Polymorphe Lichtdermatose – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Linderung von Entzündung und Pruritus (Juckreiz) sowie Vermeidung erneuter lichtinduzierter Hautveränderungen. Grundlage ist die konsequente Photoprotektion (Lichtschutz); eine medikamentöse Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Verlauf.

Therapieempfehlungen

  • Basismaßnahmen: Breitbandsonnenschutz mit hohem UVA-Schutz und UVB-Lichtschutzfaktor 50+, schützende Kleidung sowie Anpassung der Exposition. Intensive Sonnenexposition, insbesondere nach längeren lichtarmen Phasen, vermeiden. Sonnenschutzmittel ergänzen die Expositionsbegrenzung und den textilen Lichtschutz [5].
  • Akuter Schub: UV-Exposition unterbrechen; entzündliche Läsionen (Hautveränderungen) kurzzeitig mit topischen Glukokortikoiden behandeln. Ein H1-Antihistaminikum kann bei belastendem Juckreiz ergänzend eingesetzt werden; die Wirkung ist variabel, eine Prävention der Hautveränderungen ist nicht belegt [5].
  • Schwerer akuter Schub: Nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung kurzzeitige orale Prednisolontherapie. Die Evidenz stammt aus einer kleinen randomisierten Studie. Keine Langzeitbehandlung und keine routinemäßige medikamentöse Urlaubsprophylaxe [1, FI4].
  • Schwere rezidivierende (wiederkehrende) Erkrankung trotz Photoprotektion: Dermatologisch kontrolliertes Photohardening, bevorzugt mit Schmalband-UVB bei 311 nm, typischerweise zwei- bis dreimal wöchentlich über etwa vier bis sechs Wochen vor der sonnenreichen Jahreszeit. Bestrahlungsdosis und Steigerung individuell festlegen; keine eigenständige Vorbräunung im Solarium. Die Empfehlung betrifft die prophylaktische Lichtgewöhnung, nicht die Bestrahlung eines unbehandelten akuten Schubs. Eine PUVA-Therapie kommt nur bei begründeter fachärztlicher Indikation als Alternative infrage [LL1, LL2].
  • Reserveoption: Hydroxychloroquin als Off-Label-Use, wenn Photoprotektion und Photohardening nicht ausreichen oder Photohardening nicht möglich ist. Eine ältere kontrollierte Studie zeigt einen mäßigen Nutzen; die Evidenz ist begrenzt. Bei fehlendem klinischem Nutzen absetzen [2, FI5].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Bei Kindern sowie in Schwangerschaft und Stillzeit sind Indikation, Präparatewahl und Dosierung individuell zu prüfen.

Topische Glukokortikoide

Wirkstoff Besonderheiten
Hydrocortison Schwach wirksam; für leichte entzündliche Läsionen. Im Gesicht nur kurzzeitig, nicht am Auge anwenden. Präparatespezifische Anwendungsbeschränkungen beachten [FI1].
Mometasonfuroat Für ausgeprägtere Läsionen an Rumpf und Extremitäten; für diese Therapie keine Anwendung im Gesicht oder in Intertrigines (Hautfalten). Anwendung bei polymorpher Lichtdermatose (PLD) bei Mometasonfuroat Glenmark als Off-Label-Use; die Zulassung umfasst atopische Dermatitis (Neurodermitis) und Psoriasis (Schuppenflechte) [FI2].
  • Wirkweise: Lokale antiinflammatorische (entzündungshemmende) und immunsuppressive (die Immunabwehr dämpfende) Wirkung.
  • Indikation: Kurzzeitige Behandlung entzündlicher Läsionen im akuten Schub.
  • Kontraindikationen (Gegenanzeigen): Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder Bestandteile; unbehandelte Hautinfektionen im Behandlungsgebiet. Weitere präparatespezifische Ausschlüsse, insbesondere Rosazea (chronische Hauterkrankung mit Gesichtsrötung) und periorale Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um den Mund), beachten. Hydrocortison-ratiopharm 0,5 % Creme ist im ersten Trimenon (ersten Drittel der Schwangerschaft) kontraindiziert; bei Kindern unter sechs Jahren nur auf ärztliche Verordnung anwenden [FI1, FI2].
  • Nebenwirkungen: Brennen, Reizung und Kontaktallergie (allergische Hautreaktion nach Berührung); bei längerer oder großflächiger Anwendung Hautatrophie (Dünnerwerden der Haut), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße), Striae (Dehnungsstreifen) und mögliche systemische Effekte. Okklusion und unnötig lange Anwendung vermeiden [FI1, FI2].

