Prämenstruelles Syndrom (PMS) – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Reduktion der körperlichen und psychischen prämenstruellen Beschwerden, Verbesserung der psychosozialen Funktionsfähigkeit und Steigerung der Lebensqualität.

Therapieempfehlungen

  • Vor Einleitung einer spezifischen medikamentösen Therapie sollte die Diagnose eines klinisch relevanten prämenstruellen Syndroms (Beschwerden vor der Monatsblutung; PMS) beziehungsweise einer prämenstruellen dysphorischen Störung (schwere Form des PMS mit ausgeprägten psychischen Beschwerden; PMDD) durch prospektive tägliche Symptomerfassung über mindestens zwei aufeinanderfolgende Menstruationszyklen gesichert werden. Eine prämenstruelle Exazerbation (Verschlechterung vor der Monatsblutung) einer unabhängig vom Zyklus bestehenden psychiatrischen (seelischen) oder somatischen (körperlichen) Erkrankung ist abzugrenzen [LL1-2].
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) besitzen die beste Evidenz für die medikamentöse Behandlung eines mittelgradigen bis schweren PMS und insbesondere einer PMDD mit vorwiegend affektiver Symptomatik (die Stimmung betreffenden Beschwerden) [1, LL1-2].
    • Eine kontinuierliche Einnahme während des gesamten Zyklus sowie eine intermittierende Einnahme während der Lutealphase (zweite Zyklushälfte) sind wirksam.
    • Die aktuelle Cochrane-Analyse spricht für eine wahrscheinlich etwas höhere Wirksamkeit der kontinuierlichen Behandlung [1].
    • Eine symptomorientierte Einnahme erst ab Einsetzen der prämenstruellen Beschwerden kann bei ausgewählten Patientinnen erwogen werden, ist jedoch weniger gut belegt als die kontinuierliche beziehungsweise luteale Therapie [1].
  • Bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit eines SSRI kann Venlafaxin als Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) erwogen werden. Die Evidenz ist deutlich geringer als für SSRI; die Anwendung bei PMS beziehungsweise PMDD erfolgt außerhalb der zugelassenen Indikation [3-4].
  • Kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) können insbesondere bei gleichzeitigem Kontrazeptionswunsch eingesetzt werden. Die beste spezifische Evidenz besteht für Ethinylestradiol 20 µg/Drospirenon 3 mg im 24/4-Regime, insbesondere bei PMDD. Eine generelle Überlegenheit drospirenonhaltiger KOK gegenüber anderen KOK ist nicht ausreichend belegt [2, LL1-2].
  • Drospirenon als Gestagen-Monotherapie ist nicht als spezifische medikamentöse Therapie des PMS beziehungsweise der PMDD belegt.
  • Transdermales Estradiol zur Suppression der Ovulation (Unterdrückung des Eisprungs) kann bei schwerem PMS als spezialisierte hormonelle Therapieoption erwogen werden. Die Evidenz beruht überwiegend auf älteren, kleinen randomisierten Studien und ist insgesamt von sehr geringer Sicherheit. Bei vorhandenem Uterus (Gebärmutter) ist ein suffizienter Endometriumschutz (ausreichender Schutz der Gebärmutterschleimhaut) erforderlich [5, LL2].
  • Spironolacton kann bei ausgeprägter prämenstrueller Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung), Völlegefühl beziehungsweise Ödemneigung (Neigung zu Wassereinlagerungen) im Einzelfall erwogen werden. Die Evidenz beruht insbesondere auf kleinen älteren Studien; Spironolacton ist keine reguläre Erstlinientherapie des PMS [6, LL2].
  • Bei schmerzdominanten Beschwerden wie Kopf-, Rücken- oder Unterbauchschmerzen können nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) symptomorientiert eingesetzt werden. Sie behandeln nicht die affektiven Kernsymptome des PMS [LL1].
  • GnRH-Agonisten sind eine Reservetherapie bei schwerem, prospektiv bestätigtem und anderweitig therapieresistentem PMS beziehungsweise einer therapieresistenten PMDD. Wegen des ausgeprägten Hypoöstrogenismus (Östrogenmangel) und des Verlustes an Knochenmineraldichte (Knochendichte) ist eine längerfristige Behandlung nur im spezialisierten Setting und unter geeigneter Add-back-Therapie vertretbar [7, LL1-2].
  • Progesteron beziehungsweise Gestagen-Monotherapien werden aufgrund unzureichender Wirksamkeitsnachweise nicht als reguläre PMS-Therapie empfohlen [LL2].

