Offene Wunde – Differentialdiagnosen

Offene Wunde bezeichnet einen klinischen Befund (feststellbare Auffälligkeit) mit Unterbrechung der Haut- oder Schleimhautintegrität (Unversehrtheit der Haut oder Schleimhaut). Differenzialdiagnostisch muss zwischen akuter traumatischer Wunde (verletzungsbedingter Wunde), infizierter Wunde (entzündeter Wunde), chronischer schwer heilender Wunde (lang bestehender schlecht heilender Wunde), vaskulärem Ulkus (gefäßbedingtem Geschwür), neuropathischem Ulkus (nervenbedingtem Geschwür), Druckulkus (Druckgeschwür), inflammatorischer/autoimmuner Wunde (entzündlicher/durch Abwehrreaktion gegen den eigenen Körper bedingter Wunde), iatrogener Wunde (durch medizinische Maßnahmen verursachter Wunde) und malignitätsassoziierter Ulzeration (mit Krebs verbundener Geschwürbildung) unterschieden werden.

Akut gefährliche Differenzialdiagnosen

  • Nekrotisierende Fasziitis (schwere bakterielle Weichteilentzündung) – rasch progrediente Weichteilinfektion (fortschreitende Infektion des weichen Gewebes) mit starken Schmerzen, systemischer Toxizität (Vergiftung des ganzen Körpers) und Nekrosen (Gewebeuntergang); chirurgischer Notfall
  • Kritische Extremitätenischämie (schwere Durchblutungsstörung von Armen oder Beinen) – schwere arterielle Minderperfusion (verminderte arterielle Durchblutung) mit Ruheschmerz, Nekrosen oder nicht heilendem Ulkus; vaskulärer Notfall
  • Infiziertes diabetisches Fußulkus (entzündetes Fußgeschwür bei Zuckerkrankheit) mit möglicher Osteomyelitis (Knochenentzündung) – tiefe Infektion (Entzündung), Fistel (krankhafter Verbindungsgang), freiliegender Knochen oder systemische Entzündungszeichen (Entzündungszeichen des ganzen Körpers) müssen aktiv ausgeschlossen werden
  • Plattenepithelkarzinom (Hautkrebs)/Marjolin-Ulkus (Krebs in einer chronischen Wunde) – jede nicht heilende, randständig proliferierende (am Rand wuchernde) oder atypisch blutende Wunde muss bioptisch (durch Gewebeprobe) abgeklärt werden
  • Pyoderma gangraenosum (entzündliches Hautgeschwür) – schmerzhaftes, rasch progredientes Ulkus mit lividem (bläulich verfärbtem), unterminiertem Rand; chirurgisches Débridement (Wundreinigung) kann bei Pathergie (überschießender Wundreaktion) verschlechtern
  • Calciphylaxie (Gefäßverkalkung mit Hautnekrosen) – hochschmerzhafte retiforme Purpura (netzförmige Hautblutung), Nekrosen und Ulzera (Geschwüre), insbesondere bei terminaler Niereninsuffizienz (Nierenversagen im Endstadium)

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Aplasia cutis congenita (angeborenes Fehlen von Haut) – angeborener umschriebener Hautdefekt (Hautschaden), meist am Kapillitium (behaarte Kopfhaut), mit offener Wundfläche unmittelbar nach Geburt
  • Epidermolysis bullosa (Schmetterlingskrankheit) – hereditäre blasenbildende Hauterkrankung (erbliche Hauterkrankung mit Blasenbildung) mit rezidivierenden Erosionen (oberflächlichen Hautdefekten), Ulzerationen und sekundär infizierten offenen Wunden
  • Kongenitale Gefäßmalformationen (angeborene Gefäßfehlbildungen) – angeborene venöse (venenbedingte), arterielle (schlagaderbedingte), lymphatische (lymphgefäßbedingte) oder kombinierte Gefäßfehlbildungen mit rezidivierender Ulzeration bei Stauung, Blutung oder Weichteilischämie (Minderdurchblutung des weichen Gewebes)
  • Spina bifida aperta (offener Rücken) – Neuralrohrdefekt (Fehlbildung des frühen Nervensystems) mit offenem Rückenmarkdefekt (Rückenmarkschaden); relevante Differenzialdiagnose einer offenen Läsion (Gewebeschädigung) bei Neugeborenen

