigem oder nicht sicher lokalisiertem Block dringliche stationäre Abklärung [LL2, LL3].
  • Kreislaufstillstand: Bei fehlenden Lebenszeichen unverzüglich den Reanimationsalgorithmus anwenden. Der Bradykardiealgorithmus mit erhaltener Zirkulation ist hierfür nicht ausreichend [LL1].

Einordnung nach Blockgrad und Blocklokalisation

Konstellation Therapeutische Konsequenz
AV-Block 1. Grades Bei Beschwerdefreiheit meist keine Pharmakotherapie und keine Schrittmacherindikation. Bei ausgeprägter PQ-Verlängerung, insbesondere ab etwa 300 ms, Symptomzusammenhang prüfen. Atropin ist keine Behandlung der isolierten PQ-Verlängerung [LL3].
AV-Block 2. Grades, Mobitz I bzw. Wenckebach Bei asymptomatischem nodalem Block meist Beobachtung und Ursachenbehandlung. Beschwerden oder Hinweise auf eine infranodale Lokalisation erfordern kardiologische Abklärung und ggf. Schrittmachertherapie [LL3].
AV-Block 2. Grades, Mobitz II; höhergradiger AV-Block; AV-Block 3. Grades Bei erworbener, nicht reversibler bzw. nicht physiologischer Ursache besteht eine dauerhafte Schrittmacherindikation auch ohne Beschwerden [LL4].
2:1-AV-Block Nicht allein anhand des Überleitungsverhältnisses als Mobitz I oder Mobitz II klassifizieren. Blocklokalisation und Risiko klären; bei nachgewiesen infranodalem Block Schrittmacherindikation. Ein asymptomatischer, sicher nodaler Block kann anders behandelt werden [LL3].

Die QRS-Breite unterstützt die Lokalisation, beweist sie jedoch nicht. Ein schmaler QRS-Komplex schließt eine infranodale Leitungsstörung nicht sicher aus [LL4].

Schrittmacherüberbrückung

  • Transkutane Stimulation: Rasch verfügbare Überbrückung über externe Elektroden. Stimulationsstrom bis zur zuverlässigen Erregung steigern und neben der elektrischen auch die mechanische Wirksamkeit anhand von Puls und Kreislaufreaktion bestätigen. Muskelkontraktionen oder Stimulationsartefakte allein beweisen keine wirksame Zirkulation [LL8].
  • Analgesie und Sedierung: Bei wachem Patienten wegen der Schmerzhaftigkeit erforderlich, soweit Kreislaufzustand und Atemwegssicherheit dies erlauben. Die notwendige Stimulation nicht durch die Vorbereitung der Analgosedierung verzögern [LL8].
  • Temporäre transvenöse Stimulation: Bei anhaltender Instabilität, unzureichender transkutaner Stimulation oder länger erforderlicher Überbrückung frühzeitig einsetzen. Besonders relevant bei fehlendem zuverlässigem Ersatzrhythmus (Herzrhythmus aus einem nachgeordneten Taktgeber) [LL1, LL8].
  • Übergang zur definitiven Versorgung: Bei reversibler Ursache bis zur Erholung überbrücken; bei persistierendem, nicht reversiblem höhergradigem Block dauerhafte Schrittmacherimplantation. Die Stimulationsstrategie richtet sich zusätzlich nach Herzfunktion und erwartetem Stimulationsbedarf [LL3, LL4].

