Polymenorrhoe – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) – kann zu vermehrten oder unregelmäßigen uterinen Blutungen (Blutungen aus der Gebärmutter) führen; anamnestisch relevant bei Hämatomneigung (Neigung zu Blutergüssen), Petechien (punktförmigen Hautblutungen), Schleimhautblutungen (Blutungen an Schleimhäuten) oder auffälligem Blutbild.
  • Von-Willebrand-Syndrom (angeborene Blutgerinnungsstörung) – wichtigste hereditäre Blutungsneigung (erblich bedingte Blutungsneigung) bei abnormer uteriner Blutung (krankhafter Gebärmutterblutung); besonders zu berücksichtigen bei Menarche-beginnender Blutungsstörung (seit der ersten Regelblutung bestehender Blutungsstörung), starker Menstruation (starker Regelblutung), Epistaxis (Nasenbluten), Hämatomneigung oder positiver Familienanamnese (Krankengeschichte in der Familie).

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) – kann die hypothalamisch-hypophysär-ovarielle Achse (Regelkreis zwischen Zwischenhirn, Hirnanhangsdrüse und Eierstock) stören und Zyklusunregelmäßigkeiten (Unregelmäßigkeiten der Regelblutung) verursachen; hinweisend sind Galaktorrhoe (Milchfluss außerhalb der Stillzeit), Libidoverlust (vermindertes sexuelles Verlangen), Kopfschmerzen oder Gesichtsfeldausfälle (Ausfälle im Sichtfeld).
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – kann Zyklusfrequenz (Häufigkeit der Regelblutung) und Blutungsmuster verändern; klinisch relevant bei Gewichtsverlust, Tachykardie (Herzrasen), Tremor (Zittern), Wärmeintoleranz (Hitzeunverträglichkeit) oder Struma (Kropf).
  • Hypothalamisch-hypophysär-ovarielle Achsenstörung/ovulatorische Dysfunktion (Störung des Eisprungs) – zentrale funktionelle Ursache verkürzter, unregelmäßiger oder fehlkoordinierter Blutungsintervalle (Abstände zwischen Blutungen); besonders relevant in der Adoleszenz (Jugendalter), Perimenopause (Zeit vor der letzten Regelblutung), bei Stress, Gewichtsveränderung, Essstörung, intensiver körperlicher Belastung, chronischer Erkrankung oder nach Absetzen hormoneller Kontrazeption.
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – kann mit abnormer uteriner Blutung und Zyklusstörungen (Störungen des Monatszyklus) einhergehen; hinweisend sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteintoleranz (Kälteunverträglichkeit), Obstipation (Verstopfung) oder Bradykardie (verlangsamter Herzschlag).
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) (Syndrom mit vielen kleinen Eibläschen an den Eierstöcken) – häufiger Grund für ovulatorische Dysfunktion; typischerweise eher Oligomenorrhoe (zu seltene Regelblutung) oder irreguläre Blutungen (unregelmäßige Blutungen), kann aber klinisch als häufige Blutung fehlgedeutet werden, insbesondere bei unregelmäßigen Blutungsepisoden.
  • Primäre Ovarialinsuffizienz (vorzeitige Eierstockschwäche) – kann in der Übergangsphase mit irregulären oder verkürzten Blutungsintervallen auftreten; zu erwägen bei Alter < 40 Jahre, vasomotorischen Beschwerden (Hitzewallungen und Schweißausbrüche), Infertilität (Unfruchtbarkeit) oder erhöhtem FSH.