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)

  • Omphalitis neonatorum (Nabelentzündung des Neugeborenen) – bakterielle Nabelinfektion (Nabelentzündung durch Bakterien) des Neugeborenen mit nässender, geröteter oder ulzerierter Nabelwunde und Risiko systemischer Infektion
  • Perinatale Hautnekrose (Hautgewebeuntergang um die Geburt) – seltene ischämische (durchblutungsbedingte) oder druckbedingte Hautschädigung bei Neugeborenen mit sekundär offener Wundfläche

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Antiphospholipid-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit erhöhter Gerinnungsneigung) – thrombotische Mikroangiopathie (Verstopfung kleinster Blutgefäße) mit livedoider Hautveränderung (netzartiger Hautveränderung), Nekrosen und therapieresistenten Ulzera
  • Chronische Neutropenie (dauerhafter Mangel bestimmter weißer Blutkörperchen) – gestörte bakterielle Abwehr mit rezidivierenden Hautinfektionen, Abszessen (Eiteransammlungen) und verzögerter Wundheilung
  • Gerinnungsstörungen (Störungen der Blutgerinnung) – Hämatome (Blutergüsse), Nachblutungen und sekundäre Wunddehiszenz (Auseinanderweichen der Wunde) als Ursache persistierender offener Wunden
  • Immundefizienzsyndrome (Abwehrschwächesyndrome) – primäre (angeborene) oder sekundäre (erworbene) Immundefekte (Abwehrschwächen) mit rezidivierenden Hautinfektionen, atypischen Wundinfektionen und verzögerter Wundheilung
  • Vaskulitische Purpura (gefäßentzündliche Hautblutung) bei hämatologischen Erkrankungen (Bluterkrankungen) – kutane Ischämie (Minderdurchblutung der Haut), Nekrose und Ulzeration, insbesondere bei Paraproteinämien (krankhaft vermehrten Eiweißen im Blut) oder Leukämien (Blutkrebs)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – zentrale Ursache neuropathischer (nervenbedingter), neuroischämischer (nerven- und durchblutungsbedingter) und infizierter Fußulzera (Fußgeschwüre); insbesondere bei Polyneuropathie (Nervenschädigung), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Beine) und Druckfehlbelastung
  • Diabetisches Fußsyndrom (Fußkomplikation bei Zuckerkrankheit) – offene Wunde am Fuß bei Neuropathie (Nervenschädigung), Ischämie (Minderdurchblutung), Infektion oder kombinierter Genese (Entstehung); Osteomyelitis und kritische Ischämie müssen aktiv ausgeschlossen werden
  • Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) – verschlechtert Immunfunktion (Abwehrfunktion), Mikrozirkulation (Durchblutung kleinster Gefäße) und Wundheilung; relevant bei verzögerter Abheilung akuter und chronischer Wunden
  • Mangelernährung (unzureichende Nährstoffversorgung) – verzögerte Granulation (Bildung von Wundheilungsgewebe), Epithelisierung (Hautneubildung) und Kollagensynthese (Bildung von Bindegewebseiweiß) bei Energie-, Protein- oder Mikronährstoffmangel
  • Vitamin-C-Mangel – gestörte Kollagenbildung (Bindegewebsbildung) mit Wundheilungsstörung, Petechien (punktförmigen Hautblutungen), Gingivablutungen (Zahnfleischblutungen) und schlechter Narbenbildung
  • Zinkmangel – verzögerte Wundheilung, periorifizielle Dermatitis (Hautentzündung um Körperöffnungen), Alopezie (Haarausfall) und erhöhte Infektanfälligkeit

