Prämenstruelles Syndrom (PMS) – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – Müdigkeit, Leistungsminderung, Kopfschmerz, Schwindel und Reizbarkeit können PMS-ähnlich imponieren, insbesondere bei Hypermenorrhoe (zu starker Regelblutung)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) – Zyklusstörungen, Mastodynie (Brustschmerzen) und affektive Beschwerden (Stimmungsbeschwerden) können PMS vortäuschen
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – Müdigkeit, depressive Verstimmung, Gewichtszunahme, Kälteintoleranz und Zyklusstörungen als wichtige Ausschlussdiagnose
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – Nervosität, Schlafstörung, Palpitationen (Herzklopfen), Gewichtsverlust und Zyklusstörungen als PMS-Imitation

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Reizdarmsyndrom (funktionelle Darmerkrankung) – Blähungen, abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen), Obstipation (Verstopfung) bzw. Diarrhoe (Durchfall) können PMS-typische somatische Symptome (körperliche Beschwerden) imitieren

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörungen – innere Unruhe, Anspannung, Schlafstörung, vegetative Symptome (körperliche Stressreaktionen) und prämenstruelle Verstärkung möglich; Symptome bestehen häufig auch außerhalb der Lutealphase (zweite Zyklushälfte)
  • Bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung) – zyklusassoziierte affektive Labilität (Stimmungsschwankungen) kann depressive oder hypomane Episoden (leicht gehobene Krankheitsphasen) maskieren; vor antidepressiver Therapie (Behandlung mit Antidepressiva) besonders relevant
  • Depressive Störungen (Erkrankungen mit krankhaft gedrückter Stimmung) – wichtigste Differenzialdiagnose (Abgrenzungsdiagnose) bei affektiver PMS-Symptomatik (stimmungsbezogene PMS-Beschwerdelage); fehlende vollständige Remission (Rückbildung) nach Menstruationsbeginn spricht gegen isoliertes PMS
  • Menstruationsassoziierte Migräne (regelblutungsabhängige Migräne) – zyklusabhängige Kopfschmerzen mit Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit und Erschöpfung können PMS-Beschwerden dominieren oder imitieren
  • Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS/PMDD) (schwere psychische Form des prämenstruellen Syndroms) – schwere, funktionsbeeinträchtigende affektive prämenstruelle Symptomatik als Abgrenzung zum milderen PMS
  • Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (bewusstseins- oder stimmungsverändernde Stoffe) – Alkohol-, Cannabis-, Stimulanzien- oder Sedativakonsum (Beruhigungsmittelkonsum) bzw. Entzug kann Reizbarkeit, Schlafstörung, Angst und depressive Symptome verursachen

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – bei Unterbauchschmerzen, Blutung, Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung) oder positivem Schwangerschaftstest dringlich auszuschließen
  • Frühschwangerschaft – Brustspannen, Müdigkeit, Übelkeit, Stimmungsschwankungen und Ausbleiben der Blutung können PMS imitieren

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adenomyose (Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmuttermuskulatur) – zyklusabhängige Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), Hypermenorrhoe und Unterbauchschmerzen als somatische PMS-Imitation
  • Dysmenorrhoe – krampfartige Unterbauchschmerzen mit vegetativen Begleitsymptomen (körperlichen Begleitreaktionen), primär oder sekundär
  • Endometriose (gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter) – zyklusabhängige Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) und Fatigue (krankhafte Erschöpfung) als wichtige gynäkologische Differenzialdiagnose
  • Ovarialzyste (Eierstockzyste) – Unterbauchschmerz, Druckgefühl und Zyklusunregelmäßigkeiten können PMS-ähnlich imponieren
  • Perimenopausale Beschwerden (Beschwerden in der Übergangszeit zu den Wechseljahren) – Zyklusunregelmäßigkeiten, Schlafstörung, Reizbarkeit, depressive Verstimmung und vasomotorische Symptome (Hitzewallungen und Schweißausbrüche) können PMS überlagern
  • Zyklische Mastodynie (zyklusabhängige Brustschmerzen) – isoliertes zyklusabhängiges Brustspannen bzw. Brustschmerz ohne breites PMS-Symptommuster

Medikamente

  • Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – Schlafstörung, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung) als medikamentöse PMS-Imitation
  • Hormonelle Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel) bzw. Gestagene (Gelbkörperhormone) – depressive Verstimmung, Brustspannen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Blutungsstörungen können PMS-ähnlich sein
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer-Absetzsyndrom (Beschwerden nach Absetzen bestimmter Antidepressiva) – Reizbarkeit, Schwindel, Schlafstörung und affektive Symptome bei Dosisänderung oder Absetzen