Behandlung reversibler Ursachen

  • Arzneimittelbedingte Leitungsverzögerung: Potentiell auslösende Betablocker, Verapamil, Diltiazem, Digoxin und relevante Antiarrhythmika zunächst pausieren bzw. absetzen. Dosierung, Wechselwirkungen und Nierenfunktion prüfen. Eine Erholung nach Absetzen beweist keine ausschließlich medikamentöse Ursache; Rezidive (erneutes Auftreten der Störung) sind möglich, sodass Überwachung und erneute Prüfung der Schrittmacherindikation erforderlich bleiben [1, LL4].
  • Intoxikation (Vergiftung): Frühzeitig ein Giftinformationszentrum hinzuziehen. Bei Betablocker- bzw. Calciumantagonistenintoxikation kommen ursachenspezifische Maßnahmen einschließlich hoch dosierter Insulintherapie und ggf. Glucagon, bei Calciumantagonisten zusätzlich Calcium infrage. Bei lebensbedrohlicher Digoxinintoxikation spezifische Digoxin-Antikörperfragmente einsetzen. Dosierung und Kombination richten sich nach dem jeweiligen Intoxikationsprotokoll; reine Frequenzsteigerung ist häufig unzureichend [LL7].
  • Hyperkaliämie (zu hoher Kaliumgehalt im Blut): Sofortige Behandlung der Elektrolytstörung. Bei schwerer Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen intravenöses Calcium zur kardialen Membranstabilisierung, zusätzlich Insulin mit Glucose zur Kaliumverschiebung und Maßnahmen zur Kaliumelimination; ggf. dringliche Dialyse. Glucose und Kalium engmaschig kontrollieren. Eine Schrittmacherstimulation kann bei ausgeprägter Hyperkaliämie unzureichend wirksam sein [LL7].
  • Akute myokardiale Ischämie bzw. Myokardinfarkt (Herzinfarkt): Unverzügliche Behandlung des akuten Koronarsyndroms (akuten Durchblutungsstörung des Herzens) einschließlich erforderlicher Reperfusion. Bradykardiebehandlung und ggf. temporäre Stimulation erfolgen parallel. Isoprenalin ist bei Myokardinfarkt bzw. Angina pectoris (Brustenge infolge einer Durchblutungsstörung des Herzens) gemäß der genannten Fachinformation kontraindiziert [LL4, FI3].
  • Weitere reversible bzw. behandelbare Ursachen: Hypoxämie, Hypothermie (Unterkühlung) und relevante Stoffwechselstörungen korrigieren. Bei entzündlicher oder infektiöser Ursache gezielte Behandlung; eine empirische Glucocorticoidtherapie ist beim unklaren AV-Block kein Standard [LL4, LL7].

Lyme-Karditis (Herzentzündung durch Borrelien)

  • Schwerer Verlauf: Symptomatische Lyme-Karditis, PQ-Intervall ab 300 ms oder AV-Block 2. bzw. 3. Grades erfordern stationäre Behandlung mit kontinuierlicher EKG-Überwachung und initial intravenösem Ceftriaxon. Bei begründetem Verdacht die Behandlung nicht bis zum Vorliegen der Serologie verzögern [LL5, LL6].
  • Orale Weiterbehandlung: Nach klinischer Besserung und Rückbildung des höhergradigen Blocks auf ein geeignetes orales Antibiotikum umstellen. Gesamtdauer der intravenösen und oralen Behandlung 14-21 Tage. Die Entscheidung nicht ausschließlich an einem einzelnen PQ-Grenzwert festmachen [LL5, LL6].
  • Stimulation: Bei medikamentös nicht beherrschbarer symptomatischer Bradykardie temporär stimulieren. Wegen der häufigen Erholung der Überleitung eine vorschnelle dauerhafte Schrittmacherimplantation vermeiden [LL5].
  • Milder Verlauf: Bei AV-Block 1. Grades mit PQ-Intervall unter 300 ms ohne schwere klinische Zeichen ist eine orale Antibiotikatherapie möglich [LL6].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die medikamentöse Akutbehandlung erfolgt unter kontinuierlicher EKG- und Kreislaufüberwachung. Infusionen werden anhand der Organperfusion, des Blutdrucks und der ventrikulären Frequenz titriert.