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Akne inversa (entzündliche Erkrankung der Haarfollikel in Hautfalten) – chronisch rezidivierende, abszedierende (Eiterherde bildende) und fistulierende (Gangbildungen verursachende) Entzündung intertriginöser Areale (Hautfaltenbereiche) mit offenen, sezernierenden Wunden
  • Bullöse Autoimmundermatosen (blasenbildende Autoimmunerkrankungen der Haut) – Pemphigus vulgaris (blasenbildende Hauterkrankung), bullöses Pemphigoid (blasenbildende Hauterkrankung älterer Menschen) oder Epidermolysis bullosa acquisita (erworbene blasenbildende Hauterkrankung) mit Erosionen und sekundär offenen Hautdefekten
  • Dekubitus (Druckgeschwür) – lokal begrenzte Schädigung von Haut und/oder darunterliegendem Gewebe durch Druck, Scherkräfte (Verschiebekräfte) oder Reibung, meist über Knochenvorsprüngen
  • Dermatitis artefacta (selbst verursachte Hautschädigung) – selbst verursachte oder manipulierte Hautläsionen mit atypischer Morphologie (ungewöhnlichem Erscheinungsbild), scharfer Begrenzung oder ungewöhnlicher Lokalisation (Stelle)
  • Exkoriationen bei Pruritus (Kratzwunden bei Juckreiz) – offene Hautdefekte durch Kratzen, häufig bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis), Prurigo (juckender Knötchenausschlag), Cholestase (Gallenstau), Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) oder psychogener Genese (seelisch bedingter Entstehung)
  • Hautmazeration (Aufweichung der Haut) – Aufweichung der Haut durch Feuchtigkeit, Exsudat (Wundflüssigkeit), Inkontinenz (unwillkürlichen Harn- oder Stuhlabgang) oder Okklusion (luftdichte Abdeckung) mit sekundärer Erosion und Wundbildung
  • Kontaktdermatitis (Kontaktentzündung der Haut) – irritative (reizbedingte) oder allergische Entzündung mit Erosionen, Rhagaden (Hauteinrissen) und sekundärer bakterieller Superinfektion (zusätzlicher bakterieller Infektion)
  • Livedoide Vaskulopathie (kleingefäßbedingte Hautdurchblutungsstörung) – thrombotische Erkrankung der dermalen Mikrozirkulation (Durchblutung kleinster Hautgefäße) mit schmerzhaften Ulzera, besonders perimalleolär (um den Knöchel)
  • Necrobiosis lipoidica (entzündliche Hauterkrankung mit Gewebeumbau) – diabetisch assoziierte oder idiopathische (ohne erkennbare Ursache) granulomatöse Dermatose (knötchenbildende Hauterkrankung) mit Ulzerationsrisiko an den Unterschenkeln
  • Pyoderma gangraenosum – neutrophile Dermatose (entzündliche Hauterkrankung mit bestimmten weißen Blutkörperchen) mit rasch progredientem, schmerzhaftem Ulkus und lividem, unterminiertem Wundrand; Pathergie beachten
  • Ulcus cruris mixtum (gemischt bedingtes Unterschenkelgeschwür) – chronische Unterschenkelwunde bei kombinierter venöser und arterieller Genese
  • Wunddehiszenz – Auseinanderweichen einer primär verschlossenen Wunde, meist postoperativ (nach einer Operation), bei Infektion, Hämatom, Serom (Wundflüssigkeitsansammlung), Zugspannung oder gestörter Heilung

