Offene Wunde – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch offene Wunden mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Atelektase (Minderbelüftung von Lungenabschnitten) – Minderbelüftung von Lungenabschnitten bei thorakalen Verletzungen, schmerzbedingter Schonatmung oder Sekretverhalt [LL5]
- Akute respiratorische Insuffizienz (akute Atemschwäche) – bei schweren Thoraxverletzungen (Brustkorbverletzungen), Spannungspneumothorax (lebensbedrohliche Luftansammlung im Brustfellraum), Hämatothorax (Blutansammlung im Brustfellraum) oder kombiniertem Polytrauma (Mehrfachverletzung) möglich [LL5]
- Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Einatmen von Mageninhalt oder Fremdmaterial) – bei Bewusstseinsstörung, Schädel-Hirn-Trauma (Verletzung von Schädel und Gehirn), Erbrechen oder Notfallintubation (notfallmäßige Einführung eines Beatmungsschlauchs) im Rahmen schwerer offener Verletzungen möglich [LL5]
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Akute posthämorrhagische Anämie (akute Blutarmut nach Blutverlust) – durch relevante Blutverluste bei Gefäß-, Organ- oder Weichteilverletzungen [LL5, LL6]
- Gerinnungsstörung (Störung der Blutgerinnung) nach schwerem Trauma (Verletzung) – traumainduzierte Koagulopathie (verletzungsbedingte Gerinnungsstörung) mit erhöhter Blutungsneigung, insbesondere bei Hypothermie (Unterkühlung), Azidose (Übersäuerung des Blutes), Schock (Kreislaufversagen) und Massivtransfusion (Übertragung großer Blutmengen) [LL5, LL6]
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Chronische Wunde (lang bestehende Wunde) – Persistenz (Fortbestehen) der offenen Wunde bei gestörter Heilung, typischerweise durch Infektion (Entzündung durch Erreger), Gewebeischämie (Minderdurchblutung des Gewebes), Druckbelastung, venöse Stauung (Blutstau in den Venen), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Mangelernährung, Fremdkörper oder fortgesetzte mechanische Belastung [1, LL1-LL4]
- Dekubitalulkus (Druckgeschwür) – Druckgeschwür als Folge länger bestehender Gewebedruckbelastung, Immobilität (eingeschränkte Beweglichkeit), Feuchtigkeit und eingeschränkter Gewebeperfusion (Gewebedurchblutung) [LL3]
- Hypertrophe Narbe (überschießende Narbe) – überschießende, auf das ursprüngliche Wundgebiet begrenzte Narbenbildung nach gestörter dermaler Reparatur (Hautreparatur) [3]
- Keloid (wuchernde Narbe) – überschießende Narbenbildung mit Wachstum über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus [3]
- Mazeration (Aufweichung) der Wundumgebung – Aufweichung der periwundalen Haut (Haut um die Wunde) durch Exsudat (Wundflüssigkeit), Okklusion (luftdichter Abschluss) oder inadäquates Exsudatmanagement (unzureichende Behandlung von Wundflüssigkeit) mit Risiko für Wundrandverschlechterung [LL1]
- Ulcus cruris arteriosum (arteriell bedingtes Unterschenkelgeschwür) – chronische offene Wunde bei relevanter peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Arterien) und Gewebeischämie [LL4]
- Ulcus cruris venosum (venös bedingtes Unterschenkelgeschwür) – chronische offene Wunde bei chronischer venöser Insuffizienz (dauerhafter Venenschwäche), venöser Hypertension (erhöhtem Venendruck) und Haut-/Unterhautveränderungen [1]