Parasympatholytika

Wirkstoff Besonderheiten
Atropin Bei vermutlich nodaler, hämodynamisch relevanter Bradykardie. Nicht bei hochgradigem AV-Block mit breitem QRS-Komplex und nicht nach Herztransplantation einsetzen. Das amerikanische Notfallschema verwendet initial 1 mg; die Schemata nicht vermischen [LL1, LL8].
  • Wirkweise: Kompetitive Blockade muskarinerger Acetylcholinrezeptoren; vermindert den Vaguseinfluss und verbessert insbesondere die Überleitung im AV-Knoten [FI1].
  • Indikationen: Kurzzeitbehandlung akut aufgetretener bradykarder Herzrhythmusstörungen bei geeigneter Blocklokalisation; keine routinemäßige Therapie eines asymptomatischen AV-Blocks 1. Grades [LL3, FI1].
  • Kontraindikationen: Präparatespezifisch u. a. Überempfindlichkeit, Engwinkelglaukom (Form des grünen Stars mit verengtem Abflusswinkel im Auge), relevante Harnabflussbehinderung, mechanischer gastrointestinaler Verschluss (Verschluss im Magen-Darm-Trakt) und Tachyarrhythmien (Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag). Bei lebensbedrohlicher Bradykardie Behandlung nach Notfallalgorithmus und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung; ungeeignete Blocklokalisation durch frühzeitige Stimulation berücksichtigen [LL1, FI1].
  • Nebenwirkungen: Tachykardie (zu schneller Herzschlag), Mundtrockenheit, Mydriasis (Pupillenerweiterung), Harnverhalt (Unfähigkeit, die Blase zu entleeren), verminderte Darmmotilität (Darmbeweglichkeit), Hyperthermie (Überwärmung des Körpers) und zentrale Erregung bzw. Verwirrtheit; bei kardialer Vorschädigung Gefahr von Ischämie (unzureichender Gewebedurchblutung) und tachykarden Arrhythmien [FI1].

Adrenerge Sympathomimetika

Wirkstoff Besonderheiten
Adrenalin Überbrückung bei unzureichender Atropinwirkung, insbesondere bei gleichzeitigem Blutdruckabfall. Keine Verwechslung mit dem 1-mg-Bolus des Reanimationsalgorithmus. Nicht gleichzeitig mit Isoprenalin Macure verabreichen [LL1, FI3].
Isoprenalin Zugelassene kurzfristige Behandlung einer Bradykardie bei AV-Block bis zur Schrittmacherversorgung. Niedrigste wirksame Dosis verwenden; insbesondere Ischämie- und Arrhythmierisiko beachten. Nicht gleichzeitig mit Adrenalin einsetzen [FI3].
Dopamin Alternative Überbrückung nach dem amerikanischen Bradykardiealgorithmus. Bei ausgeprägter Hypotonie (zu niedrigem Blutdruck) zusätzliche Kreislaufwirkung; keine unverdünnte Bolusinjektion [LL8, FI4].
  • Wirkweise: Adrenalin steigert über β1-Rezeptoren Herzfrequenz und Kontraktilität und unterstützt über α-Rezeptoren den Gefäßtonus. Isoprenalin stimuliert β1- und β2-Rezeptoren; die β2-vermittelte Vasodilatation (Gefäßerweiterung) kann den Blutdruck vermindern. Dopamin wirkt dosisabhängig dopaminerg, β-adrenerg und α-adrenerg [FI2-FI4].
  • Indikationen: Kurzfristige Frequenz- und ggf. Kreislaufunterstützung bis zur wirksamen Stimulation oder zur Behandlung der Ursache. Keine dauerhafte Therapie eines strukturellen höhergradigen AV-Blocks [LL1, LL8].
  • Kontraindikationen: Bei Isoprenalin Macure u. a. Myokardinfarkt, Angina pectoris, vorbestehende ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern), Tachyarrhythmien, Herzglykosidintoxikation und gleichzeitige Adrenalingabe. Dopamin ist u. a. bei Phäochromozytom (hormonproduzierendem Tumor, meist des Nebennierenmarks), Tachyarrhythmien und nicht korrigierter Hypovolämie (zu geringer zirkulierender Blutmenge) kontraindiziert. Für Adrenalin gelten in lebensbedrohlichen Notfallsituationen besondere Nutzen-Risiko-Abwägungen; außerhalb dieser Situationen die Fachinformation beachten [FI2-FI4].
  • Nebenwirkungen: Tachykardie, atriale und ventrikuläre Arrhythmien, myokardiale Ischämie und Blutdruckentgleisungen. Adrenalin kann Hyperglykämie (zu hohen Blutzucker) und Lactatanstieg verursachen; Isoprenalin zusätzlich Tremor (Zittern) und Hypotonie, Dopamin periphere Ischämie (unzureichende Durchblutung außerhalb des Körperstamms). Bei Paravasation (Austritt der Infusionslösung in das umgebende Gewebe) insbesondere von Adrenalin oder Dopamin Gefahr lokaler Gewebeschädigung [FI2-FI4].