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Chronische venöse Insuffizienz (dauerhafte Venenschwäche) – häufige Ursache des Ulcus cruris venosum (venöses Unterschenkelgeschwür) mit Ödem (Schwellung), Stauungsdermatitis (Stauungsekzem), Hyperpigmentierung (verstärkte Hautbräunung) und typischer perimalleolärer Ulzeration
  • Kritische Extremitätenischämie – schwere Minderperfusion mit Ruheschmerz, Nekrosen und nicht heilenden Ulzera; vaskulärer Notfall bei akuter Verschlechterung
  • Mikroangiopathie (Erkrankung kleinster Blutgefäße) – gestörte kapilläre Perfusion (Durchblutung der Haargefäße) mit verzögerter Wundheilung, insbesondere bei Diabetes mellitus, systemischer Sklerose (Bindegewebsverhärtung) oder Niereninsuffizienz
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit – arterielle Ulzera, typischerweise distal (körperfern), schmerzhaft, trocken-nekrotisch (trocken mit Gewebeuntergang) und mit verminderten Fußpulsen
  • Postthrombotisches Syndrom (Folgezustand nach tiefer Venenthrombose) – chronische venöse Abflussstörung nach tiefer Venenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene) mit Ödem, Hautveränderungen und venösem Ulkus
  • Thromboangiitis obliterans (entzündliche Gefäßerkrankung bei Rauchern) – segmentale entzündliche Gefäßerkrankung bei Nikotinkonsum mit digitalen Ulzera (Finger- oder Zehengeschwüren) und Nekrosen
  • Venöse Hypertonie (erhöhter Venendruck) – chronische Druckerhöhung im venösen System mit Ödemen, Dermatoliposklerose (Verhärtung von Haut und Unterhautfettgewebe) und rezidivierendem Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Abszess – umschriebene eitrige Gewebeeinschmelzung mit spontaner oder chirurgisch eröffneter Wunde
  • Atypische Mykobakteriose (Infektion mit atypischen Tuberkulosebakterien) – chronische, schlecht heilende Hautulzeration, häufig nach Trauma (Verletzung), Injektion (Spritze), Operation oder Wasserkontakt
  • Ecthyma (tiefes Hautgeschwür durch Bakterien) – tiefe bakterielle Hautinfektion, meist durch Streptokokken (Bakterien) oder Staphylococcus aureus (Eiterbakterium), mit ausgestanztem Ulkus
  • Erysipel (Wundrose) – akute bakterielle Dermisinfektion (Infektion der Lederhaut), bei bullösem (blasenbildendem), nekrotisierendem oder ulzerierendem Verlauf mit offener Wunde
  • Fournier-Gangrän (schwere Weichteilinfektion im Genital- und Dammbereich) – nekrotisierende Infektion der Perineal- und Genitalregion (Damm- und Geschlechtsbereich); chirurgischer Notfall
  • Herpes-simplex-Ulkus (Geschwür durch Herpesviren) – schmerzhafte gruppierte Erosionen oder Ulzera, insbesondere genital (im Geschlechtsbereich), oral (im Mundbereich) oder bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) chronisch persistierend
  • Kutane Leishmaniose (Hautleishmaniose) – chronische, oft randbetonte Hautulzeration nach Aufenthalt in Endemiegebieten (Gebieten mit gehäuftem Auftreten)
  • Nekrotisierende Fasziitis – rasch progrediente Weichteilinfektion mit Nekrosen, starken Schmerzen und systemischer Toxizität; absoluter Notfall
  • Osteomyelitis – Knocheninfektion mit Fistelung (Fistelbildung) oder persistierender tiefer Wunde, besonders bei diabetischem Fußulkus oder Dekubitus
  • Phlegmone (diffuse Weichteilentzündung) – diffuse bakterielle Weichteilinfektion mit möglicher Abszedierung (Eiterherdbildung), Nekrose und sekundär offener Wunde
  • Syphilitischer Primäraffekt (erstes Geschwür bei Syphilis) – meist schmerzloses, induriertes (verhärtetes) Ulkus im Genital-, Anal- oder Oralbereich
  • Tuberkulöse Hautulzera (Hautgeschwüre bei Tuberkulose) – seltene chronische Ulzerationen, insbesondere bei kutaner Tuberkulose (Hauttuberkulose) oder fistelnder Lymphknotentuberkulose (Tuberkulose der Lymphknoten mit Fistelbildung)
  • Wundinfektion – Infektion einer akuten oder chronischen Wunde mit Rötung, Überwärmung, Schmerz, Schwellung, Exsudat, Geruch, verzögerter Heilung oder systemischen Zeichen

