Prämenstruelles Syndrom (PMS) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch das prämenstruelle Syndrom (PMS) (Beschwerden vor der Monatsblutung) mitbedingt sein können:
Hinweis zur Evidenzabgrenzung
Für milde PMS-Verläufe ist die Evidenz (wissenschaftliche Beleglage) zu langfristigen Folgeerkrankungen begrenzt. Die belastbarsten Daten beziehen sich meistens auf klinisch diagnostizierte prämenstruelle Störungen (zyklusabhängige Beschwerden vor der Monatsblutung) (PMD; Abkürzung für prämenstruelle Störungen; PMS/PMDD) bzw. auf die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) (schwere psychische Form prämenstrueller Beschwerden). Die folgenden Angaben sind daher als klinisch relevante Risikoassoziationen (Zusammenhänge mit erhöhtem Risiko) bzw. mitbedingte Komplikationen zu werten, nicht als monokausale Folgen (durch eine einzige Ursache ausgelöste Folgen).
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzschlags) – bei klinisch diagnostizierten prämenstruellen Störungen zeigte sich in einer großen schwedischen Registerkohorte (Auswertung von Gesundheitsregistern) eine besonders deutliche Assoziation (Zusammenhang) mit späteren Herzrhythmusstörungen [5]
- Ischämischer Schlaganfall (Schlaganfall durch Durchblutungsstörung) und ischämische Herzerkrankung (Herzerkrankung durch Durchblutungsstörung) – klinisch diagnostizierte prämenstruelle Störungen waren mit einem leicht erhöhten späteren Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) assoziiert; besonders belastbar war die Assoziation für ischämischen Schlaganfall, während die Gesamtassoziation durch Geschwisteranalysen (Vergleich zwischen Geschwistern) gestützt, aber nicht als monokausal bewiesen wurde [5]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) und Persönlichkeitsstörungen (dauerhafte Störungen von Erleben und Verhalten) – in einer großen Registerkohorte bidirektional (in beide Richtungen) mit prämenstruellen Störungen assoziiert; klinisch eher als Risikomarker (Hinweiszeichen für ein erhöhtes Risiko) bzw. Komorbiditätscluster (Häufung von Begleiterkrankungen) zu bewerten [1]
- Angststörungen (krankhafte Angstzustände) – erhöhte spätere Diagnosewahrscheinlichkeit (Wahrscheinlichkeit einer späteren Krankheitsfeststellung) bei prämenstruellen Störungen; bidirektionale Assoziation beschrieben [1]
- Bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) – erhöhte Diagnosewahrscheinlichkeit bei prämenstruellen Störungen; Hinweis auf gemeinsame Vulnerabilität (Anfälligkeit) und zyklusabhängige Symptommodulation (Veränderung von Beschwerden im Monatszyklus), nicht auf eine gesicherte monokausale Folge [1, 2]
- Depressive Störungen (krankhafte Niedergeschlagenheit) – prämenstruelle Störungen waren mit einer erhöhten späteren Diagnosewahrscheinlichkeit depressiver Störungen assoziiert; eine Meta-Analyse (zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien) zeigt eine hohe Komorbidität (gemeinsames Auftreten von Erkrankungen) von PMS/PMDD mit affektiven Störungen (Stimmungsstörungen) [1, 2]
- Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung) – erhöhtes Risiko für Suizidgedanken (Gedanken an Selbsttötung), Suizidplanung (Planung einer Selbsttötung) und Suizidversuche (Versuche der Selbsttötung), insbesondere bei PMDD und moderat bis schwerer prämenstrueller Symptomatik (prämenstruelle Beschwerden) [3, 7]
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Perinatale Depression (Depression während der Schwangerschaft oder nach der Geburt) – prämenstruelle Störungen vor einer Schwangerschaft waren in einer schwedischen Registerstudie (Studie anhand von Gesundheitsregistern) deutlich mit perinataler Depression assoziiert; die Assoziation war bidirektional [4]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Vasomotorische Beschwerden (Hitzewallungen und Schweißausbrüche) in der Menopausentransition (Übergang in die Wechseljahre) – prämenstruelle Störungen waren mit einem erhöhten Risiko für moderate bis schwere bzw. persistierende Hitzewallungen (anhaltende Hitzewallungen) assoziiert [8]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Frühe natürliche Menopause (früh eintretende letzte Regelblutung) – prämenstruelle Störungen waren mit einem erhöhten Risiko einer frühen natürlichen Menopause vor dem 45. Lebensjahr assoziiert [8]