Hauptindikationen

  • Mittelgradiges bis schweres PMS mit relevanter Beeinträchtigung von Alltag, Beruf oder sozialen Beziehungen.
  • Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) als besonders schwere prämenstruelle Störung mit ausgeprägter affektiver Symptomatik und funktioneller Beeinträchtigung.

Nebenindikationen beziehungsweise besondere Therapiesituationen

  • PMS beziehungsweise PMDD bei gleichzeitigem Kontrazeptionswunsch.
  • Ausgeprägte zyklische Flüssigkeitsretention beziehungsweise Ödemneigung.
  • Schmerzdominante prämenstruelle Symptomatik.
  • Schweres therapieresistentes PMS beziehungsweise therapieresistente PMDD.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Wirkstoff Besonderheiten
Fluoxetin Sehr gute Evidenz bei PMDD; rascher Wirkungseintritt auf prämenstruelle Symptome möglich [1]
Sertralin Gute Evidenz; kontinuierliche und luteale Behandlung untersucht [1]
Escitalopram Insbesondere bei affektiver Symptomatik untersucht [1]
Paroxetin Wirksam; erhöhtes Risiko für Absetzsymptome. Bei Kinderwunsch beziehungsweise möglicher Schwangerschaft besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung [1]
  • Wirkweise: Hemmung des Serotonintransporters mit Verstärkung der serotonergen Neurotransmission (Signalübertragung durch den Botenstoff Serotonin); zusätzlich werden neurosteroidabhängige Mechanismen diskutiert. Im Gegensatz zur Behandlung depressiver Erkrankungen kann der klinische Effekt bei PMS beziehungsweise PMDD bereits innerhalb weniger Tage auftreten.
  • Indikationen: Mittelgradiges bis schweres PMS und insbesondere PMDD mit Reizbarkeit, depressiver Stimmung, affektiver Labilität (starken Stimmungsschwankungen), Angst oder ausgeprägter emotionaler Symptomatik [1, LL1-2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Gleichzeitige beziehungsweise zeitlich nicht ausreichend getrennte Anwendung von Monoaminoxidasehemmern sowie weitere substanzspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
  • Dosierung: Kontinuierliche Behandlung über den gesamten Zyklus oder intermittierende Behandlung während der Lutealphase. Bei lutealer Therapie Beginn typischerweise etwa 14 Tage vor der erwarteten Menstruation und Beendigung mit Einsetzen der Menstruation. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise:
    • Die Anwendung zur Behandlung von PMS beziehungsweise PMDD erfolgt bei den in Deutschland verfügbaren SSRI in der Regel außerhalb der zugelassenen Indikation.
    • Bei fehlendem Ansprechen sind Diagnose, prospektiv dokumentierte Zyklusabhängigkeit, Adhärenz und Dosierung zu überprüfen, bevor ein Wirkstoffwechsel erfolgt.
    • Bei kontinuierlicher Behandlung abruptes Absetzen vermeiden.
    • Auf serotonerge Interaktionen, Hyponatriämie, erhöhtes Blutungsrisiko insbesondere bei Kombination mit NSAR beziehungsweise Antikoagulanzien und sexuelle Funktionsstörungen achten.
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Übelkeit, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Schlafstörungen, Müdigkeit beziehungsweise Somnolenz (Schläfrigkeit), Kopfschmerzen, Schwindel, vermehrtes Schwitzen und sexuelle Funktionsstörungen [1].