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankung (dauerhafte Darmentzündung) – Morbus Crohn (chronisch entzündliche Darmerkrankung) oder Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung) mit extraintestinalen Ulzera (Geschwüren außerhalb des Darms), perianalen Fisteln (Fisteln am After) oder Pyoderma gangraenosum
  • Enterokutane Fistel (Verbindung zwischen Darm und Haut) – pathologische Verbindung zwischen Darm und Haut mit chronisch sezernierender offener Wunde
  • Perianalfistel bei Morbus Crohn – chronisch entzündliche, rezidivierend sezernierende Wunde perianal (um den After)
  • Zöliakie mit Mangelzuständen (Glutenunverträglichkeit mit Nährstoffmangel) – indirekte Wundheilungsstörung durch Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme), Eisenmangel, Folatmangel oder Proteinmangel

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Dermatomyositis mit Calcinosis cutis (Muskel-Haut-Entzündung mit Kalkeinlagerungen in der Haut) – kalzifizierende Haut- und Weichteilläsionen (verkalkende Haut- und Weichteilschädigungen) mit Ulzeration, insbesondere bei chronischem Verlauf
  • Granulomatose mit Polyangiitis (entzündliche Gefäßerkrankung) – nekrotisierende Vaskulitis (Gefäßentzündung mit Gewebeuntergang) mit kutanen Ulzera, Purpura und Nekrosen
  • Rheumatoide Arthritis mit rheumatoider Vaskulitis (Gelenkrheuma mit Gefäßentzündung) – schmerzhafte Ulzera, besonders an Unterschenkeln und Füßen, meist bei langjähriger seropositiver Erkrankung (Erkrankung mit nachweisbaren Autoantikörpern)
  • Systemische Sklerose – digitale Ulzera durch Mikroangiopathie, Raynaud-Phänomen (anfallsartige Durchblutungsstörung der Finger oder Zehen) und Gewebeischämie
  • Systemischer Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankung des Bindegewebes) – vaskulitische (gefäßentzündliche) oder thrombotische (durch Blutgerinnsel bedingte) Hautulzera, gegebenenfalls bei Antiphospholipid-Syndrom

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Basalzellkarzinom (weißer Hautkrebs) – chronisch ulzerierender, randbetonter Hauttumor, insbesondere im Gesicht; klassisch als Ulcus rodens (nagendes Geschwür)
  • Kutanes Lymphom (Lymphdrüsenkrebs der Haut) – tumoröse oder plaqueförmige Hautinfiltrate (flächige Hautveränderungen) mit Ulzeration, insbesondere bei fortgeschrittener Mycosis fungoides (Form des Hautlymphoms)
  • Kutane Metastasen (Hautabsiedlungen von Krebs) – tumorbedingte Knoten, Plaques (flächige Hautveränderungen) oder Ulzerationen, unter anderem bei Mammakarzinom (Brustkrebs), Lungenkarzinom (Lungenkrebs), gastrointestinalen Tumoren (Tumoren des Magen-Darm-Trakts) oder Melanom (schwarzer Hautkrebs)
  • Malignes Melanom – pigmentierte oder amelanotische Läsion (nicht pigmentierte Hautveränderung) mit Ulzeration als prognostisch relevantes Zeichen
  • Marjolin-Ulkus – Plattenepithelkarzinom in chronischer Wunde, Narbe, Verbrennungsnarbe oder chronischem Ulkus
  • Plattenepithelkarzinom der Haut – exophytisch (nach außen wachsend), hyperkeratotisch (stark verhornend) oder ulzerierend; wichtige Differenzialdiagnose jeder nicht heilenden Wunde
  • Sarkome der Weichteile (bösartige Weichteiltumoren) – tief infiltrierende (einwachsende), ulzerierende Weichteiltumoren mit sekundärer Hautdurchbrechung