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Suizid/Tod durch Suizid (Selbsttötung) – bei klinisch diagnostizierten prämenstruellen Störungen war die suizidspezifische Mortalität (Sterblichkeit durch Selbsttötung) erhöht, besonders bei Diagnose vor dem 25. Lebensjahr [7]
- Unfälle – klinisch diagnostizierte prämenstruelle Störungen waren mit einem erhöhten nachfolgenden Risiko für unfallbedingte Verletzungen assoziiert, besonders in den ersten Jahren nach Diagnosestellung [6]
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Verletzungen infolge äußerer Ursachen – erhöhtes Nachfolgeverletzungsrisiko (Risiko für spätere Verletzungen) bei klinischer PMD-Indikation (medizinischer Hinweis auf prämenstruelle Störungen); die Assoziation bestand auch nach Berücksichtigung psychiatrischer Komorbiditäten (psychischer Begleiterkrankungen) [6]
Prognosefaktoren
- Diagnosealter unter 25 Jahren – ungünstiger Risikomarker für erhöhte Gesamtmortalität (Sterblichkeit insgesamt), suizidspezifische Mortalität und teilweise auch kardiovaskuläre Risiken (Herz-Kreislauf-Risiken) [5, 7]
- Perinatale Depression – bidirektionaler Risikokomplex (wechselseitiger Risikozusammenhang) mit prämenstruellen Störungen; relevant für Schwangerschaftsplanung, Wochenbett und längerfristige psychische Morbidität (Krankheitslast) [4]
- PMDD bzw. moderat bis schweres PMS/PMD – stärkere psychische Morbiditäts- und Suizidalitätslast (Belastung durch Selbsttötungsgefährdung) als bei milden PMS-Verläufen [1-3]
- Psychiatrische Komorbidität – Depression, Angststörungen, bipolare Störungen, ADHS und Persönlichkeitsstörungen erhöhen die klinische Relevanz und müssen differenzialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer Erkrankungen) berücksichtigt werden [1, 2]
- Evidenzlimitation (Begrenzung der wissenschaftlichen Aussagekraft) – viele Langzeitdaten betreffen klinisch diagnostizierte PMD oder PMDD; eine direkte Übertragung auf mildes PMS ist nur eingeschränkt zulässig [1, 4-8]
Literatur
- Zhou J, Muse Z, Bränn E et al.: Bidirectional Association Between Premenstrual Disorders and Psychiatric Disorders. JAMA Network Open. 2026;9(5):e2611765. doi: doi: 10.1001/jamanetworkopen.2026.11765.
- Bengi D, Strawbridge R, Drorian M, Juruena MF, Young AH, Frey BN, Yalin N: A systematic review and meta-analysis on the comorbidity of premenstrual dysphoric disorder or premenstrual syndrome with mood disorders: prevalence, clinical and neurobiological correlates. The British Journal of Psychiatry. 2025. doi: doi: 10.1192/bjp.2025.133.
- Prasad D, Wollenhaupt-Aguiar B, Kidd KN, de Azevedo Cardoso T, Frey BN: Suicidal Risk in Women with Premenstrual Syndrome and Premenstrual Dysphoric Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Women’s Health. 2021;30(12):1693-1707. doi: doi: 10.1089/jwh.2021.0185.
- Yang Q, Bränn E, Bertone-Johnson ER et al.: The bidirectional association between premenstrual disorders and perinatal depression: A nationwide register-based study from Sweden. PLOS Medicine. 2024;21(3):e1004363. doi: doi: 10.1371/journal.pmed.1004363.
- Yang Y, Bränn E, Zhou J et al.: Premenstrual disorders and risk of cardiovascular diseases. Nature Cardiovascular Research. 2025;4:1001-1010. doi: doi: 10.1038/s44161-025-00684-4.
- Yang Q, Sjölander A, Li Y et al.: Clinical indications of premenstrual disorders and subsequent risk of injury: a population-based cohort study in Sweden. BMC Medicine. 2021;19(1):119. doi: doi: 10.1186/s12916-021-01989-4.
- Opatowski M, Valdimarsdóttir UA, Oberg AS, Bertone-Johnson ER, Lu D: Mortality Risk Among Women With Premenstrual Disorders in Sweden. JAMA Network Open. 2024;7(5):e2413394. doi: doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.13394.
- Yang Y, Valdimarsdóttir UA, Manson JE et al.: Premenstrual Disorders, Timing of Menopause, and Severity of Vasomotor Symptoms. JAMA Network Open. 2023;6(9):e2334545. doi: doi: 10.1001/jamanetworkopen.2023.34545.
Leitlinien
- ACOG Clinical Practice Guideline No. 7: Management of Premenstrual Disorders. Obstetrics & Gynecology. 2023;142(6):1516-1533. doi: doi: 10.1097/AOG.0000000000005426.
- RCOG Green-top Guideline No. 48: Management of Premenstrual Syndrome. BJOG. 2017;124(3):e73-e105. doi: doi: 10.1111/1471-0528.14260.