H1-Antihistaminika

Wirkstoff Besonderheiten
Cetirizin Optional zur Juckreizlinderung; Anwendung bei PLD als Off-Label-Use. Keine belegte vorbeugende Wirkung gegen PLD-Läsionen. Nierenfunktion und mögliche Sedierung (Müdigkeit und Benommenheit) berücksichtigen [FI3].
  • Wirkweise: Blockade von Histamin-H1-Rezeptoren.
  • Indikation: Ergänzende symptomatische Behandlung belastenden Pruritus; Nutzen individuell beurteilen.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Cetirizin, Hydroxyzin, Piperazinderivate oder Bestandteile; terminale Niereninsuffizienz (schwerste Einschränkung der Nierenfunktion) mit eGFR < 15 ml/min [FI3].
  • Nebenwirkungen: Somnolenz (Schläfrigkeit), Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Mundtrockenheit; selten Überempfindlichkeitsreaktionen. Vorsicht bei Alkohol und anderen zentral dämpfenden Substanzen [FI3].

Systemische Glukokortikoide

Wirkstoff Besonderheiten
Prednisolon Kurzzeitige Option bei schwerem akutem Schub; untersuchtes Schema aus einer kleinen randomisierten Studie. Keine Langzeittherapie oder routinemäßige Urlaubsprophylaxe [1, FI4].
  • Wirkweise: Systemische antiinflammatorische und immunsuppressive Wirkung.
  • Indikation: Ausgeprägter akuter Schub mit erheblicher Beeinträchtigung und unzureichender lokaler Behandlung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Prednisolon oder Bestandteile. Infektionen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und psychiatrische Vorerkrankungen erfordern besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung; weitere relative Gegenanzeigen gemäß Fachinformation berücksichtigen.
  • Nebenwirkungen: Auch kurzfristig Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Blutdruckanstieg und gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden); erhöhtes Infektionsrisiko. Wiederholte Behandlungszyklen kritisch prüfen [FI4].

Hydroxychloroquin – Reservebehandlung

Wirkstoff Besonderheiten
Hydroxychloroquin Off-Label-Use. Mehrere Wochen vor erwarteter UV-Exposition beginnen; gegebenenfalls saisonal einsetzen. Bei fehlendem Nutzen absetzen. Augenärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn und während der Behandlung gemäß Fachinformation, beim genannten Präparat alle drei Monate; weitere Kontrollen risikoangepasst. Blutbild, Leber- und Nierenfunktion sowie QT-relevante Interaktionen prüfen [2, FI5, LL3].
  • Wirkweise: Immunmodulation (Beeinflussung der Immunabwehr), unter anderem durch Beeinflussung lysosomaler Prozesse und entzündlicher Signalwege.
  • Indikation: Ausgewählte schwere rezidivierende Fälle nach Ausschöpfung der Photoprotektion und bei unzureichendem oder nicht möglichem Photohardening; begrenzte Evidenz.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Hydroxychloroquin, 4-Aminochinoline oder Bestandteile; Myasthenia gravis (Erkrankung mit belastungsabhängiger Muskelschwäche), vorbestehende Makulopathie (Erkrankung des Bereichs des schärfsten Sehens) und Retinitis pigmentosa (erblich bedingte Netzhauterkrankung). Die 200-mg-Tabletten sind bei einem Körpergewicht unter 35 kg ungeeignet. QT-Verlängerung (Verlängerung eines Zeitabschnitts der elektrischen Herzerregung), kardiale Erkrankungen (Herzerkrankungen) und relevante Begleitmedikation sorgfältig prüfen [FI5].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden und Hautreaktionen; Retinopathie (Netzhautschädigung), QT-Verlängerung und selten Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung), Hypoglykämie (Unterzuckerung) oder Blutbildveränderungen. Das Retinopathierisiko hängt unter anderem von Dosis, Behandlungsdauer und Nierenfunktion ab [FI5, LL3].