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Dermatitis artefacta – selbst beigebrachte oder manipulierte Wunden bei psychischer Grunderkrankung; Diagnose erst nach Ausschluss organischer Ursachen
  • Diabetische Polyneuropathie – Sensibilitätsverlust (Gefühlsverlust) mit unbemerkter Druckbelastung, Fehlbelastung, Verletzung und neuropathischem Ulkus
  • Periphere Neuropathie anderer Genese – alkoholtoxisch (alkoholbedingt), urämisch (durch Nierengifte bedingt), chemotherapieinduziert (durch Chemotherapie ausgelöst), hereditär (erblich) oder vitaminmangelbedingt mit neuropathischen Ulzera
  • Querschnittlähmung – hohes Risiko für Druckulzera (Druckgeschwüre) durch Immobilität (Bewegungseinschränkung), Sensibilitätsverlust und autonome Dysregulation (Störung unwillkürlicher Körperfunktionen)
  • Selbstverletzendes Verhalten – rezidivierende offene Wunden durch mechanische Manipulation, Schneiden, Kratzen oder Verbrennen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronisch sezernierende Wunde (dauerhaft nässende Wunde) – Symptomkonstellation (Beschwerdebild) bei Infektion, Fistel, Fremdkörper, Tumor, Osteomyelitis oder unzureichender Perfusion (Durchblutung)
  • Nekrose – Gewebeuntergang bei Ischämie, Infektion, Druck, Toxinwirkung (Giftwirkung), Vaskulitis oder Medikamentennebenwirkung
  • Nicht heilende Wunde – Warnzeichen für Ischämie, Diabetes mellitus, venöse Insuffizienz, Druckschädigung, Infektion, Autoimmunerkrankung (Erkrankung durch Abwehrreaktion gegen den eigenen Körper) oder Malignität (bösartige Erkrankung)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Calciphylaxie bei chronischer Niereninsuffizienz – schmerzhafte retiforme Purpura, Hautnekrosen und Ulzera, besonders bei terminaler Niereninsuffizienz und Dialyse (Blutwäsche)
  • Chronische Niereninsuffizienz – Wundheilungsstörung durch urämische Stoffwechsellage (Stoffwechsellage bei Nierenschwäche), Anämie (Blutarmut), Immundysfunktion (Abwehrstörung), Mangelernährung und Gefäßverkalkung
  • Genitalulkus (Geschwür im Genitalbereich) – differenzialdiagnostisch infektiös, entzündlich, traumatisch, neoplastisch (tumorbedingt) oder medikamentös bedingt abzuklären

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Chronische Druckbelastung – äußere Ursache eines Dekubitus, insbesondere bei Immobilität, Pflegebedürftigkeit, Sensibilitätsstörung (Gefühlsstörung) oder schlechter Lagerung
  • Fremdkörper in der Wunde – persistierende Entzündung, Sekretion (Absonderung), Granulombildung (Knötchenbildung) und verzögerte Wundheilung
  • Iatrogene Wunde – postoperative, interventionelle (durch einen Eingriff bedingte) oder injektionsbedingte offene Wunde, gegebenenfalls mit Dehiszenz, Infektion oder Nekrose
  • Menschenbiss – kontaminierte (keimbelastete) offene Wunde mit hohem Risiko für Mischinfektion (Infektion mit mehreren Erregern), Sehnen-/Gelenkbeteiligung und Abszessbildung
  • Tierbiss – offene kontaminierte Wunde mit Risiko für Pasteurella-, Capnocytophaga-, Staphylokokken- und Anaerobierinfektionen (Infektionen durch Bakterien ohne Sauerstoffbedarf)
  • Traumatische Wunde – Schnitt-, Platz-, Riss-, Schürf-, Stich-, Quetsch- oder Avulsionswunde (Abrisswunde) nach äußerer Gewalteinwirkung