- Wundheilungsstörung (gestörte Wundheilung) – verzögerte oder insuffiziente Wundheilung durch lokale Faktoren wie Infektion, Nekrose (Gewebeuntergang), Biofilm (Bakterienbelag), Fremdkörper, Hämatom (Bluterguss), Serom (Flüssigkeitsansammlung), Spannung oder systemische Faktoren wie Diabetes mellitus, Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), Proteinmangel (Eiweißmangel) und Mikronährstoffmangel [1, 2, LL1]
- Wundrandnekrose (Gewebeuntergang am Wundrand) – lokaler Gewebeuntergang durch Ischämie (Minderdurchblutung), Spannung, Infektion, Quetschung oder Druckbelastung [LL1, LL4]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Hämorrhagischer Schock (Kreislaufversagen durch Blutverlust) – Kreislaufversagen infolge akuten Blutverlustes bei großen Weichteil-, Gefäß-, Thorax-, Abdomen- oder Beckenverletzungen [LL5, LL6]
- Periphere Gefäßverletzung (Verletzung eines Blutgefäßes außerhalb des Körperstamms) – arterielle oder venöse Läsion (Schädigung) mit Blutung, Ischämie, Hämatom, Pseudoaneurysma (falsche Gefäßaussackung) oder arteriovenöser Fistel (Kurzschlussverbindung zwischen Arterie und Vene) [LL5, LL6]
- Thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) – venöse Thromboembolie (Venenverschluss durch Blutgerinnsel) nach schwerem Trauma, Immobilisation, Operation oder entzündlicher Aktivierung möglich [LL5]
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Abszess (Eiteransammlung) – lokalisierte eitrige Infektion nach bakterieller Kontamination (Verunreinigung mit Bakterien), Fremdkörperpersistenz (Verbleib eines Fremdkörpers) oder unzureichender Drainage (Ableitung von Flüssigkeit) [LL1]
- Erysipel (Wundrose) – akute bakterielle Infektion der Haut und Lymphspalten (Lymphbahnen), meist durch Streptokokken (bestimmte Bakterien), begünstigt durch eine offene Wunde als Eintrittspforte [LL1]
- Gasbrand (Gasgangrän) – clostridiale Myonekrose (bakteriell bedingter Muskeluntergang), insbesondere bei tiefen, verschmutzten, nekrotischen oder schlecht oxygenierten Wunden [LL1]
- Lymphangitis (Entzündung der Lymphbahnen) – entzündliche Ausbreitung entlang der Lymphbahnen bei bakterieller Wundinfektion [LL1]
- Nekrotisierende Fasziitis (schwere Weichteilinfektion mit Gewebezerfall) – rasch progrediente, potenziell lebensbedrohliche Weichteilinfektion mit Fasziennekrose (Untergang der Muskelhülle), starken Schmerzen und systemischer Toxizität (Vergiftungserscheinungen des ganzen Körpers) [LL1]
- Sepsis (Blutvergiftung) – lebensbedrohliche Organdysfunktion (Organfunktionsstörung) durch dysregulierte Wirtsantwort (fehlgesteuerte Abwehrreaktion des Körpers) auf eine Wundinfektion [LL1]
- Tetanus (Wundstarrkrampf) – durch Clostridium tetani ausgelöste Neurotoxin-Erkrankung (Nervengift-Erkrankung) nach kontaminierten, tiefen, nekrotischen oder fremdkörperhaltigen Wunden bei fehlendem oder unzureichendem Impfschutz [LL7]
- Wundinfektion (Wundentzündung durch Erreger) – lokale, ausbreitende oder systemische Infektion einer offenen Wunde; das Risiko steigt bei hoher bakterieller Kontamination, devitalem Gewebe (abgestorbenem Gewebe), Fremdkörpern, Bissverletzungen, Quetschverletzungen, Ischämie, Diabetes mellitus und Immunsuppression [2, LL1, LL2]
- Zellulitis (diffuse Haut- und Weichteilentzündung) – diffuse bakterielle Weichteilinfektion im Bereich der Wunde oder Wundumgebung [LL1]
Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Darmperforation (Darmdurchbruch) – bei penetrierenden abdominellen Verletzungen (eindringenden Bauchverletzungen) mit Risiko für Peritonitis (Bauchfellentzündung), intraabdominelle Abszesse (Eiteransammlungen im Bauchraum) und Sepsis [LL6]