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Cervicitis (Gebärmutterhalsentzündung) – Blutungen können als Zwischenblutung (Blutung zwischen den Regelblutungen) oder postkoitale Blutung (Blutung nach Geschlechtsverkehr) auftreten und fälschlich als häufige Menstruation imponieren; typische Erreger sind Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae und Mycoplasma genitalium.
  • Chronische Endometritis (chronische Gebärmutterschleimhautentzündung) – kann persistierende Schmierblutungen (anhaltende leichte Blutungen), Zwischenblutungen oder Zyklusstörungen verursachen; differenzialdiagnostisch relevant bei Infertilität, Abortanamnese (Vorgeschichte mit Fehlgeburten), intrauterinen Eingriffen (Eingriffen in der Gebärmutter) oder intrauterinem Fremdkörper (Fremdkörper in der Gebärmutter).
  • Pelvic inflammatory disease (PID) (entzündliche Erkrankung des kleinen Beckens) – aufsteigende genitale Infektion (aufsteigende Infektion der Geschlechtsorgane) mit Unterbauchschmerz, Fluor (Ausfluss), Fieber, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) oder Portioschiebeschmerz (Schmerz beim Bewegen des Gebärmutterhalses); Blutungsstörungen können begleitend auftreten.

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) – wichtige Differenzialdiagnose bei Kontaktblutung (Blutung bei Berührung), postkoitaler Blutung, Fluor, auffälliger Portio (auffälligem Gebärmutterhals) oder pathologischer Zervixzytologie (auffälliger Zelluntersuchung des Gebärmutterhalses); Blutungen können als Polymenorrhoe fehlinterpretiert werden.
  • Endometriumhyperplasie (Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) – besonders relevant bei Anovulation (ausbleibendem Eisprung), Adipositas (Fettleibigkeit), Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS), unopponierter Östrogenwirkung (Östrogenwirkung ohne ausreichenden Gegenspieler) oder Perimenopause; typischerweise irreguläre oder prolongierte Blutungen (verlängerte Blutungen).
  • Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs) – bei prämenopausaler Patientin (Patientin vor der letzten Regelblutung) seltener, aber abklärungsbedürftig bei Risikofaktoren, persistierender abnormer uteriner Blutung, Adipositas, chronischer Anovulation oder Tamoxifenexposition.
  • Granulosazelltumor des Ovars (hormonbildender Eierstocktumor) – östrogenproduzierender Ovarialtumor (Eierstocktumor) mit irregulärer uteriner Blutung, Endometriumhyperplasie oder scheinbar verkürzten Blutungsintervallen.

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – essenzielle Ausschlussdiagnose bei Blutung im reproduktiven Alter (gebärfähigen Alter); hinweisend sind Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung), Unterbauchschmerz, einseitiger Adnexschmerz (einseitiger Schmerz im Bereich von Eileiter oder Eierstock), Synkope (Ohnmacht), Schulterspitzenschmerz oder positiver Schwangerschaftstest.
  • Frühabort (frühe Fehlgeburt) – vaginale Blutung (Blutung aus der Scheide) in der Frühschwangerschaft kann als vermeintlich vorgezogene Menstruation fehlgedeutet werden; abzugrenzen durch Schwangerschaftstest und Sonographie (Ultraschalluntersuchung).
  • Gestationsbedingte Trophoblasterkrankung (schwangerschaftsbedingte Erkrankung des Mutterkuchengewebes) – seltene, aber wichtige Ursache abnormer Blutungen nach Konzeption (Empfängnis); hinweisend sind stark erhöhtes HCG, vergrößerter Uterus (Gebärmutter), Hyperemesis (starkes Schwangerschaftserbrechen) oder auffälliger sonographischer Befund (auffälliger Ultraschallbefund).
  • Nidationsblutung (Einnistungsblutung) – kurze, leichte Blutung in der Frühschwangerschaft; keine echte Polymenorrhoe, aber klinisch häufige Verwechslung mit vorzeitig einsetzender Menstruation.