Beachte

Bei atypischen oder persistierenden Befunden Differenzialdiagnosen (andere mögliche Erkrankungen) wie kutanen Lupus erythematodes (Hautform einer Autoimmunerkrankung), phototoxische (durch Licht ausgelöste hautschädigende) und photoallergische Reaktionen (durch Licht ausgelöste allergische Hautreaktionen) überprüfen. Rasch nach Lichtexposition auftretende Quaddeln (erhabene Hautschwellungen) sprechen für eine solare Urtikaria (lichtbedingte Nesselsucht) und erfordern eine andere diagnostische und therapeutische Einordnung [5].

Beta-Carotin, Nicotinamid, Folsäure und Leukotrienantagonisten werden mangels belastbarer krankheitsspezifischer Wirksamkeitsnachweise nicht als Routinebehandlung empfohlen. Eine allgemeine photoprotektive Wirkung oder Ergebnisse aus kleinen unkontrollierten Studien belegen keine zuverlässige PLD-Prophylaxe [5].

Omalizumab ist bei PLD lediglich kasuistisch beschrieben und kein Standardverfahren. Ein kleiner Versuch mit einem E.-coli-Filtrat bei neun Patienten und Surrogatendpunkten begründet keine etablierte klinische Wirksamkeit. Systemische Immunsuppressiva gehören nicht zur regulären PLD-Therapie [3, 4, 5].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • CoQ10: Coenzym Q10
  • DHA: Docosahexaensäure
  • eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate; Maß für die Filterleistung der Nieren
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • GLA: Gamma-Linolensäure
  • H1: Histamin-Rezeptor vom Typ 1
  • PLD: polymorphe Lichtdermatose
  • PUVA: Psoralen plus UVA; Kombination eines lichtsensibilisierenden Wirkstoffs mit UVA-Bestrahlung
  • QT: Zeitintervall im Elektrokardiogramm für die elektrische Erregung und Erregungsrückbildung der Herzkammern
  • UV: ultraviolette Strahlung
  • UVA: langwelliger Anteil der ultravioletten Strahlung
  • UVB: kurzwelliger Anteil der ultravioletten Strahlung

Literatur

  1. Patel DC et al.: Efficacy of short-course oral prednisolone in polymorphic light eruption: a randomized controlled trial. Br J Dermatol. 2000;143:828-831. doi:10.1046/j.1365-2133.2000.03840.x
  2. Murphy GM et al.: Hydroxychloroquine in polymorphic light eruption: a controlled trial with drug and visual sensitivity monitoring. Br J Dermatol. 1987;116:379-386. doi:10.1111/j.1365-2133.1987.tb05852.x
  3. Orbea Sopeña A et al.: Polymorphous light eruption treated with omalizumab. Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2023;39:85-86. doi:10.1111/phpp.12814
  4. Przybilla B et al.: Preventive effect of an E. coli-filtrate (Colibiogen) in polymorphous light eruption. Br J Dermatol. 1989;121:229-233. doi:10.1111/j.1365-2133.1989.tb01803.x
  5. Lembo S, Raimondo A: Polymorphic Light Eruption: What's New in Pathogenesis and Management. Front Med. 2018;5:252. doi:10.3389/fmed.2018.00252

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie. (AWMF-Registernummer: 013-029), Januar 2026, Version 5.0. Langfassung [LL1]
  2. Goulden V et al.: British Association of Dermatologists and British Photodermatology Group guidelines for narrowband ultraviolet B phototherapy 2022. Br J Dermatol. 2022;187:295-308. doi:10.1111/bjd.21669 [LL2]
  3. Marmor MF et al.: Special AAO Report: Recommendations on Screening for Hydroxychloroquine Retinopathy (2025 Revision). Ophthalmology. 2026;133:439-450. doi:10.1016/j.ophtha.2025.11.001 [LL3]

Produktinformationen

  1. ratiopharm GmbH: Hydrocortison-ratiopharm 0,5 % Creme. Stand: März 2021. Fachinformation [FI1]
  2. Glenmark: Mometasonfuroat Glenmark 1 mg/g Creme. Stand: Februar 2023. Fachinformation [FI2]
  3. HEUMANN: Cetirizin HEUMANN 10 mg Filmtabletten. Stand: April 2023. Fachinformation [FI3]
  4. mibe GmbH Arzneimittel/acis: Prednisolon acis Tabletten. Stand: Januar 2026. Fachinformation [FI4]
  5. ratiopharm GmbH: Hydroxychloroquin-ratiopharm 200 mg Filmtabletten. Stand: November 2025. Fachinformation [FI5]