Verbrennungen – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Verbrennungen mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akutes Atemnotsyndrom (schwere akute Lungenschädigung) – schwere inflammatorische (entzündliche) pulmonale (die Lunge betreffende) Komplikation insbesondere bei ausgedehnten Verbrennungen, Inhalationstrauma (Schädigung durch Einatmen von Rauchgasen/Hitze), Sepsis (Blutvergiftung), Schock (Kreislaufversagen), Massentransfusion (Gabe großer Blutmengen) oder Überresuscitation (übermäßige Flüssigkeits-/Wiederbelebungsbehandlung); klinisch relevant durch Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Beatmungspflichtigkeit und erhöhte Mortalität (Sterblichkeit) [1, 4, 5, LL1-3].
  • Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege)/Atemwegsödem (Schwellung der Atemwege) – potenziell lebensbedrohliche Frühkomplikation bei Inhalationstrauma, Gesichts-/Halsverbrennungen und thermisch-chemischer Schleimhautschädigung (Schädigung der Schleimhaut); relevant wegen drohender Intubationspflichtigkeit (Notwendigkeit eines Beatmungsschlauchs) und respiratorischer Insuffizienz (Atemversagen) [1, 4, LL1-3].
  • Pneumonie (Lungenentzündung), einschließlich ventilatorassoziierter Pneumonie (beatmungsassoziierte Lungenentzündung) – häufige nosokomiale (im Krankenhaus erworbene) Komplikation bei schwerbrandverletzten und intensivpflichtigen Patienten, besonders bei Inhalationstrauma, Beatmung, Immundysregulation (Fehlregulation des Immunsystems) und längerer Liegedauer [1, 5, LL1-3].
  • Pulmonalödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) – mögliche Komplikation nach großflächigen Verbrennungen, insbesondere bei Überresuscitation bzw. ausgeprägtem Kapillarlecksyndrom (Austritt von Flüssigkeit aus kleinsten Blutgefäßen); klinisch relevant durch Verschlechterung der Oxygenierung (Sauerstoffversorgung) und prolongierte (verlängerte) Beatmung [1, LL2].

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Expositionskeratopathie (Hornhautschädigung durch Austrocknung), Keratitis (Hornhautentzündung) und korneale Ulzeration (Hornhautgeschwür) – bei periokulären (um das Auge gelegenen) Verbrennungen, Lidretraktion (Zurückziehen des Augenlids), Lagophthalmus (unvollständiger Lidschluss) oder Narbenektropium (narbige Auswärtskippung des Augenlids) mögliche Spätkomplikationen mit Risiko für Visusminderung (Sehverschlechterung) [1, LL1, LL3].
  • Lidnarben, Ektropium (Auswärtskippung des Augenlids) und Lagophthalmus – funktionell relevante Folgen fazialer (das Gesicht betreffender) Verbrennungen; bedeutsam durch Exposition der Augenoberfläche, Tränenfilmstörung und sekundäre Hornhautschädigung [1, LL1, LL3].

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut) – häufige Begleit- und Folgekonstellation schwerer Verbrennungen durch initiale Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), wiederholte Operationen, Blutverluste, Entzündungsanämie (entzündungsbedingte Blutarmut) und intensivmedizinische Diagnostik; prognostisch relevant bei ausgedehnten Verbrennungen und prolongierter Akutbehandlung [1, LL1].
  • Koagulopathie (Gerinnungsstörung), disseminierte intravasale Gerinnung (Verbrauchsgerinnungsstörung) – mögliche schwere Komplikation bei Verbrennungsschock, Sepsis, Multiorganversagen und Massivtransfusion; klinisch relevant durch Blutungs- und Thromboserisiko (Risiko für Blutgerinnsel) [1, 5, LL1-2].
  • Immundysregulation/Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) nach schwerer Verbrennung – begünstigt invasive (eindringende) Wundinfektionen, Pneumonie, Katheterinfektionen und Sepsis; klinisch relevant insbesondere bei großflächigen, tiefen Verbrennungen [1, 5, LL1].