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)

Wirkstoff Besonderheiten
Venlafaxin In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie untersucht; mittlere Dosis im Verlauf etwa 50-130 mg/Tag [3]
Venlafaxin Nur in einer kleinen Vorstudie untersucht; deutlich geringere Evidenz als für kontinuierliches Venlafaxin und insbesondere SSRI [4]
  • Wirkweise: Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin; bei niedrigeren Dosen überwiegt die serotonerge Wirkung.
  • Indikationen: PMDD beziehungsweise schweres PMS mit vorwiegend affektiver Symptomatik bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit einer SSRI-Therapie [3-4].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Gleichzeitige beziehungsweise zeitlich nicht ausreichend getrennte Behandlung mit Monoaminoxidasehemmern sowie weitere substanzspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
  • Dosierung: In der randomisierten Studie wurde Venlafaxin kontinuierlich flexibel mit 50-200 mg/Tag eingesetzt; in der kleinen Studie zur prämenstruellen intermittierenden Therapie wurden 75-112,5 mg/Tag vom 14. Tag vor der erwarteten Menstruation bis zum zweiten Blutungstag angewendet [3-4]. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise:
    • Off-Label-Use bei PMS beziehungsweise PMDD.
    • Die kontinuierliche Therapie ist besser untersucht als die intermittierende Anwendung.
    • Blutdruck und bei Risikopatientinnen Herzfrequenz kontrollieren.
    • Ein abruptes Absetzen nach kontinuierlicher Einnahme ist wegen möglicher ausgeprägter Absetzsymptome zu vermeiden.
    • Serotonerge Kombinationen erhöhen das Risiko eines Serotonin-Syndroms (Übermaß an Serotoninwirkung).
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Übelkeit, Schlafstörungen, Schwindel, vermehrtes Schwitzen, Mundtrockenheit und sexuelle Funktionsstörungen sowie dosisabhängig Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg [3-4].

Kombinierte orale Kontrazeptiva mit Drospirenon

Wirkstoff Besonderheiten
Ethinylestradiol 20 µg + Drospirenon 3 mg Beste spezifische KOK-Evidenz bei PMDD; besonders bei gleichzeitigem Kontrazeptionswunsch. Behandlung von PMS beziehungsweise PMDD in Deutschland außerhalb der zugelassenen Indikation [2, LL1-2]
  • Wirkweise: Ovulationshemmung und Verminderung zyklischer hormoneller Schwankungen. Drospirenon besitzt zusätzlich antimineralokortikoide und antiandrogene Eigenschaften.
  • Indikationen: PMS beziehungsweise PMDD bei gleichzeitigem Wunsch nach hormoneller Kontrazeption und fehlenden Kontraindikationen für kombinierte hormonelle Kontrazeptiva [2, LL1-2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Bestehende oder vorausgegangene venöse beziehungsweise arterielle thromboembolische Erkrankungen (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel), relevante Thrombophilie (erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln), Migräne mit Aura, schwere Lebererkrankungen und weitere Kontraindikationen estrogenhaltiger Kontrazeptiva gemäß Fachinformation.
  • Dosierung: Für die PMS-/PMDD-spezifische Evidenz ist insbesondere Ethinylestradiol 20 µg/Drospirenon 3 mg im 24/4-Regime untersucht. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise:
    • Drospirenon als isoliertes Gestagen ist nicht als spezifische PMS-Therapie belegt.
    • Der Nutzen drospirenonhaltiger KOK ist insbesondere bei PMDD dokumentiert; die Evidenzqualität ist je nach Endpunkt niedrig bis moderat [2].
    • Eine generelle Überlegenheit gegenüber allen anderen KOK ist nicht gesichert.
    • Vor Verordnung individuelle Bewertung des venösen und arteriellen Thromboembolierisikos.
  • Nebenwirkungen: Zwischenblutungen, Übelkeit, Mastodynie (Brustschmerzen), Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen; selten schwerwiegende venöse oder arterielle thromboembolische Ereignisse.