- Intraabdomineller Abszess (Eiteransammlung im Bauchraum) – abgekapselte Infektion nach penetrierender Bauchverletzung, Hohlorganverletzung (Verletzung eines Hohlorgans) oder kontaminierter Operations-/Traumawunde [LL6]
- Peritonitis – Entzündung des Bauchfells bei Hohlorganperforation (Durchbruch eines Hohlorgans), Darmverletzung oder intraabdomineller Kontamination (Verunreinigung im Bauchraum) [LL6]
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Arthritis, septisch (bakterielle Gelenkentzündung) – bakterielle Gelenkinfektion bei Gelenkeröffnung, Bissverletzung, Fremdkörper oder hämatogener Streuung (Ausbreitung über das Blut) aus einer Wundinfektion [LL1, LL2]
- Kontraktur (dauerhafte Bewegungseinschränkung) – funktionelle Bewegungseinschränkung durch Narbenzug, Gewebedefekt, Schmerz, Immobilisation oder Beteiligung von Sehnen und Gelenken [3]
- Osteomyelitis (Knochenentzündung) – Knocheninfektion nach tiefen Wunden, offenen Frakturen, Bissverletzungen, diabetischem Fußulkus (Fußgeschwür bei Zuckerkrankheit) oder chronischer Wundinfektion [LL1, LL2]
- Sehnenadhäsion (Sehnenverklebung) – Verklebung von Sehnen nach offener Verletzung, Operation, Infektion oder unzureichender Mobilisation
- Sehnenruptur (Sehnenriss) oder Sehnendefekt (Sehnenschaden) – direkte Durchtrennung oder sekundäre Schädigung bei Infektion, Nekrose oder mechanischer Belastung
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Marjolin-Ulkus (bösartig entartetes chronisches Geschwür) – maligne Transformation (bösartige Umwandlung) einer chronischen Wunde, Narbe oder Fistel (krankhafte Verbindung), meist als Plattenepithelkarzinom (Hautkrebs aus Deckzellen); bei nicht heilenden, rezidivierend blutenden, verhärteten oder randständig proliferierenden Wunden ist eine Biopsie (Gewebeprobe) erforderlich [4]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Chronischer neuropathischer Schmerz (dauerhafter Nervenschmerz) – nach Nervenläsion (Nervenschädigung), Narbeneinklemmung, Amputation (Abtrennung eines Körperteils), Infektion oder Kompartmentsyndrom (Druckanstieg in einer Muskelloge) möglich
- Periphere Nervenläsion (Schädigung eines äußeren Nervs) – sensible, motorische oder gemischte Ausfälle nach Schnitt-, Stich-, Schuss-, Quetsch- oder Bissverletzung
- Posttraumatische Belastungsstörung (psychische Folgestörung nach belastendem Ereignis) – psychische Folgestörung nach schwerer, entstellender, lebensbedrohlicher oder gewaltassoziierter Verletzung
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Blutung – akut, verzögert oder sekundär bei Gefäßläsion, Gerinnungsstörung, Infektion, Wundrandarrosion (Anfressen des Wundrandes) oder insuffizienter Hämostase (unzureichender Blutstillung)
- Dysphagie (Schluckstörung) * – bei offenen Halsverletzungen mit Beteiligung von Pharynx (Rachen), Ösophagus (Speiseröhre), Larynx (Kehlkopf), Nerven oder Weichteilen [LL5]
- Dysphonie (Stimmstörung) * – bei Verletzungen des Larynx, der Stimmlippen, des Nervus laryngeus recurrens (Stimmbandnerv) oder der Halsweichteile [LL5]
- Dyspnoe (Atemnot) * – bei Atemwegsverletzung, Hämatom, Ödem (Schwellung), Pneumothorax (Luftansammlung im Brustfellraum), Hämatothorax oder Spannungspneumothorax [LL5]
- Fieber – möglich bei lokaler Wundinfektion, tiefer Weichteilinfektion, Abszess, Osteomyelitis oder Sepsis [LL1]