Orciprenalin wird im aktuellen ERC-Bradykardiealgorithmus nicht als reguläres Überbrückungsmedikament aufgeführt; das frühere Orciprenalin-Schema wird daher nicht als Standardempfehlung übernommen [LL1].

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Die folgenden Antibiotika behandeln eine Lyme-Karditis als reversible Ursache des AV-Blocks. Für nicht infektiös bedingte Leitungsstörungen besteht keine Antibiotikaindikation.

Betalactam-Antibiotika

Wirkstoff Besonderheiten
Ceftriaxon Cephalosporin der 3. Generation. Nach klinischer Stabilisierung und Rückbildung des höhergradigen Blocks orale Weiterbehandlung möglich. Nicht mit calciumhaltigen Infusionslösungen mischen [LL6, FI5].
Amoxicillin Aminopenicillin; orale Alternative bei mildem Verlauf oder nach initial intravenöser Behandlung. Bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosierung anpassen [LL6, FI7].
Cefuroximaxetil Orales Cephalosporin; nach einer Mahlzeit einnehmen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosierungsintervall anpassen [FI8].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese; bakterizide Wirkung [FI5, FI7, FI8].
  • Indikationen: Lyme-Karditis; Auswahl von intravenöser oder oraler Behandlung entsprechend Schweregrad und klinischem Verlauf [LL5, LL6].
  • Kontraindikationen: Wirkstoff- bzw. klassenbezogene Überempfindlichkeit und relevante schwere Betalactamallergie. Für Ceftriaxon zusätzlich besondere Gegenanzeigen bei Früh- und Neugeborenen; calciumhaltige intravenöse Lösungen nicht gleichzeitig verabreichen. Bei Erwachsenen ist eine sequenzielle Anwendung nach geeigneter Leitungsspülung möglich [FI5, FI7, FI8].
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (schweren allergischen Allgemeinreaktion), Exantheme (Hautausschläge), Diarrhoe (Durchfall) und Clostridioides-difficile-assoziierte Kolitis (Dickdarmentzündung durch Clostridioides difficile); bei Borrelieninfektion mögliche Jarisch-Herxheimer-Reaktion (vorübergehende Entzündungsreaktion durch den Zerfall der Erreger). Ceftriaxon kann biliäre Präzipitate (Ausfällungen in der Galle) verursachen; bei Amoxicillin sind u. a. interstitielle Nephritis (Entzündung des Nierenzwischengewebes) und bei Akkumulation Krampfanfälle möglich [FI5, FI7, FI8].

Tetracycline

Wirkstoff Besonderheiten
Doxycyclin Bei mildem Verlauf oder als orale Weiterbehandlung nach Stabilisierung. Mit ausreichend Wasser in aufrechter Körperhaltung einnehmen; Abstand zu calcium-, magnesium- und eisenhaltigen Präparaten beachten [LL6, FI6].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 30S-Untereinheit; überwiegend bakteriostatisch [FI6].
  • Indikationen: Orale Behandlung geeigneter Patienten mit Lyme-Karditis; bei schwerem Verlauf zunächst stationäre intravenöse Behandlung [LL5, LL6].
  • Kontraindikationen: Tetracyclinüberempfindlichkeit; Schwangerschaft und Stillzeit gemäß der genannten Fachinformation. Altersbezogene Einschränkungen beachten [FI6].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Beschwerden des Magen-Darm-Trakts), Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung) bzw. Ösophagusulzerationen (Geschwüre der Speiseröhre), Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) und selten intrakranielle Hypertension (erhöhter Druck im Schädelinneren); mögliche Jarisch-Herxheimer-Reaktion [FI6].