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypermetabolismus (gesteigerter Stoffwechsel) und katabole Stoffwechsellage (abbauende Stoffwechsellage) – zentrale systemische Folge ausgedehnter Verbrennungen mit erhöhtem Energieumsatz, Muskelproteinabbau (Abbau von Muskeleiweiß), Gewichtsverlust, verzögerter Wundheilung und erhöhtem Rehabilitationsbedarf [1, LL1].
  • Mangelernährung/Sarkopenie (Muskelschwund) – relevante Komplikation bei schwerer Verbrennungskrankheit, inadäquater Ernährungstherapie, prolongierter Intensivbehandlung und wiederholten operativen Eingriffen [1, LL1].
  • Stresshyperglykämie (stressbedingter erhöhter Blutzucker)/Insulinresistenz (verminderte Wirkung von Insulin) – häufige metabolische (stoffwechselbezogene) Reaktion nach schweren Verbrennungen; klinisch relevant, weil Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) mit Infektionsrisiko, Wundheilungsstörung und ungünstigerem Verlauf assoziiert sein kann [1, LL1].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Hypertrophe Narben (wulstige Narben) und Keloide (Narbenwucherungen) – wichtige Langzeitfolge insbesondere nach tiefdermalen (bis in tiefe Hautschichten reichenden) und vollschichtigen Verbrennungen, verzögerter Epithelisierung (Neubildung der Hautoberfläche), Infektion, Transplantatverlust (Verlust verpflanzter Haut) und hoher mechanischer Spannung; funktionell und kosmetisch relevant [1, 6, LL1].
  • Hyperpigmentation/Hypopigmentation (vermehrte/verminderte Hautfärbung) – häufige postinflammatorische Pigmentierungsstörung (Farbveränderung nach Entzündung) nach Verbrennungen; klinisch relevant vor allem bei sichtbaren Arealen und dunkleren Hauttypen [1, 6, LL1].
  • Instabile Narbe, chronisches Ulkus (lang bestehendes Geschwür) und rezidivierende Wundöffnung (wiederkehrende Wundöffnung) – mögliche Spätfolge tiefer Verbrennungen, Narbenzug, Transplantatinstabilität (Instabilität verpflanzter Haut) oder chronischer mechanischer Belastung; bedeutsam wegen Schmerzen, Infektionsrisiko und malignem Entartungsrisiko (Risiko für bösartige Umwandlung) [1, 12, LL1].
  • Pruritus (Juckreiz) nach Verbrennung – häufige und belastende Folge der Wundheilung und Narbenreifung; kann Schlaf, Lebensqualität und Rehabilitation erheblich beeinträchtigen [7, 8, LL1].
  • Wundheilungsstörung und Transplantatverlust – relevante Komplikation nach tiefen Verbrennungen und operativer Defektdeckung (Verschluss eines Gewebedefekts), insbesondere bei Infektion, Durchblutungsstörung, Ödem (Schwellung), Mangelernährung oder unzureichender Immobilisation (Ruhigstellung) [1, 5, LL1].

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) bis Herzstillstand – insbesondere bei Stromunfällen, Hochspannungsverletzungen, Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze), Hypoxie (Sauerstoffmangel), Schock oder schwerer systemischer Entzündungsreaktion; Hochspannungsverletzung ist dabei Ursache bzw. Begleitverletzung, nicht Folgeerkrankung [1, LL1-3].
  • Burn shock/Verbrennungsschock – hypovolämisch-distributive (durch Volumenmangel und Gefäßfehlverteilung bedingte) Schockform bei großflächigen Verbrennungen durch Kapillarleck, Plasmaverlust (Verlust von Blutflüssigkeit), inflammatorische Mediatorfreisetzung (Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen) und unzureichende Organperfusion (Organdurchblutung); kann Organversagen und Tod begünstigen [1, LL2].
  • Tiefe Venenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene) und Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) – thromboembolische (durch Blutgerinnsel verursachte) Komplikationen bei Immobilisation, Operationen, zentralvenösen Kathetern (Kathetern in großen Körpervenen), systemischer Entzündung, Intensivpflichtigkeit und großflächiger Verbrennung [13, LL4].

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Invasive Wundinfektion (in das Gewebe eindringende Wundinfektion) – zentrale Komplikation tiefer Verbrennungen durch Verlust der Hautbarriere, nekrotisches Gewebe (abgestorbenes Gewebe), Transplantatverlust, Katheter, Operationen und immundysregulierte Wirtsantwort (fehlgesteuerte Abwehrreaktion); klinisch relevant wegen Progression (Fortschreiten) zur Sepsis [1, 5, LL1, LL3].
  • Sepsis und septischer Schock (Kreislaufversagen durch Blutvergiftung) – lebensbedrohliche systemische Komplikationen schwerer Verbrennungen; besonders relevant bei invasiver Wundinfektion, Pneumonie, Katheterinfektion, Harnwegsinfektion, verzögerter Nekrosektomie (Entfernung abgestorbenen Gewebes) oder großflächiger tiefer Verbrennung [1, 5, LL1].
  • Multiresistente bakterielle Infektionen (Infektionen mit gegen mehrere Antibiotika unempfindlichen Bakterien) – relevante Komplikation bei langer intensivmedizinischer Behandlung, wiederholter Antibiotikatherapie und prolongierter Wundexposition (verlängerter Offenlage der Wunde); assoziiert mit schwierigerer Therapie und ungünstigerem Verlauf [5, LL1].