- Hämoptyse (Bluthusten) * – bei Verletzung von Trachea (Luftröhre), Bronchien (Atemwegsästen), Lungenparenchym (Lungengewebe) oder thorakalen Gefäßen (Brustkorbgefäßen) [LL5]
- Schmerz, akut oder chronisch – abhängig von Wundtiefe, Gewebedestruktion (Gewebezerstörung), Infektion, Ischämie, Nervenbeteiligung und Narbenzug
- Schock – bei schwerer Blutung, Sepsis, Spannungspneumothorax, Herz-/Gefäßverletzung oder Polytrauma [LL5, LL6]
Urogenitalsystem (N00-N99)
- Harnblasenverletzung – bei penetrierenden Becken-/Unterbauchverletzungen oder offenen Beckenverletzungen möglich [LL6]
- Urethraverletzung (Harnröhrenverletzung) – bei perinealen (den Dammbereich betreffenden), genitalen oder Beckenverletzungen möglich [LL6]
- Urogenitale Fistel (krankhafte Verbindung im Harn- und Geschlechtssystem) – Spätfolge komplexer penetrierender Verletzungen, Infektion, Gewebsnekrose oder rekonstruktiver Operationen
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Begleitverletzungen von Muskeln, Gefäßen, Nerven, Sehnen, Knochen oder Organen – abhängig von Wundmechanismus, Wundtiefe, Lokalisation und Energieeinwirkung [LL5, LL6]
- Fremdkörpereinsprengung – z. B. Glas-, Holz-, Metall-, Stein-, Textil-, Zahn- oder Projektilfragmente mit Risiko für Infektion, chronische Entzündung, Granulombildung (Knötchenbildung durch Entzündung) und verzögerte Wundheilung [LL1]
- Hämatom – Blutansammlung durch primäre oder sekundäre Nachblutung; kann Wundheilung verzögern und Infektionen begünstigen
- Hämatothorax * – Blutansammlung im Pleuraspalt (Brustfellraum) nach penetrierender oder schwerer thorakaler Verletzung [LL5]
- Intraperitoneale Läsion (Schädigung innerhalb der Bauchhöhle) – bei penetrierenden Bauchverletzungen möglich; abdominelle Stichverletzungen durchdringen nicht regelhaft die Peritonealgrenze (Bauchfellgrenze), Schussverletzungen dagegen häufig mit hohem Risiko für Organverletzungen [LL6]
- Kompartmentsyndrom – druckbedingte Minderperfusion (Minderdurchblutung) innerhalb einer Muskelloge, insbesondere nach Quetschverletzungen, Gefäßverletzungen, Frakturen (Knochenbrüchen), Reperfusion (Wiederherstellung der Durchblutung) oder engen Verbänden
- Offene Fraktur (offener Knochenbruch) – Knochenbruch mit Verbindung zur Außenwelt; erhöhtes Risiko für Kontamination, Osteomyelitis, Weichteildefekt (Verlust oder Schädigung von Weichgewebe) und Heilungsstörung [LL1]
- Organverletzung – bei penetrierenden Thorax-, Abdomen-, Becken-, Kopf- oder Halsverletzungen möglich [LL5, LL6]
- Pneumothorax * – Luftansammlung im Pleuraspalt nach penetrierender Thoraxverletzung oder Rippen-/Lungenverletzung [LL5]
- Schädel-Hirn-Trauma – bei offenen Kopfverletzungen, Schussverletzungen, Sturz- oder Unfallmechanismus möglich
- Spannungspneumothorax * – lebensbedrohliche Druckzunahme im Pleuraspalt mit Mediastinalverlagerung (Verlagerung des Mittelfellraums) und Kreislaufdekompensation (Kreislaufentgleisung) [LL5]
- Wunddehiszenz/Wundruptur (Wiederaufgehen der Wunde) – Wiedereröffnung einer Wunde durch Infektion, Hämatom, Serom, Gewebespannung, Husten, Erbrechen, Niesen, mechanische Belastung, Mangelernährung oder unzureichende Ruhigstellung [LL1]
- Weichteildefekt – Verlust von Haut, Unterhaut, Faszie (Muskelhülle), Muskel oder Sehnengewebe mit Bedarf an Débridement (Wundreinigung durch Entfernen abgestorbenen Gewebes), plastischer Deckung (operative Gewebedeckung) oder sekundärer Wundheilung