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adenomyose (Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmuttermuskulatur) – strukturelle Ursache abnormer uteriner Blutung, häufig mit Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), Hypermenorrhoe (zu starke Regelblutung) und vergrößertem, druckdolentem Uterus (druckschmerzhafter Gebärmutter); kann mit verkürzten Blutungsabständen verwechselt werden.
  • Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) – keine typische Ursache einer echten Polymenorrhoe, aber relevant bei prämenstruellem oder postmenstruellem Spotting (Schmierblutung vor oder nach der Regelblutung), Dysmenorrhoe, Dyspareunie, Dyschezie (Schmerzen beim Stuhlgang) oder chronischem Beckenschmerz.
  • Endometriumpolyp (Schleimhautpolyp der Gebärmutter) – häufige strukturelle Ursache für Zwischenblutungen, Spotting oder irreguläre uterine Blutung; kann als häufige Menstruation imponieren.
  • Follikelpersistenz (bestehenbleibendes Eibläschen) – funktionelle ovarielle Ursache (funktionelle vom Eierstock ausgehende Ursache) mit prolongierter Östrogenwirkung und gestörter Zykluskoordination (gestörter Abstimmung des Monatszyklus); klinisch möglich bei unregelmäßigen oder verkürzten Blutungsintervallen.
  • Lutealphaseninsuffizienz/relativer Progesteronmangel (Gelbkörperschwäche/relativer Mangel an Gelbkörperhormon) – funktionelle Ursache einer verkürzten zweiten Zyklushälfte mit prämenstruellem Spotting oder verkürztem Blutungsintervall; als Diagnose nur bei konsistenter Zyklusanamnese (passender Monatszyklus-Vorgeschichte) und passender hormoneller beziehungsweise ovulatorischer Konstellation (zum Eisprung passender Befundkonstellation) verwenden.
  • Ovulationsblutung (Eisprungblutung) – zyklische Mittelblutung um die Ovulation (Eisprung); keine echte Polymenorrhoe, aber häufige Differenzialdiagnose bei vermeintlich zu häufigen Blutungen.
  • Submuköses Leiomyom (Myom unter der Gebärmutterschleimhaut) – strukturelle Ursache abnormer uteriner Blutung; typisch sind verstärkte, verlängerte oder irreguläre Blutungen, abhängig von Lage und Kavumbeteiligung (Beteiligung der Gebärmutterhöhle).
  • Zervixpolyp (Polyp am Gebärmutterhals) – verursacht häufig Kontaktblutung, postkoitale Blutung oder Zwischenblutung und kann dadurch als Polymenorrhoe fehlgedeutet werden.

Medikamente

  • Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer – können uterine Blutungen verstärken oder Blutungsereignisse klinisch demaskieren; besonders relevant bei neu begonnener oder intensivierter Therapie.
  • Gestagenmonotherapie, Depot-Gestagene und Implantate – häufige iatrogene Ursache (durch medizinische Maßnahmen verursachte Ursache) von Spotting, Durchbruchblutungen (Blutungen trotz hormoneller Behandlung) und irregulären Blutungen; keine echte Polymenorrhoe, aber klinisch häufige Verwechslung.
  • Hormonelle Kontrazeption mit Einnahmefehlern oder Interaktionen – kann Durchbruchblutungen und verkürzte blutungsfreie Intervalle verursachen; zu prüfen sind Adhärenz (regelmäßige Anwendung), Erbrechen, Diarrhoe (Durchfall) und enzyminduzierende Medikamente.
  • Kupfer-Intrauterinpessar – kann Menstruationsstärke und Dysmenorrhoe verstärken; Zwischenblutungen sind insbesondere nach Einlage oder bei Fehllage differenzialdiagnostisch relevant.
  • Tamoxifen – kann Endometriumveränderungen und abnorme uterine Blutungen begünstigen; bei Blutungen ist eine gezielte endometriale Abklärung erforderlich.

Weiteres

  • Individuelle Normvariante – eine kurze Zyklusfrequenz kann im Einzelfall eine individuelle Normvariante sein, wenn das Muster seit Menarche beziehungsweise seit vielen Jahren stabil, ovulatorisch und nicht progredient (nicht fortschreitend) ist und keine Hypermenorrhoe, Zwischenblutungen, postkoitalen Blutungen, Anämiezeichen (Hinweisen auf Blutarmut), Schwangerschaft, Infektionszeichen (Hinweisen auf eine Infektion) oder Risikofaktoren für Endometriumhyperplasie beziehungsweise Malignität (Bösartigkeit) bestehen. Nach aktueller FIGO-Terminologie liegt die normale Zyklusfrequenz jedoch bei 24-38 Tagen; Blutungsintervalle < 24 Tagen sind daher zunächst als abnorme uterine Blutung mit häufiger Menstruation einzuordnen.