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Stressulkus/Curling-Ulkus (stressbedingtes Magengeschwür) mit gastrointestinaler Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) – mögliche Komplikation schwerer Verbrennungen, Schockzustände und prolongierter Intensivbehandlung; heute durch frühe enterale Ernährung (Ernährung über den Magen-Darm-Trakt) und Stressulkusprophylaxe (Vorbeugung eines Stressgeschwürs) seltener, aber klinisch relevant bei manifester Blutung (sichtbarer/klinisch erkennbarer Blutung) [1, LL1].
  • Darmmotilitätsstörung (Störung der Darmbewegung)/Ileus (Darmverschluss) – mögliche Komplikation schwerer Verbrennungskrankheit, Opioidtherapie (Behandlung mit starken Schmerzmitteln), Schock, Elektrolytstörungen, Sepsis und prolongierter Immobilisation [1, LL1].

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Heterotope Ossifikation (Knochenbildung im Weichteilgewebe) – seltene, aber funktionell relevante Komplikation schwerer Verbrennungen, besonders bei großflächiger Verbrennung, prolongierter Beatmung, Hauttransplantationen (Hautverpflanzungen) und Gelenkbeteiligung; führt zu Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Rehabilitationsverzögerung [11].
  • Narbenkontrakturen (narbige Verkürzungen) und Gelenksteifen – wichtige Langzeitfolgen tiefer Verbrennungen über Gelenken, nach verzögerter Wundheilung, unzureichender Lagerung, fehlender Schienung oder prolongierter Immobilisation; klinisch relevant durch Funktionsverlust und sekundäre rekonstruktive Eingriffe (spätere wiederherstellende Operationen) [1, 6, LL1].
  • Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe) – relevante Komplikation insbesondere bei Hochspannungsverletzungen, tiefen Muskelverbrennungen, Kompartmentsyndrom (Druckerhöhung in einer Muskelloge) oder prolongierter Ischämie (Minderdurchblutung); kann eine myoglobinurische akute Nierenschädigung (akute Nierenschädigung durch Muskelabbauprodukte) auslösen [1, 2, LL1-3].
  • Sarkopenie/Muskelatrophie (Muskelschwund) – Folge ausgedehnter Verbrennungen, Hypermetabolismus, Immobilisation und Intensivtherapie; bedeutsam für Rehabilitationsdauer, Gangbild, Selbstversorgung und berufliche Reintegration [1, LL1].