Weiteres
- Biofilm – strukturierte mikrobielle Gemeinschaft (Bakteriengemeinschaft) in chronischen oder schwer heilenden Wunden; klinisch relevant durch Persistenz der Entzündung, verzögerte Heilung und reduzierte Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Maßnahmen [2, 5, LL1]
- Geruchsbildung – häufig bei hoher bakterieller Last, Nekrose, Exsudatstau (Stau von Wundflüssigkeit) oder anaerober Besiedlung (Besiedlung durch Bakterien ohne Sauerstoffbedarf)
- Nekrose – devitales Gewebe als Heilungshindernis und Infektionsreservoir [LL1]
- Serom – Flüssigkeitsansammlung im Wundgebiet mit Risiko für Spannung, Wundheilungsverzögerung und sekundäre Infektion
- Wundexsudation, exzessiv (starke Wundflüssigkeitsabsonderung) – vermehrte Flüssigkeitsabsonderung mit Risiko für Mazeration, Verbandleckage (Austreten von Flüssigkeit aus dem Verband), Geruchsbildung und Hautschäden der Wundumgebung [LL1]
* Insbesondere nach Schuss-, Stich- und penetrierenden Verletzungen im Thorax- und Halsbereich.
Prognosefaktoren
- Alter, Frailty (Gebrechlichkeit) und Multimorbidität (Mehrfacherkrankung) – verschlechtern Wundheilung, Mobilität, Infektionsabwehr und Rekonstruktionsfähigkeit
- Durchblutungssituation – periphere arterielle Verschlusskrankheit, venöse Hypertension, Mikroangiopathie (Schädigung kleiner Blutgefäße) und lokale Gewebeischämie sind zentrale Risikofaktoren für verzögerte Heilung und Chronifizierung [LL3, LL4]
- Diabetes mellitus und Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) – erhöhen das Risiko für Infektion, Neuropathie (Nervenschädigung), Ischämie, diabetisches Fußulkus und Amputation [LL2]
- Wundmechanismus – Quetsch-, Biss-, Schuss-, Stich-, Explosions- und kontaminierte Verletzungen haben ein höheres Risiko für tiefe Infektion, Fremdkörper, Gewebsnekrose und Begleitverletzungen [LL2, LL5, LL6]
- Wundlokalisation und Wundtiefe – Wunden an Fuß, Unterschenkel, Hand, Gesicht, Hals, Thorax, Abdomen, Perineum (Dammregion) und über Gelenken sind prognostisch besonders relevant
- Bakterielle Last, Biofilm und Nekrose – begünstigen Persistenz der Entzündung, verzögerte Granulation (Bildung von Wundheilungsgewebe) und Chronifizierung [2, 5, LL1]
- Fremdkörper und devitales Gewebe – erhöhen das Risiko für Infektion, Abszess, Fistelbildung und Wundheilungsstörung [LL1]
- Ernährungsstatus – Proteinmangel, Mangelernährung und relevante Mikronährstoffdefizite verschlechtern die Kollagensynthese (Bildung von Bindegewebseiweiß), Immunfunktion und Gewebereparatur
- Immunsuppression – z. B. Glukokortikoidtherapie (Kortisonbehandlung), Chemotherapie (Krebsmedikamentenbehandlung), maligne Erkrankung (bösartige Erkrankung) oder immunsuppressive Therapie (Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems); erhöht Risiko für Infektion und atypische Wundverläufe
- Rauchen – verschlechtert Gewebeoxygenierung (Sauerstoffversorgung des Gewebes), Mikrozirkulation (Durchblutung kleinster Blutgefäße) und Wundheilung
- Adhärenz (Therapietreue) und Wundentlastung – unzureichende Druckentlastung, Ruhigstellung, Kompression (Druckbehandlung), Verbandwechsel oder Nachsorge erhöhen Chronifizierungs- und Rezidivrisiko (Rückfallrisiko) [LL2-LL4]
- Tetanus-Impfstatus – unzureichender Impfschutz erhöht bei tetanusgefährdeten Wunden das Risiko für Tetanus [LL7]
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