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Avulsionsverletzung (Abrissverletzung) – traumatisches Abreißen von Haut und Weichteilen mit ausgedehnter offener Wunde
  • Chemische Verätzung – offene Wunde durch Säure- oder Laugenexposition (Kontakt mit Säuren oder Laugen) mit fortschreitender Gewebeschädigung
  • Erfrierung – Kälteschädigung mit Blasenbildung, Nekrose und sekundärer Ulzeration
  • Offene Fraktur (offener Knochenbruch) – Knochenbruch mit Verbindung zur Außenwelt; hohes Risiko für Weichteilinfektion und Osteomyelitis
  • Platzwunde – durch stumpfe Gewalteinwirkung verursachte offene Wunde mit unregelmäßigen Wundrändern
  • Quetschwunde – offene oder sekundär aufbrechende Wunde nach Gewebekompression (Gewebequetschung), häufig mit Nekrose und Infektionsrisiko
  • Schürfwunde – oberflächlicher epidermaler (die Oberhaut betreffender) beziehungsweise dermaler (die Lederhaut betreffender) Hautdefekt durch tangentiale Gewalteinwirkung
  • Schnittwunde – scharf begrenzte offene Wunde durch schneidende Gewalteinwirkung
  • Stichwunde – tiefe, äußerlich oft kleine Wunde mit Risiko für tiefe Infektion, Fremdkörper und Organverletzung
  • Strahlenulkus (Strahlengeschwür) – chronische, schlecht heilende Wunde nach ionisierender Strahlung, oft mit Fibrose (Gewebeverhärtung), Minderperfusion und Nekrose
  • Verbrennung – thermische Gewebeschädigung (Gewebeschädigung durch Hitze) mit Blasenbildung, Nekrose oder offener Wundfläche

Medikamente

  • Antiangiogene Therapien (gefäßneubildungshemmende Therapien) – zum Beispiel Bevacizumab oder Tyrosinkinase-Inhibitoren (zielgerichtete Krebsmedikamente) mit Risiko für Wundheilungsstörung, Dehiszenz und Ulzeration
  • Antikoagulantien (Blutverdünner) – Hämatome, Nachblutung und sekundäre Wundheilungsstörung, insbesondere perioperativ (um eine Operation herum) oder nach Trauma
  • Chemotherapeutika (Krebsmedikamente) – Myelosuppression (Unterdrückung der Blutbildung), Mukositis (Schleimhautentzündung), Hauttoxizität (Hautschädigung) und verzögerte Wundheilung
  • Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – verzögerte Entzündungsreaktion, Kollagensynthese und Epithelisierung mit erhöhtem Risiko für Wunddehiszenz und Infektion
  • Heparininduzierte Hautnekrose (durch Heparin ausgelöster Hautgewebeuntergang) – seltene thrombotische oder immunvermittelte (durch das Immunsystem vermittelte) Nekrose an Injektionsstellen oder distal
  • Hydroxycarbamid – schmerzhafte chronische Beinulzera (Beingeschwüre), typischerweise perimalleolär, bei Langzeittherapie
  • Immunsuppressiva (Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems) – erhöhtes Risiko für Wundinfektion und verzögerte Wundheilung, insbesondere nach Operationen oder bei chronischen Wunden
  • mTOR-Inhibitoren (Wachstumssignal-Hemmer) – zum Beispiel Sirolimus oder Everolimus mit relevanter Wundheilungsstörung, Serombildung und Dehiszenzrisiko
  • Nicorandil – medikamentös assoziierte mukokutane (Haut und Schleimhaut betreffende), perianale (um den After gelegene) oder gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) Ulzerationen
  • Warfarininduzierte Hautnekrose (durch Warfarin ausgelöster Hautgewebeuntergang) – seltene thrombotische Nekrose, meist zu Therapiebeginn, mit sekundär offener Wunde

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Arsenexposition (Arsenbelastung) – chronische Hautveränderungen, Hyperkeratosen (verstärkte Verhornungen) und erhöhtes Risiko für ulzerierende Hauttumoren
  • Chemische Hauttoxine (hautschädigende chemische Giftstoffe) – Säuren, Laugen, Lösungsmittel oder industrielle Chemikalien mit erosiver (oberflächlich zerstörender), nekrotisierender oder ulzerierender Wirkung
  • Nikotinkonsum – wesentlicher modifizierbarer Faktor für periphere arterielle Verschlusskrankheit, Mikrozirkulationsstörung, Wundheilungsstörung und Ulkusprogression (Fortschreiten eines Geschwürs)
  • Strahlenexposition – akute Radiodermatitis (Strahlenentzündung der Haut) oder chronisches Strahlenulkus mit Fibrose, Atrophie (Gewebeschwund) und Nekrose