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Marjolin-Ulkus (bösartiger Hauttumor in chronischer Narbe), überwiegend Plattenepithelkarzinom (Hautkrebs aus Deckzellen) in chronischer Verbrennungsnarbe – seltene Spätkomplikation instabiler, chronisch ulzerierter oder schlecht heilender Verbrennungsnarben mit oft langer Latenz (Zeitverzögerung); systematische Daten zeigen überwiegend Plattenepithelkarzinome, aber auch Basalzellkarzinome (weißer Hautkrebs) und andere Hauttumoren [12].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörungen, depressive Störungen und Anpassungsstörungen – häufige psychische Folge schwerer Verbrennungen, insbesondere bei sichtbarer Entstellung, Schmerzen, Funktionsverlust, langer Hospitalisation (Krankenhausaufenthalt) und sozialer Reintegration [1, 10, LL1].
  • Delir (akuter Verwirrtheitszustand) – mögliche akute neuropsychiatrische (Nerven und Psyche betreffende) Komplikation bei intensivpflichtigen Verbrennungen, Sepsis, Schmerz, Sedierung (medikamentöse Beruhigung), Beatmung und Schlafentzug [1, LL1].
  • Neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) und chronische Schmerzen – relevante Langzeitfolgen tiefer Verbrennungen, Nervenbeteiligung, Narbenzug, Operationen und Stromverletzungen; bedeutsam für Schlaf, Rehabilitation und Lebensqualität [1, 7, 8, LL1].
  • Posttraumatische Belastungsstörung (psychische Folgestörung nach einem Trauma) – evidenzbasierte psychische Langzeitkomplikation nach Verbrennungen; das Risiko ist erhöht bei schwerem Verletzungserleben, Schmerzen, Intensivbehandlung, sichtbaren Narben, Funktionsverlust und prolongierter Rehabilitation [9, LL1].
  • Schlafstörungen – häufig im Zusammenhang mit Schmerzen, Pruritus, posttraumatischer Belastung, depressiver Symptomatik, Narbenbeschwerden und intensivmedizinischer Behandlung [7-10, LL1].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hypothermie (Unterkühlung) – relevante Frühkomplikation insbesondere bei großflächigen Verbrennungen, Verlust der Hautbarriere, kalter Umgebung, nasser Wundversorgung und operativer Exposition; ungünstig für Gerinnung, Kreislaufstabilität und Wundheilung [1, LL1].
  • Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) – schwerste systemische Komplikation der Verbrennungskrankheit, insbesondere nach Schock, Sepsis, akuter Nierenschädigung, akutem Atemnotsyndrom und inadäquater (unzureichender) oder übermäßiger Volumentherapie (Flüssigkeitsbehandlung) [1-5, LL1-2].
  • Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (allgemeine Entzündungsreaktion des Körpers) – frühe und typische systemische Entzündungsreaktion bei ausgedehnten Verbrennungen; kann in Verbrennungsschock, Sepsis und Multiorganversagen übergehen [1, 5, LL1-2].

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) – häufige und prognostisch relevante Komplikation intensivpflichtiger Verbrennungen; Risikofaktoren sind u. a. höheres Alter, größere verbrannte Körperoberfläche, Inhalationstrauma, Rhabdomyolyse, Sepsis, Operationen, Beatmung und Schock [2, LL1-2].
  • Dialysepflichtiges akutes Nierenversagen (akutes Nierenversagen mit Blutwäschepflicht) – schwere Verlaufsform der akuten Nierenschädigung bei Verbrennungen; metaanalytisch (in zusammenfassenden Studienanalysen) mit hoher Mortalität assoziiert [2, 3].
  • Chronische Nierenfunktionseinschränkung (dauerhafte Einschränkung der Nierenfunktion) nach akuter Nierenschädigung – mögliche Langzeitfolge schwerer Verbrennungen, insbesondere nach dialysepflichtigem Verlauf, Sepsis, Rhabdomyolyse oder prolongierter Intensivbehandlung [2, 3].

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Abdominelles Kompartmentsyndrom (Druckerhöhung im Bauchraum) – mögliche lebensbedrohliche Komplikation schwerer Verbrennungen, Kapillarleck, massiver Volumentherapie und intraabdomineller Druckerhöhung (Druckerhöhung im Bauchraum); relevant wegen respiratorischer, hämodynamischer (den Blutkreislauf betreffender) und renaler (die Nieren betreffender) Verschlechterung [1, LL2].
  • Extremitätenkompartmentsyndrom (Druckerhöhung in einer Gliedmaße) – mögliche Komplikation zirkulärer tiefer Verbrennungen, elektrischer Verletzungen, Ödemprogression (zunehmende Schwellung) oder Eschar-bedingter Perfusionsstörung (durch Verbrennungsschorf bedingter Durchblutungsstörung); kann unbehandelt Ischämie, Nervenschäden und Gewebsnekrose (Absterben von Gewebe) verursachen [1, LL1-3].
  • Inhalationstrauma – schwere Begleitverletzung bei Brand-/Rauchgasexposition (Rauchgasbelastung); prognostisch relevant durch Atemwegsödem, Bronchialschädigung (Schädigung der Bronchien), Pneumonie, Beatmungspflichtigkeit und erhöhtes Risiko für respiratorisches Versagen [1, 4, LL1-3].
  • Kohlenmonoxidintoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) und Zyanidintoxikation (Blausäurevergiftung) – toxische (giftige) Begleitkomplikationen bei Rauchgasexposition in geschlossenen Räumen; klinisch relevant durch Gewebehypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe), Bewusstseinsstörung, Lactatacidose (Übersäuerung durch Lactat), Kreislaufversagen und Tod [1, LL1-3].
  • Narbenruptur (Einreißen der Narbe), mechanische Wunddehiszenz (Auseinanderweichen der Wundränder) und sekundäre Weichteildefekte (nachträgliche Defekte des Weichgewebes) – mögliche Spätfolgen instabiler Verbrennungsnarben, starker Narbenspannung, chronischer Belastung oder Transplantatinstabilität [1, 12, LL1].