Beachte

  • Keine routinemäßige Dauerpharmakotherapie: Ein asymptomatischer AV-Block 1. Grades benötigt meist keine medikamentöse Behandlung. Eine nachgewiesene degenerative Leitungsstörung lässt sich durch Atropin oder Sympathomimetika nicht dauerhaft beheben [LL3, LL4].
  • Keine pauschale Gleichsetzung aller AV-Blöcke 2. Grades: Ein asymptomatischer nodaler Wenckebach-Block und ein Mobitz-II-Block haben unterschiedliche Risiken und therapeutische Konsequenzen [LL3, LL4].
  • Kontrolle nach Ursachenbehandlung: Überleitung, Ersatzrhythmus und Symptomverlauf erneut beurteilen. Persistierender oder rezidivierender höhergradiger Block erfordert erneute Entscheidung über eine dauerhafte Schrittmachertherapie [1, LL4].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Herz und Gefäßen sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Chrom, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Traubenkern- und Olivenpolyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10))

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AV: atrioventrikulär.
  • EKG: Elektrokardiogramm.
  • ERC: European Resuscitation Council.
  • i.v.: intravenös.
  • p.o.: per os.
  • PQ-Intervall: Zeitintervall zwischen Beginn der P-Welle und Beginn des QRS-Komplexes; international auch PR-Intervall.
  • QRS-Komplex: elektrischer Ausdruck der ventrikulären Erregung im EKG.
  • EPA: Eicosapentaensäure.
  • DHA: Docosahexaensäure.
  • GLA: Gamma-Linolensäure.
  • CoQ10: Coenzym Q10.

Literatur

  1. Zeltser D, Justo D, Halkin A et al.: Drug-induced atrioventricular block: prognosis after discontinuation of the culprit drug. J Am Coll Cardiol. 2004;44(1):105-108. doi:10.1016/j.jacc.2004.03.057.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. European Resuscitation Council: European Resuscitation Council Guidelines 2025 Adult Advanced Life Support. Resuscitation. 2025;215(Suppl 1):110769. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110769. Langfassung [LL1].
  2. Resuscitation Council UK: Adult bradyarrhythmia. Guidelines 2025. Behandlungsalgorithmus [LL2].
  3. Glikson M, Nielsen JC, Kronborg MB et al.: 2021 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy. Eur Heart J. 2021;42(35):3427-3520. doi:10.1093/eurheartj/ehab364. Leitlinienportal [LL3].
  4. Kusumoto FM, Schoenfeld MH, Barrett C et al.: 2018 ACC/AHA/HRS Guideline on the Evaluation and Management of Patients With Bradycardia and Cardiac Conduction Delay: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines and the Heart Rhythm Society. Circulation. 2019;140(8):e382-e482. doi:10.1161/CIR.0000000000000628 [LL4].
  5. Lantos PM, Rumbaugh J, Bockenstedt LK et al.: Clinical Practice Guidelines by the Infectious Diseases Society of America, American Academy of Neurology, and American College of Rheumatology: 2020 Guidelines for the Prevention, Diagnosis and Treatment of Lyme Disease. Clin Infect Dis. 2021;72(1):e1-e48. doi:10.1093/cid/ciaa1215. Leitlinienfassung [LL5].
  6. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Care and Treatment of Lyme Carditis. Behandlungsempfehlungen und Dosierungstabellen [LL6].
  7. European Resuscitation Council: European Resuscitation Council Guidelines 2025 Special Circumstances in Resuscitation. Resuscitation. 2025;215(Suppl 1):110753. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110753. Langfassung [LL7].
  8. American Heart Association: Part 9: Adult Advanced Life Support. Guidelines 2025. Leitlinienfassung. Adult Bradycardia Algorithm [LL8].

Fachinformationen

  1. B. Braun Melsungen AG: Atropinsulfat B. Braun 0,5 mg/ml Injektionslösung. Fachinformation [FI1].
  2. CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH: Suprarenin Ampullen; Suprarenin Durchstechflasche. Fachinformation [FI2].
  3. Macure Pharma: Isoprenalin Macure 0,2 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation [FI3].
  4. Fresenius Kabi Deutschland GmbH: Dopamin Fresenius 50 mg/5 ml; Dopamin Fresenius 200 mg/5 ml. Fachinformation [FI4].
  5. Ceftriaxone 2 g Powder for solution for injection/infusion. Summary of Product Characteristics [FI5].
  6. Doxycycline 100 mg Capsules. Summary of Product Characteristics [FI6].
  7. Amoxicillin 500 mg Capsules. Summary of Product Characteristics [FI7].
  8. Cefuroxime 250 mg tablets. Summary of Product Characteristics mit Dosierungsangaben für Cefuroximaxetil [FI8].