Transdermales Estradiol zur Ovulationssuppression

Wirkstoff Besonderheiten
Estradiol transdermal Spezialoption bei schwerem PMS; Off-Label-Use; Evidenz insgesamt von sehr geringer Sicherheit [5, LL2]
Gestagen beziehungsweise Progesteron zum Endometriumschutz Endometriumschutz erforderlich; Gestagene können bei empfindlichen Patientinnen PMS-ähnliche Beschwerden erneut auslösen [LL2]
  • Wirkweise: Kontinuierliches transdermales Estradiol in ausreichender Dosierung supprimiert die Ovulation beziehungsweise vermindert die zyklischen Schwankungen ovarieller Steroidhormone (in den Eierstöcken gebildeter Hormone).
  • Indikationen: Schweres, gesichertes PMS bei unzureichender Wirksamkeit beziehungsweise Unverträglichkeit etablierter Therapieoptionen und entsprechender gynäkologischer Expertise [5, LL2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Insbesondere estrogenabhängige maligne Erkrankungen (bösartige Erkrankungen), ungeklärte genitale Blutungen (Blutungen aus dem Genitalbereich), bestehende oder vorausgegangene venöse Thromboembolien, bekannte thrombophile Erkrankungen, relevante arterielle thromboembolische Erkrankungen, schwere Lebererkrankungen sowie weitere präparatespezifische Kontraindikationen.
  • Dosierung: Studien untersuchten unter anderem kontinuierliches transdermales Estradiol mit 100 beziehungsweise 200 µg/24 Stunden. Der direkte Vergleich von 200 µg mit 100 µg/24 Stunden ergab keinen eindeutigen Wirksamkeitsunterschied; die niedrigere Dosis war möglicherweise mit weniger estrogenbedingten Nebenwirkungen verbunden. Die Sicherheit der Evidenz ist sehr gering [5]. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise:
    • Keine reguläre Erstlinientherapie.
    • Die Evidenz beruht auf kleinen, überwiegend älteren Studien; langfristige Sicherheitsdaten speziell für die Behandlung des PMS fehlen [5].
    • Bei vorhandenem Uterus ist ein suffizienter Endometriumschutz erforderlich; nach RCOG werden orale Gestagene mindestens 10 Tage pro Monat angewendet [LL2].
    • Die Estradioltherapie stellt keine sichere Kontrazeption dar; bei Bedarf ist eine zusätzliche geeignete Kontrazeption erforderlich [LL2].
  • Nebenwirkungen: Brustspannen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Flüssigkeitsretention, Hautreaktionen an der Applikationsstelle (Anwendungsstelle) und Blutungsstörungen; Risiken einer systemischen Estrogentherapie berücksichtigen.

Aldosteronantagonisten

Wirkstoff Besonderheiten
Spironolacton In einer kleinen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie untersucht; Off-Label-Use [6]
  • Wirkweise: Kompetitive Blockade des Mineralokortikoidrezeptors (Andockstelle für das Hormon Aldosteron) mit kaliumsparender natriuretischer (die Natriumausscheidung fördernder) und diuretischer (harntreibender) Wirkung.
  • Indikationen: Symptomorientierte Behandlung bei ausgeprägter prämenstrueller Flüssigkeitsretention, Ödemneigung beziehungsweise ausgeprägtem Völlegefühl. Eine kleine ältere Studie zeigte zusätzlich Verbesserungen verschiedener somatischer und affektiver Symptome; wegen der begrenzten Evidenz ist Spironolacton keine reguläre Erstlinientherapie [6, LL2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Hyperkaliämie, Anurie (fehlende Urinausscheidung), akutes Nierenversagen, schwere Niereninsuffizienz (stark eingeschränkte Nierenfunktion) und weitere substanzspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
  • Dosierung: In der PMS-spezifischen randomisierten Studie wurden 100 mg/Tag ab Zyklustag 14 bis zum ersten Tag der folgenden Menstruation eingesetzt [6]. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise:
    • Serumkalium und Nierenfunktion abhängig von Ausgangsbefund, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und Begleitmedikation kontrollieren.
    • Erhöhtes Hyperkaliämierisiko insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung weiterer kaliumsparender Arzneimittel, Kaliumpräparate, Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker.
    • Die Kombination mit NSAR kann Nierenfunktion und Kaliumhaushalt zusätzlich beeinträchtigen.
  • Nebenwirkungen: Hyperkaliämie, Hyponatriämie, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Schwindel, gastrointestinale Beschwerden, Mastodynie und Zyklusstörungen.