Weiteres

  • Dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität und Teilhabe – nicht vollständig über einzelne ICD-10-Diagnosen abbildbare Folge schwerer Verbrennungen; relevant durch Narben, Schmerzen, Pruritus, Funktionsverlust, psychische Komorbidität (zusätzliche psychische Begleiterkrankung), sichtbare Entstellung, berufliche Einschränkung und soziale Stigmatisierung [1, 6-10, LL1].
  • Rekonstruktionspflichtigkeit (Notwendigkeit wiederherstellender Eingriffe) – mögliche Langzeitfolge tiefer Verbrennungen mit hypertrophen Narben, Kontrakturen (Verkürzungen), instabilen Narben, funktioneller Einschränkung oder entstellender Narbenbildung; umfasst sekundäre Korrektureingriffe, Narbenlösung, Hauttransplantation, lokale Lappenplastiken (Gewebeverschiebungen) und funktionelle Rekonstruktionen (Wiederherstellungen) [1, 6, LL1].

Prognosefaktoren

  • Ausmaß der verbrannten Körperoberfläche – einer der wichtigsten Prognosefaktoren; relevant sind insbesondere großflächige Verbrennungen und der Anteil tiefdermaler bzw. vollschichtiger Verbrennungen [1, 2, LL1-3].
  • Alter und Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) – ungünstige Faktoren sind höheres Alter, kardiopulmonale Vorerkrankungen (Herz-Lungen-Vorerkrankungen), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), chronische Nierenerkrankung, Immunsuppression und Frailty (Gebrechlichkeit) [1, 2, LL1-3].
  • Inhalationstrauma – unabhängiger ungünstiger Prognosefaktor mit erhöhtem Risiko für Atemwegsobstruktion, Pneumonie, akutes Atemnotsyndrom, Beatmungspflichtigkeit und Mortalität [4, LL1-3].
  • Schock, Lactatacidose und inadäquate Organperfusion – ungünstige Frühzeichen bei schwerer Verbrennungskrankheit; sowohl Unterresuscitation (unzureichende Flüssigkeits-/Wiederbelebungsbehandlung) als auch Überresuscitation können Organversagen, Kompartmentsyndrome und Mortalität fördern [1, LL2].
  • Akute Nierenschädigung und Dialysepflichtigkeit (Notwendigkeit der Blutwäsche) – starke negative Prognosemarker bei intensivpflichtigen Verbrennungen; metaanalytisch mit hoher Mortalität assoziiert [2, 3].
  • Sepsis, invasive Wundinfektion und multiresistente Erreger – wesentliche Determinanten (Einflussfaktoren) von Morbidität (Krankheitslast), Multiorganversagen, Behandlungsdauer und Mortalität [1, 5, LL1].
  • Elektrische Verletzung/Hochspannungsverletzung – prognostisch ungünstig durch mögliche tiefe Muskelnekrosen (Absterben von Muskelgewebe), Arrhythmien, Rhabdomyolyse, Kompartmentsyndrom und akute Nierenschädigung; die Exposition (Einwirkung) selbst ist jedoch Ursache bzw. Begleitverletzung, nicht Folgeerkrankung [1, 2, LL1-3].
  • Lokalisation (Lage) – Verbrennungen von Gesicht, Hals, Händen, Füßen, Genitalregion, Perineum (Dammbereich) und über großen Gelenken sind prognostisch ungünstiger bezüglich Funktion, Rekonstruktionsbedarf, Narbenkontrakturen und Teilhabe [1, LL1, LL3].
  • Zeit bis zur adäquaten chirurgischen Versorgung und Wunddeckung – verzögerte Nekrosektomie, verzögerte Defektdeckung oder Transplantatverlust erhöhen das Risiko für Infektion, Narbenbildung, Kontrakturen und prolongierte Rehabilitation [1, 5, LL1].
  • Psychische Belastung und soziale Reintegration – posttraumatische Belastung, Depression (depressive Störung), Schmerzen, Pruritus, sichtbare Narben und Funktionsverlust beeinflussen Lebensqualität, Adhärenz (Therapietreue), Rehabilitation und Langzeitprognose [7-10, LL1].

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