Altersjuckreiz (Pruritus senilis) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck und Puls; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Beurteilung des Allgemein- und Ernährungszustands
      • Inspektion der gesamten Haut, nicht nur der vom Pruritus (Juckreiz) betroffenen Areale, einschließlich Kopfhaut, Haare, Nägel, Schleimhäute und Anogenitalregion (After- und Genitalbereich)
        • Beurteilung von Hautkolorit (Hautfarbe), Hautfeuchtigkeit und Hautturgor (Hautspannung) sowie Morphologie (Erscheinungsform) und Verteilung vorhandener Effloreszenzen (Hautveränderungen)
        • Unterscheidung primärer Effloreszenzen von sekundären Kratzläsionen (Kratzverletzungen)
        • [Ausgeprägte Xerosis cutis (Hauttrockenheit) mit trockener, rauer, fein schuppender Haut; sekundäre Exkoriationen (oberflächliche Hautabschürfungen), Krusten und bei längerem Verlauf Lichenifikation (Verdickung und Vergröberung der Haut)]
      • Inspektion der Skleren (Lederhäute der Augen) auf Ikteruszeichen (Gelbfärbung)
    • Palpation (Abtasten)
      • Palpation der peripheren Lymphknotenstationen (oberflächliche Lymphknotenbereiche)
      • Palpation der Schilddrüse
      • Palpation des Abdomens (Bauches), insbesondere Beurteilung von Leber und Milz sowie orientierende Untersuchung der Nierenlager
  • Dermatologische Untersuchung (hautärztliche Untersuchung)
    • Vollständiger Hautstatus mit gezielter Suche nach einer bislang nicht erkannten entzündlichen, infektiösen, parasitären, bullösen (blasenbildenden) oder neoplastischen (tumorbedingten) Dermatose (Hauterkrankung)
    • Beurteilung auf altersassoziierte Hauttrockenheit sowie auf sekundäre Folgen chronischen Kratzens
    • Bei unklaren primären Hautveränderungen dermatologische Mitbeurteilung, ggf. einschließlich Dermatoskopie bzw. Hautbiopsie
  • Orientierende neurologische Untersuchung – bei umschriebenem, brennendem, dysästhetischem (mit Missempfindungen verbundenem) oder anderweitig neuropathisch (nervenbedingt) imponierendem Pruritus
    • Prüfung von Sensibilität (Empfindungsvermögen), Motorik (Bewegungsfunktion) und Muskeleigenreflexen (Reflexen der Muskulatur) in den betroffenen Regionen
  • Weitere klinische Untersuchung – entsprechend Anamnese (Krankengeschichte) und klinischem Befund, insbesondere internistisch (die inneren Organe betreffend), gynäkologisch (frauenärztlich) bzw. urologisch (Harnwege und männliche Geschlechtsorgane betreffend); alters- und geschlechtsgerechte Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sollen entsprechend den geltenden Empfehlungen wahrgenommen werden.

Red Flags (Warnzeichen) bei Pruritus senilis (Juckreiz im höheren Lebensalter)

  • Neu aufgetretener oder rasch progredienter (fortschreitender) generalisierter (den ganzen Körper betreffender) Pruritus ohne erkennbare dermatologische Ursache
  • B-Symptomatik (Allgemeinsymptome bei bestimmten schweren Erkrankungen) mit Fieber, Nachtschweiß oder ungewolltem Gewichtsverlust
  • Generalisiertes Lymphknotenwachstum (Vergrößerung mehrerer Lymphknoten)
  • Ikterus (Gelbsucht), Hepatomegalie (Lebervergrößerung) oder Splenomegalie (Milzvergrößerung)
  • Ausgeprägte Leistungsminderung oder klinische Zeichen einer systemischen Erkrankung (Erkrankung des gesamten Organismus)
  • Neurologische Ausfälle oder ausgeprägte Dysästhesien (Missempfindungen)
  • Blasenbildende oder erosive (oberflächlich wundmachende) Haut- bzw. Schleimhautveränderungen

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.