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) bei schmerzdominanter Symptomatik

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Symptomatische Behandlung insbesondere von Kopf-, Unterbauch-, Rücken- oder Regelschmerzen; keine spezifische Behandlung der affektiven PMS-Symptomatik [LL1]
  • Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen mit Verminderung der Prostaglandinsynthese und dadurch analgetischer (schmerzlindernder), antiphlogistischer (entzündungshemmender) und antipyretischer (fiebersenkender) Wirkung.
  • Indikationen: Schmerzdominante prämenstruelle beziehungsweise menstruelle Beschwerden. NSAR sind keine spezifische Therapie der emotionalen oder psychischen PMS-Kernsymptomatik [LL1].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Aktive oder rezidivierende gastrointestinale Ulzera (wiederkehrende Magen-Darm-Geschwüre) beziehungsweise Blutungen, schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Niere, Leber oder Herz), vorausgegangene NSAR-induzierte Überempfindlichkeitsreaktionen sowie weitere präparatespezifische Kontraindikationen.
  • Dosierung: Niedrigste wirksame Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise: Bei häufiger oder längerfristiger Anwendung gastrointestinale, renale (die Nieren betreffende) und kardiovaskuläre (Herz und Gefäße betreffende) Risiken berücksichtigen. Die gleichzeitige Einnahme verschiedener NSAR vermeiden.
  • Nebenwirkungen: Insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), Ulzera und Blutungen, Flüssigkeitsretention, Blutdruckanstieg, Nierenfunktionsstörungen und Überempfindlichkeitsreaktionen.

GnRH-Agonisten

Wirkstoff Besonderheiten
Goserelin Reservetherapie bei schwerem therapieresistentem PMS beziehungsweise PMDD; Off-Label-Use [7, LL1-2]
Leuprorelin Alternative zur Suppression der Ovarialfunktion (Unterdrückung der Eierstockfunktion); Off-Label-Use [7, LL1-2]
  • Wirkweise: Nach initialer Stimulation Downregulation hypophysärer GnRH-Rezeptoren (Verringerung der GnRH-Andockstellen an der Hirnanhangsdrüse) mit Suppression der Gonadotropinsekretion (Unterdrückung der Ausschüttung hormoneller Steuerstoffe) und konsekutiver ausgeprägter Reduktion der ovariellen Estradiol- und Progesteronproduktion.
  • Indikationen: Schweres, prospektiv bestätigtes und therapieresistentes PMS beziehungsweise PMDD nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit etablierter Therapieoptionen [7, LL1-2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Schwangerschaft sowie weitere präparatespezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
  • Dosierung: Depottherapie entsprechend dem verwendeten GnRH-Agonisten. Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
  • Hinweise:
    • Behandlung nur unter entsprechender gynäkologischer beziehungsweise reproduktionspsychiatrischer Expertise.
    • Bei längerfristiger Behandlung ist eine Add-back-Therapie erforderlich, um vasomotorische Beschwerden (Beschwerden durch eine gestörte Gefäßregulation) und den Verlust an Knochenmineraldichte zu reduzieren [7, LL2].
    • Bei längerer Anwendung individuelle Überwachung der Knochengesundheit; gegebenenfalls Messung der Knochenmineraldichte.
    • Eine möglichst stabile Add-back-Therapie ist anzustreben, da ausgeprägte hormonelle Schwankungen beziehungsweise einzelne Gestagenkomponenten bei empfindlichen Patientinnen prämenstruelle Symptome reaktivieren können [7].
    • Wegen Nebenwirkungen, Monitoringbedarf und fehlender PMS-/PMDD-Zulassung keine reguläre Erst- oder Zweitlinientherapie.
  • Nebenwirkungen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, vaginale Trockenheit (Scheidentrockenheit), Libidoveränderungen, Kopfschmerzen, Stimmungssymptome und bei längerfristiger Anwendung Verminderung der Knochenmineraldichte.

Menstruelle Migräne

  • Die menstruelle beziehungsweise menstruationsassoziierte Migräne (Migräne im zeitlichen Zusammenhang mit der Monatsblutung) ist keine Ausprägung des PMS, sondern eine eigenständige Migräneform beziehungsweise mögliche prämenstruelle Exazerbation einer vorbestehenden Erkrankung.
  • Akuttherapie, menstruelle Kurzzeitprophylaxe und gegebenenfalls Langzeitprophylaxe erfolgen nach den spezifischen Empfehlungen zur Migränetherapie und werden daher in diesem PMS-Pharmakotherapieartikel nicht als eigenständiges Therapieschema dargestellt.
  • Bei gleichzeitiger hormoneller Kontrazeption sind insbesondere Migräne mit Aura (Migräne mit vorübergehenden neurologischen Symptomen) sowie weitere vaskuläre Risikofaktoren bei der Wahl eines estrogenhaltigen Kontrazeptivums zu berücksichtigen.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die weibliche Vitalität sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium, Kalium, Magnesium)
  • Spurenelemente (Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Soja-Isoflavone (Daidzein, Genistein, Glycitein))
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium-, Kalium- und Calciumcitrat))

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • GnRH – Gonadotropin-Releasing-Hormon
  • KOK – kombiniertes orales Kontrazeptivum
  • NSAR – nicht steroidale Antirheumatika
  • PMDD – Premenstrual Dysphoric Disorder
  • PMS – prämenstruelles Syndrom
  • SNRI – Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
  • SSRI – selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Literatur

  1. Jespersen C, Lauritsen MP, Frokjaer VG et al.: Selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder. Cochrane Database Syst Rev 2024;8(8):CD001396. doi: 10.1002/14651858.CD001396.pub4 
  2. Ma S, Song SJ: Oral contraceptives containing drospirenone for premenstrual syndrome. Cochrane Database Syst Rev 2023;6(6):CD006586. doi: 10.1002/14651858.CD006586.pub5 
  3. Freeman EW, Rickels K, Yonkers KA et al.: Venlafaxine in the treatment of premenstrual dysphoric disorder. Obstet Gynecol 2001;98(5 Pt 1):737-744. doi: 10.1016/S0029-7844(01)01530-7 
  4. Cohen LS, Soares CN, Lyster A et al.: Efficacy and tolerability of premenstrual use of venlafaxine (flexible dose) in the treatment of premenstrual dysphoric disorder. J Clin Psychopharmacol 2004;24(5):540-543. doi: 10.1097/01.jcp.0000138767.53976.10 
  5. Naheed B, Kuiper JH, Uthman OA et al.: Non-contraceptive oestrogen-containing preparations for controlling symptoms of premenstrual syndrome. Cochrane Database Syst Rev 2017;3(3):CD010503. doi: 10.1002/14651858.CD010503.pub2 
  6. Wang M, Hammarbäck S, Lindhe BA et al.: Treatment of premenstrual syndrome by spironolactone: a double-blind, placebo-controlled study. Acta Obstet Gynecol Scand 1995;74(10):803-808. doi: 10.3109/00016349509021201 
  7. Wagner-Schuman M, Kania A, Barone JC et al.: What's Stopping Us? Using GnRH Analogs With Stable Hormone Addback in Treatment-Resistant Premenstrual Dysphoric Disorder: Practical Guidelines and Risk-Benefit Analysis for Long-term Therapy. J Clin Psychiatry 2023;84(4):22r14614. doi: 10.4088/JCP.22r14614 

Leitlinien

  1. American College of Obstetricians and Gynecologists: Management of Premenstrual Disorders: ACOG Clinical Practice Guideline No. 7. Obstet Gynecol 2023;142(6):1516-1533. doi: 10.1097/AOG.0000000000005426 [LL1]
  2. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists: Management of Premenstrual Syndrome. Green-top Guideline No. 48. Second edition. BJOG 2017;124(3):e73-e105. Erstveröffentlichung der zweiten Auflage 30.11.2016; durch das Guidelines Committee im Mai 2023 überprüft; Aktualisierung in Entwicklung. RCOG-Leitlinienseite. doi: 10.1111/1471-0528.14260 [LL2]

Produktinformationen

  1. YAZ 0,02 mg/3 mg Filmtabletten – Ethinylestradiol/Drospirenon. Bayer Vital GmbH. Fachinformation.
  2. Fluoxetin – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats.
  3. Sertralin – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats.
  4. Escitalopram – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats.
  5. Paroxetin – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats.
  6. Venlafaxin – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats.
  7. Estradiol transdermal – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats; PMS ist keine zugelassene Indikation.
  8. Spironolacton – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats; PMS ist keine zugelassene Indikation.
  9. Ibuprofen – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats.
  10. Goserelin – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats; PMS beziehungsweise PMDD ist keine zugelassene Indikation.
  11. Leuprorelin – Fachinformation des jeweils verwendeten Präparats; PMS beziehungsweise PMDD ist keine zugelassene Indikation.